{"id":7634,"date":"2023-12-09T12:33:33","date_gmt":"2023-12-09T11:33:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=7634"},"modified":"2023-12-09T12:34:02","modified_gmt":"2023-12-09T11:34:02","slug":"7634","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=7634","title":{"rendered":"Dann geht der Mensch an die Arbeit"},"content":{"rendered":"<p><em>Dann geht der Mensch hinaus \/ <\/em><em>an seine Arbeit und an sein Werk \/ <\/em><em>bis an den Abend. (Psalm 103,23): <\/em>Wirklichkeit oder Utopie? Der Herzschlag unserer Gesellschaft ist Arbeit. Genauer: die Erwerbsarbeit. \u201eWir\u201c definieren uns dar\u00fcber: Was oder wo arbeitest du? \u201eWir\u201c ern\u00e4hren damit uns und unsere Familien.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Impuls zur Er\u00f6ffnung des neuen Standorts der Umweltwerkstatt Datteln (2023)<\/strong><\/p>\n<p>Aber wer ist das \u201eWir\u201c? \u2013 Auch in Zeiten des Arbeitskr\u00e4fte-Mangels gibt es Menschen, die aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden nicht oder nur schwer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fu\u00df fassen. Sie sind in der herk\u00f6mmlichen Sicht \u201eraus\u201c, und damit jenseits der Welt, \u00fcber die sich alle anderen definieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier aber nicht! Hier, sinnbildlich in diese Halle, gehen auch Menschen ohne Arbeit an \u201eihre Arbeit und ihr Werk\u201c: Sie bekommen Besch\u00e4ftigung und Qualifizierung angeboten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist eine <em>Wirklichkeit<\/em>. Das ist Sozialgesetz. Dass wir es als Diakonie so anbieten, hat aber auch mit dem biblischen Verst\u00e4ndnis vom Arbeit und vom Menschen zu tun:<\/p>\n<ol>\n<li>(eine schlichte, aber wichtige Selbstverst\u00e4ndlichkeit:)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Es handelt sich bei Arbeitssuchenden um Menschen. Im biblischen Sch\u00f6pfungsbericht ist Gott selber werkt\u00e4tig und schafft \u2013 \u00fcbrigens allein durch sein Wort. Gott \u00fcbertr\u00e4gt den Auftrag, die Erde zu bebauen und bewahren an den Menschen. <em>Das<\/em> unterscheidet den Menschen von allen anderen Gesch\u00f6pfen \u2013 nicht dass er die Krone der Sch\u00f6pfung w\u00e4re in dem Sinne, dass er die Sch\u00f6pfung pl\u00fcndern und <u>be<\/u>herrschen d\u00fcrfte, sondern: Der Mensch hat F\u00e4higkeiten und Freiheiten, mit seiner Arbeit etwas zu schaffen, zu bebauen und bewahren. So Psalm 104:<em> Wenn aber die Sonne aufgeht, legen sich die Tiere in ihren H\u00f6hlen. Dann geht der Mensch hinaus an seine Arbeit. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Zum Wesen des Menschen geh\u00f6rt die Arbeit. Arbeitsf\u00f6rderung hei\u00dft: Menschen zu dem zu bringen, was sie ausmacht und teilhaben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von der Sch\u00f6pfung her gedacht ist Arbeit weit mehr als der gottgef\u00e4llige Priesterdienst und mehr als die postmoderne Erwerbsarbeit. \u00dcberall dort, wo der Mensch sch\u00f6pferisch t\u00e4tig ist, ist Arbeit: in den Familien, ehrenamtlich im Verein &#8211; oder um im Bild der Sch\u00f6pfung zu bleiben \u2013 bei der Gartenarbeit \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>biblische Grundlegung: <strong>Arbeit macht M\u00fche (\u201eM\u00fchsal\u201c):<\/strong> \u201eIm Schwei\u00dfe deines Angesichtes sollst du dein Brot essen\u201c (1. Mose 3,17-19), hei\u00dft es im 2. Sch\u00f6pfungsbericht, nicht als Strafe an sich, sondern als logische Folge der Vertreibung aus dem Paradies.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Protestant kann ich mich kaum unserer Tradition entziehen, dass das Leben am Ende \u2013 \u201ewenn\u2019s k\u00f6stlich gewesen ist, M\u00fch und Arbeit gewesen ist\u201c (Psalm 90).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher lebe ich aber auch mit der Annahme, dass viele, die es nicht k\u00f6nnen, arbeiten <em>wollen<\/em>, selbst wenn es M\u00fche macht. Wie schlimm, dass in der Debatte ums B\u00fcrgergeld sich wieder das allgemeine Misstrauen festsetzte, dass der der Mensch morgens lieber liegen bleibt als arbeiten zu gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selbst wenn der Fallmanager im Jobcenters unterschiedliche Erfahrungen macht und die Anleiterin in der UW hin und wieder entt\u00e4uscht wird: Letztlich geht es um die Kunst, immer wieder neu und jeden Tag Zutrauen in jeden einzelnen Menschen zu setzen und ihn zu f\u00f6rdern. Insofern tut auch der Sozialstaat auch gut daran, Arbeit statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Wegen unseres Menschenbildes haben wir als Kirche und Diakonie den Vestischen Appell miterneuert und wissen ein breites gesellschaftliches B\u00fcndnis an unserer Seite.<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>biblische Grundlegung: <strong>Arbeit ist ein Dienst.<\/strong> Es arbeiten hier f\u00fcr die Diakonie viele Menschen, deren Aufgabe es ist, Ma\u00dfnahmeteilnehmende zu begleiten: ihnen \u2013 hoffentlich arbeitsmarktnahe \u2013 Arbeitsschritte beizubringen. Aber eben sie so zu st\u00e4rken, dass pers\u00f6nliche Hemmnisse geringer werden, Arbeit zu finden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Erwerbsarbeit unserer MA ist ein diakonischer Dienst: Sie stehen an der Seite von Menschen, die im herk\u00f6mmlichen Blick \u201eau\u00dfen vor\u201c sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insofern ist das Psalmwort \u201eDann geht der Mensch hinaus \/ an seine Arbeit und an sein Werk \/ bis an den Abend\u201c nicht nur eine <em>Wirklichkeit<\/em> an diesem Ort, weil wir hier mit Partnern und Kostentr\u00e4gern zusammen Besch\u00e4ftigung schaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sondern das Wort ist auch im besten Sinne eine Utopie, an der wir durch den Dienst unserer Mitarbeitenden festhalten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Behaltet einen wachen Blick daf\u00fcr, wie wir in unserer Gesellschaft \u201eArbeit\u201c definieren und wom\u00f6glich auch verengen, und wie wir Arbeit gerechter organisieren k\u00f6nnen!<\/li>\n<li>Achtet (auch wenn es hier um Erwerbsarbeit geht) die M\u00fche von Menschen in den Familien und \u2013 unbezahlt \u2013 im Gemeinwesen!<\/li>\n<li>Tut was daf\u00fcr, dass gesundheitliche und private Sorgen (\u201eVermittlungshemmnisse\u201c) nicht dauerhaft von Erwerbsarbeit ausschlie\u00dfen.<\/li>\n<li>Glaubt an die Gesch\u00f6pflichkeit und Schaffenskraft des Menschen: Jede und jeder kann etwas!<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier in dieser Halle m\u00f6gen uns beides \u00fcber den Weg laufen: dass es schon so ist und sich viele um die n\u00e4chsten Schritte m\u00fchen: dass n\u00e4mlich \u201eder Mensch hinausgeht an seine Arbeit und an sein Werk \/ bis an den Abend\u201c \u2013 oder wann auch immer hier (nicht nach den biblischen Vorstellungen, sondern) nach den heutigen Arbeitszeitgesetzen Feierabend ist. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dann geht der Mensch hinaus \/ an seine Arbeit und an sein Werk \/ bis an den Abend. (Psalm 103,23): Wirklichkeit oder Utopie? Der Herzschlag unserer Gesellschaft ist Arbeit. Genauer: die Erwerbsarbeit. \u201eWir\u201c definieren uns dar\u00fcber: Was oder wo arbeitest du? \u201eWir\u201c ern\u00e4hren damit uns und unsere Familien.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":7635,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[29,5],"tags":[],"class_list":["post-7634","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-diakonisch","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7634"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7634\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7637,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7634\/revisions\/7637"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/7635"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}