{"id":7669,"date":"2024-03-28T21:55:45","date_gmt":"2024-03-28T20:55:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=7669"},"modified":"2024-03-28T22:05:26","modified_gmt":"2024-03-28T21:05:26","slug":"abendmahl-unter-spannung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=7669","title":{"rendered":"Abendmahl unter Spannung"},"content":{"rendered":"<p>Ein Abendessen. Die ganze Passionsgeschichte spiegelt sich darin wider, mit aller Spannung: Liebe und Gemeinschaft, und: Verrat und Betrug. Die Sehnsucht nach einer anderen, nach Gottes, Welt. Und: Gleichzeitig die Angst, dass die Hoffnung entt\u00e4uscht wird und alles bald vorbei ist.<!--more--><\/p>\n<p><em><strong>Impuls zum Tischgespr\u00e4ch beim Tischabendmahl am Gr\u00fcndonnerstag. Haltern am See<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Bis heute bleibt das Abendmahl spanungsvoll: In ihm steckt der <strong>Zuspruch<\/strong> <strong>Gottes<\/strong> von Vergebung und Gnade \u2013 dem einfachen \u00d6ffnen der H\u00e4nde, die gef\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>Und im Abendmahl ist der <strong>Anspruch<\/strong>, dass wir als Jesu Nachfolgende \/ vom \u201eTisch des Herrn\u201c \/ die Liebe Gottes in die Welt tragen sollen.<\/p>\n<p>Wir wollen gemeinsam am Tisch \u00fcber einen weiteren Abendmahlstext nachdenken. \u00a0Auch er hat eine Spannung:<\/p>\n<p>Einige Jahrzehnte nach dem letzten Mal Jesu erinnert Apostel Paulus die Gemeinde in Korinth an das Abendmahl Jesu. Er erinnert daran, weil er vor Ort von einem Missstand geh\u00f6rt hat: Einige Gemeindeglieder versammeln sich schon, wenn andere noch auf dem Feld arbeiten, und schlagen sich den Bauch voll. Am Ende bleibt nicht f\u00fcr alle etwas \u00fcbrig, um satt zu werden.<\/p>\n<p><strong>1Kor 11,17ff.<\/strong><\/p>\n<p><em>17 Dies aber gebiete ich euch: Ich kann\u2019s nicht loben, dass ihr nicht zum Besseren, sondern zum Schlechteren zusammenkommt.\u200218 Zum Ersten h\u00f6re ich: Wenn ihr in der Gemeinde zusammenkommt, sind Spaltungen unter euch; und zum Teil glaube ich\u2019s.\u200219 Denn es m\u00fcssen ja Spaltungen unter euch sein, auf dass die unter euch offenbar werden, die bew\u00e4hrt sind.\u200220 Wenn ihr nun zusammenkommt, so h\u00e4lt man da nicht das Abendmahl des Herrn[2].\u200221 Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken.\u200222 Habt ihr denn nicht H\u00e4user, wo ihr essen und trinken k\u00f6nnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und besch\u00e4mt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht.\u200223 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten[3] ward, nahm er das Brot,\u200224 dankte und brach\u2019s und sprach: Das ist mein Leib f\u00fcr euch;[4] das tut zu meinem Ged\u00e4chtnis.\u200225 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund[5] in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Ged\u00e4chtnis.\u200226 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verk\u00fcndigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist also nicht beliebig zu sein, wie das Abendmahl im Gottesdienst die Gemeinschaft der Gemeinde pr\u00e4gt; auf welche Weise die Gemeinschaft mit Brot und Kelch auf unsere sozialen Beziehungen in Beruf und Familie abf\u00e4rbt.<\/p>\n<p>Paulus ist der Zusammenhang so wichtig, dass er sp\u00e4ter vorschl\u00e4gt, vorsichtshalber das Mahl nicht mehr zum Sattwerden zu feiern, wenn es mit der Solidarit\u00e4t nicht klappt \u2013 das ist der Anfang der Abendmahlstradition mit einem symbolischen St\u00fcck Brot und Schluck Wein oder Saft wie bei unserem Abendmahl auch an Karfreitag oder Ostern.<\/p>\n<p>Heute am Gr\u00fcndonnerstag ist es ein wenig mehr ein S\u00e4ttigungsmahl. Das weist auch in unserer Gemeinschaft deutlicher als sonst auf diesen Zusammenhang:<\/p>\n<p>Was konkret macht unsere Gemeinschaft aus, sakramental <em>und<\/em> sozial?<\/p>\n<p>Was erh\u00e4lt sie?<\/p>\n<p>Was gef\u00e4hrdet sie?<\/p>\n<p>F\u00fcr mich sind diese Fragen wieder brisanter geworden:<\/p>\n<p>Was ist mit den Rissen zwischen den Menschen \u2013 auch der christlichen Gemeinden -, die in der Corona-Pandemie eine andere Haltung hatten? Hat das Abendmahl und das sonstige Gemeindeleben eine so starke integrative Kraft, dass es diese Risse heilen kann? \u201eWir werden uns viel zu vergeben haben\u201c nach Corona? Ist uns das gelungen? Woran w\u00fcrden wir es selber merken?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: Was ist mit Menschen mit \u2013 aus meiner Sicht \u2013 unannehmbaren politischen Positionen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht nur die ostdeutschen Kirchen diskutieren: D\u00fcrfen Mitglieder der AfD im Kirchenvorstand oder Presbyterium mitarbeiten? Werden Konfis mit ausl\u00e4nderfeindlichen Haltungen konfirmiert?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es bleibt die geh\u00f6rige Spannung aus Korinth: Es soll sich im Abendmahl echte Solidarit\u00e4t untereinander ausdr\u00fccken. Es kann christlicherseits keine Rangfolge von Menschen geben, keine niedrigere oder h\u00f6here Menschen, wie es etwa v\u00f6lkisches Denken beinhaltet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleichzeitig versprechen unsere Sakramente \u2013 Abendmahl und Taufe \u2013 fundamental neues Leben und damit die Umkehrm\u00f6glichkeit des Menschen und die Vergebung durch Gott. Er l\u00e4dt uns ein, nicht wir verteilen die Tickets. Aber was, wenn Haltungen und Verhalten nicht zu diesem einladenden Gott passen?<\/p>\n<p>Paulus schreibt nach Korinth nicht, dass jemand nicht dazu geh\u00f6ren darf, sondern den von Jesus abgeleiteten Anspruch, <em>wie<\/em> die Gemeinschaft im Abendmahl wahrhaftiger wird.<\/p>\n<p>Ein letzter aktueller Gedanke zu dieser Spannung:<\/p>\n<p>Wo z\u00e4hlen wir uns eigentlich selber zu? Geh\u00f6ren wir zu denen im Haus, die schon \u2013 bestenfalls gedankenverloren \u2013 zu essen beginnen und andere vergessen? Wo es nicht mehr schmerzt, dass der Blick beim Abendmahl \u2013 und \u00fcberhaupt \u2013 nicht mehr zu denen geht, auf die wir warten sollten, um sie in unserer Mitte willkommen zu hei\u00dfen?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder kenne ich Menschen, die sich eher zu denen z\u00e4hlen, die die auf dem Feld noch arbeiten und nicht mehr genug zum Sattfinden vorfinden? \u2013 Ich habe zuletzt Menschen gesprochen, die sexuellen Missbrauch in den beiden Volkskirchen erlitten haben. Sie sind in der Gemeinschaft und im Glauben geblieben. Aber sie haben das Vertrauen verloren, dass die Kirche es mit ihren Sakramenten ernst nimmt, dass Reden und Handeln \u00fcbereinstimmen, dass sie noch Teil der wirklichen Gemeinschaft sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was macht unsere Gemeinschaft konkret aus?<\/p>\n<p>Was gef\u00e4hrdet sie?<\/p>\n<p>Was st\u00e4rkt sie?<\/p>\n<p>Ich habe Worte des Paulus auf dem Tisch verteilt. Aufzudecken gibt es einige konkrete Ermutigungen f\u00fcr unser Miteinander aus dem R\u00f6merbrief. Vielleicht finden wir in den Austausch \u00fcber diese Spannungen des Abendmahls: \u00fcber menschliche Solidarit\u00e4t und die sakramentale Gegenwart Jesu.<\/p>\n<p>Vorschlag: Mit dem Nachbarn kurz ins Gespr\u00e4ch kommen, ggf. mit den Impulsen auf den Zettel oder zu dem, was ich gesagt habe.<\/p>\n<p>Was macht unsere Gemeinschaft konkret aus?<\/p>\n<p>Was gef\u00e4hrdet sie?<\/p>\n<p>Was st\u00e4rkt sie?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Abendessen. Die ganze Passionsgeschichte spiegelt sich darin wider, mit aller Spannung: Liebe und Gemeinschaft, und: Verrat und Betrug. Die Sehnsucht nach einer anderen, nach Gottes, Welt. 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