{"id":606,"date":"2017-01-11T21:22:57","date_gmt":"2017-01-11T20:22:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=606"},"modified":"2017-01-11T21:22:57","modified_gmt":"2017-01-11T20:22:57","slug":"knoten-im-taschentuch-osternnacht-zu-2tim-28","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=606","title":{"rendered":"Knoten im Taschentuch (Osternnacht zu 2Tim 2,8)"},"content":{"rendered":"<p>Mein Gro\u00dfvater war ein weiser, sorgsamer, ja akribischer Mann: Er hatte allerlei Zettel, woran er denken musste \u2013 Eink\u00e4ufe auf einen kleinen gr\u00fcnen Zettel. Aufgaben in der Wohnung: rot. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche<\/strong><\/p>\n<p><strong>Osternacht 2014 #2Tim 2,8<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Haushaltsbuch: kleine blaue Zettel. Die Zettel wurden in einer Schublade in der K\u00fcche sorgf\u00e4ltig gesammelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu dem akuraten Mann geh\u00f6rte auch, dass er noch echte Stofftaschent\u00fccher in der Tasche hatte, die er sauber faltete. Einmal entdeckte ich als kleiner Junge aber, dass er einen Knoten hineingemacht hatte. \u201eDamit ich was Wichtiges nicht vergessen!\u201c sagte er. Mir schien, es war was viel Wichtigeres als auf den Zetteln in der K\u00fcchenschublade festgehalten wurde. Etwas, was man immer dabei hat und dicht am K\u00f6rper tr\u00e4gt\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p><em>\u201eHalt im Ged\u00e4chtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten!\u201c (2Tim 2,8a)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So lapidar und einfach, aber so existentiell wichtig schreibt es der Verfasser des 2.Tim. Er schreibt das Jahre nach dem Leben Jesu, als er selbst \u2013 wahrscheinlich um seines Glaubens wegen \u2013 im Gef\u00e4ngnis sitzt.<\/p>\n<p>Mit seinen Worten ermuntert er den Timotheus, sich quasi einen Knoten ins Taschentuch zu machen: Nimm immer mit und hab eng bei dir, was es mit Jesus, dem Christus, auf sich hat. Wie seine Geschichte war. Welch eigent\u00fcmliche Kraft im Glauben an ihn liegt f\u00fcr dein Leben! Du wirst es brauchen k\u00f6nnen \u2013 Du musst es aber auch erinnern! Denn wie schnell kann ein Erlebnis, auch ein Mensch in Vergessenheit geraten! Wie schnell verblasst ein Menschenleben, wenn man es nicht im Ged\u00e4chtnis beh\u00e4lt! Ellie Wiesel, der j\u00fcdische Pihilosoph, hat einmal gesagt: \u201eDas Gegenteil von Erinnern ist nicht Vergessen, sondern Gleichg\u00fcltigkeit.\u201c \u2013 Wir erleben nat\u00fcrlich in unserer Zeit auch viel Gleichg\u00fcltigkeit, wenn wir versuchen, uns an Jesus Christus zu erinnern. Aber gerade deshalb ist es wichtig \u2013 und etwas besonders Wertvolles!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Wir tun das seit 2.000 Jahren.<\/p>\n<p>Wir stellen uns in die Reihe der ersten J\u00fcnger und Apostel, die nicht aufh\u00f6ren konnten von dem zu reden, was sie selbst geh\u00f6rt und gesehen haben: Blinde sehen, Lahme gehen, Auss\u00e4tzige werden rein und Taube h\u00f6ren, Tote stehen auf, und Armen wird die Frohe Botschaft verk\u00fcndigt (Mt 11,5).<\/p>\n<p>Denkt an Zach\u00e4us, den Z\u00f6llner, wie sich sein Leben durch Jesus \u00e4nderte. Oder denkt an das Gleichnis vom Verlorenen Sohn, wo es durch die Vergebungsbereitschaft des Vaters ein Zur\u00fcck f\u00fcr den Sohn gibt. So ist Gott. Und davon hat Jesus erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p><em>\u201eHalt im Ged\u00e4chtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten!\u201c (2Tim 2,8a)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Osternacht ist der erste und vornehmste Ort f\u00fcr unsere Erinnerung an Jesus, den Christus.<\/p>\n<p>Wir haben die Worte des Evangelisten Matth\u00e4us geh\u00f6rt, der die Geschichte aufgeschrieben hat, wie die Frauen am Ostermorgen zum Grab kommen \u2013 zun\u00e4chst traurig, weil die Sache Jesu ein f\u00fcr alle Mal zu Ende zu sein scheint. Was dann genau passiert ist, <em>wissen<\/em> wir nicht. Sicher verstehen wir es auch nicht in G\u00e4nze. Aber wir merken doch etwas von der ungemeinen Freude, diesem absoluten Sinneswandeln der Frauen. Wir sp\u00fcren die neue Hoffnung, die sie pl\u00f6tzlich \u2013 inmitten aller Traurigkeit \u2013 erf\u00fcllt: <em>Der Herr ist auferstanden!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir setzen quasi die \u00f6stliche Brille auf. Und wir rufen uns mit der Osterfreude der Frauen Jesus ins Ged\u00e4chtnis, der nicht der Gekreuzigte allein geblieben ist, sondern der Auferweckte wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus dem MtEv, nur wenige S\u00e4tze sp\u00e4ter, h\u00f6ren wir gleich den Taufauftrag, den der Auferstandene selber an seine J\u00fcnger spricht. Tauft die Menschen! Das tun wir bis heute \u2013 und holen Menschen in unsere Erinnerungsgemeinschaft hinein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eLehrt sie halten alles, was ich euch beigebracht habe!\u201c \u2013 Das ist ja die Aufforderung des Auferstandenen selbst, einen Knoten ins Taschentuch zu machen: Sagt allen weiter, was ich euch beigebracht habe \u2013 fangt also gleich am Ende des Evangeliums wieder vorne an zu lesen. Aber lest in dem Bewusstsein, wie diese Geschichte geendet hat: nicht am Kreuz, mit dem v\u00f6lligen Ende der Geschichte Jesu \u2013 und damit auch mit dem Scheitern des liebenden Gottes. Sondern lest sie mit der \u00f6sterliche Brille, mit der Freude der Frauen im Herzen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Daher ist der Zusatz im 2Tim 2,8 auch so entscheidend und geh\u00f6rt mit in unsere Erinnerung geflochten: \u201eHaltet im Ged\u00e4chtnis Jesus Christus, <em>der auferstanden ist von den Toten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ohne diesen Zusatz w\u00e4re Jesus allein ein ehrenwerter, guter Mensch gewesen. Das w\u00e4re nicht wenig, es fehlt heute oft an Menschen, die sich f\u00fcreinander einsetzen, ohne Blick auf ihren eigenen Vorteil, die helfen und aufrichten, Grenzen \u00fcberwinden, ohne gro\u00dfes Aufhebens. Man k\u00f6nnte sich sicher auch an Jesus orientieren \u2013 und das tun wir hoffentlich auch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber dieser Erinnerung \u2013 allein an den Menschen Jesu zu Lebzeiten \u2013 w\u00fcrde etwas Entscheidendes fehlen \u2013 und darum brauchen wir den Zusatz \u201eder auferstanden ist von den Toten\u201c:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum einen: In der Auferweckung hat Gott Recht gesprochen \u00fcber alles Unrecht, was bei der Kreuzigung Jesu vor Augen steht \u2013 und womit die Geschichte Jesu nicht enden sollte! Am Ende siegt das Leben \u00fcber dem Tod, die Gerechtigkeit \u00fcber das Unrecht, das Menschen sich antun k\u00f6nnen. Welch eine Hoffnung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum anderen \u2013 und damit sind wir wieder beim Knoten in unserem Taschentuch: Mit Ostern ist die Erinnerung an Jesus zu aller erst kein Blick zur\u00fcck in eine Vergangenheit, die 2.000 Jahre zur\u00fcckliegt. Sondern es ist eine Vergegenw\u00e4rtigung: Durch die Auferweckung habe ich den Auferstandene in meinem Leben an meiner Seite.<\/p>\n<p>Er r\u00fchrt in mir Hoffnung auf unverg\u00e4ngliches neues Leben. Dass der Tod mir nicht den Mut und die Kraft nimmt, sondern ich davon zehre, dass durch Gott das Leben siegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Knoten im Taschentuch weist ja auch in der Regel nicht zeitlich zur\u00fcck auf etwas, was passiert ist, sondern er erinnert an etwas, was einem in der Gegenwart oder der nahen Zukunft widerf\u00e4hrt. Es vergegenw\u00e4rtigt etwas! Und ich trage diese Vergegenw\u00e4rtigung direkt an mir und mit mir herum!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Liebe T\u00e4uflinge,<\/p>\n<p>Taufe ist so etwas wie ein sichtbarer Knoten f\u00fcr Euer Tachentuch. Es ist eine Einladung Gottes, seine Kinder zu werden. Als Jugendliche seid Ihr schon alt genug, Euch auch bewusst in diese Erinnerungsgemeinschaft hineinzustellen und mit allen anderen durchzubuchstabieren: Was hei\u00dft es f\u00fcr mein Leben, dass Jesus als Auferweckter verspricht: Ich bin bei euch alle Tage? Welche Hoffnungen k\u00f6nnen in so einem Glauben aufbl\u00fchen? Welche Kraft entsteht dadurch f\u00fcr Euer Leben? \u2013 Ihr k\u00f6nnt viele Haltungen und Lebenseinstellungen Jesu versuchen zu Euren eigenen zu machen. Und darauf trauen, dass er gegenw\u00e4rtig ist und euch begleitet \u2013 so wie ein Knoten im Taschentuch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle, die schon getauft sind, seien in jedem Gottesdienst \u2013 z.B. beim Glaubensbekenntnis \u2013 daran erinnert, dass sie (im \u00fcbertragenden Sinne) schon l\u00e4ngst einen Knoten im Taschentuch mit sich tragen. F\u00fcr diesen kurzen aber entscheidenden Satz: <em>\u201eHaltet im Ged\u00e4chtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Gro\u00dfvater war ein weiser, sorgsamer, ja akribischer Mann: Er hatte allerlei Zettel, woran er denken musste \u2013 Eink\u00e4ufe auf einen kleinen gr\u00fcnen Zettel. 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