{"id":608,"date":"2017-01-11T21:24:53","date_gmt":"2017-01-11T20:24:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=608"},"modified":"2017-01-11T21:24:53","modified_gmt":"2017-01-11T20:24:53","slug":"der-geist-von-spietz-predigt-pfingsten-2014-zu-roem-81-11","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=608","title":{"rendered":"Der Geist von Spietz (Predigt Pfingsten 2014 zu R\u00f6m 8,1-11)"},"content":{"rendered":"<p>Kennen Sie den Geist von Spietz? Der soll im Hotel Belvedere geboren worden sein, 1954 das Mannschaftsquartier der deutschen Fu\u00dfball-Nationalmannschaft. Er dr\u00fcckte die Philosophie des Fu\u00dfballlehrers Sepp Herberger aus: \u201eAlle f\u00fcr einen \u2013 einer f\u00fcr alle.\u201c \u2013 \u201eElf Freunde m\u00fcsste ihr sein&#8230;\u201c<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pfingstsonntag #R\u00f6m 8,1-11<\/strong><\/p>\n<p>Der Geist von Spietz schaffte ein unglaubliches Gemeinschaftsgef\u00fchl, bis hin zu gemeinsamen Bootsfahrten, auf denen die Fu\u00dfball fr\u00f6hliche Wanderlieder anstimmten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich der Geist an Pfingsten, der ja auch viele verschiedene Gaben, aber einen Geist bezeichnet? (1Kor 12,4)? Wo es auch um eine unsichtbare und schwer zu zu umschreibende Kraft geht, die pl\u00f6tzlich sp\u00fcrbar war und eine besondere Wirkung entfaltet hat?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Szenenwechsel: Am Freitag wurde im Burggymnasium eine Ausstellung er\u00f6ffnet: 100 Jahre Friedensbewegung in dieser Region. Eine Ausstellung, die uns zeigen m\u00f6chte: Denkt nicht (nur) an 100 Jahre Erster Weltkrieg, sondern daran, dass mindestens schon 100 Jahre lang Menschen sich auch f\u00fcr den Frieden eingesetzt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einer Ausstellungtafel steht ein Zitat aus der Satzung der UNESCO, der Bildungs-Organisation der Vereinten Nationen, von 1946: Dort wird auch ein Geist beschworen: \u201eKriege haben ihren Ursprung im Geist des Menschen und daher muss der Schutz des Friedens gleichfalls im Geist des Menschen errichtet werden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich der Geist an Pfingsten, der ja auch ein Geist des Friedens war? Interessanterweise hat die Friedensbewegung ja die Taube, das Symbol des Heiligen Geistes, f\u00fcr sich \u00fcbernommen hat. Und Jesus sagt doch in der Bergpredigt: \u201eSelig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder hei\u00dfen. (Mt 5,9).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Aber wie dann die Geister unterscheiden? Die UNESCO formuliert genauso: Auch \u201eKriege haben ihren Ursprung im Geist des Menschen\u201c. Das ist 1946, ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg, ein bitter-wahrer Satz: Kriege fallen nicht vom Himmel, sondern entstehen im Geist des Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder genauer geschafft auf den \u201eGeist von Spietz\u201c: Das m\u00f6gen elf Freunde gewesen sein \u2013 ja. Aber der Trainer Sepp Herberger schottete seine Mannschaft komplett von der Au\u00dfenwelt ab. Nicht einmal die Ehefrauen durften ins Mannschaftshotel. Das schm\u00e4lert ja nicht den sportlichen Erfolg, nicht die Bedeutung WM-Titels f\u00fcr die Nachkriegsgesellschaft. Aber ich frage mich: Was genau f\u00fcr ein Geist war das denn nun? Vielleicht doch nur eine Erfindung oder ein Zerrbild?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Wie die Geister scheiden? Warum eigentlich die Geister unterscheiden? Heute, so k\u00f6nnte man schnell meinen, darf doch jeder f\u00fcr wahr halten, was er m\u00f6chte. Es gibt viele Geister, den man sich anschlie\u00dfen kann &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Paulus mitnichten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er schreibt an die R\u00f6mer im 8. Kapitel von der strikten Scheidung der Geister. Es geht ihm um die Freiheit von den falschen Geistern, die er mit der S\u00fcnde, dem Tod, dem Gesetz, dem \u201eFleischlichen\u201c bezeichnet. Und er schreibt den R\u00f6mern vom rettenden Geist Jesu Christi, dessen Auferweckung die Abh\u00e4ngigkeit von den falschen Geistern ein f\u00fcr alle Mal durchbrochen hat:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>1 So gibt es nun keine Verdammnis f\u00fcr die, die in Christus Jesus sind. 2 Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der S\u00fcnde und des Todes. &#8230;<br \/>\n9 Ihr aber seid nicht fleischlich, sondern geistlich, wenn denn Gottes Geist in euch wohnt. Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein. 10 Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der S\u00fcnde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. 11 Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lebendig durch Gottes Geist \u2013 dem Tod geweiht, wer nach dem \u201eFleisch\u201c lebt. Paulus scheint ganz gefangen zu sein in den Gegens\u00e4tzen eines Schwarz-Wei\u00df-Menschen- und Weltbildes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was hei\u00dft \u201efleischlich\u201c? Meint er damit eine Leibfeindlichkeit, die die Kirchen viele Jahrhunderte vertreten hat? Und ist \u201eGeist\u201c dann so etwas wie eine weltfremde Entr\u00fcckung von der irdischen Wirklichkeit, der manche pfingstlerischen Gruppen heute erliegen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder k\u00f6nnte diese schroffe Unterscheidung des Paulus gerade helfen, die Geister heute zu unterscheiden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Mit \u201eLeben im Fleisch\u201c meint Paulus wohl nicht vorrangig die Sexualit\u00e4t des Menschen. Und \u201eS\u00fcnde\u201c bezeichnet keine moralische Verfehlungen. Ihm geht es hier ausschlie\u00dflich um die Beziehung des Menschen zu Gott und zu Jesus Christus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eLeben im Fleisch\u201c meint alles das, was den Menschen an sich \u2013 und nicht an Gott! \u2013 bindet. Wo der Mensch um sich selber kreisen l\u00e4sst. Was ihm oft in \u201eFleisch und Blut\u201c \u00fcbergegangen ist eben nicht mit der Ewigkeit zu tun hat: der Egoismus, die Selbstverliebtheit, das Machtstreben auf Kosten anderer. Die Angst, immer zu kurz zu kommen. Allmachtsphantasien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus meint Dinge, wo der Mensch in sich verkr\u00fcmmt und gefangen bleibt, weil er sich nicht abheben kann aus dem Alltagseinerlei. Oder sich an allzu weltliche Dinge bindet wie Geld. Oder an allzu k\u00f6rperliche wie Gesundheit, die oft zur Religion wird. Tr\u00fcgerische Freiheiten \u2013 und nach Paulus eben der Geist der Unfreiheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn Sie einmal das Bild auf dem Gottesdienstprogramm, eine wirklich lebensgro\u00dfe Skulptur, die seit 2001 in Philadelphia\/USA steht, zun\u00e4chst nach ganz links: Da ist der der Mensch eingepasst, statisch, bewegungsunf\u00e4hig, in sich selbst, in seinem \u201eFleisch\u201c gefangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus will demgegen\u00fcber die Frohe Botschaft nach Rom weitersagen, dass uns im Gegensatz dazu der Geist Gottes lebendig und frei macht: Ihr seid frei. Ihr seid \u201egeistlich\u201c \u2013 das ist das Gegenwort und das Unterscheidungsmerkmal! Uns bindet hier auf Erden nichts au\u00dfer das Vertrauen auf den befreienden Geist Gottes!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann das nicht anders erkl\u00e4ren als mit dem Wunder und dem Geschenk der Taufe, die wir heute miterlebt haben: Wir vertrauen darauf, dass in der Taufe der Geist Gottes auf Lilli gekommen ist. Sie geh\u00f6rt zu Jesus Christus, dem Auferstandenen. Sie hat Anteil am ewigen Leben, das hei\u00dft: Es gibt eine Dimension \u00fcber alles Weltliche, alle weltlichen Bindungen, hinaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie haben als Taufspruch den Vers aus Ps 91,11 ausgew\u00e4hlt: <em>\u201eDer Herr hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich beh\u00fcten auf allen deinen Wegen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nehmen wir ernst, dass in der Taufe der Geist des Auferstandenen auf Lilli gekommen ist, dann ist dieses \u201e\u201cBeh\u00fcten\u201c weit mehr als eine Begleitung eines Schutzengel, der aufpasst, das einem nichts B\u00f6ses passiert. Dann ist es die Verhei\u00dfung, dass Gott Lilli so frei macht, dass selbst das B\u00f6se ihr nichts antun und sie aus der Bahn werfen kann. Das gilt selbst \u00fcber ihre Lebensdauer hinaus!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Philadelphia steht im Vordergrund der Skulptur ein befreiter und aufrecht gewordener Mensch. Er regt sich dem Himmel entgegen. Er ist frei geworden \u2013 langsam aus seiner Gefangenheit herausgetreten. Die Taufe ist dieser Anfang. Und jeder Erinnerung im Gottesdienst an diese Taufe ist eine neue Vergewisserung, dass wir mit dem Geist Gottes erf\u00fcllt sind und immer wieder neu aufgerichet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>Damit sind wir wieder bei Geist von Spiez und beim Geist des Menschen zum Friedens, den die UNESCO beschw\u00f6rt. Wer so frei im Leben steht, wie die herausgetretene Bronze-Skulptur, der wei\u00df pl\u00f6tzlich um die Beeinflussbarkeit des Lebens durch die eigene Kraft und den eigenen Mut. Er lamentiert nicht \u00fcber die Unver\u00e4nderbarkeit der Lebensverh\u00e4ltnisse \u2013 unver\u00e4nderbar sind sie tats\u00e4chlich nur f\u00fcr den Menschen ganz links hinten in der Skulptur, nicht aber f\u00fcr den Befreiten im Vordergrund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber im Gegensatz zu den vom Menschen selbst titulierten Geistern \u2013 sei es der Geist von Spiez oder der Geist des Menschen zum Friedens \u2013 kommt der Geist Gottes auf uns zu, \u00fcberrascht und befl\u00fcgelt uns. Er ragt eben \u00fcber unsere Kr\u00e4fte hinaus \u2013 und sogar \u00fcber unsere Lebenszeit hinaus. Er verschafft uns die Freiheit, die Geister in dieser Welt zu unterscheiden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VII.<\/p>\n<p>Der Text R\u00f6mer 8 ist von Johann Sebastian Bach musikalisch in einer Motette umgesetzt worden. Ich habe die Musik dabei im Kopf. In der Motette kommt der Choral \u201eJesu meine Freude\u201c vor, das Lied, was wir nun singen wollen. Das Lied benennt unausweichliche Trennung der Geister. Es besingt die Bindung an Jesus Christus und kann den S\u00fcnden, also dem H\u00e4ngen am Eigenen, schlicht \u201eGute Nacht\u201c sagen! Welch ein Pfingstfest!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennen Sie den Geist von Spietz? Der soll im Hotel Belvedere geboren worden sein, 1954 das Mannschaftsquartier der deutschen Fu\u00dfball-Nationalmannschaft. 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