{"id":6558,"date":"2021-03-11T13:37:23","date_gmt":"2021-03-11T12:37:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6558"},"modified":"2021-03-11T13:40:43","modified_gmt":"2021-03-11T12:40:43","slug":"miteinander-strategisch-mittendrin-zukunft-von-kirche-und-diakonie-im-kirchenkreis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6558","title":{"rendered":"miteinander \u2013 strategisch \u2013 mittendrin: Zukunft von Kirche und Diakonie im Kirchenkreis"},"content":{"rendered":"<p>Hat die Kirche in der Corona-Krise \u201equalifiziert geschwiegen\u201c (Sozialethiker Ulrich K\u00f6rtner)? \u201eMeine\u201c Kirche hat vor allem \u201equalifiziert <em>gehandelt<\/em>\u201c: Denn die Kolleginnen und Kollegen der Diakonie waren \u201e24\/7\u201c da, in Altenheimen, Wohnformen, Werkst\u00e4tten, Beratungsstellen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>\u201emiteinander \u2013 strategisch \u2013 mittendrin: Zukunft von Kirche und Diakonie im Kirchenkreis\u201c, Impuls auf der Tagung der fakt, 11. M\u00e4rz 2021<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Unterschiedliche Systeme ins Cross Over bringen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Damit sind wir in einer 175 Jahre alte Debatte, n\u00e4mlich wie wir \u201eDiakonie\u201c mitmeinen, wenn wir von \u201eKirche\u201c sprechen. Klassisch und richtigerweise geh\u00f6ren verfasste Kirche und verfasste Diakonie unterschiedlichen Systemen an, schon systemtheoretisch bei Luhmann.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die verfasste Kirche ist mitgliedschaftsorientiert (theologisch begr\u00fcndet in der Taufe, strukturell durch das Ortsprinzip). Die verfasste Diakonie hingegen ist keine Glaubensgemeinschaft<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, sondern eine Dienstgemeinschaft von zumeist Hauptamtlichen, die nicht mehr alle zwingend getaufte Christ*innen sind und sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die \u201eDiakonie\u201c als Wohlfahrtsverband steht in einer \u201edoppelten Loyalit\u00e4t\u201c (Herbert Lindner<em>) <\/em>zwischen verfasster Kirche und Sozialstaat. Sie partizipiert am kirchlichen Selbstbestimmungsrecht nach dem Grundgesetz, k\u00f6nnte zur Not als Sozialverband auch ohne Verbindung zur verfassten Kirche bestehen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Auch ben\u00f6tigt sie zuweilen zur eigenen Profilierung noch mehr Emanzipation von der verfassten Kirche.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Gerade in der Pandemie hilft sektoriell getrenntes Denken aber nicht weiter. In und nach der Corona-Krise hilft uns \u2013 wie im Tagungstitel angelegt \u2013 das strategische Miteinander.<\/p>\n<p>Die jeweilige St\u00e4rke besser und selbstverst\u00e4ndlicher aufeinander zu beziehen, w\u00e4re die Antwort auf die kritischen Fragen gewesen, wo Kirche in der Coronakrise stand und steht. In meinen Augen ist es ein Vers\u00e4umnis der Amtskirche in der Pandemie: H\u00e4tte sie selbstbewusster verfasste Diakonie mit im Munde gef\u00fchrt, stimmte der Vorwurf nicht, dass \u201edie Kirche\u201c nicht bei den Menschen gewesen w\u00e4re. Stattdessen wurden fehlende Systemrelevanz und weiterer Relevanzverlust beklagt oder trotzig die kreativen Aufbr\u00fcche in Ortsgemeinden beschworen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Beides birgt Kr\u00e4nkungspotential.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten es noch mehr mit einer Art \u201eCross-Over\u201c versuchen, wie man es in der Musik kennt: zwei Stilistiken aufeinander beziehen und einen neuen \u2013 vielleicht auch verfremdeten \u2013 Klang schaffen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie hat sich denn (gerade zur Corona-Zeit) die Diakonizit\u00e4t der Kirche in der Ortsgemeinde neu gezeigt, als keine Gottesdienste stattfanden, aber Hilfenetzwerke wuchsen mit kreativen Wegen zu den Menschen?<\/li>\n<li>Und umgekehrt: Wie schmerzhaft sind gerade auch in diakonischen Einrichtungen Gottesdienst und Seelsorge als wichtige kirchliche Grundfunktionen eingeschr\u00e4nkt gewesen oder weggefallen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Oder: Man k\u00f6nnte auf bei aller Eigenlogiken beider Systeme auf die Scharniere schauen \u2013 und hier w\u00e4re ich bei den gemischten Teams, zun\u00e4chst ungeachtet der satzungs- und kirchenrechtlichen Verankerung (Malte Graf von Westarp im Anschluss).<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>\u201eGemischte Teams\u201c &amp; Begegnungsorte<\/strong><a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich spreche ich hier nicht \u00fcber ein gemischtes Teams aus Kauffrau und Theologen innerhalb eines DW, sondern \u00fcber das Zusammenspiel von verfasster Diakonie und verfasster Kirche. Mindestens zwei Sonderheiten:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich bin in meiner Person schon ein gemischtes Team: Kreispfarrer mit aller dienstrechtlichen kirchlichen Einbindung (Ordination\/Kirchenordnung etc.) und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer mit allen Anspr\u00fcchen des Handels- und Gesellschaftsrechts.<\/li>\n<li>Das \u201egemischte Team\u201c von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Superintendentin bei uns ist ein Team von Leitung und Aufsicht (auf Diakonie-Seite) und Pfarrstelleninhaber und direkter Dienstvorgesetze (auf Kirchen-Seite) \u2013 insofern ist es kein Team \u201eauf Augenh\u00f6he\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wo liegen gemeinsame Interesse und Handlungsfelder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>F\u00f6rderung der diakonischen Arbeit der Kirchengemeinden im Sozialraum<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Gerade regionale Diakonische Werke haben den Auftrag wie die St\u00e4rke, vor Ort in das jeweilige Gemeinwesen mit seinen politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren eingebunden zu sein: Einrichtungen befinden sich den Stadtteilen und Quartieren, in denen die Kirchengemeinden ihre Gemeindebezirke haben. Pfarrerinnen und Pfarrer und die Leitungsgremien der Gemeinden kennen die soziale Situation der Menschen. Daraus k\u00f6nnen idealtypisch sehr passgenau Bedarfe der Menschen abgeleitet und neue diakonische Angebote entwickelt werden.<\/p>\n<p>Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Gespeist von Kollektenmittel schreiben Kirchenkreis und Diakonie in Recklinghausen einen j\u00e4hrlichen \u201eDiakoniepreis\u201c aus, auf den sich Kirchengemeinden mit gemeindediakonischen Projekten (Bildungs-, Jugend-, Frauen-, Fl\u00fcchtlingsarbeit) bewerben k\u00f6nnen. Diese Projekte gewinnen \u00d6ffentlichkeit. Es geht oft nicht um ein Mehr an Aufgaben, sondern eher um eine neue Darstellung und Bewusstmachung, dass schon Gemeinden diakonisch t\u00e4tig sind.<\/li>\n<li>Gemeinsame geb\u00e4udliche Nutzungen schaffen (\u201eDiakoniestation im Gemeindehaus\u201c, \u201eFr\u00fchf\u00f6rderstelle neben dem kirchlichen Kindergarten\u201c, \u201eVesperkirche\u201c)<\/li>\n<li>Neuentdeckung des Amtes der Diakonin\/des Diakons: In Gemeinden der Ev. Kirche von Westfalen entstehen derzeit \u201einterprofessionelle Teams\u201c aus Pfarrpersonen und Diakoninnen\/Diakonen, um aus unterschiedlichen Professionen heraus Gemeindearbeit neu zu profilieren. Dadurch entsteht ein neues diakonisches Profil der Gemeinden, gerade auch durch T\u00e4tigkeiten, die paradoxerweise lange Jahre pfarramtlich besetzt waren (Jugend- und Konfirmand*innenarbeit, Besuchsdienste, Kasualien). F\u00fcr die verfasste Diakonie entsteht ein neuer Ankn\u00fcpfungspunkt z.B. f\u00fcr Jugend- und Familienhilfe und ambulanten Altenpflege.<\/li>\n<\/ul>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Verkn\u00fcpfung von Diakonie und synodalen Dienste auf Kirchenkreisebene<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Als Diakoniepfarrer bin ich eingebunden in die Dienstekonferenz des Kirchenkreises, die alle Bildungsbereiche (Kita-Verband, Jugendreferat, Schulreferat, Erwachsenenbildung) und Seelsorgebereiche (u.a. den Ambulanten Hospizdienst und eine Projektstelle f\u00fcr quartiersbezogene Seelsorge an alten Menschen) umfasst. Inhaltliche Scharnierstellen liegen auf der Hand, eine strukturelle Ungleichheit soll aber gleich mitgenannt werden.<\/p>\n<p>Folgende kleine Anekdote: Ein gemeinsames Druckerzeugnis sollte alle synodalen Dienste auff\u00fchren, \u201edie Diakonie\u201c gleichumf\u00e4nglich wie z.B. das Umweltreferat. Trage ich also mit einer Selbstbeschreibung des Diakonischen Werkes in einem solchen Leporello eher zur Pr\u00e4senz Diakonie im Bereich des Kirchlichen bei \u2013 oder zur ungewollten Selbstverzwergung? Faktisch kann ich das DW nicht mit drei S\u00e4tzen vorstellen.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zur Ehrlichkeit des Verh\u00e4ltnisses von Kirche und Diakonie dazu, dass Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnisse, Strukturtiefe und wahrscheinlich auch gesellschaftliche Relevanz und Sichtbarkeit sich in den letzten Jahrzehnten vertauscht haben. \u00dcberheblichkeit auf der einen wie Neid auf der anderen Seite sind nicht f\u00f6rderlich, aber immer eine Gefahr.<\/p>\n<p>Dennoch steht die Diakonie selbstverst\u00e4ndlich auf dem Leporello. Es geht um den gemeinsamen Resonanzraum:<\/p>\n<ul>\n<li>Gemeinsames FSJ-Referat<\/li>\n<li>Beheimatung des Ambulanten Hospizdienstes in einem der diakonischen Altenheim beheimatet.<\/li>\n<li>eine gemeinsame Stiftung f\u00fcr Kirche<em> und Diakonie<\/em>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gemischte Teams bestehen aus vielen Allianzen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong>Gesellschaftspolitisches Mandat und anwaltschaftliche Vertretung <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Konkret zu den gemischten Leitungen: Superintendentin und Diakonie-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung setzen gesellschaftspolitische Impulse \u2013 ob sie wollen oder nicht. Sie tun dies aus unterschiedlichen Systemen heraus, und k\u00f6nnen hier geschickt ihre unterschiedlichen Rollen ausspielen. Denn beide Systeme kennen Spagate, die ihre gemeinsame Glaubw\u00fcrdigkeit schm\u00e4lern oder f\u00f6rdern k\u00f6nnen (die verfasste Diakonie: den Spagat, zwischen anwaltschaftlicher Vertretung und unternehmerischen Interessen; die verfasste Kirche: zwischen profilierter gesellschaftspolitischer Stellungnahme und volkskirchliche Grundakzeptanz).<\/p>\n<p>Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Kirchliche Positionen in der \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c (2015) finden Akzeptanz, weil beide Systeme zur Arbeit mit Fl\u00fcchtlingen bereit waren.<\/li>\n<li>Pflegepolitik oder Armutslagen kritisieren kann die Kirche anders, wenn ihr eigener Sozialverband selber als Tr\u00e4ger fungiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insofern begegnet eine Superintendentin dem B\u00fcrgermeister in einer anderen Rolle (z.B. \u00d6kumene) als ein Diakonie-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer (z.B. Wohlfahrt<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>). Andererseits wird \u00f6ffentlich aber genau wahrgenommen, wenn z.B. der Rat der EKD und der Diakonie-Pr\u00e4sident in einer so wichtigen ethischen Frage wie der Suizidassistenz so unterschiedliche Positionen pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong>Darstellung und Unterst\u00fctzung der Kirchlichkeit der Diakonie <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Eine wesentliche Scharnierstelle: alles, was die Kirchlichkeit der verfassten Diakonie unterstreicht. Mit der ver\u00e4nderten Loyalit\u00e4tsrichtlinie von 2016 wandert die Verantwortung f\u00fcr die evangelische Pr\u00e4gung \u2013 berechtigterweise \u2013 weg vom einzelnen Mitarbeitenden zu den kirchlichen bzw. diakonischen Tr\u00e4gern selbst. Da wartet eine Aufgabe besonders auf die diakonischen Tr\u00e4ger, v.a. auch vor dem Hintergrund einer konfessionell pluraler werdender Mitarbeitendenschaft.<\/p>\n<ul>\n<li>Pr\u00e4senz in Leitungskonferenzen<\/li>\n<li>Mitpr\u00e4gung der kirchlichen Kultur (Mitarbeitendengottesdiensten, ggf. Jubil\u00e4en, Verabschiedungen, Fortbildungen)<\/li>\n<li>Die gemischten Teams k\u00f6nnen gemeinsame Aktionen aufnehmen (wie z.B. \u201eT\u00fcren der Gerechtigkeit\u201c zum Reformationsjubil\u00e4um).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die verfasste Kirche hat strukturell Verantwortung zu \u00fcbernehmen, wo ein diakonischer Tr\u00e4ger die Kirchlichkeit nicht alleine erweisen kann (z.B. in der Altenheimseelsorge oder Seelsorge an Menschen mit Behinderung).<\/p>\n<p>Kirchliche Finanzierung von diakonischen Diensten, die keine ausk\u00f6mmliche Kostentr\u00e4gerstruktur aufweisen, aber als unverzichtbare \u201ekirchliche\u201c Aufgabe gelten (z.B. Beratungsangebote).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>\u201eDiakonie\u201c und \u201eKirche\u201c geh\u00f6ren zusammen \u2013 aber wie? \u2013 Herausforderung an unser Kirchenbild<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie funktionieren wir als Teams? Die Antwort h\u00e4ngt meiner Einsch\u00e4tzung nach vor allem davon ab, welches Bild von Kirche uns theologisch leitet. Welche Ekklesiologie eignet sich f\u00fcr die Grundannahme, dass Kirche und Diakonie aufeinander bezogen sind?<\/p>\n<p>Kirche sollte \u00f6ffentliche Kirche sein, mit einer starken akklamatorischen Funktion, f\u00fcr andere und mit anderen zu sprechen und zu beten und sich als zivilgesellschaftlicher Akteur einzubringen. Kirche d\u00fcrfte dann nicht in eine (nur noch funktionale) Servicekirche oder (nur noch privatistische) Sekte kippen (Wolfgang Huber in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer: Kirche zwischen Arkandisziplin und Boulevard).<\/p>\n<p>Kirche w\u00e4re zu denken als stark vor Ort, aber nicht vorrangig als vereinshafte Gruppen- und Gemeindehaus-Kirche, sondern mit ge\u00f6ffneten T\u00fcren ins Sozialquartier, im Netzwerk mit allerlei gesellschaftlichen Akteuren, auch der verfassten Diakonie.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Kirche w\u00e4re nicht mehr nur Ortskirche, sondern ein Netzwerk kirchlicher Orte (Uta Pohl-Patalong), und Altenheime, Behindertenwerkst\u00e4tten, Wohnformen w\u00e4ren solche kirchlichen Orte<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>,gleichrangig im Bewusstsein verankert wie Kirchen, Gemeindeh\u00e4user, Kinderg\u00e4rten.<\/p>\n<p>Ich ende daher konkret mit einem inneren Bild: Ich m\u00f6chte gerne mal die digitale Landkarte unseres Kreises Recklinghausen sehen, in die wir verfasst-kirchliche und verfasst-diakonischen Orte unserer Sozialquartiere verzeichnet haben, die dort zug\u00e4nglichen Leistungen beschrieben und personelle Verantwortlichkeiten aufeinander bez\u00f6gen h\u00e4tten. Wir miteinander \u2013 strategisch \u2013 mittendrin \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Hauschildt\/Pohl-Patalong, Kirche, G\u00fctersloh 2010, 130f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u201eEine Dienstgemeinschaft muss keine Glaubensgemeinschaft sein: aber sie muss sich auf Dienstfragen als Glaubensfragen ansprechen lassen. In diesem Sinne muss Diakonie Kirche bei Gelegenheit sein.\u201c (Moos, Kirche bei Gelegenheit, Zeitschrift Ev. Kirchenrecht 58, 274.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u201eDie Eigenst\u00e4ndigkeit der Diakonie in der Gestalt ihrer eigenen Angelegenheiten ist aus dem Selbstbestimmungsrecht der Kirche abgeleitet und ohne dieses Selbstbestimmungsrecht nicht zu begr\u00fcnden. Aber die Diakonie k\u00f6nnte auch ohne Verbindung mit der Kirche als Sozialverband unter anderen agieren; leistungsf\u00e4hige diakonische Unternehmen sind f\u00fcr ihre Wachstumsstrategie nicht auf die organisatorische Verbindung mit der Kirche angewiesen.\u201c (Wolfgang Huber, Diakonie und Kirche, in: Fachtag Diakonie und Kirche \u2013 gemeinsam auf dem Weg, 14.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Rainer Anselm: Kostentr\u00e4gerorientierung, unternehmerische Marktorientiertung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Heike Springhart, Wer redet, wenn \u201edie Kirche\u201c redet?, Zeitzeichen 8\/2020, <a href=\"https:\/\/zeitzeichen.net\/node\/8358\">https:\/\/zeitzeichen.net\/node\/8358<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> In dieser Pandemie haben Politik und Wissenschaft eine dominierende Rolle gegen\u00fcber <em>allen<\/em> zivilgesellschaftlichen Bewegungen und Meinungsbildungsprozessen eingenommen. Nicht nur kirchliches Gemeindeleben findet eingeschr\u00e4nkt statt. Gleichzeitig kommen Kirchengemeinden \u2013 st\u00e4rker als gr\u00f6\u00dfere diakonische Einrichtungen \u2013 an strukturelle und organisatorische Grenzen. Somit ist der Vorwurf Heribert Prantls, \u201edie Kirchen\u201c h\u00e4tten sich mehr um Infektionsschutzkonzepte als mit der Bibel besch\u00e4ftigt, ebenso richtig wie ungerecht.( Heribert Prantl, Was war mit Glaube, Hoffnung, Liebe, SZ 7. August 2020.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Wohlwissend wie unterschiedlich bereits in unserem Landesverband, der Diakonie RWL, mit drei evangelischen Landeskirchen, die Strukturen f\u00fcr theologische Leitungen in der kreiskirchlichen Diakonie sind.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ich blicke auf eine spezifische westdeutsche Situation mit einer wom\u00f6glich typischen Entwicklung in den letzten Jahrzehnten: Die Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen wurde 1965 als Synodalverband aus einer Kreissynode heraus gegr\u00fcndet, also als eine Einbettung von organisatorisch eigenst\u00e4ndigen diakonischen Dienste und Einrichtungen der Kirchengemeinden. Seit 1974 als Diakonisches Werk in Vereinsform fortgef\u00fchrt, entstanden dann eigene Einrichtungen direkt auf Kirchenkreisebene. Das DW entwickelte eine multiprofessionelle F\u00fchrungsstruktur, zwischenzeitlich sogar mit einem Dreifach-Vorstand aus einem Theologen, Kaufmann und Sozialarbeiter. Anfang der 2000er-Jahre dann entstand eine Holding-Struktur mit heute acht (g)GmbHs, einer doppelten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung (Theologe \u2013 weiterhin als Diakoniepfarrer &#8211; und Kauffrau) mit klarer Trennung von Aufsicht und Leitung nach dem Diakonischem Corporate Governance Codex. Seit f\u00fcnf Jahren gibt es zudem einen Dachverein, der das benachbarte DW einschlie\u00dft und das gemeinsame regionale Diakonische Werk f\u00fcr zwei Kirchenkreise bildet. (Zur historischen Entwicklung vgl. Schildmann, <a name=\"_Toc414552712\"><\/a>Kreiskirchliche Diakonie zwischen verfasster Kirche und diakonischer Unternehmung, in: Beate Hofmann\/Martin B\u00fcscher (Hg.), Diakonische Unternehmen multirational f\u00fchren, 231-238.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Die Diakonie ist als Wohlfahrtsverband anders in politischen und fachlichen kommunalen Gremien verankert, und eine andere Rolle wird \u2013 bis in die Kirche hinein \u2013 akzeptiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Diese Ausdifferenzierung fand in der Debatte um die \u201e11 Leits\u00e4tze\u201c der\u00a0 EKD \u201ef\u00fcr eine aufgeschlossene Kirche\u201c nicht statt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vielleicht w\u00fcrde daraus sogar eine eigene Gestalt von Kirche (Fichtm\u00fcller: \u201eDiakoniekirche\u201c jenseits vom \u00fcblichen Mitgliedschaftsprinzip Matthias Fichtm\u00fcller, Diakonie ist Kirche. Zur Notwendigkeit der Genese einer Diakoniekirche, Baden-Baden 2019.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hat die Kirche in der Corona-Krise \u201equalifiziert geschwiegen\u201c (Sozialethiker Ulrich K\u00f6rtner)? \u201eMeine\u201c Kirche hat vor allem \u201equalifiziert gehandelt\u201c: Denn die Kolleginnen und Kollegen der Diakonie waren \u201e24\/7\u201c da, in Altenheimen, Wohnformen, Werkst\u00e4tten, Beratungsstellen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6559,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-6558","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-diakonie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6558","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6558"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6558\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6562,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6558\/revisions\/6562"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6559"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6558"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6558"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6558"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}