{"id":602,"date":"2017-01-11T21:18:33","date_gmt":"2017-01-11T20:18:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=602"},"modified":"2017-01-11T21:18:33","modified_gmt":"2017-01-11T20:18:33","slug":"muede-fuesse-2-so-n-epiphanias-2014-zu-hebr-1212-22a","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=602","title":{"rendered":"M\u00fcde F\u00fc\u00dfe (2. So. n. Epiphanias 2014 zu Hebr 12,12-22a)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr sind wir mit unseren argentinischen G\u00e4sten nach Wiblingwerde gewandert. Das sorgte im Vorfeld f\u00fcr einige Sorge wegen des Schuhwerks. Sind die Deutschen die ge\u00fcbteren Wanderer? <!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche Altena, <\/strong><\/p>\n<p><strong>1. So. n. Epiphanias #Hebr 12,12-22a<\/strong><\/p>\n<p>Wie hoch geht es? Wie hei\u00df wird es? wo kommt man raus? Wie kommen wir zur\u00fcck?<\/p>\n<p>De Predigttext ist im \u00fcbertragenden Sinne Wanderf\u00fchrer, der Auskunft geben nicht nur dar\u00fcber, wohin man geht, sondern vor allem: Wie man geht und woran man sich halten kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>M\u00fcdigkeit am Anstieg<\/li>\n<\/ol>\n<p>Machen wir uns also auf den Weg durch den Predigttext. Die erste Station, an der wir unseren Wanderf\u00fchrer zu Rate ziehen, ist gleich am Anfang der Reise, wo man schon m\u00fcde und matt wird. Kein Wunder, dass unsere Knie zittern, nach der Anstrengung. Wir brauchen eine St\u00e4rkung. Die verspricht uns auch der Wanderf\u00fchrer: \u201eSt\u00e4rkt die m\u00fcden H\u00e4nde und die schwankenden Knie\u201c, gemeint ist eine Einladung, eine Verhei\u00dfung. Es ist n\u00e4mlich ein Zitat aus dem Alten Testament, aus Jesaja 35. da sind solche S\u00e4tze von Gott selbst gesagt und sind als Zusage gemeint. In Situationen, in denen das Volk Israel nicht mehr weiter wei\u00df, in denen es an sich selbst und seinem Gott verzweifelt, sind immer wieder Propheten aufgetreten, die den Verzagten mit diesen und \u00e4hnlichen Worten Mut zugesprochen haben.<\/p>\n<p>Die Gemeinde des Hebr\u00e4erbriefs war in einer solchen Lage der Verzweiflung. Sie ist m\u00fcde geworden. Der \u201esteile Aufstieg\u201c, die Begeisterung der ersten Generation \u00fcber die frohe Botschaft ist abgeebbt. Pl\u00f6tzlich sieht man die Anstrengungen, die man auf sich genommen hat. Man sieht die Wegstrecke, die man hochgestiegen ist. Geht es auch einfacher? Was soll&#8217;s? Was bringt&#8217;s?<\/p>\n<p>Vielleicht freut sie sich \u00fcber das Erreichte, wohlwissend dass man noch nicht da ist. Aber die Knochen schon wehtun &#8230;<\/p>\n<p>Ist es n\u00f6tig, regelm\u00e4\u00dfig zum Gottesdienst zu kommen, wo wir uns die frohe Botschaft weitersagen, aber eben auch oft ringen, wie man sie f\u00fcr unser Leben und unsere Zeit verstehen kann? \u2013 Auch eine Frage, die uns und die Hebr\u00e4er wohl verbindet &#8230;<\/p>\n<p>Dann braucht man eine Zusage: <em>St\u00e4rkt die m\u00fcden H\u00e4nde und wankenden Knie! Macht sichere Schritte!<\/em><\/p>\n<p>Auf unserem Weg nach Wiblingwerde war das so: Wir k\u00f6nnen ja etwas langsamer gehen &#8230; Weit kann es nicht mehr sein &#8230; \u2013 \u201eWenn wir den anderen Argentiniern erz\u00e4hlen, dass wir zwischen Altena und Wiblingwerde am Hang standen, werden die Augen machen ..:\u201c Genau! Und \u00fcberhaupt: In Wiblingwerde gibt es immer was K\u00fchles zu trinken &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Vorsicht: Absturzgefahr<\/li>\n<\/ol>\n<p>Vor dem Gut Sassenscheid steht eine Bank, auf der man sich wunderbar ausruhen kann, wenn man oben angekommen ist. Ein verlockender Platz, auszuharren, haben wir auch getan. Man ist nach dem Anstieg in einer anderen Welt: nicht mehr in der Stadt Altena, sondern auf einer Hochebene, die sich \u00f6ffnet, man kann weit blicken.<\/p>\n<p>So einen Rastort w\u00fcnschen sich viele f\u00fcr die Gemeinde: Ein Platz, an dem die Sonne scheint, an dem man ausruhen kann und das Leben genie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>Wo aber ein weiter Blick m\u00f6glich ist, so erleben es schon die hebr\u00e4ischen Gemeinden, besteht auch Absturzgefahr.<\/p>\n<p>Mit den Worten des Predigttextes: Passt auf, dass die \u201ebittere Wurzel\u201c nicht Schaden bei euch anrichtet. Gemeint ist vermutlich die Verlockung, den Glauben nicht mehr ganz ernst zu nehmen. Oder die Verlockung, bei Schwierigkeiten einfach von der Gemeinde wegzubleiben. Oder der Versuch, Schwierigkeiten von der Gemeinde fernzuhalten.<\/p>\n<p>Es soll keine bittere Wurzel heranwachsen: Wo Absturzgefahr herrscht, haften Eltern f\u00fcr ihre Kinder! Wieder eine Parallele zum Alten Testament, das die ausdr\u00fccklich Warnung kennt, dass die Eltern saure Trauben gegessen haben und den Kindern \u2013 als logische Folge \u2013 die Z\u00e4hne davon stumpf geworden sind. Die Weitergabe des Glaubens geschieht damals wie heute von Generation zu Generation \u2013 und immer wieder steht er auf dem Spiel, immer wieder herrscht Absturzgefahr. Immer wieder muss der Glaube sich auch \u00e4ndern, damit er lebendig bleibt!<\/p>\n<p>Der Hebr\u00e4erbrief ist aber radikaler, selbst als Martin Luther es mochte und ihn deshalb eine strohernde Espistel nannte. Der Hebr sagt: Vers\u00e4umt nicht die Gnade, es gibt sie nur einmal! Es gibt einen Zeitpunkt, auch in der Weitergabe des Glaubens, in der Tr\u00e4gheit, es einfacher zu versuchen, an dem man zu sp\u00e4t zu kommen.<\/p>\n<p>Wir werden mit den hebr\u00e4ischen Gemeinden an diese Entscheidungssitutionen erinnert: Jagen wir dem Frieden nach und der Heiligung &#8211; also dem Versuch, unser Leben so zu gestalten, dass Gottes Wille in unserem Leben sichtbar wird. Oder geht es uns wie Esau, dem Zwillingsbruder Jakobs? Er hat sich verlocken lassen von dem, was auf den ersten Anblick erstrebenswert schien. Er hat mit leichter Hand seinem Bruder sein Erbrecht versprochen, im Gegentausch f\u00fcr einen Teller Suppe. Die Folgen waren entsetzlich. Esau musste f\u00fcr den Rest seines Lebens unstet hin und her wandern, immer auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens, ohne Ziel vor Augen. Ein Gegenbild zur Wanderungs im Hebr!<\/p>\n<p>Der Hebr\u00e4erbrief sagt: \u201ePech gehabt\u201c und \u201eselber Schuld\u201c \u2013 obwohl der Schreiber eigentlich wissen m\u00fcsste, dass die Geschichte von Esau noch weitergeht: Sie endet nicht im Chaos und die Verwerfung ist nicht das letzte Wort. Jakob und Esau vkers\u00f6hnen sich am Ende. Esau findet am Ende der Geschichte doch seinen Frieden und er wird sogar Stammvater einer ganzen Reihe von K\u00f6nigen.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich, dass wir auf der Bank vor dem Gut Sassenscheid, mit dem weiten Blick, mit der M\u00fcdigkeit in unseren Knochen, mit den Argentiniern \u00fcber unsere Kirchen gesprochen haben \u2013 und \u00fcber die vielen Entscheidungssituationen, in denen wir uns in der s\u00e4kularen Gesellschaft immer wieder neu verhalten m\u00fcssen, verhalten k\u00f6nnen. Und wo sich entscheidet, ob es uns um Frieden und Heiligung unseres Lebens geht \u2013 also ein \u201eIn den Dienststellen\u201c \u2013 oder ob der Esau in uns siegt.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich geschieht das auch in fast allen dr\u00e4ngenden gesellschaftliche Fragen. Sie fordern zur Entscheidung: Wie stehen wir als Christen zur aktiven Sterbehilfe, wenn inzwischen Zweidrittel der Gesellschaft daf\u00fcr sind? Wohlgemerkt: aktive Sterbehilfe. Ein Service, mit dem man Geld verdienen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Quote der Zustimmung bei diesem Thema sinkt dramatisch, wenn Menschen Kontakt gefunden haben zur Situation von Sterbenden, wenn sie sich informiert haben \u00fcber palliative Medizin und die Arbeit von Hospizen. Wenn sie merken, dass oft die Sterbenden nicht allein Angst vor dem Sterben haben, sondern genauso die, die am Bett sitzen. W\u00e4re \u201eHeiligung des Lebens\u201c nicht, auch Lebenssattheit anzunehmen, bei anderen und vielleicht sp\u00e4ter bei mir selbst? Aber eben nicht auf die Unsicherheit des Sterbenden oder des Angeh\u00f6rigen hin eine tr\u00fcgerische Sicherheit schaffen zu wollen durch ein planbares Ende? Dieser Gedanken ist f\u00fcr mich ein Esau-Gedanke, man folgt voreilig dem Verlockenden. Es k\u00f6nnte verhehrende Folgen haben f\u00fcr unser Bild vom Menschen &#8230;<\/p>\n<p>Sterben ist ein Teil des Lebens, die Grenzziehungen fallen immer schwerer, ja. \u201eAber in welcher Gesellschaft leben wir denn, wenn ich hier nicht trottlig und wertlos werden darf\u201c, hat der Katholik Franz M\u00fcntefering vorgestern in der \u201eS\u00fcddeutschen\u201c gefragt. Es ist nur eine Debatte, in der sich unser christliches Menschenbild entscheidet \u2013 und die Debatte wird nicht vorrangig in Talkshows gef\u00fchrt, sondern \u2013 machen wir uns nichts vor \u2013 an den Krankenbetten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>Am Johannesborn<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf der Wanderung durch Hebr 12 gibt es eine dritte Station: Wenn man von Gut Sassenscheid weiterwandert , kommt zumJohannisborn, wo die ersten Christen in dieser Region getauft wurden, noch lange bevor es Kirchbauten gab. Ein Johannesort \u2013 also ein Denkmal dem T\u00e4ufer aus der W\u00fcste, der Jesus taufte. Und allemal auch ein Christusort, denn er hat seinen J\u00fcnger ja erst mit auf den Weg gegeben, dass sie in seinem Namen taufen und lehren sollen und weitersagen sollen: ich bin bei Euch alle Tage. Wir haben dort mit dem Argentinien tagdraufs Gottesdienst gefeiert, organisiert von der Wiblingwerder Gemeinde.<\/p>\n<p>Der Johannisborn steht f\u00fcr f\u00fcr das Ziel der Wanderung in Hebr 12: der Zion, das himmlische Jerusalem, einer Versammlung vieler tausend Engel (v. 22) \u2013 f\u00fcr Christen schon geschehen in der Menschwerdung Gottes in J.C.<\/p>\n<p>Es gibt Kristallisationspunkte des Glaubens und des Glaubensweges. In der Bibel ist Jerusalem dieser Ort. Der ort der Sehnsucht. Dort richtet Gott das gro\u00dfe Fest aus, auf das die ganze Welt \u2013 ja eigentlich sogar alle Religionen zulebt. Wenn Gott unter uns ist, so erz\u00e4hlt es Jesus oft, dann ist das wie eine Hochzeit, wie ein Freudenfest, so wie die Hochzeit zu Kana, dem ersten Wunder Jesu nach dem JohEv. Die erlesensten K\u00f6stlichkeiten werden da gereicht, man darf von allen Gaben essen und trinken, so viel man mag. Und vor allem ist es ein Fest der Gemeinschaft. Gott selbst ist der Gastgeber, der f\u00fcr jeden ein gutes Wort hat. Und es herrscht eine Atmosph\u00e4re der Freude unter allen Anwesenden. So viele gute Gespr\u00e4che. So viel gutes Miteinander. So gute Stimmung und so viel Liebe in der Gemeinschaft. Eia, w\u00e4rn wir da&#8230;<\/p>\n<p>Der Wanderf\u00fchrer sagt, dass das Ziel im Blick ist. Erkennbar. F\u00fchlbar. Der Kompass ist ausgerichtet. Nur deshalb kann der Hebr schreiben, als w\u00e4re es ein Fakt, was noch aussteht: \u201eDarum st\u00e4rkt die m\u00fcden H\u00e4nde und wankenden Knie!\u201c Erinnert euch an die alten Verhei\u00dfungen! Nehmt sie mit auf den Weg \u2013 und gerade auf die gef\u00e4hrlichen Wegstrecken, auf die Aufstiege und die Hochebene, wo Absturzgefahr herrscht.<\/p>\n<p>Lammentiert nicht \u00fcber die Steilheit des Weges und \u00fcber die schlechten Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse! Ruht euch aber auch nicht unn\u00fctz aus. \u201eVers\u00e4umt die Gnade nicht!\u201c<\/p>\n<p>Ermutigt Euch einfach einmal, in gewissen Entscheidungssituationen nicht der Esau zu sein sondern der Jakob. Oder schlicht mal zu fragen: Was w\u00fcrde Jesus dazu sagen?<\/p>\n<p>In der Kirche Argentiniens wird immer mal wieder auf die Befreiungstheologie der 60er-Jahre hingewiesen, dieser Verkn\u00fcpfung vom Christuszeugnis und unserer Welt.<\/p>\n<p>Zur Wanderung zum Joahnnisborn\/Zion k\u00f6nnte man mit Ernesto Cardenal sagen, einem prominenten Befreiungstheologen: \u201e\u201eWir sind noch nicht im Festsaal, aber wir sind eingeladen. Wir sehen schon die Lichter und wir h\u00f6ren die Musik.\u201c<\/p>\n<p>Und wir fangen faktisch gleich im neuen Jahr wieder an, adventlich zu singen, auf unserer Wanderung, sei es bei unseren Freizeitsparzierg\u00e4ngen nach Wiblingwerde oder unserer Glaubenswanderung zum Zion &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Im vergangenen Jahr sind wir mit unseren argentinischen G\u00e4sten nach Wiblingwerde gewandert. Das sorgte im Vorfeld f\u00fcr einige Sorge wegen des Schuhwerks. 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