{"id":637,"date":"2017-01-11T22:01:39","date_gmt":"2017-01-11T21:01:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=637"},"modified":"2017-01-11T22:19:55","modified_gmt":"2017-01-11T21:19:55","slug":"was-ziehe-ich-aun-predigt-einfuehrung-gemeindeschwestern-zu-kol-312-17","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=637","title":{"rendered":"Was ziehe ich an? (Predigt Einf\u00fchrung GemeindeSchwestern zu Kol 3,12-17)"},"content":{"rendered":"<p>Was ziehe ich an? An einem Tag, an dem einige von uns eingesegnet werden als GemeindeSchwester? \u2013 F\u00fcr Euch stellt sich ja nicht mehr die Frage nach dem \u00e4u\u00dferlichen Kleid, nach einer Schwesterntracht oder dem H\u00e4upchen, auch wenn die alte Tradition in der Form der Brosche noch angedeutet ist.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Diakoniewerk Witten<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonntag Katante \/ Einsegnung der GemeindeSchwestern<\/strong><\/p>\n<p><strong>#Kol 3,12-17<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ziehe ich an? An einem besonderen Tag wie dem Sonntag zum Gottesdienst?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Predigttext f\u00fcr den Sonntag \u201eKantate\u201c gibt eine treffliche Antwort, beschreibt eine Kleiderordnung f\u00fcr Christinnen und Christen auch f\u00fcr den Alltag und f\u00fcr Dienst in einem Diakoniewerk. Die Kleiderordnung aus Kol 3 lautet so:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>12<\/em><\/strong><em>So zieht nun an als die Auserw\u00e4hlten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong><em>13<\/em><\/strong><em>und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong><em>14<\/em><\/strong><em>\u00dcber alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong><em>15<\/em><\/strong><em>Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in\u00a0einem\u00a0Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte Euch als Auserw\u00e4hlte, als Heilige und Geliebte direkt ansprechen \u2013 sei es weil Ihr durch die Taufe mit Jesus, dem Christus, so eng verbunden seid, als h\u00e4ttet Ihr ein Kleidungsst\u00fcck \u00fcbergezogen. Sei es, weil Ihr GemeindeSchwestern gleich eingesegnet werden in eine Gemeinschaft hinein, die leben, dienen und glauben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu braucht man das, was diese gro\u00dfen Begriffe aus dem Ko, quasi gro\u00dfe einzelne Kleidungsst\u00fccke, was sie sagen und was sie eben nicht sagen:<\/p>\n<ul>\n<li>Herzliches Erbarmen \u2013 statt notorisches Rechthabenwollen,<\/li>\n<li>Freundlichkeit \u2013 statt rationales Kalkulieren, welcher Mensch mir etwas bringt,<\/li>\n<li>Demut \u2013 und nicht Mittelpunkt der Welt sein m\u00fcssen<\/li>\n<li>Sanftmut \u2013 statt die schnell verlodernde Leidenschaft<\/li>\n<li>Geduld \u2013 weil Gras nun mal nicht w\u00e4chst, wenn man dran zieht\u2026<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber alles \u2013 \u00fcber alles die Liebe als Band der Vollkommenheit! &#8211; Um im Bild der Kleiderordnung zu bleiben: als eine Art Sch\u00e4rpe um alle gro\u00dfen Kleidungsst\u00fccke herum. Um alles zusammenzuhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Damit ist alles gesagt. Wunderbare Worte f\u00fcr einen Sonntag und eine Einf\u00fchrung, f\u00fcr eine diakonische Gemeinschaft und gegen\u00fcber Gott. (Und bis hierhin geht der Abschnitt aus Kol 3, den wir \u00fcblicherweise zur Trauung einem Brautpaar lesen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die Frage, \u201ewas ziehe ich an\u201c folgt im Kol die Frage \u201e<strong>Wer zieht mich an?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer ist der Grund? Was ist das Fundament, dass uns \u2013 vor allem in diakonischen Zusammenh\u00e4ngen \u2013 die gro\u00dfen Kleidungsst\u00fccke wie Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld nicht in St\u00fccke rei\u00dfen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den Kirchengemeinden sind die Anspr\u00fcche gro\u00df, die Erfordernisse wachsen, die Kr\u00e4fte sind endlich und werden oft geringer. F\u00fcr manche Zeitgenossen sind diese gro\u00dfen Kleidungsst\u00fccke antiquiert, und wom\u00f6glich werden wir bel\u00e4chelt daf\u00fcr: Kommen Sie mal mit Demut oder Sanftmut an \u2026<\/p>\n<p>Aber doch zeigen B\u00fcrger und Verb\u00e4nde in der Fl\u00fcchtlingsarbeit, welche Kraft ethischen Haltungen entfachen k\u00f6nnen, die von sich selbst absehen, die in Beziehung bringen mit Anderen. Aber auch hier sp\u00fcren viele Ehrenamtlichen ihre Grenzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer zieht mich also an?<\/p>\n<p>Wo kommen die Kraft und auch die Orientierung her?<\/p>\n<p>Warum bem\u00fchen wir uns f\u00fcr andere (und auch untereinander) um Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut und Geduld?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>16<\/em><em>Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.<\/em><\/p>\n<p>(Jahreslosung 2009)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der gesamte Kol spricht immer von Christus: als der Erste der Sch\u00f6pfung, als Haupt der Gemeinde. Als Diener: Weil er Diener war, k\u00f6nnen wir seine Dienerinnen und Diener sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Evangelien berichten es: (Mt 9,35ff.): \u201eJesus ging ringsum in alle St\u00e4dte und D\u00f6rfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich Gottes und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft spricht die Bibel vom Wort Gottes, hier ist es dezidiert das \u201eWort Christi\u201c. Das alles steht f\u00fcr das Wort Christi: Denn \u201eWort\u201c meint viel mehr als das gesprochene Wort. Es meint Jesu Versprechungen und Verhei\u00dfungen; es meint die Jesu Art, wie er Menschen neu Hoffnung machte, ihnen neue Lebenswege erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.<\/em><\/p>\n<p>Wir sind alle Eins in Christus (Kol 3,11).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie ein Brennpunkt bildet das den Mittelpunkt des Predigttextes \u2013 und allen diakonischen Handelns und des Arbeitens und Lebens im Diakoniewerk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df durch die GemeindeSchwester aus meiner Heimatgemeinde, wie pers\u00f6nlich bereichernd es ist, nach in Gemeinschaft nach den Grundlage des Glaubens zu forschen. Wie wichtig ein Fundament ist, um dann f\u00fcr andere da sein zu k\u00f6nnen. Um nicht nur einfach zu tun und zu machen, sondern es aus der christlichen Gemeinschaft heraus sich einer Aufgabe zu widmen, in der man getragen wird von anderen. Und wo man sich gemeinsam vergewissert, dass man bei Gott selber geborgen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist ein gro\u00dfer Schatz, und wom\u00f6glich ist das auch den Menschen in Kolos\u00e4\u00e4 so vor Augen gewesen.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit;<\/em><em>\u00a0mit Psalmen, Lobges\u00e4ngen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Im Singen und in den Dankliedern liegt wohl der Zusammenhang zum Sonntag \u201eKantate\u201c. Aber vor allem liegt darin die Br\u00fccke zwischen dem Glauben und dem Tun, zwischen dem diakonischen Auftrag, den man anderen tut, und dem gemeinsamen (auch geistlichen) Leben: Bei Ihnen wird ja t\u00fcchtig gesungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>17<\/em><em>Und<\/em><em>\u00a0alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist wie ein gro\u00dfe Zusammenfassung \u2013 und jetzt k\u00f6nnte die Predigt hier enden. Aber mir fehlt noch ein Gedanke nach der Frage, was wir anziehen und wer uns anzieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p><strong><em>Was ist an uns anziehend<\/em><\/strong>?<\/p>\n<p>Was haben und k\u00f6nnen wir besonders gut?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es das Tr\u00f6sten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMahnen\u201c hei\u00dft w\u00f6rtlich \u201etr\u00f6sten\u201c.<\/p>\n<p><em>Lehrt und tr\u00f6stet einander in aller Weisheit\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ihr werdet gleich eingesegnet unter der Jahreslosung aus Jes 66: \u201eGott spricht, ich will euch tr\u00f6sten, wie einen seine Mutter tr\u00f6stet.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Getr\u00f6stet werden &#8211; das bedeutet: ein Mensch erlebt in seinem Leid oder seiner Not Geborgenheit.<\/p>\n<p>Tr\u00f6sten &#8211; das bedeutet: einem Menschen Geborgenheit bieten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich meine, dass der Trost etwas besonders Wertvolles ist, was wir der Welt geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn der Trost passiert zwischen Menschen, ganz diakonisch und heilsam.<\/p>\n<p>Trost ist f\u00fcr mich immer verbunden mit Gott oder die lebendige Beziehung zum Wort Christi; und damit ist er immer weit mehr als reine Humanit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trost k\u00e4mpft gegen das Resignative und f\u00fchrt immer \u00fcber das Sichtbare hinaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trost hat Kopf und Fu\u00df:<\/p>\n<p>\u201eWas ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?&#8220; So lautet die erste Frage im Heidelberger Katechismus der Reformierten. Die Antwort: \u201eDass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus geh\u00f6re.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Vikar hatte ich die Sorge, dass Angeh\u00f6rige mich darum bitten w\u00fcrden, doch auf der Beerdigung nicht zu singen. Weil kaum einer mits\u00e4nge. Weil man unsicher sei. Beim ersten Mal verabredeten, dass ich zumindest ein Lied aussuchen wollte. Okay, schaden k\u00f6nnte es ja nicht.<\/p>\n<p>Keiner hatte an eine entfernte Verwandte der Verstorbenen gedacht, eine alte Diakonisse aus Hamburg. Sie war alt, blind und betr\u00fcbt. Sie und ich sagen mehr oder weniger alleine aus \u201eAbend ward , bald kommt die Nacht\u201c \u2013 und ihr Blick hob sich und ihr Gesicht wurde voll und lebendig, als dort hie\u00df:<\/p>\n<p><em>\u201eWenn dein Aug ob meinem Wacht, \/ wenn dein Trost mir frommt \u201e wei\u00df ich, dass ich auf gute Nacht \/ guter Morgen kommt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Passend zum Sonntag Kantate, zur Jahreslosung und zu Euerm \/ unserem gemeinsamen Dienst: Lasst uns doch den Trost auch zu den Kleidungsst\u00fccke nehmen. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ziehe ich an? An einem Tag, an dem einige von uns eingesegnet werden als GemeindeSchwester? \u2013 F\u00fcr Euch stellt sich ja nicht mehr die Frage nach dem \u00e4u\u00dferlichen Kleid, nach einer Schwesterntracht oder dem H\u00e4upchen, auch wenn die alte Tradition in der Form der Brosche noch angedeutet ist.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[29,5],"tags":[],"class_list":["post-637","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-diakonisch","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/637","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=637"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/637\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":649,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/637\/revisions\/649"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=637"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=637"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=637"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}