{"id":587,"date":"2017-01-11T20:55:27","date_gmt":"2017-01-11T19:55:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=587"},"modified":"2017-01-11T23:02:49","modified_gmt":"2017-01-11T22:02:49","slug":"fortsetzung-folgt-oster-2013-zu-joh-2011-18","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=587","title":{"rendered":"Fortsetzung folgt (Ostern 2013 zu Joh 20,11-18)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eGlauben Sie wirklich an die Auferstehung\u201c, fragt mich eine Konfirmandin. &#8211; \u201eKann man das leere Grab beweisen?\u201c fragt \u201eDer Spiegel\u201c fast reflexhaft jedes Jahr zu Ostern.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ostersonntag, 31.3.2013<\/strong><\/p>\n<p><strong>#Joh 20,11-18<\/strong><\/p>\n<p>Der Atheist faucht: \u201eEinen Himmel malt sich nur aus, wer das Leid der Erde nicht sehen will!\u201c<\/p>\n<p>Ein anderer Unreligi\u00f6ser meint, fast schon neidisch; \u201eSch\u00f6n, wenn man glauben kann, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ostern trifft den Kern des christlichen Glaubens: \u201eIst aber Christus aber nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergebens, so ist auch euer Glaube vergebens\u201c, schreibt Paulus an die Korinther (1Kor 15,14). An der Frage nach der Auferstehung scheiden sich die Geister \u2013 auch unter Christen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zielen die Fragen \u00fcberhaupt in die richtige Richtung? Ist es nicht immer wieder m\u00fchsam, so befragt zu werden \u2013 und dann noch sich und uns selbst am Ostermorgen so zu befragen? Macht es das nicht alles unn\u00f6tig kompliziert?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Lasst uns doch einfach die alte Geschichte nacherz\u00e4hlen. In ihr steckt so viel auch f\u00fcr heute! Wir haben gerade einen ersten Abschnitt aus dem JohEv geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Ostermorgen kommt dort eigent\u00fcmlich holprig daher \u2013 und rauscht fast folgenlos vorbei: Kein Engel, der die Osterbotschaft verk\u00fcndet. Die beiden J\u00fcnger sehen lediglich das Leichentuch Jesu im Grab liegen. Aber was bedeutet es? Wo ist Jesus? Erst \u201eglaubt\u201c der Lieblingsj\u00fcnger \u201eglaubt\u201c \u2013 aber im n\u00e4chsten Moment hei\u00dft es: Sie verstanden aber nicht die Schrift, dass Jesus von den Toten auferstehen w\u00fcrde (V. 9).<\/p>\n<p>Der Ostermorgen wirkt im JohEv wie ein Vorspiel. Maria von Magdala und die beiden J\u00fcnger bleiben im Vor\u00f6sterlichen. Es braucht erst noch eine Fortsetzung:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Joh 20,11 Maria aber stand drau\u00dfen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, schaute sie in das Grab<\/em><\/p>\n<p><em>12 und sieht zwei Engel in wei\u00dfen Gew\u00e4ndern sitzen, einen zu H\u00e4upten und den andern zu den F\u00fc\u00dfen, wo sie den Leichnam Jesu hingelegt hatten.<\/em><\/p>\n<p><em>13 Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich wei\u00df nicht, wo sie ihn hingelegt haben.<\/em><\/p>\n<p><em>14 Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und wei\u00df nicht, da\u00df es Jesus ist.<\/em><\/p>\n<p><em>15 Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der G\u00e4rtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast; dann will ich ihn holen.<\/em><\/p>\n<p><em>16 Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebr\u00e4isch: Rabbuni!, das hei\u00dft: Meister!<\/em><\/p>\n<p><em>17 Spricht Jesus zu ihr: R\u00fchre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen [a] Br\u00fcdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.<\/em><\/p>\n<p><em>18 Maria von Magdala geht und verk\u00fcndigt den J\u00fcngern: Ich habe den Herrn gesehen, und das hat er zu mir gesagt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ganz langsam n\u00e4hern wir uns Ostern: Maria weint.<\/p>\n<p>\u201eIhr werdet weinen und klagen\u201c (16,20) hat Jesus in seinen Abschiedsreden schon angedeutet. So kommt es.<\/p>\n<p>Wir sind noch (oder wieder) am gleichen Ort, dem Grab. Aber der weggew\u00e4lzte Stein ist hier kein Zeichen der Auferweckung. Eher ist das leere Grab der Tatort eines Leichenklaus: \u201eSie haben meinen Herrn weggenommen\u201c, stammelt Maria gegen\u00fcber den beiden Engeln. Selbst die beiden Engel k\u00f6nnen ihr nicht helfen. Sie wendet sich ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Im JohEv ist f\u00fcr den Osterglauben die Begegnung <em>mit dem Auferstandenen selbst <\/em>n\u00f6tig. Und zun\u00e4chst erkennt Maria den Auferstandenen gar nicht. Sie denkt, es ist der G\u00e4rtner.<\/p>\n<p>Aber \u2013 und das ist f\u00fcr mich ein kleine, aber ganz wichtige Beobachtung: Der Leser, der H\u00f6rer des Evangelium wei\u00df schon viel eher als Maria, dass der G\u00e4rtner Jesus ist (\u201eSpricht <em>Jesus<\/em> zu ihr: Frau, was weinst du?\u201c) Der Evangelist schreibt schon vom Ende der Geschichte her. Er schreibt vom Glauben der Gemeinde her.<\/p>\n<p>Welch wunderbare Br\u00fccke auch f\u00fcr uns: Johannes benennt die Erscheinung Jesu \u2013 und l\u00e4sst sie dennoch in der Schwebe, indem er Maria die Gestalt als G\u00e4rtner ansprechen l\u00e4sst. <em>Zweifel und Glaube greifen ineinander. <\/em><\/p>\n<p>Mittelalterliche Osterspiele hatten die Schwierigkeit diese Szene auf die B\u00fchne zu bringen: Sollte man die Gestalt jetzt aus Jesus auftreten lassen oder als G\u00e4rtner, zun\u00e4chst als G\u00e4rtner und dann \u2013 verwandelt \u2013 als Jesus? Wie auch immer: Jedes Mal wird verwischt, dass Leser und H\u00f6rer schon vorher etwas wissen, was Maria noch nicht wei\u00df \u2013 dem Leser wird hier tats\u00e4chlich ein Glaubensvorsprung zugemessen!<\/p>\n<p>Der Altar von Sch\u00f6ppingen aus dem 15. Jhd. (Programmheft!) hat diese Szene so gel\u00f6st, dass sie Jesus den Spaten des G\u00e4rtners <em>und<\/em> die Siegesfahne des auferstandenen Christus in die Hand gedr\u00fcckt hat. F\u00fcr mich ist das Ann\u00e4herung an Ostern, dass Jesus als Auferstandener erscheint, auch uns er scheinen kann, aber anders als zu Lebzeiten! Und \u00fcberraschend allzu mal! Und dass gerade aus dem zweifelnden Blick auf einen Totengr\u00e4ber Glaube an den Auferstandenen entstehen kann!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Wir sind an der Wendung der Geschichte, am Punkt, wo es Ostern wird: Jesus spricht sie an: \u201eMaria!\u201c<\/p>\n<p>Ostern kommt daher als Liebesgeschichte: pers\u00f6nlich angesprochen, nahe umfangen, direkt hineingezogen. \u2013 Es ist diese pers\u00f6nliche Anrede. <em>Ich bin der Hirte und ich kenne die Meinen (10,14)<\/em> Wir d\u00fcrfen unsere Namen erg\u00e4nzen und uns angesprochen wissen: Maria! Dietmar!<\/p>\n<p>Wer fragt, ob man das leere Grab beweisen kann, der fragt viel zu wenig. Ostern handelt von einer bleibenden Beziehung \u2013 und bei einer Liebesgeschichte fragt man nicht: Kannst Du es beweisen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich pers\u00f6nlich antwortet Maria: Rabbuni, mein Meister! \u2013 Jesus sagt aber: R\u00fchr mich nicht an! \u2013 Maria greift mit der alten Anrede nach der alten Zeit, aber sie ist nicht wiederherstellbar. Die Beziehung zu Jesus ist aber nicht ein f\u00fcr alle Mal vorbei, Jesus nicht einfach gestorben \u2013 sie muss keinen G\u00e4rtner mehr nach dem Leichnam fragen -, Aber: Die Beziehung ist anders. Andersartig erscheint der Auferstandene.<\/p>\n<p>Jesus erkl\u00e4rt es sogar, warum er nicht anzufassen ist: Er ist auf dem Weg zum Vater. Mit der Himmelfahrt schlie\u00dft sich der Kreis. Die Vorstellung im Weltbild der alten Zeit: Gottes Wort wurde Mensch, kam vom Himmel auf die Erde. Das Werk \u201eist vollbracht\u201c am Tiefpunkt des Kreuzes, wie Jesus ausruft. Am Ostermorgen wirkt die Liebesbeziehung Jesu zu den Menschen aber fort \u2013 \u00fcber alle Br\u00fcche des Todes hinaus, und er kehrt zum himmlischen Vater zur\u00fcckkehren kann.<\/p>\n<p>Ber\u00fchren kann Maria ihn also nicht mehr. Das ist der Bruch. K\u00f6nnte sie ihn festhalten und anfassen, w\u00e4re die Auferstehung eine medizinisch-naturwissenschaftliche Sensation, etwas f\u00fcrs Museum oder den Zirkus. Der auferstandene Christus ist aber weit mehr als ein wiederbelebter Jesus von Nazareth, mit dem es so weiter geht wie bisher \u2013 bis zur n\u00e4chsten Kreuzigung. Der Auferstandene ist auf dem Weg zur\u00fcck zum Vater: Durch Menschwerdung, Tod und Auferstehung die Liebe Gottes ein f\u00fcr alle Mal sichtbar geworden ist: eine Die Liebesbeziehung \u00fcber alle zeitlichen und r\u00e4umlichen Grenzen hinweg, eben als \u201eewiges Leben\u201c!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>\u201eGlauben Sie wirklich an die Auferstehung?\u201c Ja, aber mit der ganzen Geschichte der Maria, auch mit den Zweifeln, mit dem Nichterkennen, mit der Schwierigkeit, Jesus nicht fassen zu k\u00f6nnen. Aber mit der Erfahrung, vom Auferstandenen geliebt und gesendet zu sein.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re auch die Antwort nach dem sch\u00f6nen Himmel, mit dem man sich vom tr\u00fcben Leben abzulenken versucht: Bei Johannes f\u00e4ngt das \u201eewige Leben\u201c doch schon im Hier und Jetzt an, indem Maria Jesu Liebe neu versp\u00fcrt. Der Spaten des G\u00e4rtners vom Sch\u00f6ppinger Altar wird f\u00fcr mich zum Zeichen, mit der Liebe des Auferstandenen die Sch\u00f6pfung im Hier und Jetzt zu bebauen und zu bewahren sollen &#8211; also keine Weltflucht!<\/p>\n<p>\u201eKann man das leere Grab beweisen?\u201c \u2013 Die Frage greift zu kurz! Liebe ist nicht zu beweisen, aber zu sp\u00fcren!<\/p>\n<p>Und: \u201eSch\u00f6n, wenn man glauben kann, dass mit dem Tod nicht alles aus ist.\u201c Ja, lasst uns selbst danach fragen. Und vor allem, so wie der Evangelist Johannes: Von unserer Hoffnung erz\u00e4hlen! Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGlauben Sie wirklich an die Auferstehung\u201c, fragt mich eine Konfirmandin. &#8211; \u201eKann man das leere Grab beweisen?\u201c fragt \u201eDer Spiegel\u201c fast reflexhaft jedes Jahr zu Ostern.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[11,5],"tags":[],"class_list":["post-587","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ostern","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/587","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=587"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/587\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":658,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/587\/revisions\/658"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=587"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=587"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=587"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}