{"id":616,"date":"2017-01-11T21:40:05","date_gmt":"2017-01-11T20:40:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=616"},"modified":"2017-01-11T21:40:05","modified_gmt":"2017-01-11T20:40:05","slug":"eine-oekumenische-jahreslosung-neujahr-2015-zu-roem-157","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=616","title":{"rendered":"Eine \u00f6kumenische Jahreslosung (Neujahr 2015 zu R\u00f6m 15,7)"},"content":{"rendered":"<p>Ein neues Jahr hat begonnen. Gestern noch die Jahresr\u00fcckblicke \u2013 nun der Blick nach vorne: Neu beginnen d\u00fcrfen, Neues wagen d\u00fcrfen, Vors\u00e4tze umsetzen d\u00fcrfen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 St. Matth\u00e4us<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00d6kumenischer Gottesdienst zum Neujahr<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jahreslosung 2015: R\u00f6m 15,7<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 1934 begleitet die evangelischen Christinnen und Christen durchs Jahr die Jahreslosung: 2015 hei\u00dft die Losung: <em>Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. (R\u00f6m 15,7)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Losung mit Anspruch. Perfekt, die guten Vors\u00e4tze \u2013 wenn man sie hat \u2013 hineinzulesen, auch f\u00fcr uns als Kirchen und Christenmenschen:<\/p>\n<ul>\n<li>Nehmt einander an, also f\u00fchrt Euch die Fl\u00fcchtlingsschicksale st\u00e4rker vor Augen (\u00dcbersetzung von R\u00f6m 15,7 in einer Predigt von J\u00fcrgen Moltmann: \u201eDarum nehmt euch untereinander auf!\u201c)<\/li>\n<li>Nehmt einander an: Schaut auf die Spaltungen in dieser Gesellschaft, zwischen Arm und Reich, zwischen Menschen mit Teilhabechancen und denen ohne.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der gesellschaftspolitische und sozialethischen Anspruch in dieser Losung ist mir sofort vor Augen und hat ja seine Aktualit\u00e4t und Berechtigung. Im Kontext des R\u00f6m hat das Wort \u201eNehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat\u201c aber zun\u00e4chst eine interessante andere Richtung: Es ist nach innen, in die r\u00f6mische Gemeinde, hineingesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>In Schlussteil des R\u00f6m geht Paulus auf konkrete Spannungen in der Gemeinde ein, eingeleitet mit fast den gleichen Worte (R\u00f6m 14,1): \u201eDen Schwachen [Unsicheren] im Glauben <em>nehmt an<\/em> und streitet nicht \u00fcber Meinungen!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsicherheit entstand in der Gemeinde dar\u00fcber, ob Christen Fleisch essen d\u00fcrfen. Diese Frage war mehr als nur eine Lappalie: Denn die Gemeinde bestand aus Judenchristen, die aus ihrer j\u00fcdischen Tradition heraus Milch- und Fleischprodukte s\u00e4uberlich trennten. Sie hielten es f\u00fcr einen Greul, wenn Heidenchristen sich nicht an die Speisevorschriften hielten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Heidenchristen wiederum verstanden es wohl aus Ausdruck ihrer christlichen Freiheit, Fleisch zu essen und nicht den Toravorschriften folgen zu m\u00fcssen: Sie lie\u00dfen bewusst die Barrieren zwischen heiligem und profanen Leben schleifen. Sie schnitten radikal der j\u00fcdischen Traditionen ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die einen wie die anderen sollen aber nicht Gefallen an sich selbst haben, schreibt Paulus (R\u00f6m 15,1): Sie sollen den jeweils anderen nicht Glaubens\u00fcberzeugungen abringen oder gar eine Heilsfrage daraus stilisieren. Sondern: <em>\u201eNehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ein \u00f6kumenischer Satz!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kein Bruder vermag den anderen, keine Schwester die andere, zum \u201eBleiben\u201c und \u201eStehen\u201c im Glauben bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das tut allein Gott durch Jesus Christus: Mit seinem Leben, seinem Sterben und Auferstehen ist das Heil da \u2013 wohlgemerkt auch des christlichen Bruders, der christlichen Schwester. Dar\u00fcber hat keine Mensch Befugnis oder Macht zu entscheiden, wie immer er den christlichen Glauben auch zu leben begreift, welche Traditionen und Sitten er hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eKeiner lebt sich selbst, keiner stirbt sich selbst\u201c (R\u00f6m 14,7), schreibt Paulus \u2013 dieser ber\u00fchmte Vers, den wir als Auferstehungswort am offenen Grab kennen, er kl\u00e4rt vor allem den Rahmen ums Ganze, in dem dann verschiedene Standpunkte und Traditionen, verschiedene Pr\u00e4gungen ihr Recht haben, aber nicht heilsrelevant sein sollen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eKeiner lebt sich selbst, keiner stirbt sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. \u201eDenn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, dass er \u00fcber Tote und Lebendige der Herr sein.\u201c <\/em>(R\u00f6m 14,7)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Blick auf die Speisegebote in der r\u00f6mischen Gemeinde hei\u00dft das: Speisen, die einen \u201eunrein\u201c machen, also einen Menschen von Gottes N\u00e4he abhalten k\u00f6nnten, gibt es nicht. Die Heilstat Christi ist umfassender!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Umgekehrt gilt aber auch: Wer auf \u201eunreinen\u201c Speisen dennoch verzichtet, ist aber ebenso wenig als Christ disqualifiziert Christus hat auch ihn genauso angenommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier entdecke ich einen wichtigen \u00f6kumenischen Grundsatz, den wir im neuen Jahr weiter kultivieren und leben sollten: Es gibt verschiedene Pr\u00e4gungen! Ja schmerzhaft muss es uns immer wieder in die Knochen fahren, dass die Kirche, von Christus angenommen, nicht eins ist, sich also nicht angenommen hat. Es gibt Momente, wo \u2013 wie in der r\u00f6mischen Gemeinde \u2013 Standpunkte gegen Standpunkt stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber Jesus Christus hat uns durch seine Heilstat l\u00e4ngst angenommen. Er schafft den Rahmen, in den wir getrost Unterschiede einzeichnen d\u00fcrfen. Wo die Bereitschaft zur Vers\u00f6hnung reifen kann. Wo der Geist Gottes weht, um den anderen zu verstehen und nach Einheit zu streben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eDie Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen ist eine der Hauptaufgaben des Heiligen \u00d6kumenischen Zweiten Vatikanischen Konzils.\u201c<\/em> So beginnt das \u00d6kumenismusdekret des 2. Vatikanischen Konzils, das sich Ende November zum 50. Mal j\u00e4hrte. Und dann geht es weiter, als ob die Jahreslosung 2015 theologisch zu Grunde gelegt w\u00e4re:<\/p>\n<p><em>\u201eDenn Christus der Herr hat eine einige und einzige Kirche gegr\u00fcndet, und doch erheben mehrere christliche Gemeinschaften vor den Menschen den Anspruch, das wahre Erbe Jesu Christi darzustellen; sie alle bekennen sich als J\u00fcnger des Herrn, aber sie weichen in ihrem Denken voneinander ab und gehen verschiedene Wege, als ob Christus selber geteilt w\u00e4re.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christus ist aber unteilbar: Es gibt verschiedene Standpunkte, sogar verschiedene Konfessionen und Kirchen, aber den einen Herrn, der uns angenommen hat. Daher \u2013 im doppelten Sinne \u2013 soll die \u201eLosung\u201c sein: Nehmt einander an!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die r\u00f6misch-katholische Kirche hat sich mit dem \u00d6kumenismus-dekret 1964 der \u00f6kumenischen Bewegung ge\u00f6ffnet und in meinen Augen anerkannt, dass die Vielfalt der Konfessionen ein Geschenk des Heiligen Geistes ist. Das ist eine gro\u00dfe Leistung, die nicht in Vergessenheit geraten darf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr uns Protestanten kann ich es mir auch nicht anders vorstellen, als dass wir 2017 das Reformationsjubil\u00e4um \u00f6kumenisch feiern. Im Duktus des Predigttextes kann auch kein Zweifel darin bestehen, dass wir es als \u201eChristusfest\u201c feiern. Als was denn sonst? Die Reformation wollte \u2013 auch wenn es dann zur institutionellen Spaltung kam, zu Kriegen und dogmatischer Engstirnigkeiten \u2013 nichts anderes, als Jesus Christus als den einen Herrn der Kirche neu herausstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gelungene \u201eReformation\u201c, Neuformulierung, hei\u00dft: daran erinnern, dass Christus uns angenommen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er hat den Rahmen gesetzt. Er umfasst Leben und Sterben (\u201ewir leben dem Herrn, wir sterben dem Herr\u201c). Damit ist in diesem Rahmen das, \u201ewas uns verbindet viel st\u00e4rker, als das, was uns trennt\u201c (Enzyklika Ut unum sint 20).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So w\u00fcnsche ich uns f\u00fcr 2015, dass wir gemeinsam Jesus Christus in die Mitte unseres gemeinsamen Glaubens und Handelns stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann sind wir gemeinsam in unserem Element, wie es im Klappentext von Siegfried Eckerts Buch \u201e2017 \u2013 Reformation statt Ref\u00f6rmchen\u201c hei\u00dft:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eWir sind in unserem Element,<\/em><\/p>\n<p><em>wenn wir uns unserer Geschichten vergewissern, der Toten erinnern und im Leben den Tod nicht verdr\u00e4ngen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind in unserem Element,<\/em><\/p>\n<p><em>wo Gottes Geist weht, wie er will und wir als Kirche Verantwortung f\u00fcr die Zukunft \u00fcbernehmen, im Wissen, hier keine bleibende Stadt zu haben.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Kirche ist in ihrem Element,<\/em><\/p>\n<p><em>wo sie die Trennung von sakral und profan \u00fcberwindet und die gebotenen Distanz zur Welt einh\u00e4lt, sie ihren vern\u00fcnftigen Gottesdienst im Alltag der Welt und den Sonntag als Fest des Lebens feiert.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Kirche ist in ihrem Element, <\/em><\/p>\n<p><em>wo sie ihre Ber\u00fchrungs\u00e4ngste vor Auss\u00e4tzigen und Andersdenkenden verliert und Aufkl\u00e4rung betreibt; den Reichtum der Kultur als Lebens\u00e4u\u00dferung begabter Gotteskinder achten und jeglichem Fundamentalismus wehrt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wir sind im unserem Element, wo Spiritualit\u00e4t kein Fremdwort ist, sondern als t\u00e4gliches Ein- und Ausatmen g\u00f6ttlicher Gegenwart genossen wird.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit eigenen Worten gesagt: Wir sind in unserem Element, wenn wir einander annehmen, weil wir uns angenommen wissen von Christus Jesus, dem gemeinsamen Herr der einen Kirche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Jahr hat begonnen. 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