{"id":7638,"date":"2023-12-09T12:36:08","date_gmt":"2023-12-09T11:36:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=7638"},"modified":"2023-12-09T12:36:08","modified_gmt":"2023-12-09T11:36:08","slug":"bleiben-sie-zuversichtlich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=7638","title":{"rendered":"Bleiben Sie zuversichtlich!"},"content":{"rendered":"<p>Bleiben Sie zuversichtlich! \/ Kommen Sie gut durch die Nacht! \/ Morgen ist ein neuer Tag! \/ Ihnen eine geruhsame Nacht! &#8211; Nachrichtensprecher*innen sprechen Nachrichten. Neutral, sachlich, unpers\u00f6nlich, egal worum es geht: Krieg, Flut, Bankenkrise.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Andacht Haus der Diakonie- August 2023<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch das hehrste informationelle Reinheitsverbot kann es nicht verhindern, dass sie sich am Ende der Sendung mit einem eigenen Satz verabschieden- und der in wenigen Silben etwas subjektives (und muss eben nicht so sachlich sein wie der Schlusssatz vom ZDF-heute-journal Frontmann Christian Sievers: \u201eDanke f\u00fcr Ihr Interesse\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kommen Sie gut durch die Nacht! (Thomas Roth)<\/p>\n<p>Morgen ist ein neuer Tag! (Tom Burow)<\/p>\n<p>Eine geruhsame Nacht (Ulrich Wickert)<\/p>\n<p>Oder Ingo Zamperoni:<\/p>\n<p>\u201eBleiben Sie zuversichtlich!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zamperoni hat sich nach eigener Auskunft diesen Satz nicht zurechtgelegt, sondern er ist ihm zulaufen. In einer seiner ersten Sendungen hatte er im Fr\u00fchjahr 2020 \u00fcber die Corona-Welle in Bergamo zu berichten mit zig Toten, auch in den USA schwollen Zahlen an. Wie wird es in Deutschland? Trotz das Gesundheitssystem dem Virus?<\/p>\n<p>\u201eBleiben Sie zuversichtlich\u201c, war sein kleiner Versuch, etwas zu w\u00fcnschen, so sagen, zu setzen, dass die Menschen nicht verzweifeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Wir kennen aus unserem Umfeld sicher auch solche S\u00e4tze:<\/p>\n<p>\u201eBleiben Sie gesund\u201c, schrieb die Fasi in der Pandemie.<\/p>\n<p>\u201eKomm gut durch!\u201c sagte die ehemalige Superintendent fast immer zum Abschied.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese S\u00e4tze sind nicht immer religi\u00f6s gemeint, aber sie signalisieren zum Abschied: Ich sage Dir noch etwas Gutes, mit dem Du dich aufmachst und weitergehst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Etwas gutes sagen, eulogeo, ist im neutestamtlichen Griechischen das Wort f\u00fcr Segen. Am Endes des Gottesdienstes steht der Segen, das Gute zum Weitergeben und Weitergehen, denn am Sonntag gehen wir damit in die neue Woche (und es geh\u00f6rt zum 1&#215;1 des Pfarrberufs: der Segen ist das letzte, das wirklich letzte, das ich im Gottesdienst sage; die Kollektenansage, die Einladung zum Kirchencafe, der Dank an den Organisten, ein informelles \u201edann einen sch\u00f6nen Sonntag\u201c: das muss alles vorher kommen!)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ingo Zamperoni w\u00fcrde ja auch nicht sagen: \u201eBleiben Sie zu versichtlich.\u201c Und dann noch: \u201eUnd wenn Sie dann gleich den Fernseher ausmachen, kommen Sie gut die Treppe hoch und dann machen Sie sich nicht so viel Gedanken, wenn sie im Bett liegen und nicht einschlafen k\u00f6nnen \u2026)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der finishing move (wie es im Fernsehen hei\u00dft) ist wirklich der Schlusspunkt: Was dort gesagt hat, hat etwas so Pers\u00f6nliches, etwas\u00a0 etwas Nicht-Diskutierbares, weil es ein Wunsch, eine Zuwendung, eben ein Segen ist, den man einfach mitnimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Kirchenbank am Ende des Gottesdienst sitzend, h\u00f6rte ich, wie eine Reihe vorher ein Konfirmant den anderen anraunte: \u201eMaul halten, jetzt kommt der Segen!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus beendet seine Briefe in der Regel auch mit klassischen, wiederholten Schlusss\u00e4tzen. Diese finishing moves haben sich bis heute in die Gottesdienste gerettet:<\/p>\n<p>Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.\u201c (2Kor 13) \u2013 Das ist der sogenannte Kanzelgru\u00df. Der letzte Satz des 2Kor. Schlusss\u00e4tze scheinen also eine gewisse Haltbarkeit zu haben, wenn sie gut sind \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re oder ist eigentlich mein Satz, also der finishing move, in dem sich etwas von mir pers\u00f6nlich, von meiner Haltung ausdr\u00fcckt und das jeder \u201eabbekommt\u201c, egal ob er mich vorher erfreut und ge\u00e4rgert hat?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wird so ein Satz als Segen aufgefasst? Kann ein solcher Schlusssatz die Kraft haben, den Weg des anderen zu begleiten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt: Dr\u00fcckt sich bei mir \/ bei uns so selbstverst\u00e4ndlich wie bei Roth, Wickert, Zamperoni Zuversicht und Vertrauen aus? Wir klagen und seufzen ja doch recht oft \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich jetzt \u201eAmen\u201c ist das eher wenig individuell und auch etwas einfallslos. Aber es ist eigentlich auch ein kompletter Schlusssatz, der auch einen Wunsch ausdr\u00fcckt, dass wir gemeinsam diese Gedanken geteilt haben und in diesen Gedanken beieinander bleiben, wenn sich unsere Wege gleich trennen. Amen. So sei es.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bleiben Sie zuversichtlich! \/ Kommen Sie gut durch die Nacht! \/ Morgen ist ein neuer Tag! \/ Ihnen eine geruhsame Nacht! &#8211; Nachrichtensprecher*innen sprechen Nachrichten. 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