{"id":620,"date":"2017-01-11T21:44:07","date_gmt":"2017-01-11T20:44:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=620"},"modified":"2017-01-11T21:44:07","modified_gmt":"2017-01-11T20:44:07","slug":"zu-viel-fleisch-auf-dem-tisch-gruendonnerstag-2015-zu-1kor-1517-34","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=620","title":{"rendered":"Zu viel Fleisch auf dem Tisch (Gr\u00fcndonnerstag 2015 zu 1Kor 15,17-34)"},"content":{"rendered":"<p>Wir erinnern uns heute an einen Urimpuls des christlichen Glaubens: Jesus sa\u00df mit seinen J\u00fcnger zusammen und hatte Mahlgemeinschaft. Eine wundersame Geschichte: Der Verr\u00e4ter mit am Tisch. Jesus, der mit dem Brot und dem Kelch auf sein Leben weist, und sein baldiges Sterben andeutet. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcndonnerstag<\/strong><\/p>\n<p><strong>#1Kor 15,17-34<\/strong><\/p>\n<p>Und einen Weg \u00f6ffnet, wie man sich seiner erinnern kann: <em>Esst und trinkt miteinander!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn: Essen stiftet Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Im religi\u00f6sen Sinne: auch unter uns.<\/p>\n<p>Im kulturellen Sinne: Essen verbindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den Fotos ist zu sehen, wie Familien in unterschiedlichen Teilen der Welt essen \u2013 und wie viel Lebensmittel sie f\u00fcr eine Woche zur Verf\u00fcgung haben und verbrauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sticht gleich ins Auge: Die G\u00fcter dieser Welt sind unterschiedlich verteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ja schon verr\u00fcckt: Die Kirche hat sich seit dem Mahl Jesu am Gr\u00fcndonnerstag in der Abendmahlsfrage zerstritten und oft gespalten, es gab Kriege oder es wurden Menschen als Ketzer get\u00f6tet wie etwa Johannes Hus im 15. Jahrhundert, nur weil er Abendmahl in beiderlei Gestalt, also mit Brot und Kelch vertrat. Reformierte und Lutheraner fanden fl\u00e4chendeckend in Deutschland erst vor 40 Jahren an den gemeinsamen Abendmahlstisch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir als Kirche mit ann\u00e4hernder Energie darauf hinweisen w\u00fcrden, wie ungerecht die Lebensg\u00fcter unserer Sch\u00f6pfung verteilt sind!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Schon Paulus bezieht sich auf Abendmahlsstreitigkeiten der jungen Gemeinde in Korinth. Interessanterweise fallen die religi\u00f6se Dimension des Abendmahls und die soziale Seite nicht auseinander. Ganz im Gegenteil: die Frage nach der gerechten Verteilung des Essens ist der Gradmesser daf\u00fcr, ob das Abendmahl wirklich im Sinne Jesu geschieht, die Gemeinde ein w\u00fcrdiges Glied am Leibe Christi ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Gemeinde der reichen griechischen Hafenstadt kamen wohl sehr unterschiedliche Menschen zusammen. Was sie wohl zu essen hatten? Sicher sehr unterschiedliche Dinge, je nach Reichtum: Zur Gottesdienst- und Abendmahlsfeier trugen sie ihr Essen zusammen, jeder, wie er konnte und was er hatte. Das Abendmahl machte damals noch satt \u2013 so wie unser Mahl heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch dann f\u00fchren die sozialen Unterschiede zu Spannungen und Spaltungen im Gemeindeleben: Die Wohlhabende kamen schon fr\u00fch am Abend zusammen und verzehrten ihre mitgebrachten Speisen. Sklavinnen und Hafenarbeiter, die l\u00e4nger arbeiten mussten, kamen mit ihren Gaben erst sp\u00e4ter und vermutlich oft zu sp\u00e4t, um noch etwas Vern\u00fcnftiges oder \u00fcberhaupt etwas zu essen zu bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus schreibt folglich, dass es ein Hohn ist, dass die Armen zwar nicht von der spirituellen Abendmahlsgemeinschaft ausgeschlossen sind, aber von der materiellen.<\/p>\n<p>Und er spitzt zu: So k\u00f6nnt ihr euch nicht auf Jesus berufen und an sein letztes Mal am Gr\u00fcndonnerstag erinnern!<\/p>\n<p>Bei Jesus geh\u00f6rte die geistliche Dimension und der k\u00f6rperlichen S\u00e4ttigung. In den Einsetzungsworten verbindet Jesus dies: Er teilt das Brot und sagt, dies ist mein \u201eK\u00f6rper\u201c, \u201edies macht mein Leben aus\u201c: Teilen ist das, wof\u00fcr ich mit meinem Leben und Menschgewordensein einstehe. Daran erinnert Euch, jetzt und sp\u00e4ter einmal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Teilen des Brotes kann nicht getrennt werden von Christus, der sich im Brotbrechen selber \u201emit-teilt\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann esset doch lieber vorher zu Hause, schreibt Paulus!<\/p>\n<p>Denn wo die einen sich den Bauch schon vollschlagen, bevor die anderen \u00fcberhaupt erst ankommen, k\u00f6nnt ihr euch nicht darauf berufen, Leib Christi darzustellen! Dann nehmt Ihr das Abendmahl \u201eunw\u00fcrdig\u201c!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Luther \u00fcbersetzt \u201eunw\u00fcrdig\u201c \u2013 in der Kirchengeschichte war es das Signalwort der \u201eKirchenzucht\u201c, um Menschen vom Abendmahl auszuschlie\u00dfen. In der BiGs steht \u2013 wohl dem Gedankengang des Paulus angemessen! &#8211; \u201eunsolidarisch\u201c: Ihr nehmt Brot und Kelch auf unsolidarische Weise. Tats\u00e4chlich steckt im griechischen Wort an-axios das Bild von der Waage: Da ist etwas \u201eunangemessen\u201c, aus dem Lot geraten, schief: Wo Gemeinschaft zerst\u00f6rt wird, wo sie sich als unsolidarische Nichtgemeinschaft erweist, da wird die Gemeinde dem Leib Christi nicht gerecht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich hat der Bissen Brot am Abendmahlstisch also viel damit zu tun, wie die G\u00fcter zwischen uns verteilt sind. Wie solidarisch wir sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir untereinander.<\/p>\n<p>Aber eben auch mit anderen \u2013 und da haben die Fotos von Familien und was sie essen f\u00fcr mich eine spirituelle Dimension.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei unserem Pastoralkolleg in Argentinien haben wir diese Bilder betrachtet. Wir haben direkte Zusammenh\u00e4nge herausgearbeitet, worum die einen so viel zu essen zur Verf\u00fcgung haben und die anderen so wenig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist, wie unterschiedlich viel Fleisch auf dem Tisch ist. Fleisch ist heute ein Wohlstandsfaktor. Und auch ein Grund, auf Kosten anderer zu leben, denn wir in Deutschland k\u00f6nnen gar nicht so viel Futtermittel anbauen und so viel Fleisch produzieren, wie wir essen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Pfarrer aus Paraguay brachte es auf den Punkt \u2013 und das mich nachdenklich gestimmt: \u201eUnsere Kleinbauern k\u00e4mpfen gegen Multikonzerne an, die unsere L\u00e4ndereien f\u00fcr den Soja-Anbau pachten wollen, oft auf Kosten des Regenwaldes, der einheimisches Landwirtschaft, oft genver\u00e4ndert und reichlich mit Pestiziden bespritzt. Das Soja dient aber nicht der Ern\u00e4hrung der Menschen dort, sondern werde nach Europa verschifft, um damit Tiere zu m\u00e4sten f\u00fcr den Fleischkonsum in Europa.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann sagte er den einfachen Satz: \u201eUns hilft im Kampf gegen die Soja-Monokultur, wenn ihr etwas weniger Fleisch esst!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Heute sitzen 16 verschiedene L\u00e4nder mit an unserem Abendmahlstisch. Heute sitzen an sich schon unterschiedliche Menschen zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Abendmahl hat den Anspruch, dass die Menschen, die sich auf Jesus berufen, solidarisch miteinander umgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es hat gleichsam auch den Zuspruch, dass uns vergeben wird, wo wir an diesem Anspruch scheitern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jedes Mal neu k\u00f6nnen wir uns beim Abendmahl aber darauf besinnen und nachdenken, wie wir den Leib Christi m\u00f6glichst \u201ew\u00fcrdig\u201c darstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus hat kein konkretes Rezept, aber er nennt M\u00f6glichkeiten und Kriterien, wie es zu einer wirklichen Gemeinschaft kommt, nicht nur zu einer symbolisch-sakramentalen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher feiern wir einmal im Jahr Abendmahl an Tischen, r\u00fccken sakramentale Gemeinschaft und soziales Beisammensein so eng zusammen. Sp\u00fcren etwas von der Wirksamkeit und Macht, die von der Gemeinschaft Jesu \u2013 einst mit seinen J\u00fcngern, heute im Teilen von Brot und Kelch \u2013 ausgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigent\u00fcmlicherweise findet sich in Vers 33 Ankl\u00e4ge der Jahreslosung wieder:<\/p>\n<p>33Deshalb, meine Geschwister, wenn ihr euch versammelt, um gemeinsam zu essen, nehmt einander an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau das f\u00fchrt zur\u00fcck auf den, der uns angenommen hat, bedingungslos, solidarisch und liebevoll. Brot des Lebens \u2013 so wie ein Bissen Brot uns untereinander st\u00e4rkt. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir erinnern uns heute an einen Urimpuls des christlichen Glaubens: Jesus sa\u00df mit seinen J\u00fcnger zusammen und hatte Mahlgemeinschaft. Eine wundersame Geschichte: Der Verr\u00e4ter mit am Tisch. Jesus, der mit dem Brot und dem Kelch auf sein Leben weist, und sein baldiges Sterben andeutet.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[10,5],"tags":[],"class_list":["post-620","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-passionszeit","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/620","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=620"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/620\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":621,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/620\/revisions\/621"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=620"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=620"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=620"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}