{"id":6439,"date":"2020-05-05T09:38:07","date_gmt":"2020-05-05T07:38:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6439"},"modified":"2020-05-17T13:13:51","modified_gmt":"2020-05-17T11:13:51","slug":"ich-verstehe-deine-wege-nicht-andacht-zum-gebet-in-corona-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6439","title":{"rendered":"&#8222;Ich verstehe deine Wege nicht&#8220; &#8211; Andacht zum Gebet in Corona-Zeiten"},"content":{"rendered":"<p><em>Gott, zu dir rufe ich am fr\u00fchen Morgen \/ hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;\/ ich kann es nicht allein.\u00a0<\/em><em>In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht \/<\/em><!--more--><\/p>\n<p><em> ich bin einsam, aber du verl\u00e4\u00dft mich nicht \/<br \/>\nich bin kleinm\u00fctig, aber bei dir ist Hilfe \/ ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden<br \/>\nin mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld \/<br \/>\nich verstehe deine Wege nicht, \/ aber du wei\u00dft den rechten Weg f\u00fcr mich.<\/em><\/p>\n<p>So ein bekanntes Morgengebet, im Gesangbuch abgedruckt (EG RWL Nr. 866). Ich habe nie so einen richtigen Zugang dazu gefunden, weil ich klein, einsam, kleinm\u00fctig, unruhig selten aufstehe. Gut: Bonhoeffer, \u201eWiderstand und Ergebung\u201c, d.h. aus Briefen und Aufzeichnungen aus der Haft 1943.<\/p>\n<p>Aber <em>meine<\/em> Gedanken nicht so recht sammeln? Dass ich es nicht alleine kann?!<\/p>\n<p>In den letzten Woche sind mit diese Worte viel vertrauter geworden. Die letzten Wochen \u2013 auch eine geistliche Herausforderung: ein vorsichtiges Suchen. Suspekt sind die, die Bescheid wissen, \u00fcbrigens auch die, die sagen: von der Kirche ist nichts zu h\u00f6ren. \u2013 Ja, sie spuckt kleine T\u00f6ne, ja Gott sei Dank, tastend, unruhig wie der Beter.<\/p>\n<p>Meine Gedanken kreisen, finden keinen Haltepunkt.<\/p>\n<p>Gott \u2013 so entdeckt Bonhoeffer in den schweren Monaten der Haft \u2013 kittet aber nicht einfach etwas, heilt oder ordnet meine Gedanken. Das entspricht nicht der Wirklichkeit. Es entspr\u00e4che auch nicht Gott, der so zu begreifen und leicht vom Menschen habbar gemacht werden k\u00f6nnte. Schon Bonhoeffer wusste: \u201eEinen Gott, den es gibt, den gibt es nicht.\u201c<\/p>\n<p>Sondern: Vor Gott stehe ich gerade mit meinen ungeordneten Gedanken, mit meinen Unklarheiten und Grenzen, auch mit meinen Selbstzweifeln und Lebens\u00e4ngsten. Ich <em>stehe<\/em> dort. Ich muss nicht <em>be<\/em>-stehen, nicht einmal <em>ver<\/em>-stehen, endlich einmal nicht! Das Gebet lautet: \u201eIch verstehe deine Wege nicht!\u201c Um dann vertrauensvoll die Perspektive zu wechseln: \u201eDu aber wei\u00dft den rechten Weg f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n<p>In diesen Wochen sind Gebete offener. Unklarer. Weit gestreut. Vielleicht auch ehrlicher. Sie sind konkret, so wie die F\u00fcrbitten unserer Mitarbeitenden f\u00fcr die Monatsandacht. Gebete sind nicht <em>Balsam auf<\/em>, sondern <em>Ausdruck f\u00fcr<\/em> meine unklaren Gedanken.<\/p>\n<p>Spannenderweise geht das Gebet Bonhoeffers noch weiter. Der Schluss ist nicht im EG abgedruckt, vielleicht weil es so eindeutig in eine schwere Lebenssituation hinspricht. Aber ohne Schwermut zu verbreiten: es passt mir pl\u00f6tzlich, lobend, klagend, hoffend:<\/p>\n<p><em>Vater im Himmel, \/ Lob und Dank sei dir f\u00fcr die Ruhe der Nacht<br \/>\nLob und Dank sei dir f\u00fcr den neuen Tag<br \/>\nLob und Dank sei dir f\u00fcr alle deine G\u00fcte und Treue in meinem vergangenen Leben.<br \/>\nDu hast mir viel Gutes erwiesen,<br \/>\nlass mich nun auch das Schwere aus deiner Hand hinnehmen.<br \/>\nDu wirst mir nicht mehr auferlegen, als ich tragen kann.<br \/>\nDu l\u00e4sst deinen Kindern alle Dinge zum besten dienen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott, zu dir rufe ich am fr\u00fchen Morgen \/ hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;\/ ich kann es nicht allein.\u00a0In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht \/<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6440,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-6439","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-diakonie"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6439","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6439"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6439\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6451,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6439\/revisions\/6451"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6440"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6439"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6439"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6439"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}