{"id":598,"date":"2017-01-11T21:10:31","date_gmt":"2017-01-11T20:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=598"},"modified":"2017-01-11T21:10:31","modified_gmt":"2017-01-11T20:10:31","slug":"ich-steh-an-deiner-krippen-hier-weihnachten-2012","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=598","title":{"rendered":"Ich steh an deiner Krippen hier (Weihnachten 2012)"},"content":{"rendered":"<p>Alle Krippenfiguren stehen an ihrer Stelle. Im Konfirmandenunterricht haben wir eine Holzkrippe aufgebaut und nach und alle Unklarheiten \u00fcber die Weihnachtsgeschichte beseitigt. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Dialog-Predigt \u2013 Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christmette 2012<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eBewegende stille Nacht\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Engel steht bei den Hirten, die Weisen kommen sp\u00e4ter. Die Hirten bei Maria und Josef: and\u00e4chtig.<\/p>\n<p>Es war eine Kulisse voller himmlischer Ruhe und Stille.<\/p>\n<p>Schauen Sie mal zu Hause auf Ihre Krippenszene, wenn sie eine Krippe haben!<\/p>\n<p>Auch hier in der Kirche: Man erfreut sich an dem Standbild!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Wenn da nicht meine eigene innere Unruhe w\u00e4re.<\/p>\n<p>Es f\u00e4llt mir nicht leicht, runter zu kommen!<\/p>\n<p>Jetzt in diesem Moment: nach dem Heiligenabend, dem Essen, den Geschenken.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt: nach einer Adventszeit, die voller hektischer Bewegungen war. Wie \u00fcberhaupt das Jahr in meiner Wahrnehmung so schnell vergangen ist.<\/p>\n<p>Manche Begegnung, die intensiver h\u00e4tte sein sollen oder es verdient h\u00e4tte, fortgesetzt zu werden.<\/p>\n<p>Ereignisse, die vorbeiflogen und wie weg sind \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>Gleichzeitig stelle ich aber bei aller Bewegung und Beweglichkeit \u2013 bei aller Geschwindigkeit unserer Zeit und unserer Welt &#8211; Stillstand fest. An vielen Stellen kommen wir nicht weiter, privat, gesellschaftlich, obwohl wir bestens informiert sind und alle M\u00f6glichkeiten h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Dieter Hildebrandt, der Kabarettist, inzwischen 85 Jahre, bewirbt sein neues Programm mit einem Gedanken, der das beschreibt:<\/p>\n<p><em>Die Zeit ist irrer geworden, als ein Irrer sich das je vorstellen konnte. Funktion\u00e4re gibt es genug. Aber es funktioniert nichts. Die Informationstechnik explodiert f\u00f6rmlich. Aber niemand wei\u00df was. Jeder ist erreichbar, aber niemand ist zu erreichen. F\u00fcr alles \u00fcbernimmt jemand Verantwortung. Aber keiner wei\u00df wer. Und wer immer sich meldet, beteuert: \u201aIch kann doch auch nichts daf\u00fcr!\u2018\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte erg\u00e4nzen: Wir sind immer schneller in Bewegung, kommen aber nicht weiter\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Da ist ein Stehenbleiben an der Krippe heilsam. \u201eIch steh an deiner Krippen hier\u201c, dichtete Paul Gerhardt \u2013 kein belangloses Vorbeigehen, sondern ein Bleiben, ein Ausharren, ein Hinsehen, mehr noch: ein Wahrnehmen! Wahrnehmen und f\u00fcr wahr nehmen braucht Zeit und Geduld.<\/p>\n<p>&#8211; Ich glaube, die Hirten haben viel Zeit mitgenommen, wom\u00f6glich die ganze Nacht, um beim neugeborenen K\u00f6nig der Ehren auszuharren: \u201eIch sehe dich mit Freuden an \/ und kann mich nicht sattsehen!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>\u201eUnd sie kamend <u>eilend<\/u>\u201c, hei\u00dft es aber!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Ja, sie kommend vielleicht eilend, aus Vorfreude, weil sie die Botschaft gepackt hat: \u201eSiehe, ich verk\u00fcndige Euch gro\u00dfe Freude\u201c. Sich nicht sattsehen k\u00f6nnen \u2013 das braucht dann aber Zeit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>\u201eAls sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus\u201c \u2013 da ist mindestens genauso viel Bewegung drin wie <em>Mu\u00dfe<\/em> und <em>Anmut<\/em>, um mal alte deutsche Worte zu bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Ich bin mir nicht sicher, ob in der Weihnachtsgeschichte nicht mehr Bewegung drinsteckt, als unsere Krippenstandbilder suggerieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Aber gerade war Weihnachten doch noch der Moment, wo mal alle hektische Bewegung aussetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>Es geht nicht nur um hektische Bewegung in der Weihnachtsgeschichte. Diese Unruhe und Hektik und Unsicherheit gibt es auch in der Weihnachtsgeschichte, wie auch in unserem Alltag: die Schikane, ein junges Ehepaar trotz Schwangerschaft zur Volksz\u00e4hlung einzuberufen \u2013 das hat sicher hektische Bewegung erzeugt. Dann die Geburt. Das Aufsuchen des Stalls. Das meine ich nicht \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Die Hirten hocken seelenruhig auf dem Felde \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>Auch nur so seelenruhig, wie heute Menschen sind, die im Dunklen hocken, auf dem Feld, buchst\u00e4blich vor den Toren des hellerleuchteten Lebens. Die von der Hand in den Mund leben. Das ist doch eher eine tr\u00fcgerische Ruhe, vielleicht sogar Lethargie. L\u00e4hmender Stillstand. Ich denke, dass sie \u00e4ngstlich dasa\u00dfen.<\/p>\n<p>Nein, schau mal genauer hin, was dann passiert: ganz viel Bewegung: ein Engel tritt zu den Hirten \u2013 ein Rauschen vom Himmel, stelle ich mir vor. \u201eHeute ist euch der Heiland geboren! Gar nicht weit von hier! Habt keine Angst mehr!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Hm, und die Hirten brechen auf \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.: Genau wie wir uns alle auf gemacht haben durch den Advent, das ist doch Aufbruch gerade <em>jenseits<\/em> des normalen Alltagskarussels: sich Gedanken zu machen, wen man mit Zeit oder einem Besuch beschenkt, wem man schreibt. Vielleicht auch: auf wen man neu zugeht mit der ausgestreckten Hand der Vers\u00f6hnung. Advent ist eine alte Bu\u00dfzeit, die zur Umkehr einl\u00e4dt. Und Umkehr ist Bewegung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Als die Hirten dann beim Kind sind \u2013 da ist dann Ruhe!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>Ja, aber eben keine Friedhofsruhe: Die \u201eStille Nacht\u201c ist voller Freude und Herzenwendungen. Gegenseitige Herzenswendungen und Herzensbewegungen gar: Die Hirten eilen weiter, die frohe Botschaft weiterzusagen: sie preisen und loben Gott f\u00fcr alles, was sie geh\u00f6rt und gesehen haben. Und Maria \u2026<\/p>\n<p>\u201eMaria bewegte aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.:<\/p>\n<p>Behalten und bewegen: Die Weihnachtsgeschichte hat beides: den Moment, wo alles steht und heil ist, <em>und<\/em> den bewegende Aufbruch und Neubeginn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist es das Geheimnis von Weihnachten, auch wenn es paradox klingt: Wir erleben in unserem Leben beides: l\u00e4hmenden Stillstand <em>und <\/em>hektische Betriebsamkeit. Die Bibel beschreibt dies sehr genau, wenn man auf das Leben der Hirten und auf das Leben von Maria und Josef schaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.:<\/p>\n<p>An Weihnachten bricht diese Paradoxie nicht auf, aber sie bekommt andere Vorzeichen: Aus der Hektik wird eine Aufbruch-Bewegung: voller Freude setzen sich die Hirten in Bewegung, die von einer ganz andere Qualit\u00e4t ist. Es geht darum, der Welt von der Geburt des Heilandes zu k\u00fcnden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.:<\/p>\n<p>Und gleichzeitig wird aus Stagnation und L\u00e4hmung eine Ruhe und Gelassenheit, eine neue Gewissheit f\u00fcr ihr Leben, f\u00fcr unser Leben: \u201eDenn euch ist heute der Heiland geboren!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.:<\/p>\n<p>Wir hier in der Lutherkirche haben uns dieser Paradoxie von Bewegung und Ruhe ausgesetzt: Wir haben uns heute Abend extra nochmals aufgemacht, aus dem warmen Wohnzimmer heraus, um hier am Ende des Heiligabends Stille zu finden. Vielleicht kann man es so sagen: Wir sind gekommen, um f\u00fcr uns diese besondere Botschaft, dass Gott Mensch wird, f\u00fcr uns festzuhalten, und damit in Bewegung zu kommen. Innerlich bewegt Weihnachten zu feiern. In die Schnelllebigkeit unserer Welt etwas von der Klarheit des Engels, von der Freude der Hirten und vom Bewegtseins Marias mitzunehmen. Und hoffentlich unsere hektische Existenz von Weihnachten ver\u00e4ndern zu lassen. Oder. Unsere L\u00e4hmung, alle Stagnation von der Ruhe und Stille der Heiligen Nacht ver\u00e4ndern zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.<\/p>\n<p>Dann ist es ja gut, dass wir das Christuskind zur aufgestellten Krippe getragen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>A.<\/p>\n<p>Ja, und auch im Konfirmandenunterricht haben die Krippenfiguren nicht einfach stillgestanden. Wir haben die Szenen st\u00e4ndig ver\u00e4ndert beim Lesen der Weihnachtsgeschichte, weil da Bewegung drin ist. Wir haben die drei Weisen ganz an den Rand gestellt, denn sie kommen ja erst sp\u00e4ter. Und als dann doch mal alle Figuren kurz standen, kam eine eigenartige Stille auf. Merkw\u00fcrdig!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B.:<\/p>\n<p>Ja, im wahrsten Sinne: merk-w\u00fcrdig! Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle Krippenfiguren stehen an ihrer Stelle. Im Konfirmandenunterricht haben wir eine Holzkrippe aufgebaut und nach und alle Unklarheiten \u00fcber die Weihnachtsgeschichte beseitigt.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,13],"tags":[],"class_list":["post-598","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-trinitariszeit"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=598"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/598\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":599,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/598\/revisions\/599"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}