{"id":610,"date":"2017-01-11T21:28:47","date_gmt":"2017-01-11T20:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=610"},"modified":"2017-01-11T21:28:47","modified_gmt":"2017-01-11T20:28:47","slug":"auf-den-sinai-19-so-n-tr-zu-ex-341-10","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=610","title":{"rendered":"Auf den Sinai (19. So. n. Tr. zu Ex 34,1-10)"},"content":{"rendered":"<p>Der Weg auf den Sinai, den Mosesberg auf der Sinai-Halbinsel in \u00c4gypten, ist beschwerlich. Einige von uns k\u00f6nnen ein Lied davon singen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche, <\/strong><\/p>\n<p><strong>19. So. n. Tr. zu Taufen ,#Ex 34,1-10<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man zum Sonnenaufgang oben sein m\u00f6chte, dann bricht man nur wenig nach Mitternacht auf. Wenn der Mond nicht scheint, ist es stockfinster.<\/p>\n<p>Erst noch ist der Weg eben und breit. Im Dunkel tauchen immer wieder Beduinen auf, die ihre Kamele vermieten wollen.<\/p>\n<p>Schritt f\u00fcr Schritt f\u00fchrt der Weg hoch. Es wird immer k\u00fchler. Die Wege werden immer schmaler.<\/p>\n<p>Das vorsichtige Tasten der F\u00fc\u00dfe, das Aufspritzen von Sand und Steinchen ist das einzige, was man h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Man ist gut beraten, nicht schwer zu tragen, wenn man den Berg erklimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>__1Gott sprach zu Mose: \u00bbHaue dir zwei neue Steintafeln zurecht genau wie die vorigen. Ich schreibe darauf die Worte, die auf den ersten Tafeln gestanden haben, welche du zerbrochen hast. 2Sei bereit, morgen fr\u00fch auf den Berg Sinai zu steigen und mir auf dem Gipfel gegen\u00fcberzutreten. 3Niemand darf dich begleiten, auf dem ganzen Berg soll sich kein Mensch blicken lassen, und weder Schaf noch Rind d\u00fcrfen auf ihn zu weiden.\u00ab 4Mose richtete die beiden Steintafeln wie die vorigen her und machte sich fr\u00fchmorgens auf den Weg. Wie Gott es ihm aufgetragen hatte, stieg er auf den Berg Sinai; die beiden Steintafeln trug er bei sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Kinder bekommen S\u00fc\u00dfigkeiten zugeworfen, Menschen tanzen durch die Synagoge: Nach den vielen ernsten j\u00fcdischen Feiertagen dieser Wochen, wie Neujahrsfest und Laubh\u00fcttenfest, geht es beschwingt und heiter zu: J\u00fc-dinnen und Juden feiern im Oktober \u201eSimchat Tora\u201c: das Fest \u201eFreude am Gesetz\u201c. Die Torarollen werden nochmals besonders hervorgehoben und durch den Gottesdienst-raum getragen. Es wird der letzte Abschnitt der Tora, also der F\u00fcnf B\u00fccher Mose, der Gesetzesb\u00fccher, gelesen. Dann f\u00e4ngt die Lesereihe wieder vorne bei den Sch\u00f6-pfungsgeschichten vom neuen an.<\/p>\n<p>Es ist ein heiteres Fest. Ein gel\u00f6stes und befreites. Im Mittelpunkt steht die Lust an den Weisungen Gottes: 613 Weisungen f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden, darunter auch die Zehn Gebote. Nichts ist zu sp\u00fcren vom beschwerlichen Weg des Moses auf den Sinai am Simchat Tora, Am Fest der Freude am Gesetz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Den Taufspruch k\u00f6nnen wir selber aussuchen? Ja, Sie kennen Ihr Kind am besten, habe ich geantwortet. \u2013 Eine unserer Tauffamilien hatte schon einen Spruch ausgesucht, als ich zum Taufgespr\u00e4ch kam, die andere hat ihn schnell selber gefunden. Und es sind wunderbare Verse, die genau auf die Kinder passen, die ich kennen gelernt habe, und die Familiensituation: Was soll Jonas zugesprochen werden? Mit welchem biblischen Wort soll Damian sich an seine Taufe erinnern? \u2013 Das alles ist f\u00fcr die Taufe nicht unbedingt n\u00f6tig, es tut einfach nur das Wort und das Wasser, aber ein passender Taufspruch kann den Lebensweg begleiten und immer wieder neu erinnern: In der Taufe hat sich Gott mit Euerm Kind verbunden und versprochen, immer da zu sein. So einen Taufspruch &#8211; den w\u00fcrde man am liebsten heute in Stein mei\u00dfeln, damit er bewahrt bleibt und sich im weiteren Leben bewahrheitet &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Wenn man kurz vor vier Uhr nachts auf der Spitze des Sinai ankommt, im Stockdunkeln, dann pfeift der Wind. Dann ist der Mensch ganz klein und ausgeliefert der Natur: der K\u00e4lte und Dunkelheit, der Macht eines unendlich erscheinenden Bergpanoramas, von dem man mit der min\u00fctlich voranschreitenden Morgend\u00e4mmerung eine kleine Vorahnung erh\u00e4lt. Angekommen \u2013 aber l\u00e4ngst nicht am Ziel. Sensibel f\u00fcr alle leisen und m\u00e4chtigen T\u00f6ne der Natur. Und je nach dem bereit f\u00fcr eine Gottesbegegnung&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>5Da kam Gott in einer Wolke herunter, stellte sich zu Mose und rief ihren Namen aus: \u00bbIch-bin-da\u00ab. 6Dann ging Er an Mose vorbei und rief erneut: \u00bbIch-bin-da. Ein mitf\u00fchlender, chengn\u00e4diger elGott bin ich, langm\u00fctig, chesedtreu und emetwahrhaftig, Ich. 7Ich sorge f\u00fcr 1000\u00a0Generationen und bin bereit, awonSchuld, peschaVerirrung und chattatVerfehlung zu vergeben.<\/p>\n<p>Doch ich lasse nicht alles durchgehen, ich ahnde auch awonSchuld der Eltern an Kindern, Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln.\u00ab<\/p>\n<p>8Mose warf sich schnell zur Erde und nahm die Gebets-haltung ein. 9Er sagte: \u00bbMein Herr, wenn du mir wohl willst, dann gehe doch bitte mit uns, Herr. Es ist ein starrk\u00f6pfiges Volk, doch du kannst uns unsere Schuld und Verfehlungen vergeben. Nimm uns doch als dein Eigentum an.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VII.<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste die S\u00fc\u00dfigkeit zum Gesetzesfreude-Fest einen bitteren Beigeschmack haben&#8230; 613 Weisungen \u2013 kaum zu halten. Erfochten und erk\u00e4mpft vom Mose. Was ja noch gar nicht gesagt wurde: Er steigt schon das zweite Mal zum Sinai hoch. Beim ersten Mal kam er herunter mit den Steintafeln und den Zehn Geboten, und weil es dem Volk zu lange gedauert hatte und sie sich nicht mehr sicher waren, was Gott versprochen hatte, und sie sich fragten, ob es diesen unsichtbaren Gott \u00fcberhaupt gibt \u2013 da hatten sie ein Goldenes Kalb gebaut und beteten es an.<\/p>\n<p>Eben ein starrk\u00f6pfiges Volk, voller Ungeduld, das sich Gott am liebsten sicher in die Tasche stecken m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Aber: Am Simchat Tora-Fest schmeckten die S\u00fc\u00dfigkeiten und vergessen und vergeben diese Schuld und Verfehlung des Gottesvolkes: Allen Strapazen des Mose zum Trotz, seinen k\u00f6rperlichen Strapazen, ein zweites Mal auf den Berg zu steigen zum Trotz und vor allem auch seiner f\u00fcrchtlich peinlichen Aufgabe zum Trotz, nochmals f\u00fcr sein Volk in die Bresche zu springen und f\u00fcr seine Leute bei Gott ein gutes Wort einzulegen \u2013 all diesen Dingen zum Trotz wird bis heute das Gesetzesfreude-Fest gefeiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass Gott dem Mose die guten Weisungen geschenkt hat. Dass er nochmals \u2013 wie am Dornbusch in der W\u00fcste zuvor \u2013 seinen Namen offenbart: Ich bin der, der f\u00fcr dich da ist.<\/p>\n<p>Und das hei\u00dft konkret: ich bin ein mitf\u00fchlender, gn\u00e4diger Gott, langm\u00fctig, treu und wahrhaftig. Ich erneuere meine Weisungen f\u00fcr euch, damit Ihr beim zweiten Mal begreift. Ich halte meinen Part des Bundesschlusses durch, auch wenn ihr es nicht k\u00f6nnt.<\/p>\n<p>Daher die Freude am Gesetz Gottes. Bis heute. Regeln, die unser Zusammenleben heilsam regeln \u2013 und die uns in Beziehung setzen zu Gott, der einst sein Volk aus der Knechtschaft befreite, es also genau von den Fesseln l\u00f6ste, die die Zehn Gebote als gute Regeln der Freiheit bereit halten: Wen Du Gott kennst, der dich aus \u00c4gypten befreit hat, brauchst du keine anderen G\u00f6tter, du brauchst nicht stehlen, morden, falsch Zeugnis reden und vieles mehr.<\/p>\n<p>Wer merkt, dass er dies durch Gottes gute Weisungen alles nicht n\u00f6tig hat \u2013 und auch eine neue, zweite Chance bekommt, es zu begreifen, &#8211; der feiert ein Fest mit S\u00fc\u00dfigkeiten. Und der Mose wird seinen beschwerlichen Weg nicht abermals bereut haben&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VIII.<\/p>\n<p>Wie auf Steintafeln k\u00f6nnten wir heute die beiden Taufspr\u00fcche aufschreiben und sie dann mitnehmen auf den Weg durch das weitere Leben:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich danke dir daf\u00fcr, dass ich wunderbar gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. (Psalm 139,14) (Jonas Escher)<\/p>\n<p>Sie haben als Familie von Anfang an erfahren, dass Jonas wunderbar gemacht war \u2013 Sie mussten da nicht zweimal hinschauen, sie mussten f\u00fcr diese Erkenntnis auch nicht wochen- und monatelang warten, bis sich seine schwere Ausgangssituation ganz langsam normalisiert hatte. Er ist von Anfang an ein wunderbares Werk Gottes f\u00fcr sie gewesen.<\/p>\n<p>Und sie haben erfahren, was Mose am Sinai von Gott selbst gesagt bekommt: ich bin ein mitf\u00fchlender, gn\u00e4diger Gott ist, langm\u00fctig, treu und wahrhaftig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Damian soll in Stein gemei\u00dfelt sein das Wort Ps 91:<\/p>\n<p>Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Fl\u00fcgeln. (Psalm 91,4)<\/p>\n<p>Damian ist schon zwei, lebendig und neugierig, er ist immer und \u00fcberall unterwegs und erobert sich seine Welt. Da braucht man meinen Gott, der wie ein Adler die Fl\u00fcgel breitet \u00fcber seine Gehversuche. Der ihn sch\u00fctzt und ihn unter seine Fl\u00fcgel nimmt \u2013 sicher nicht nur als Kind, sondern zu allen Lebenszeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber noch wichtiger als ein Taufspruch: Wie Gott sich mit dem Volk Israel in einem Bund verbindet, so schlie\u00dft sich Gott durch die Taufe mit Menschen aller V\u00f6lker zusammen. Jonas und Damian geh\u00f6ren mit der Taufe sichtbar zu Gott.<\/p>\n<p>Er liebt den Menschen \u2013 er wurde ja selber einer in Jesus Christus -, er achtet aber auch auf die Regeln und Weisungen, die er den Menschen gegeben hat. Daher irritert auf den ersten Blick die zornige Selbstaussage Gottes, dass er Verfehlungen in mehrere Generationen hinein verfolgt. Soll hei\u00dfen: Es ist ihm alles andere als egal, wie der Mensch lebt und sich Gott und dem N\u00e4chsten gegen\u00fcber verh\u00e4lt. Daf\u00fcr sind seine Regeln zu wichtig und sinnvoll. \u2013 Und dennoch ist er bereit zu verzeihen 1.000 Generationen, also im \u00fcberwiegenden Fall. Aber es ist eben kein Automatismus \u2013 und das ist gut so, um den Weisungen Gottes, \u00fcber die sich auch Jonas und Damian freuen k\u00f6nnen, zur Geltung zu verhelfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Wenn es dann Morgen wird \u00fcber den Sinai und die Sonne langsam emporsteigt, dann sieht man die unglaubliche Weite und Sch\u00f6nheit der \u00e4gyptischen Berge. Majest\u00e4tisch erheben sich die Berge, der Himmel \u00f6ffnet sich unter der Morgend\u00e4mmerung. Man sp\u00fcrt Freude an der Gegenwart Gottes, man lobt ihn, dass er Mose ein zweites Mal dorthin bestellte und seinem Volk verzieh. Man sp\u00fcrt, dass Gott sich fortw\u00e4hrend mit Menschen verkn\u00fcpft und ihr Leben leiten und begleiten m\u00f6chte. Mit unserer Taufe gilt uns dieses Wort unmittelbar:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>X.<\/p>\n<p>10Gott erwiderte: \u00bbIch will einen Bund mit euch schlie\u00dfen. Vor dem ganzen Volk werde ich Erstaunliches tun, wie es auf der ganzen Erde und unter allen Nationen noch nie geschehen ist. Alle Menschen der Gemeinde, in der du lebst, sollen Meine Taten miterleben; gewaltig ist, was ich f\u00fcr euch tun werde.\u201c Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weg auf den Sinai, den Mosesberg auf der Sinai-Halbinsel in \u00c4gypten, ist beschwerlich. 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