{"id":585,"date":"2017-01-11T20:53:53","date_gmt":"2017-01-11T19:53:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=585"},"modified":"2017-01-11T20:53:53","modified_gmt":"2017-01-11T19:53:53","slug":"das-uli-hoeness-lied-kantate-2013-zu-jes-12","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=585","title":{"rendered":"Das Uli-Hoene\u00df-Lied (Kantate 2013 zu Jes 12)"},"content":{"rendered":"<p>Am Sonntag Kantate \u2013 wie k\u00f6nnte es anders sein? \u2013 fange ich nat\u00fcrlich mit dem Zitieren eines Liedtextes an. Es steht nicht im Gesangbuch und hat den Refrain: \u201eOh \u2013 Freudentaumel zieht durchs Land\/von N\u00fcrnberg bis zur Waterkant\/alle singen Hand in Hand:\/Bayern hat verloren.\/Und ganz besonders sch\u00f6n ist\/das Gesicht von Uli Hoene\u00df.\u201c<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Wiblingwerde, Jesaja 12<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kantate 28.4.2013<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fu\u00dfballspiele wurden beim FC Bayern schon lange nicht mehr verloren, verloren hat allein ihr Manager Uli Hoene\u00df, und zwar seine Glaubw\u00fcrdigkeit. Steuerhinterziehung in gigantischem Stil wird ihm vorgeworfen. Im r\u00fccksichtslosen Raubtierkapitalismus nichts Besonderes! Es gilt fast eher clever.<\/p>\n<p>Aber wenn ausgerechnet <em>die<\/em> Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens \u00fcberf\u00fchrt werden, die vorher kein Blatt vor den Mund genommen haben, ein Saubermann-Image pflegten und f\u00fcr sich beanspruchten, ein Leitbild f\u00fcr Moral und Anstand zu sein \u2013 dann ist das ein gefundenes Fressen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mich \u00e4rgert selber besonders, dass \u00f6fter zu h\u00f6ren ist: Aber seine F\u00e4higkeiten als Vereinsboss sind unumstritten. Oder gar: Es kann doch nicht so arg sein, denn eigentlich ist Hoene\u00df doch sozial eingestellt. Vorsicht: In diesem Land kann man sich nicht freikaufen von der Steuerpflicht und mit sozialem Engagement quasi selbst entscheiden, was man Gutes tut \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber genauso \u00e4rgert es mich wieder einmal, mit welcher \u2013 oft verlogenen \u2013 Emp\u00f6rung \u00fcber Hoene\u00df gerichtet wird. Noch bevor etwas juristisch gekl\u00e4rt ist. Und wie immer sofort die Grenze f\u00e4llt (die das protestantische Menschenbild ausmacht!), zwischen Person und seinen Werken zu unterscheiden. Selbst ein Steuers\u00fcnder bleibt Mensch \u2013 ein s\u00fcndiger, ja, aber eben Mensch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2.<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde Hoene\u00df gerne in 10 Jahren fragen \u2013 und hoffte auf eine ehrliche Antwort: \u201e War es das wert? Ist das Leben, nachdem Gras \u00fcber die Sache gewachsen ist, besser geworden oder schlechter?\u201c<\/p>\n<p>Wird das Leben besser oder schlechter nach dem gro\u00dfen Crash \u2013 w\u00fcsste man darauf immer die Antwort, w\u00e4re so manche Krise leichter durchzustehen. Aber selbst dann, wenn man diese Antwort w\u00fcsste, w\u00e4re eines nicht zu leugnen: Das Leben wird <em>jetzt<\/em> anders, und das kostet Kraft, Freunde und Hoffnung. Wenn jemand zu schnell mit der Antwort kommt und behauptet: \u201eAlles wird gut\u201c, dann wirkt das in vielen F\u00e4llen doch eher wie ein billiger Trost, eine Vertr\u00f6stung. Da ist es meistens besser, man setzt sich mit dem Gescheiterten auf seinen Scherbenhaufen und genie\u00dft die Aussicht dort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3.<\/strong><\/p>\n<p>Der Predigttext heute macht das nicht. Der blickt in eine <em>rosige<\/em> Zukunft, obwohl die Israeliten verschleppt in der Babylonischen Gefangenschaft sitzen. Die Prognose des Propheten findet sich im 12. Kapitel des Jesajabuches:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen \u00fcber mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tr\u00f6stest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und f\u00fcrchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine St\u00e4rke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser sch\u00f6pfen aus den Heilsbrunnen. Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem Herrn, rufet an seinen Namen! Machet kund unter den V\u00f6lkern sein Tun, verk\u00fcndiget, wie sein Name so hoch ist! Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und r\u00fchme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist gro\u00df bei dir!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eZu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen \u00fcber mich\u201c.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde ich, wenn ich am Boden zerst\u00f6rt bin, nicht h\u00f6ren wollen. Es geht mir so schlecht wie noch nie \u2013 und dann soll ich auch noch dankbar sein und lobsingen?! Es schn\u00fcrt mir so die Kehle zu, dass ich nicht einmal ein Klagelied anstimmen k\u00f6nnte, erst recht kein Loblied.<\/p>\n<p>\u201eZu der Zeit wirst du sagen \u2026\u201c: Anma\u00dfend und unsensibel klingt das zun\u00e4chst \u2013 woher willst du wissen, was ich sagen werde, wenn ich alles hinter mir habe?! Kann es nicht genauso gut sein, dass ich zu dem Urteil komme: \u201eVon da an ging\u2019s bergab\u201c?!<\/p>\n<p>Tr\u00f6ster kommen vorbei, ein paar gute, viele schlechte. Interessant ist auch, wer jetzt nicht mehr kommt. Und ich komme nicht mehr vor die T\u00fcr. Irgendwann kommt einer vorbei und fordert mich auf, folgenden Satz zu vervollst\u00e4ndigen: \u201eZu der Zeit wirst du sagen \u2026\u201c \u2013 wie geht der Satz weiter?<\/p>\n<p>Ich verstehe zun\u00e4chst nicht. Mein Besucher wiederholt die Frage: \u201eZu der Zeit wirst du sagen \u2026\u201c \u2013 wie geht der Satz weiter? Ich unternehme einen letzten Versuch, die goldene Vergangenheit zu loben und die d\u00fcstere Gegenwart zu beklagen. Mein Gegen\u00fcber bleibt hartn\u00e4ckig: \u201eZu der Zeit wirst du sagen \u2026\u201c \u2013 wie geht der Satz weiter? Ich lasse mich darauf ein: Ich verlasse die Gegenwart und denke mich in die Zukunft. Ich tue so, als w\u00e4re ich schon raus aus dem ganzen Dilemma und w\u00fcrde auf das, was jetzt geschieht, zur\u00fcckblicken. Das kann ich gar nicht tun, ohne dar\u00fcber nachzudenken, was eigentlich genau das Problem war, und wie die passende L\u00f6sung dazu aussieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5.<\/strong><\/p>\n<p>Diese Art, auf eine wenig w\u00fcnschenswerte Gegenwart zu gucken, hat einen gewaltigen Vorteil: Es muss nichts sch\u00f6ngeredet werden. Es ist, wie es ist, n\u00e4mlich schlimm, und auch im Nachhinein kann man nicht einfach sagen, es w\u00e4re alles halb so wild gewesen.<\/p>\n<p>Wegen Steuerhinterziehung im Gef\u00e4ngnis zu landen, ist sicherlich schlimm. Schlimmer ist aber noch, wenn sich die Gewissheit einstellen sollte: So bin ich doch gar nicht. Hier hat sich etwas verselbstst\u00e4ndigt. Ich bin da in etwas hineingeraten, das au\u00dfer Kontrolle geraten ist. Wohlgemerkt: Das macht die Schuld nicht unbedingt kleiner, aber es kommt noch etwas Neues dazu, ein weiteres Problem, das leicht zu \u00fcbersehen ist. Man muss nicht Manager sein und Steuermillionen hinterziehen, damit einem das bekannt vorkommen k\u00f6nnte. Es muss auch nicht mit Gef\u00e4ngnis enden. Wer einmal in einen Teufelskreis geraten ist, wei\u00df, wie schnell sich so ein Ding drehen kann. Und was f\u00fcr ein Gl\u00fccksfall es ist, wenn jemand eingreift und mich da hinauszieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>6.<\/strong><\/p>\n<p>Dann kann es durchaus auch Sinn machen zu sagen: \u201eDanke f\u00fcr den Zorn!\u201c Vielleicht habe ich genau diesen Zorn gebraucht, um zu merken, wie Ernst die Lage ist. Was auf dem Spiel steht. Wie weit ich mich von mir selbst und dem, was mir wichtig und heilig ist, entfernt habe. Wenn es um Geld geht, passiert das schnell. Und schon Jesus hat gefragt: \u201eWas h\u00fclfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt \u2013 oder auch nur die Champions League \u2013 gew\u00f6nne und n\u00e4hme doch Schaden an seiner Seele?\u201c (frei nach Matth\u00e4us 16,26).<\/p>\n<p>Wenn jemand auf mich zornig ist, und zwar nicht irgendwer, sondern jemand, der mir sehr wichtig ist und dem ich ebenso wichtig bin: Dann k\u00f6nnen die Alarmglocken gar nicht laut genug schrillen. Ich muss mich dann schnell entscheiden: Ist da was dran an dem Vorwurf, der mich so w\u00fctend und entt\u00e4uscht gemacht hat? Bin ich auf dem Holzweg oder renne sogar in mein Verderben? Bleibe ich unter meinen M\u00f6glichkeiten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Israeliten in Babylon haben sich sehr zu Herzen genommen, was sie als den Zorn Gottes gedeutet haben. Sie wusste, dass der unendliche Zorn nur die Kehrseite von unendlicher Liebe ist (das Gegenteil w\u00e4re n\u00e4mlich Gleichg\u00fcltigkeit!). Daher sind sie sicher: Eines nicht fernen Tages werden wir ein Loblied anstimmen. Fangen wir schon einmal an zu singen! Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag Kantate \u2013 wie k\u00f6nnte es anders sein? \u2013 fange ich nat\u00fcrlich mit dem Zitieren eines Liedtextes an. 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