{"id":593,"date":"2017-01-11T21:05:00","date_gmt":"2017-01-11T20:05:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=593"},"modified":"2017-01-11T21:05:00","modified_gmt":"2017-01-11T20:05:00","slug":"keine-bleibende-stadt-zur-jahreslosung-2013","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=593","title":{"rendered":"Keine bleibende Stadt (Zur Jahreslosung 2013)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir kommen von Weihnachten her, haben es \u2013 wenn wir viele andere Sinneseindr\u00fccke beiseiteschieben konnten \u2013 bis unter die Krippe geschafft: Unser Blick auf das Jesuskind. Hier wollen wir bleiben! <!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 St. Matth\u00e4us Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Neujahr zur Jahreslosung 2013 #Hebr 13,14<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier mit den Herzen in Bethlehem, bei dem Heiland: etwas nehmen von dem Frieden und der Hoffnung, die hier sp\u00fcrbar ist. So etwas wie einen Boden unter die F\u00fc\u00dfe bekommen. Bethlehem: so etwas wie die irdische Heimat der Menschen und ihrer Sehns\u00fcchte.<\/p>\n<p>Aber selbst schon die heilige Familie hat keine bleibende Stadt: Maria, Josef und das Kind m\u00fcssen fliehen vor Herodes, weg aus Bethlehem, um zu \u00fcberleben. Keine Heimat, kein Grund unter den F\u00fc\u00dfen, sondern Flucht und Entwurzelung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>\u201eGehen Sie mal durch die Lennestra\u00dfe!\u201c \u2013 Ja, ich wei\u00df. Ich kenne den Satz, so gut wie wir alle.<\/p>\n<p>Demographen zeichnen weiterhin ein d\u00fcsteres Bild. Unsere Stadt schwindet. Haben wir keine bleibende Stadt?<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re alte Erz\u00e4hlungen, wie die Stadt einst war. Vieles ist nicht geblieben, von der Industrie, von den Einkaufsm\u00f6glichkeiten, augenscheinlich auch nicht vom Leben vieler verschiedener Generationen.<\/p>\n<p>Auch dieses Bild geh\u00f6rt in mein Nachdenken nach der Stadt, die nicht bleibt, auch wenn ich oft den pessimistischen Blick nicht teile. Wenn auch nicht alles bleibt \u2013 es entsteht auch Neues\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Wir haben keine bleibende Stadt.<\/p>\n<p>Der Volksmund best\u00e4tigt das in der Allerweltserfahrung: Nichts hat Bestand! Nichts bleibt! \u2013 Wenn es um das Abschiednehmen geht von Menschen, die pl\u00f6tzlich nicht mehr da sind, dann verbinden wir es mit dem Gedanken: Nichts hat Bestand. Wir merken h\u00e4ufig erst im R\u00fcckblick \u2013 vielleicht auch im R\u00fcckblick auf das abgelaufene Jahr 2012 \u2013 wie schnell die Zeit vergangen ist, die man nicht wiederholen kann, nicht nachholen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Wir haben keine bleibende Stadt \u2013 das ist f\u00fcr den Verfasser des Hebr aber nur die halbe Wahrheit. Und er setzt im zweiten Atemzug dann mit Wucht etwas genau gegen diese Allerweltserfahrung, dass nichts Bestand hat:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wir haben hier keine bleibende Stadt \u2013 sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Signal gerade gegen alle R\u00fcckw\u00e4rtsgewandtheit. Ein Signal zum Aufbruch. Ein Signal, dass wir Gottes Welt, sein angebrochenes Reich, auf uns zukommen lassen und Gottes Willen f\u00fcr unser Leben ergreifen. Es ist ein Signal, sich auf die Suche zu machen nach dem, was ewig tr\u00e4gt und ewig h\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geradezu positiv wird die Erfahrung der Endlichkeit gewendet: Es wird nicht alles bleiben, auch 2013 nicht. Vielleicht machen Menschen gar die Erfahrung: Nichts bleibt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn in der noch nicht erl\u00f6sten Welt gibt es die schrecklichen Erfahrungen des Verlustes: der Verlust von geliebten Menschen, die unser Leben ausmachen. Den Verlust der Arbeit als Existenzgrundlage. Der Verlust der Hoffnung, dass die Welt sich \u00e4ndern l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Suchen wir daher das, was ewig tr\u00e4gt und ewig h\u00e4lt!<\/p>\n<p>In der Bibel ist es der Glaube an die bleibende Liebe Gottes, die alle Grenzen \u00fcberwindet, selbst die des Todes und selbst die des Weltendes. Die Liebe bleibt. Sie macht uns nicht beziehungslos, nicht einsam \u2013 und wenn die ganze Welt zusammenbricht, wie wir es zum \u00dcbergang ins neue Kirchenjahr schon in einem Veranstaltungstitel benannt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im letzten Buch der Bibel ist diese bleibende Liebe Gottes in ein neues Stadtbild gemalt. Vielleicht sieht so die Stadt aus, die wir suchen k\u00f6nnen, auf die wir hin hoffen und leben k\u00f6nnen: Gott \u2013 so nahe wie eine H\u00fctte bei den Menschen. Er wird bei uns wohnen, so sehr unsere St\u00e4dte keine bleibenden Orte sind.<\/p>\n<p>Und in die altbekannten Stadtmauern wird neues unverg\u00e4ngliches Leben eingezeichnet: Gott wird abwischen alle Tr\u00e4nen. Der Tod wird nicht mehr sein. Noch Geschrei. Noch Schmerz. Das Erste ist vergangen. Siehe ich mache alles neu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben keine bleibende Stadt, aber eine zuk\u00fcnftige wartet! Nichts bleibt, aber Bestand hat eben die Liebe und Gegenwart Gottes und seine F\u00fcrsorge f\u00fcr uns! \u2013 Das ist f\u00fcr mich der Kern der christlichen Hoffnung \u00fcber alle sichtbaren und erlebbaren Grenzen hinaus!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Der Verfasser des Hebr schreibt diese Losung fast ganz am Ende seines Briefes. Zum Schluss kommen mit Wucht handfeste Ermahnungen.<\/p>\n<p>Auch wenn sie teilweise fremd gelten \u2013 sie spiegeln aber eine gewisse Liebe zum Vorl\u00e4ufigen wider. Sie zeigen, dass die Stadt, die nicht bleibt, gestaltet werden kann, auch wenn wir uns nicht im Vorletzten verlieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>Bleibt in der br\u00fcderlichen Liebe!<\/em><\/p>\n<p><em>Gastfrei zu sein, vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbert! Denkt an die Gefangenen, als w\u00e4rt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil ihr auch noch im Leibe lebt! Die Ehe soll in Ehren gehalten werden! Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wunderbare christliche Regeln f\u00fcr die Stadt, auch wenn sie keine bleibende ist! Regeln, die uns eben nicht stumm und ergeben die Zeit bis zur Ewigkeit absitzen lassen. Regeln und Einstellungen, die in uns Liebe zum Vorl\u00e4ufigen reizt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gestaltet \u201edie Stadt\u201c, die anvertraute Welt, geschwisterlich!<\/p>\n<p>K\u00fcmmert Euch um Fremde \u2013 denn heute ist die Stadt, auch unsere Stadt, nicht isoliert vom Rest der Welt. Europa darf sich nicht abschotten, auch die krisengesch\u00fcttelten L\u00e4ndern werden die Krise nicht \u00fcberwinden, indem die alten nationalistischen T\u00f6ne wieder hervorkommen!<\/p>\n<p>Versetzt Euch in diejenigen, die T\u00e4ter oder Opfer geworden sind \u2013 beide werden genannt, denn die Stadt, die keine bleibende ist, beherbergt Menschen, die schuldig geworden sind <em>und<\/em> an denen man schuldig geworden ist.<\/p>\n<p>Denkt an Eure Lehrer im Glauben: Nicht, weil sie in der Vergangenheit das einmal G\u00fcltige formuliert haben, sondern hoffentlich, weil sie uns den Weg zum Zuk\u00fcnftigen gewiesen haben, wohin wir uns aufmachen. Wenn Wir Protestanten das Reformationsjubil\u00e4um feiern, die Katholiken ans II. Vaticanum erinnern \u2013 dann sollten wir pr\u00fcfen, ob wir nicht nur Vergangenes bestaunen. Oder ob wir die Ideen und Einstellungen von fr\u00fcher fruchtbar machen k\u00f6nnen, um die zuk\u00fcnftige Stadt zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>Der Verfasser des Hebr schreibt handfeste Mahnungen \u2013 interessanterweise alles Mahnungen f\u00fcr die nicht bleibende Stadt. Das tut nur jemand, der das Vertrauen hat: Das zuk\u00fcnftige lohnt es zu suchen. Und die Verhei\u00dfungen greifen dem Zuk\u00fcnftigen schon vor und k\u00fcndigen es an. Hoffnungen entstehen \u2013 gegen alle Erfahrung, dass nichts Bestand hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hoffnungss\u00e4tze wie aus dem Hebr werden zur Bedingung, dass neue Erfahrungen \u00fcberhaupt m\u00f6glich sind. Dieser Hoffnungssatz will unsere Wirklichkeit, so wie sie da ist, nicht einfach erhellen, sondern die Wirklichkeit, die kommt, so hoffen lassen, dass die nicht bleibende Stadt sich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00f6gen wir f\u00fcr unsere Stadt, f\u00fcr unsere Gegenwart, f\u00fcr das das Jahr 2013 \u201eviel Leidenschaft f\u00fcr das M\u00f6gliche\u201c entfachen (S\u00f6ren Kierkegaard). Und lasst uns gerade darin unsere Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass wir mitten in einer Welt, die nicht bleibt, schon die zuk\u00fcnftige suchen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir kommen von Weihnachten her, haben es \u2013 wenn wir viele andere Sinneseindr\u00fccke beiseiteschieben konnten \u2013 bis unter die Krippe geschafft: Unser Blick auf das Jesuskind. 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