{"id":618,"date":"2017-01-11T21:41:58","date_gmt":"2017-01-11T20:41:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=618"},"modified":"2017-01-11T21:41:58","modified_gmt":"2017-01-11T20:41:58","slug":"was-bringt-das-mit-der-religion-tag-der-berufung-des-paulus-2015-zu-mt-1927-30","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=618","title":{"rendered":"Was bringt das mit der Religion? (Tag der Berufung des Paulus 2015 zu Mt 19,27-30)"},"content":{"rendered":"<p>Und nun stehe ich hier &#8230; Paulus vor Herodes Agrippa. Der besuchte Ch\u00e4serea, wo Paulus gefangen gesetzt war wegen seiner Religion. Und weil er die Seiten gewechselt hatte.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Gedenktag der Berufung des Paulus<\/strong><\/p>\n<p><strong>25. Januar 2015 \u2013 Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>#Mt 19,27-30<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erinnert ein wenig an Luther: Hier stehe ich, ich kann nicht anders (Reichstag in Worms 1519): Als er seinen Glauben verteidigte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus: \u201eUnd nun stehe ich hier und werde angeklagt [a] wegen der Hoffnung auf die Verhei\u00dfung\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum wird angezweifelt, dass Gott Tote auferweckt? Ihm ist Jesus, den Auferstanden selber erschienen. Der Christus \u2013 das wiederum glauben die Juden nicht, dass Jesus der Messias war.<\/p>\n<p>Daher haben sie Paulus ins Gef\u00e4ngnis gebracht. Denselben Paulus, der vorher noch als gl\u00e4ubiger Jude die ersten Christen verfolgt hat.<\/p>\n<p>Er benennt das in seiner Rede frank und frei: Er hat sie ins Gef\u00e4ngnis gebracht. Er hat sogar Todesurteile gegen sie best\u00e4tigt und erwirkt. Christen verfolgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was bringt das mit der Religion, k\u00f6nnte man fragen. Schon zur biblischen Zeit scheint es so, dass Religion Feindschaft und Missgunst erzeugt, Menschen auseinander bringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was bringt das wohl?<\/p>\n<p>Es ist nicht nur eine Frage, die sich wom\u00f6glich die Konfirmandinnen und Konfirmanden stellen, die nun regelm\u00e4\u00dfig kommen sollen, die sich mit dem christlichen Glauben auseinandesetzen sollen, ihn kennenlernen und leben sollen. \u2013 Es ist die Frage der ganzen Gemeinde- denn heute geht ja man nicht mehr zur Kirche, weil man es muss oder es sich geh\u00f6rt, sondern weil man m\u00f6chte. Daher hat jeder hier etwas dazu zu sagen.<\/p>\n<p>Was bringt das, ist inzwischen auch eine immer lautere Frage von au\u00dfen, von denen, die mit Religion nichts zu tun haben: Sie k\u00f6nnten mit Blick auf die Geschichte des Paulus sagen: Siehste, sage ich doch: Religion bringt vor allem eins: Zwietracht und Auseinandersetzung Rechthaberei und sogar Tod&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Talkshow zu den Terroranschl\u00e4gen in Paris hie\u00df es vor kurzem: \u201eAbsolutheitsanspruch und Toleranz schlie\u00dfen sich eben aus &#8230;\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Was bringt das mit der Religion?<\/p>\n<p>Die Geschichte des Paulus zeigt ja gerade, dass es einen allgemeing\u00fctligen Absolutheitsanspruch, der f\u00fcr alle Zeiten und Orte geben kann: Denn schon Paulus ver\u00e4ndert seinen Glauben radikal. Er lebt vorher ja auch nicht gottlos. Er wechselt aber die Glaubensgemeinschaft, weil er stets auf der Suche nach seiner Wahrheit und Gewissheit ist &#8211; und das schlie\u00dft auch die Unkehrung alles bisher G\u00fcltigem ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er ringt und sucht nach Gott. In Damaskus, so erz\u00e4hlt er selber, hat er das besondere pr\u00e4gende Erlebnis einer Gottesbegegnung: Was er erlebt, bringt er mit Jesus Christus in Verbindung und mit einem ganz pers\u00f6nlichen Auftrag an ihn: Er soll diesen Jesus Christus allen anderen V\u00f6lkern verk\u00fcndigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Absolut kann und darf also nur sein, was den Einzelnen ganz pers\u00f6nlich zur Wahrheit wird. Er kann seine Sicht mit anderen teilen \u2013 und Paulus hat ja Gemeinden gegr\u00fcndet und wie kein zweiter f\u00fcr den christlichen Glauben geworben! -, aber sofort war der Glaube in Galatien anders akzentuiert als im Rom, in Korinth anders als in Ephesus, weil die Lage und Sichtweise der Menschen dort anders war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Paulus ist also nicht das Problem, dass er einen f\u00fcr ihn absolut geltenden neuen Glauben findet. Das Problem liegt \u2013 wie fr\u00fcher bei Paulus selbst \u2013 in der Intoleranz des Volkes gegen\u00fcber diesem fremden Glauben! \u2013 Oder andersherum gesagt: Hut ab vor diesem starken Erlebnis und dem Glauben, der daraus erwachsen ist. Er sollte akzeptiert werden, auch wenn Paulus ihn \u00f6ffentlich nach au\u00dfen tr\u00e4gt und seine Altersgenossen sich daran reiben!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und es wird um die rechte Sichtweise gestritten \u2013 das w\u00fcnsche ich mir immer wieder f\u00fcr unsere Gemeinde und heute auch besonders f\u00fcr den KU: Paulus holt die Gemeindeleiter der verschiedenen Gemeinden zu einem Apostelkonzil zusammen, um den grundlegenden Konflikt zwischen den ersten Gemeinden zu l\u00f6sen \u2013 n\u00e4mlich ob man durch die Beschneidung erst Jude werden soll oder direkt durch die Taufe Christ wird. Man einigt sich auf Letzteres. Ein erster heftiger Konflikt ist beigelegt, durch das Ringen um den Standpunkt und nicht durch nivellierende Toleranz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was bringt die Religion?<\/p>\n<p>Sie hat die Kraft, Hoffnungen und Verhei\u00dfungen neu zu formulieren und damit einer Gesellschaft neue Impulse und neue Sichtweisen zu geben. Neu zu fokussieren und festzuhalten, worauf es ankommt. Aus dieser Kraft heraus entsteht zur Zeit des Paulus das Christentum, das sich noch zur Zeit des Neuen Testaments bis nach Europa ausweitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was w\u00e4re das heute? \u2013<\/p>\n<p>Die alte Kirche hat schon immer vier wichtige Funktionen f\u00fcr sich in Anspruch genommen \u2013 und das ist f\u00fcr mich auch heute noch einzigartig (und die Konfis werden das in besonderer Weise erleben k\u00f6nnen):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir feiern Gottesdienste \u2013 und glauben, dass Gott uns in diesen Momenten dient: indem er uns Kraft und Mut verleiht, die wir uns nicht selbst schenken k\u00f6nnen. Dass uns Erkenntnis und Einsichten \u00fcber unser Leben und Zusammenleben kommen, die wir uns oft nicht aus uns selbst heraus sagen k\u00f6nnen: Ich vergebe dir! Ich liebe Dich, wie du bist! Du musst nicht perfekt sein! \u2013 So spricht Gott zu uns, und ich finde es eine gro\u00dfe Befreiung, dass ich das erst h\u00f6ren darf, bevor ich es selber sagen kann und soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir bilden eine Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Das ist eine zuf\u00e4llige Gemeinschaft: wer hierher kommt, ist eingeschlossen. Das k\u00f6nnen derzeit Fl\u00fcchtlinge aus Syrien und Afghanistan sein oder Menschen, die sich bei uns ausbilden lassen, um Sterbende zu begleiten. Die bei uns Donnerstag zu Gast in der Suppenk\u00fcche sind. Interessant wird es, wenn es vielleicht gar nicht so zuf\u00e4llig ist, weil viele doch getauft sind und daher mit uns als Glaubensgeschwister verbunden sind &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sind f\u00fcreinander da &#8230; (Diakonie)<\/p>\n<p>Paulus schon sammelt Kollekten ein, um zwischen den ersten Gemeinden einen Ausgleich zu organisieren. Er sendet die Ph\u00f6be aus, eine erste Diakonin, die die Gemeinden zusammenhalten soll. Wir beten f\u00fcr andere. Wir versuchen \u00fcberhaupt erst einmal Menschen in den Blick zu nehmen &#8230; \u2013 Das ist weit mehr, als dass wir mit der organisierten Diakonie ein evangelisches Sozialunternehmen betreiben: Es f\u00e4ngt bei jeder Begegnung an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich: Wir legen Zeugnis ab.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich, wer von Jesus Christus \u00fcberzeugt wird, wer ihn kennen gelernt hat, so wie der Paulus, dessen Leben wird anders und er wird so leben, wie Jesus es vorgemacht hat. Er wird davon erz\u00e4hlen, was anders wird. Vielleicht nicht gleich so einschneidend wie bei Paulus: Aber wer wei\u00df schon, wann die gro\u00dfen Heiligen der Zukunft einmal von Gott angesto\u00dfen werden oder schon wurden?! \u2013 Bei uns Evangelischen sind alle berufen, die getauft sind, und wir alle sind Heilige!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Was bringt das mit der Religion?<\/p>\n<p>Die Frage klingt sehr funktionalistisch, verzweckt und fast kapitalistisch. Tats\u00e4chlich! &#8211; Es ist auch gar nicht Eure Frage, liebe Konfis, als ob Euch hier jemand unterstellen wollte, dass ihr Euch nur wegen eines entsprechendes Lohnes bei der Konfirmation auf die Religion einlasst. Nein, es ist \u2013 schlicht und ergreifend \u2013 die Frage der J\u00fcnger Jesu selbst. Der Predigttext f\u00fcr den 25. Januar, die Berufung des Paulus, fragt nach dem Lohn, den man f\u00fcr die Nachfolge Jesu bekommt. Die J\u00fcnger fragen also schon, was es denn bringt. Und Jesus winkt nicht ab, sondern verspricht reichen Lohn. Aber im Himmel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201e27 Da fing Petrus an und sprach zu Jesus: Siehe, [a] wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns daf\u00fcr gegeben?<\/em><\/p>\n<p><em>28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch [a] sitzen auf zw\u00f6lf Thronen und [b] richten die zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels.<\/em><\/p>\n<p><em>29 Und wer H\u00e4user oder Br\u00fcder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder \u00c4cker verl\u00e4\u00dft um meines Namens willen, der wird&#8217;s hundertfach empfangen und das ewige Leben ererben.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fragt sich nur, was man im Himmel mit H\u00e4user und \u00c4ckern will. Daher lade ich ein \u2013 alle ein!, sich auf den Glauben und Jesus Christus einzulassen, ohne zu fragen, was es bringt: Neugerig, spendabel mit der eigenen Zeit, suchend und vielleicht auch bereit, sich zu ver\u00e4ndern wie Paulus, eingereiht in eine lange Tradition, die auch heute ihre Kraft entfaltet und auch uns aufrecht stehen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und nun stehe ich hier &#8230; Paulus vor Herodes Agrippa. Der besuchte Ch\u00e4serea, wo Paulus gefangen gesetzt war wegen seiner Religion. 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