{"id":6257,"date":"2020-02-02T12:22:02","date_gmt":"2020-02-02T11:22:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6257"},"modified":"2020-04-06T22:38:00","modified_gmt":"2020-04-06T20:38:00","slug":"keine-apokalypse-kein-weltuntergang-andacht-zu-apk-19-18","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6257","title":{"rendered":"Keine Apokalypse, kein Weltuntergang (Andacht zu Apk 1,9-18)"},"content":{"rendered":"<p>Da hockt Johannes um das Jahr 100 auf der Insel Patmos, als Gefangener der R\u00f6mer. Im Gef\u00e4ngnis empf\u00e4ngt er von Gott selbst einen Auftrag: Schreibe auf, was du schaust und sende es den jungen Gemeinden in Kleinasien, der heutigen T\u00fcrkei. <!--more-->Die Christen riskierten dort ihr Leben. Sie glauben an den unsichtbaren Gott, gar an den ohnm\u00e4chtigen gekreuzigten Christus \u2013 und beten nicht den r\u00f6mischen Kaiser an mit seinem Pomp und seiner Macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johannes schaut Gottes unglaubliche Botschaft: F\u00fcrchte dich nicht! (Soweit noch eine Weihnachtsbotschaft, und dann:) Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. [\u2026] Ich habe die Schl\u00fcssel des Todes und der H\u00f6lle\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier schwingt sich die g\u00f6ttliche Macht auf in den ultimativen Kampf gegen die Macht des B\u00f6sen. Die Apokalyse ist er\u00f6ffnet: Gott auf dem Thron, singende Engel drumherum, ein Buch mit sieben Siegeln, sechs sind schon ge\u00f6ffnet. Die V\u00f6lker waten auf. Posaunenkl\u00e4nge f\u00fcrs siebte Siegel. Aber erst f\u00e4llt ein Stern brennend vom Himmel. \u00dcberschwemmungen \u00fcberall auf der Erde. Ein Adler steigt auf, ungew\u00f6hnlich wehklagend. Donnerkl\u00e4nge, ein Engel steht \u00fcber dem tobenden Meer mit dem Buch in der Hand. Aber erst kommt ein roter Drache ins Spiel, der sich vor einer geb\u00e4renden Frau positioniert, um ihr Kind zu fressen \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ja, die Apokalypse ist er\u00f6ffnet, auch literarisch: Das ist alles nachzulesen im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, dem einzigen apokalyptischen Buch des Neuen Testaments.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Wie weit sind wir davon entfernt, von diesen Bildern? Ja, die Bilder sind Codes: Die Gef\u00e4ngniswachen sollten wohl nicht merken, dass Johannes die damalige Wirklichkeit in seinem Text beschreibt, den Kaiserkult, die Frage nach dem Gehorsam und dem Anbeten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie weit sind wir entfernt von einer solchen apokalyptischen Vorstellungwelt? \u2013 Auf den ersten Blick reicht ein Blick in die Zeitung: Bilder von den Waldbr\u00e4nden in Australien, dann die Schlammmassen, dann die verdurstenden Tiere \u2013 apokalyptischen Ausma\u00dfes. Die Gefahr eines Atomkriegs steigt wieder, nachdem der US-Pr\u00e4sident das Iran-Abkommen aufgek\u00fcndigt hat \u2013 und sein \u201eFriedensplan\u201c f\u00fcr den Nahen Osten gie\u00dft eher \u00d6l in den Konflikt. Das Corona-Virus \u2013 wird es so doch schlimm die Spanische Grippe, an der vor 100 Jahren weltweit mindestens 25 Millionen Menschen starben? F\u00fcr manche beginnt der Untergang des Abendlandes damit, dass Deutschland sich wegen zu weniger deutscher Kinder selbst abschafft. Die Kirche verliert bis 2060 die H\u00e4lfte ihrer Finanzkraft, und der Kreis Recklinghausen braucht bis dahin 60 zus\u00e4tzlich Altenheime. Ist der Brexit das Ende des europ\u00e4ischen Projekts?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Schluss! Nein, ich will das nicht! \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich merke, dass die Offenbarung des Johannes heute wom\u00f6glich bestens in die Hysterien unserer Zeit passte, in die Wut-Foren und Angst-R\u00e4umen. Der Text des Johannes w\u00fcrde massenhaft geliket von den Verschw\u00f6rungstheoretikern und Weltuntergangspredigern. Aber ist denn das sein Ziel? Und geht es heute \u00fcberhaupt darum, sich auf den Showdown des Weltendes vorzubereiten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich meine: nein!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Die Apokalypse am Ende der Bibel demaskiert schon damals die M\u00e4chtigen der Welt. Wenn man die sprachlichen Bilder und Codes dechiffriert, dann wird die Machtfrage gestellt, die gerade verhindern soll, dass die Menschheit sich auf das Ende der Welt zubewegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch gegen die Verschw\u00f6rungstheorien und die Hysterie dieser Zeit m\u00fcsste man fragen: Wer will eigentlich, dass wir apokalyptisch denken? Wer streut die Angst? &#8211; Greta Thunberg sagt eben nicht den Weltuntergang voraus, sondern dass die Welt jetzt gerettet werden kann und muss. \u2013 Die Briten hatten schon Sonderrechte als EU-Mitglied; man wird ihnen auch ein paar als Nichtmitglieder einr\u00e4umen und die EU k\u00f6nnte st\u00e4rker geworden sein. Wom\u00f6glich stolpert der amerikanische Pr\u00e4sident demn\u00e4chst \u00fcber sich selbst. Und so weiter, und so weiter\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Die Offenbarung des Johannes bringt eine Macht mit ins Spiel, die in den heutigen Weltuntergangsszenarien keine Rolle spielt: die Macht und St\u00e4rke Gottes. Gott zeigt sich einem Gefangenen auf Patmos in einer Gef\u00e4ngniszelle, in einer lebensbedrohlichen Lage. <em><u>Gott<\/u><\/em> erhebt den Anspruch \u201eder Erste und Letzte\u201c zu sein, der \u201elebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit\u201c. Er h\u00e4lt gegen das Totale und Totalit\u00e4re, das vom Menschen ausgeht, dagegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott weckt bei mir Zuversicht, als Widerstand gegen jedes Endzeitszenario. Das will ich nicht denken. Ich sehe, dass die Welt nicht aus den Fugen geraten ist, auch wenn es viel zu verbessern gibt. Lange war die Gr\u00f6\u00dfe der Herausforderung nicht so sichtbar, ja. Aber noch nie hatten wir so viele Mittel und M\u00f6glichkeiten, Dinge zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nelson Mandela hat von der \u201eKraft der gro\u00dfen Sache\u201c gesprochen \u2013 eine (wom\u00f6glich eine auch im Gef\u00e4ngnis gewonnene) Zuversicht, dass sich alles \u00e4ndern kann, gerade dann wenn die Herausforderung gro\u00df ist. Und sich Wut und Angst, Hass und Hysterie wandeln k\u00f6nnen in neue ungeahnte Lebensm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>Sollte die Welt dann doch einmal untergehen \u2026 &#8211; die Offenbarung des Johannes endet mit Gottes neuem Himmel und Gottes neuer Erde: Von dem Thron her die Stimme: \u201eSiehe da, die H\u00fctte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und selbst, Gott mit ihnen, ihr Gott. Und Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei, noch Schmerz.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welch ein doppelter Boden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da hockt Johannes um das Jahr 100 auf der Insel Patmos, als Gefangener der R\u00f6mer. 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