{"id":578,"date":"2017-01-11T20:46:14","date_gmt":"2017-01-11T19:46:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=578"},"modified":"2017-06-27T16:48:01","modified_gmt":"2017-06-27T14:48:01","slug":"die-10-grenzen-18-so-n-tr-zu-ex-201-17","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=578","title":{"rendered":"Die 10 Grenzen (18. So. n. Tr. zu Ex 20,1-17)"},"content":{"rendered":"<p><strong>U<\/strong>nd Gott redete alle diese Worte: 2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus \u00c4gyptenland, aus der Knechtschaft, gef\u00fchrt habe. 3 Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir.<!--more--><strong>Predigt \u2013 Gnadenkirche M\u00fcnster, 18. Sonntag nach Trinitatis (29.9.2013) Die Zehn Gebote<\/strong><\/p>\n<p>4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist:<\/p>\n<p>5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der V\u00e4ter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, 6 aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.<\/p>\n<p>7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mi\u00dfbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mi\u00dfbraucht.<\/p>\n<p>8 Gedenke des Sabbattages, da\u00df du ihn heiligest.<\/p>\n<p>9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.<\/p>\n<p>10 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.<\/p>\n<p>11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.<\/p>\n<p>12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf da\u00df du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird.<\/p>\n<p>13 Du sollst nicht t\u00f6ten.<\/p>\n<p>14 Du sollst nicht ehebrechen.<\/p>\n<p>15 Du sollst nicht stehlen.<\/p>\n<p>16 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>17 Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Haus. Du sollst nicht begehren deines N\u00e4chsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein N\u00e4chster hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>zehn Gebote. In der Frauenhilfe war uns neulich schnell klar, welches Gebot die Frauen dort ein langes Leben lang am meisten gepr\u00e4gt hat: \u201eDu sollst Vater und Mutter ehren.\u201c \u2013 Da hatten die eigenen Eltern ihre Eltern noch gesiezt. Oder in den 1950er Jahren war Gehorsam noch oberstes Erziehungsziel, und Pfarrer, Lehrer, Eltern erinnerten gerne mit einem gewissen Eigeninteresse ans vierte Gebot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch das Gebot, den Feiertag zu heiligen, hat sich bei den Frauenhilfsfrauen eingebrannt: Sonntags legte man die Alltagskleidung. Kirchgang, Sonntagsbraten, der einzige frei Tag der Woche. Der Sonntag sole eben anders sein, heilig. Um das zu unterf\u00fcttern \u2013 daf\u00fcr gab es so manche b\u00fcrgerliche Konvention.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>\u201eHeute geht ja alles toleranter zu\u201c, hie\u00df es dann auch gleich in der Frauenhilfe. Und ich wei\u00df nicht genau, ob das mit ein wenig Wehmut formuliert (\u201eWir h\u00e4tten es auch gerne etwas lockerer gehabt!\u201c) oder mit einem Schuss Skepsis: \u201eHeute ist irgendwie nichts mehr heilig \u2026\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHeute geht ja alles toleranter zu\u201c &#8211; tats\u00e4chlich: Unsere evangelische Kirche begeht gerade das Themenjahr \u201eReformation und Toleranz\u201c. Ist Toleranz heute nicht viel erstrebenswerter als \u201eDu sollst\u201c-S\u00e4tze?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Toleranz kann Verschiedenes sein: Man kann etwas \u201eerlauben\u201c, ohne dass es selber vertritt, etwa das Tragen eines Kopftuchs.<\/p>\n<p>Toleranz kann bedeuten, dass man schiedlich friedlich nebeneinander her lebt, so wie es Katholiken und Protestanten jahrhundertelang nach dem Westf\u00e4lischen Frieden taten \u2013 das war tolerant, aber wenig konstruktiv \u2026<\/p>\n<p>Toleranz kann sein, dass ich eine Lebensweise ausdr\u00fccklich respektiere und anerkenne. So hat unsere Kirche in den letzten Jahrzehnten ihr Verst\u00e4ndnis von nichtehelichen Lebensgemeinschaften und homosexuellen Lebensformen ge\u00e4ndert hat: von der Ablehnung \u00fcber die Hinnahme zur Anerkennung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber, und das ist die Kehrseite der Medaille: Ich kann total tolerant zu jemanden sein, ohne \u00fcberhaupt mit ihm in Beziehung zu sein: Lass Du mich in Ruhe, dann lasse ich dich in Ruhe. Das ist tolerant, aber langweilig, mitunter gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder Tolerante werden von den Intoleranten \u00fcberrannt. Der Humorist Wilhelm Busch hat in den 1920er-Jahren eingeschr\u00e4nkt: \u201eToleranz ist gut, aber nicht gegen\u00fcber den Intoleranten\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den 10 Geboten. <em>Sie<\/em> sind zun\u00e4chst einmal alles andere als \u201etolerant\u201c. Sie setzen Grenzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ihrem biblischen Zusammenhang ist das aber allzu logisch: Israel ist auf dem Weg durch die W\u00fcste, hinter sich die Sklaverei in \u00c4gypten. Vor sich das Gelobte Land. Die W\u00fcste ist gef\u00e4hrlich. Gott rettet mit Wasser und Brot. Er sendet eine Feuers\u00e4ule zur Orientierung. Und: Er sagt Mose diese Zehn Gebote als Regeln, um in der W\u00fcste zu \u00fcberleben: Dass man sich verlassen kann: Wenn Du nachts in deinem Zelt schl\u00e4fst, soll dich keiner bestehlen, dein Vieh begehren oder dich gar t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Das Elterngebot bekommt pl\u00f6tzlich einen ganz anderen Sinn: Wenn du alt bist und gebrechlich, mitten in der W\u00fcste, dann sollst du sicher sein k\u00f6nnen, dass du nicht liegen gelassen wirst. Auch dir gilt die Verhei\u00dfung des Gelobten Landes, und Du geh\u00f6rst dazu \u2013 und wenn sie dich tragen m\u00fcssen!<\/p>\n<p>(Das Eltern-Gebot ist folglich vom Sinn her gar nicht an Kinder gerichtet, sondern an Erwachsene, die ihre Eltern versorgen und nicht buchst\u00e4blich in der W\u00fcste liegenlassen sollen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allein mit \u201eToleranz\u201c w\u00e4re das Volk Israel nicht weit gekommen: Dem Einen seine eigenen Regeln zu erlauben oder am Anderen beziehungslos vorbeizuleben \u2013 das gef\u00e4hrdet in der W\u00fcste alle!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Gott ist alles andere als \u201etolerant\u201c: Er ruft sich in Erinnerung, wer er ist und wie nur er ist:<\/p>\n<p><em>\u201eIch bin der Herr dein, der dich aus \u00c4pygtenland, aus der Knechtschaft gef\u00fchrt hat. Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott ist nicht austauschbar gegen einen x-beliebigen Naturgott, der wom\u00f6glich auch Regen in die W\u00fcste bringen kann. Dem Gott Israels geht es um mehr: Mitte in der W\u00fcste will er daran erinnern, dass er schon einmal geholfen hat als liebender und Recht schaffender Gott: Aus \u00c4gypten hat er befreit, nur er. Und nur er hat diese besondere Liebesgeschichte zu seinem Volk, dass er Abraham und Sara erw\u00e4hlt und ihnen schon das Land versprochen hat, das das Volk in der W\u00fcste erwartet.<\/p>\n<p>Wenn also einer helfen kann, die W\u00fcste zu \u00fcberwinden, dann er \u2013 und es <em>braucht<\/em> keine anderen G\u00f6tter. (Neuzeitlich stellen wir immer gleich die Frage: Gibt es anderen G\u00f6tter? \u2013 Es braucht keine anderen G\u00f6tter!)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube, dass auch wir befreiende Erlebnisse und Bewahrungen in unserem Leben mit diesem einen Gott in Verbindung bringen k\u00f6nnen. Dass wir W\u00fcstenerfahrungen mit Blick \u00fcberstehen k\u00f6nnen\/\u00fcberstanden haben. Dass wir Aufbr\u00fcche in unserem Leben mit diesem Gott in Verbindung bringen k\u00f6nnen \u2013 so etwa die Taufe von Luise heute morgen: Ihr erinnert euch, wie Gott Euch schon beigestanden hat \u2013 bei der Geburt, in den ersten Wochen bei den anderen Kindern -: Sch\u00f6pft daraus das Zutrauen, dass er euch den Weg f\u00fchrt mit Luise, was immer auch passiert!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht zuf\u00e4llig setzt Martin Luther bei seinen Erkl\u00e4rungen zu den Zehn Geboten stets bei Gott an: \u201eWir sollen Gott lieben und (ehr)f\u00fcrchten.\u201c Das steht immer voraus. Und dann folgt die eigentliche Erkl\u00e4rung des Gebotes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zehn Gebote sind also nicht die Regeln der Kirche, sondern sagen etwas von Gott.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kirche rettet mit den Zehn Geboten nicht den arbeitsfreien Sonntag oder die Ehe. Das tun Gesetze \u2013 oder auch nicht. Aber: \u201eDie Kirche <em>erinnert an Gottes Gebot<\/em> und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung von Regierenden und Regierten\u201c. So hei\u00dft es in der 5. These der Barmer Theologischen Erkl\u00e4rung von 1934: Die Zehn Gebote sind sehr wohl Richtschnur f\u00fcr unser soziales Zusammenleben, daher werden die Regierten und Regierenden (wer immer sie sein werden) angesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zehn Gebote strahlen also in zwei Richtungen: Sie beleuchten Gott, wie er ist und was er f\u00fcr unser Zusammenleben anbietet. Und die Zehn Gebote spannen gleichsam einen Freiraum auf f\u00fcr unser Zusammenleben, in dem wir angstfrei leben k\u00f6nnen. Sie sichern also keine menschliche Autorit\u00e4t (Erfahrung der Frauenhilfsfrauen), sondern Freir\u00e4ume. Und darin sind sie weit mehr als \u201eToleranz\u201c sein kann:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDu sollst kein falsch Zeugnis reden\u2026\u201c \u2013 fragen Sie mal Konfirmandinnen und Konfirmanden, wie auf Facebook, bei Twitter, im Internet \u00fcberhaupt, \u00fcber Menschen, manchmal eben auch \u00fcber sie selbst \u201efalsch Zeugnis geredet wird\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da ist die Sehnsucht berechtigterweise gro\u00df, dass es eben nicht ausschlie\u00dflich tolerant zugeht. Sondern dass es eine heilsame Grenze gibt, in derer sich jeder frei entfalten kann. Und in der man etwas sp\u00fcrt von Gott, dem Rechtschaffenden und Liebenden!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und Gott redete alle diese Worte: 2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus \u00c4gyptenland, aus der Knechtschaft, gef\u00fchrt habe. 3 Du sollst keine anderen G\u00f6tter haben neben mir.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,13],"tags":[],"class_list":["post-578","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-trinitariszeit"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/578","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=578"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/578\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":580,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/578\/revisions\/580"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=578"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=578"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=578"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}