{"id":595,"date":"2017-01-11T21:08:33","date_gmt":"2017-01-11T20:08:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=595"},"modified":"2017-01-11T21:08:33","modified_gmt":"2017-01-11T20:08:33","slug":"weihnachten-bei-hoppenstedts-1-so-n-weihnachten-2012","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=595","title":{"rendered":"Weihnachten bei Hoppenstedts (1. So. n. Weihnachten 2012)"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00f6ne Bescherung bei Hoppenstedts!\u00a0 Ich denke, wir k\u00f6nnen \u00fcber diese Szene gut lachen, weil wir sie ansatzweise selber kennen, wenn wir ehrlich sind.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche Altena, <\/strong><\/p>\n<p><strong>1. So. n. Weihnachten #Geschenke: <\/strong><em>Als Predigttext: Weihnachten bei Hoppenstedts, in: Loriot, Das Fr\u00fchst\u00fccksei, S. 83f.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier wird geschenkt, was das Zeug h\u00e4lt \u2013 und doch, f\u00fcrchte ich, f\u00fchlt sich am Ende keiner so richtig \u201ebeschenkt\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eVati\u201c bekommt eine Krawatte nach der anderen, weil jedem Familienmitglied wohl nichts eingefallen ist. Der Handel hat sich auf solche SOS-Geschenke inzwischen bestens eingestellt. Wahlweise gelten B\u00fccher oder Parf\u00fcm als Last-Seller \u2013 als Geschenk auf den letzten Dr\u00fccker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist aber auch schwer, etwas Passendes zu finden \u2026 Es ist nicht leicht, sich in den Anderen hineinzuversetzen und zu \u00fcberlegen, was ihm wohl Freude machen w\u00fcrde \u2026 Daher geh\u00f6ren die Tage zwischen Weihnachten und Silvester zu den gef\u00fcrchteten Umtauschtagen \u2013 und so mancher legt dem Geschenk gleich die Quittung bei mit dem freundlichen Hinweis: Wenn es dir nicht gef\u00e4llt, kannst <em>du <\/em>es ja umtauschen \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eOpi\u201c: Er bekommt einen Plattenspieler, um seine Platten in seinem Zimmer zu h\u00f6ren. Dar\u00fcber freuen sich die Schenkenden fast noch mehr als der Beschenkte! Allzu selbstlos ist dieses Geschenk nicht \u2013 auch nicht der Staubsauger f\u00fcr \u201eMutti\u201c, obwohl sie sich noch am meisten freut \u2026 Elektroger\u00e4te kaufen ist \u2013 so habe ich gelernt \u2013 aber eine sehr sensible Angelegenheiten zu Weihnachten \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>es geht heute morgen nicht darum, uns das gegenseitige Schenken madig zu machen. Nicht um eine pauschale Konsumkritik, denn wer von uns w\u00e4re frei davon, je nach Geldbeutel zu kaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es geht doch eher um die Frage, welchen eigentlichen Sinn unsere materiellen Geschenke zu Weihnachten haben. Was wir positiv mit ihnen ausdr\u00fccken k\u00f6nnen \u2013 und was sie nicht sein sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Loriot h\u00e4lt uns gnadenlos den Spiegel vor:<\/p>\n<p>Haben wir den anderen im Blick, wenn wir ein Geschenk aussuchen? Oder schenken wir im eigenen Interesse?<\/p>\n<p>Oder zugespitzer \u2013 und dann sind wir mitten in der Theologie und dem christlichen Glauben: Bleiben wir beim Schenken bei uns, oder sind wir beim Gegen\u00fcber?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geht es beim Schenken um eine pflichtgem\u00e4\u00dfe \u00dcbung, der man gen\u00fcge tut \u2013 oder geht es um die Freude: um die eigene Vorfreunde, wen man sich Gedanken macht, ein Geschenk kauft oder herstellt, es einpackt \u2013 und um die Freude beim Gegen\u00fcber, wenn es ausgepackt wird. Geht es um ein Geben und ein Danken \u2013 und damit gar nicht um den materiellen Wert des Geschenks, sondern um die Beziehung zwischen Schenkenden und Beschenkten \u2013 das ist f\u00fcr mich die Frage. Sie f\u00fchrt uns zu Weihnachten und an die Krippe zur\u00fcck!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Ein ohnm\u00e4chtiges Kind verr\u00e4t, was unter Gottes Gegenwart zu verstehen ist: Wir sind absolut grundlos beschenkt.<\/p>\n<p>Die Geburt Jesu passiert absolut unverhofft, im Wortsinn \u201ezuf\u00e4llig\u201c unter allem Volk. Sie erreicht die Hirten, Maria und Josef mitten in ihrem Leben, ohne dass sie etwas dazutun k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nichts Vollkommenes, nichts Ewiges vermittelt ihnen die Gegenwart Gottes, sondern das Ohnm\u00e4chtige, das Unbedeutende \u2013 doch gerade das ist das Bedeutungsvolle: Gott tritt mit uns in Beziehung in einem Menschen, dessen Geburt immer ein unverdientes \u201egrundloses\u201c Geschenk ist. So sagen es fast immer Eltern, wenn man mit ihnen wegen einer Taufe in Kontakt kommt: Die Geburt eines Kindes ist ein Geschenk, zu dem man nichts dazutun kann, au\u00dfer es in Freuden anzunehmen.<\/p>\n<p>Im Philipperhymnus (Lesung) ist es das Geschenk Gottes, dass Jesus Christus gott-gleich bleibt, als er Mensch wird und damit den Menschen an sich erh\u00f6ht. Er hat g\u00f6ttliche Majest\u00e4t, aber er verzichtet darauf, ja mehr noch: Er geht den Weg bis zur tiefsten Erniedrigung am Kreuz, um den Mensch auch im \u00c4u\u00dfersten nicht gottverlassen zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bibel kennt einen anderen Begriff f\u00fcr \u201eGeschenk\u201c: \u201eGnade\u201c. Im Neuen Testament beschreibt der Begriff Gottes pers\u00f6nliches und souver\u00e4nes Handeln, sich den Menschen selbst zu schenken. Er schenkt sich den Unw\u00fcrdigen, den Hoffnungslosen, den Verlorenen. Und die Bedingungslosigkeit des Geschenks l\u00f6st die tiefe Freude aus (etwa bei den Hirten) und gleichzeitig tiefes Misstrauen und t\u00f6dliche Gegnerschaft: Herodes argw\u00f6hnt, dass da etwas nicht stimmen kann, wenn Gott sich so grundlos und unverhofft am Rande der Weltgeschichte, in einem Stall, offenbart. So nimmt Herodes das Geschenk nicht an, sondern t\u00f6tet die Erstgeborenen. Die heilige Familie kann gl\u00fccklicherweise fliehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Zu aller erst sind wir die Beschenkten \u2013 wenn wir (anders als Herodes) unsere leeren H\u00e4nden \u00f6ffnen und uns beschenken lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als so Beschenkte k\u00f6nnen wir weiterschenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere Geschenke spiegeln dann nichts anderes wider als das Geschenk Gottes an uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere Geschenke spiegeln unsere Freude wider, einem anderen Menschen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und auch das ist ein tiefer theologischer Gedanke:<\/p>\n<p>Gott ist uns eben nicht als ein himmlischer Vater erschienen, hoch oben, der Welt entfernt. Auch geh\u00f6rt es nicht unbedingt zur christlichen Tradition, dass der Mensch durch seine eigene Seele mit Gott in Verbindung tritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sondern: Gott wird erfahrbar im anderen Menschen. Das lehrt mich das Kind in der Krippe. Gottesliebe ist nichts anderes als Menschenliebe. Und Gott dienen ist nichts anderes als dem N\u00e4chsten dienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott etwas zur\u00fcckzuschenken von seiner Liebe \u2013 es ist die Liebe gegen\u00fcber anderen Menschen, in denen Gott sichtbar wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Philosoph Jean-Paul Satre meint in seinem 1940 geschriebenen Weihnachtsspiel: \u201eChristus ist geboren f\u00fcr alle Kinder der Welt. Und jedes Mal, wenn ein Kind geboren wird, wird Christus in ihm und durch es geboren.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf unser Schenken zu Weihnachten (und dar\u00fcber hinaus!) bezogen hei\u00dft das dann wirklich:<\/p>\n<p><em>Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben<\/em> (Paul Gerhardt, Ich steh an deiner Krippen hier; EG 37,1): Wir schenken das weiter, was wir durch Jesus Christus selber erfahren haben \u2013 und packen es gerne auch in Geschenkpapier: Lebensfreude. Die Liebe zum N\u00e4chsten. Die Achtsamkeit. Auch: Das Verzeihen. Die Treue. Und die Sicherheit und das Vertrauen: Du kannst auf mich z\u00e4hlen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Auf einmal bin ich bei Gedanken und Worten, die \u00fcblicherweise einem Hochzeitspaar gelten. Heute feiern Gisela und J\u00fcrgen Vogt ihre Diamantene Hochzeit. An sich schon ein Gottesgeschenk, dass Sie 60 Jahre zusammen sein k\u00f6nnen. Dass Sie sich \u00fcber den Weg gelaufen sind, damals in der Tanzstunde bei Olga und Wilhelm Meister in L\u00fcdenscheid. Ein Geschenk, dass sich Ihr gemeinsames Leben gef\u00fcgt hat, nach einem schwierigen Beginn in der Nachkriegszeit, und dass sie heute so dankbar auf das schauen k\u00f6nnen, was Sie gemeinsam erreicht haben. Ein Geschenk, dass Sie im hohen Alter noch zusammen sind und diesen Tag begehen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ich will auch ernst nehmen, was ich gerade gesagt habe: dass es das Geschenk Gottes ist, ihm selbst in einem anderen Menschen zu begegnen. Sie erleben ja nicht nur Ihre Ehe und Ihre Diamantene Hochzeit als Geschenk, sondern Ihr Ehemann\/Ihre Ehefrau selber ist ein Geschenk. Ein Geschenk \u00fcbrigens, wie Sie mir verraten haben, das immer besser wird\u2026 Ihre Beziehung ist in den Jahren eher noch enger geworden. Sie st\u00fctzen sich gegenseitig, Sie gehen jeden Schritt des anderen mit \u2013 auch im Wortsinn, denn das Laufen wird etwas schwieriger.<\/p>\n<p>Wenn ich Sie gleich gemeinsam segne, dann bezeichnet es zweierlei: dass Sie einander ein Geschenk sind (so wie sie es am Traualtar vor exakt 60 Jahre versprochen haben)<em> und<\/em> dass Sie darauf trauen, dass Gott sie im jeweils anderen beschenkt und Gott darin sichtbar wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>Unsere Geschenke spiegeln das Geschenk Gottes an uns wider. Das gilt f\u00fcr mich f\u00fcr das ganze Jahr. Der erwachsene Jesus sagt: \u201eWas ihr einem meiner geringsten Br\u00fcder\/und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb lasst uns mit vollen H\u00e4nden austeilen! Lasst uns einander beschenken, nicht nur am Heiligabend mit eingepackten Geschenken, sondern mit der Art unseres Zusammenlebens und unserer gegenseitigen Sorge f\u00fcreinander, im gegenseitigen Teilen unsere Lebensfreude.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, dass unsere Geschenken wie ein Wegweiser sind:<em> \u201eSeht doch da: Gott will so freundlich und nah zu den Verlor\u2019nen sich kehren!\u201c (EG 41,1)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6ne Bescherung bei Hoppenstedts!\u00a0 Ich denke, wir k\u00f6nnen \u00fcber diese Szene gut lachen, weil wir sie ansatzweise selber kennen, wenn wir ehrlich sind.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,9],"tags":[],"class_list":["post-595","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-weihnachten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=595"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":596,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/595\/revisions\/596"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}