{"id":6241,"date":"2019-12-24T17:16:58","date_gmt":"2019-12-24T16:16:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6241"},"modified":"2020-04-19T23:08:54","modified_gmt":"2020-04-19T21:08:54","slug":"gott-will-bei-uns-wohnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=6241","title":{"rendered":"Gott will bei uns wohnen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/daten\/weihnachten19.mp3\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4443 size-full\" src=\"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/audio-e1546362748746.jpg\" alt=\"\" width=\"75\" height=\"78\" \/><\/a><span style=\"font-size: 1rem;\">\u201eWir kommen an Weihnachten!\u201c \u2013 Welch gro\u00dfe Freude, wenn sich Familienmitglieder so f\u00fcr diese Tage ank\u00fcndigen. Welch gro\u00dfe Freude?! Das l\u00f6st auch manche Spannung aus: Was machen wir dann zu essen? M\u00fcssen wir nochmals durchputzen, Betten beziehen\u2026 Vielleicht legen wir eine S\u00fc\u00dfigkeit aufs Kopfkissen, damit es ein wenig nach Hotel aussieht.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>(Heiligabendpredigt 2019 zu Sarchaja 2, Gemeindezentrum Sythen)<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn man in der Rolle des Gastes ist: Was bringe ich mit? Bringe ich die Alltagsroutine durcheinander? Wie lange m\u00f6chte ich eigentlich bleiben? Und werden wir uns Weihnachten wieder \u00fcber die gleichen Dinge streiten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>14 Freue dich und sei fr\u00f6hlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So legt es der Prophet Sacharja Gott selbst in den Mund: Ich will bei euch wohnen. Gott kommt also <em>auch noch<\/em> an zu Besuch. Um Himmels willen. Ja, um des Himmels willen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wo findet er heute abend seinen Platz, zwischen uns und unseren G\u00e4sten, den Geschenken und Leckereien? Wo kann Gott sein in unseren Erwartungen an dieses Fest, in unseren Zuneigungen und Streitigkeiten untereinander? Spricht dieser Gast in unsere Sorgen? Wir gehen in wenigen Tagen in ein neues Jahrzehnt \u2013 eigent\u00fcmlich unsicher, obwohl es uns so gut geht wie nie? Wom\u00f6glich ist Gottes Besuch ein wenig unangenehm, weil der Kontakt \u00fcbers Jahr allzu oft abgerissen ist. Anderseits gibt es keinen besseren Tag als Weihnachten, als die <em>Tor hochzumachen<\/em> und ihn <em>einziehen zu lassen<\/em>. Aber bitte vorher die F\u00fc\u00dfe abtreten\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Wie soll ich dich empfangen, Gott, und wie begegne ich dir? Wie nehmen wir diesen Gast auf?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich lese aus dem Predigttext aus Sarch 2 und leihen uns Worte, die zuerst Israel galten, hier Tochter Zion und Juda genannt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>14 Freue dich und sei fr\u00f6hlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.<\/em><\/p>\n<p><em>15 Und es sollen zu der Zeit viele V\u00f6lker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. &#8211; Und du sollst erkennen, dass mich der HERR Zebaoth zu dir gesandt hat. &#8211;<\/em><\/p>\n<p><em>16 Und der HERR wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder erw\u00e4hlen. <\/em><\/p>\n<p><em>17 Alles Fleisch sei stille vor dem HERRN; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen St\u00e4tte!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>dazu vier Mitbringsel, die der besondere Gast im Gep\u00e4ck haben k\u00f6nnte:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Mitbringsel: Gott wartet gar nicht auf unsere Einladung!<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Er wartet auch nicht, bis wir mit den Vorbereitungen fertig sind. Er kommt einfach. Er kommt auch dorthin, wohin <em>er<\/em> will, sicher auch und besonders an die Orte, an denen Menschen heute eben nicht in einer sch\u00f6nen warmen Wohnung die Menschwerdung Gottes feiern, weil sie ohne Heimat sind, auf der Flucht oder ohne Obdach. Ich will bei euch wohnen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott kommt, unabh\u00e4ngig vom Stand und von der Qualit\u00e4t unserer Vorbereitungen. Gott sei Dank: Dieser Gott befreit uns von dem Zwang, alles perfekt herzurichten. Er befreit uns auch davon, mehr dazustellen als wir sind: sei es in unseren weihnachtlichen Wohnungen, sei es bei facebook und Co.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gott <\/em>pr\u00e4sentiert sich in dieser Nacht, nicht wir. Und Gott zeigt sich wahrlich \u201eim-perfekt\u201c, verletzbar in einem Kind, am Rande der Stadt. Als K\u00f6nig jenseits der Pal\u00e4ste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Mitbringsel: die Erkenntnis, dass wir keine gespielte Harmonie brauchen\u2026<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie w\u00e4re es, wenn dieser besondere Gast, Gott selbst, unsere Ordnung oder unsere Gem\u00fctsruhe ein wenig durcheinanderbr\u00e4chte?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Weihnachtsgeschichte jedenfalls prallen extrem unterschiedliche Lebensperspektiven aufeinander, die man nicht harmonisiert bekommt: Eine schwangere unverheiratete Frau; gerade sie ist als Mutter Jesu auserkoren. Hirten, die nun wirklich nicht zum Establishment geh\u00f6ren und als erste die Botschaft weitersagen. Weise, Wissenschaftler aus Fernost, die pl\u00f6tzlich nicht mehr ihrem Verstand folgen, sondern einem Stern und damit ihrem Herzen. Herodes, der wissen will, wo das Kind ist, um es angeblich anzubeten, aber Mordabsichten hegt. Und \u00fcber allem die gesungene \u00dcberschrift der Engelschar: \u201eFrieden auf Erden!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eFrieden auf Erden\u201c wird doch viel wirkm\u00e4chtiger und wertvoller, wenn wir Spannungen beibehalten! &#8211;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigentlich w\u00fcnschen sich unsere Gehirne t\u00e4glich ein <em>harmonisches<\/em> Weihnachten, so zitiert die \u201eZeit\u201c in ihrer Weihnachtsausgabe einen Psychologen. Um Stress zu vermeiden, sortieren wir alle Informationen m\u00f6glichst widerstandsarm in unsere bestehenden Weltbilder ein. Die Folge sehen wir gesellschaftlich: Wir streiten zu wenig \u00fcber die wirklich wichtigen Fragen. Wir <em>bek\u00e4mpfen<\/em> eher andere Weltbilder, mehr denn je in sozialen Medien. Aber gerade unterschiedliche Haltungen \u2013 wenn sie in einem demokratischen Spektrum bleiben &#8211; befruchten doch einander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich frage <em>mich<\/em>: Wann habe ich eigentlich mal in einer wirklich wichtigen gesellschaftlichen Frage in letzter Zeit meine Meinung ge\u00e4ndert? Wann habe ich bewusst einen Menschen aufgesucht, von dem eine andere Meinung zu erwarten als ich? Wie gew\u00f6nne meine Haltung auch mehr Klarheit, wenn ich mich reiben k\u00f6nnte\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens, wenn ich den erwachsenen Jesus vor Augen habe: Dann kommt doch ein Mensch zu Gast, der immer eine andere Perspektive hineinbringt: Er nimmt Zach\u00e4us, den Z\u00f6llner, als Mensch an, so dass dieser frei wird, den durch ihn angerichteten Schaden wiedergutzumachen. Oder der auferstandene Christus nimmt sich die Zeit f\u00fcr die niedergeschlagenen Emmaus-J\u00fcnger, die erst danach mit neuer Hoffnung zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sei es nun heute am Weihnachtstisch oder sei es die Aufgabe der Kirche im neuen Jahr: Lassen Sie uns mal darauf vertrauen, dass ein Besuch, wenn wir ihn denn reinlassen, immer etwas \u2013 heilsam! \u2013 durcheinanderbringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Mitbringsel:<\/strong> <strong>Gott findet sich bei uns zurecht, denn er kommt in sein Eigentum.<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>\u201eEr hat sich aufgemacht von seiner heiligen St\u00e4tte\u201c (v.17). Das spielt die Vorstellung des Sarchajas mit, dass Gott \u2013 nach der Zerst\u00f6rung des Tempels \u2013 eben nicht mehr in einem Heiligtum an (nur) einem Ort zu finden ist. Gott hat diese St\u00e4tte verlassen und geht seinem Volk nach. Er zeigt sich beweglich, kann sich \u00e4ndern. So n\u00e4hert er sich dem Menschen neu an. Ein ungew\u00f6hnlich dynamisches Gottesbild!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durchs zerst\u00f6rte Jerusalem \u2013 so eine vorangehende Vision Sarchajas &#8211; geht ein Aufma\u00dfer: Die H\u00e4user Jerusalem sollen wieder aufgebaut werden nach der Totalzerst\u00f6rung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber Gott ist schon l\u00e4ngst dort zu Hause, wo seine Leute sind. Gott, der bei den Menschen wohnen will, kommt wie ein Vertrauter. Er kommt nach Hause. Wir m\u00fcssen ihm nicht erst erkl\u00e4ren, was los ist. Denn es gibt keinen Winkel unseres Lebens, keinen Bereich unserer Wohnungen, den Gott nicht kennen w\u00fcrde: Als Kind geboren zu werden, mit aller Schutzlosigkeit und der Sorge der Eltern, wie in Zukunft weitergehen kann \u00a0\u2013 das kennt Gott selbst. Zu fliehen und heimatlos zu werden, dass das Leben am seidenen Faden h\u00e4ngen kann \u2013 das kennt Gott von diesem Neuanfang in Bethlehem an. Angez\u00e4hlt zu werden im Leben, als der erwachsene Jesus mit den Menschen seiner Zeit in Streit und an den Rand ger\u00e4t \u2013 das nimmt Gott in Kauf kennenzulernen, sogar verraten und verkauft werden, unw\u00fcrdig zu leiden und zu sterben \u2013 auch das wird Gott am eigenen Leibe sp\u00fcren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der heiligen Nacht ist das sein Geschenk an uns: Er wird selbst Mensch mit allem Risiko. Wie unendlich wertvoll, ja gerettet, werden wir Menschen und wie greifbar, wie nahe wird Gott: <em>Gott findet sich auf dieser Welt selbst wieder.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Mitbringsel: Gott will im Dunkel wohnen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Keiner erwartet, dass das \u201eFreue dich und sei fr\u00f6hlich\u201c (v. 14) triumphal und grell, laut und aus vollem Halse erklingt. Das passt heute nicht jede Vierw\u00e4nde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eGott will im Dunkel wohnen \/ und hat es doch erhellt\u201c, textet Jochen Klepper in \u201eDie Nacht ist vorgedrungen\u201c. Und tats\u00e4chlich: Auch dort, gerade dort, wo es zu Weihnachten nicht einladend und sorgenfrei zugeht, will Gott Wohnung nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fast auf den Tag genau vor 75 Jahren schreibt der evangelische Theologie Dietrich Bonhoeffer einen Weihnachtsgru\u00df an seine Verlobte. Er sitzt von den Nazis eingekerkert im Gef\u00e4ngnis in Berlin-Tegel. Dass Gott auch bei ihm wohnen m\u00f6chte? Das zeigt sich nicht durch Gemeinschaft mit seiner Familie. Von denen ist er getrennt. Aber er wei\u00df sich von \u201eguten M\u00e4chten wunderbar geborgen\u201c. Das sind Gedanken und Gr\u00fc\u00dfe per Brief und ganz weltliche Freuden wie ein paar gute B\u00fccher, Zigaretten und etwas Neues zum Anziehen. Dass Gott auch bei ihm wohnen m\u00f6chte, hat also nichts mit sch\u00f6n dekorierten Wohnzimmern zu tun. Als kleines Geschenk hat er einige Zeilen notiert, die ihm abends in der Zelle einfielen: \u201eVon guten M\u00e4chten wunderbar geborgen \/ erwarten wir getrost was kommen mag \/ Gott ist bei uns am Morgen und am Abend \/ und ganz gewisse an jedem neuen Tag.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><em> Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p><em>so lass uns h\u00f6ren jenen vollen Klang<\/em><\/p>\n<p><em>der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,<\/em><\/p>\n<p><em>all deiner Kinder hohen Lobgesang.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>\u201eFreue dich und sei fr\u00f6hlich\u201c \u2013 laut oder eher leise. In Gemeinschaft oder allein. Harmonisch, streitend, entkleidet von dem Druck, sich zu produzieren und zu pr\u00e4sentieren \u2013 welche Mitbringsel hat unser Gast dabei!. Gott will bei uns wohnen. Er kommt einfach. Auch durch Mauern. An unsere Tische. Er kommt, um zu bleiben. Welch ein Gast!<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201eWir kommen an Weihnachten!\u201c \u2013 Welch gro\u00dfe Freude, wenn sich Familienmitglieder so f\u00fcr diese Tage ank\u00fcndigen. Welch gro\u00dfe Freude?! Das l\u00f6st auch manche Spannung aus: Was machen wir dann zu essen? 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