{"id":574,"date":"2017-01-11T18:57:58","date_gmt":"2017-01-11T17:57:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=574"},"modified":"2017-01-11T18:59:11","modified_gmt":"2017-01-11T17:59:11","slug":"suender-willkommen-buss-und-bettag-2012-zu-lk-189-14","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=574","title":{"rendered":"S\u00fcnder willkommen! (Bu\u00df- und Bettag 2012 zu Lk 18,9-14)"},"content":{"rendered":"<p>An der Kirchent\u00fcr h\u00e4ngt ein Zettel: &#8222;Alle S\u00fcnder willkommen!&#8220;<!--more--><\/p>\n<p><strong>Gottesdienst am Bu\u00df- und Bettag<\/strong><\/p>\n<p><strong>Altena Lutherkirche 21.11.2012 #Lk 18,9-14<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU WILKE: <\/strong>Willkommen! Wir freuen uns auch \u00fcber S\u00fcnder! Der Zettel an der Eingangst\u00fcr signalisiert Gastfreundlichkeit und Freude: Kommt alle her, auch die, mit denen wir sonst nicht rechnen. Wie sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn sie den Weg in die Kirche f\u00e4nden. Jesus sagt in den Gleichnissen vom Verlorenen Schaf und vom Verlorenen Groschen: \u201eEs wird Freude sein vor dem Engeln Gottes \u00fcber e i n e n S\u00fcnder, der Bu\u00dfe tut.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU DORNSEIFER: <\/strong>Aber sind wir nicht alle S\u00fcnder? \u2013 Wir bem\u00fchen uns, gute Christinnen und Christen zu sein. Aber wer wollte von sich behaupten, dass er sich in jeder Lage richtig verhalten k\u00f6nnte? So sehr wir uns bem\u00fchen und uns ans Gute im Menschen glauben: Wir sto\u00dfen an Grenzen. Wir sto\u00dfen an die Grenzen unserer Kr\u00e4fte und an unsere F\u00e4higkeiten\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>FRAU FRIEDLAND: <\/strong>Also gilt das Schild \u201eAlle S\u00fcnder willkommen\u201c sicher auch uns. Sonst tappen wir in die gleiche Falle wie der Phari\u00e4ser: Er lebt tadellos und religi\u00f6s vorbildlich. Darin hebt er sich vom Z\u00f6llner ab, der sicher so manche \u201ekleine S\u00fcnde\u201c auf dem Kerbholz hat. Aber das Entscheidende fehlt dem Phari\u00e4ser \u2013 das macht ihm der Z\u00f6llner vor: die F\u00e4higkeit zur Bu\u00dfe und Gott zu bitten: Sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>FRAU KORTMANN: <\/strong>Die Gemeinde als eine Schar von S\u00fcnderinnen und S\u00fcndern? Ich wei\u00df nicht: Wir wollen uns doch abheben und Vorbilder sein. Wir halten uns an die Zehn Gebote\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>FRAU BUNG: <\/strong>Aber genauso redet der Pharis\u00e4er: \u201eIch danke Dir Gott, das ich nicht bin wie die anderen Leute!\u201c &#8211; Was ist denn nun S\u00fcnde?<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU WILKE: <\/strong>Es ist ja schon erstaunlich, wie wir langl\u00e4ufig \u00fcber S\u00fcnde reden: Wir reden distanziert von S\u00fcnde. Beispielsweise ironisch: \u201e<em>S\u00fcnde ist, was verboten ist und Spa\u00df macht \u2026<\/em>\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU DORNSEIFER: <\/strong>Oder verharmlosend: Ich habe bei meiner Di\u00e4t <em>ges\u00fcndigt<\/em> \u2026<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU BUNG: <\/strong>Oder wir reden ausschlie\u00dflich moralisch von S\u00fcnde: Wir sind Umwelts\u00fcnder, Tempos\u00fcnder, Steuers\u00fcnder \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>KEHLBREIER: <\/strong>Ich glaube, wir reden so distanziert von S\u00fcnde, weil darin ein ungeheures Kr\u00e4nkungspotential f\u00fcr den Menschen liegt: Ich als freier und moderner Mensch rechtfertige mich doch nicht gerne vor Gott, einer Instanz au\u00dfer mir selbst. Ich meine doch, dass eigentlich frei bin, und wir reden ja st\u00e4ndig vom verantwortlichen Menschen.<\/p>\n<p>Wenn ich aber ehrlich bin, kann ich nicht mit meinen eigenen Fehlern und Grenzen umgehen. Das Bild vom Menschen ist eher das aus der Kain-und-Abel-Geschichte: Ich wei\u00df um das B\u00f6se, aber ich erliege ihm allzu oft: Die \u201eS\u00fcnde lauert auf\u201c (Gen 4,7).<\/p>\n<p><strong>FRAU FRIEDLAND: <\/strong>Ist S\u00fcnde dann nicht etwas anderes als eine Tat oder eine Verfehlung? \u2013 Bei Kain und Abel f\u00e4ngt alles damit an, dass Abel Gott gegen\u00fcber den Blick senkt. Er verl\u00e4sst den Blickkontakt zu Gott. S\u00fcnde beschreibt also zu aller erst die abgebrochene Beziehung zu Gott. Wenn die Beziehung zu Gott abrei\u00dft, dann verliert der Mensch die Orientierung und das Ma\u00df und wird schuldig gegen\u00fcber dem Anderen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>KEHLBREIER: <\/strong>Der Theologie Paul Tillich hat daher auch vorgeschlagen, nicht von S\u00fcnden (Plural!) zu sprechen, sondern nurvon der einen S\u00fcnde: der gest\u00f6rten Beziehung zu Gott. Alles andere, Unrecht, Rachsucht, der Brudermord bei Kain und Abel sind Folgen der einen S\u00fcnde.<\/p>\n<p><strong>FRAU KORTMANN: <\/strong>Und wie l\u00e4sst sich diese abgebrochene Beziehung zu Gott wiederherstellen?<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU WILKE: <\/strong>\u201eGott sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig\u201c, ruft der Z\u00f6llner. Der Bu\u00df- und Bettag erinnert daran, dass wir Gott um Vergebung bitten k\u00f6nnen. Er geht den ersten Schritt auf uns zu, wenn wir die Beziehung abrei\u00dfen lassen. Erinnert Euch an das Gleichnis vom Verlorenen Sohn, wie der Vater ihn wieder aufnimmt, sogar noch bevor der Sohn um Verzeihung gebeten hat.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>KEHLBREIER : <\/strong>Das ist eigentlich das Wunder unseres Glaubens: Gott entt\u00e4uscht uns nicht in seiner Gnade. Er nimmt uns an, so unverstellbar gro\u00df sogar die Schuld ist. Uns fielen so manche Gestalten der Weltgeschichte an, wo wir unsere Zweifel haben, dass Gnade eine Kategorie w\u00e4re. Ob Gottes Liebe so undenkbar gro\u00df ist, auch ihnen Gnade zuteil werden zu lassen?<\/p>\n<p>Der Umkehrschluss, nicht verziehen zu bekommen, wenn man aus Reue kommt, also auf Unbarmherzigkeit zu sto\u00dfen, der ist absolut zerst\u00f6rerisch: Eine Frau unter uns hat das als junges Mitglied einer Kommunit\u00e4t erlebt, dort wo man darauf angewiesen ist, als Gemeinschaft gut zusammenzuleben. Da war eine \u00e4ltere Ordensschwester, frech, provokant\u2026 Aber die Frau aus unseren Reihen wollte das regeln, was zwischen ihnen stand, was die Beziehungsst\u00f6rung ausmachte. Vor einem Abendmahlsgottesdienst bat sie um Verzeihung \u2013 diese Entschuldigung wurde abgelehnt! \u2013 Liebe Gemeinde, nicht verziehen zu bekommen, wenn man um Verzeihung bittet \u2013 das ist ein ganz schwerer Schlag. Daher brauche ich den Glauben an einen gn\u00e4digen Gott, an einen, der mir neue Anf\u00e4nge schenkt.<\/p>\n<p>Im Umkehrschluss hat ein Theologe mal formuliert: \u201eS\u00fcnde ist das Bestreben, sich von Gott nichts schenken lassen zu k\u00f6nnen!\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU DORNSEIFER: <\/strong>Alle S\u00fcnder willkommen: Es geht nicht darum, andere oder uns klein zu machen. Sondern es geht darum, immer wieder neu die unterbrochene Beziehung zu Gott durch Gottes Gnade erneuern zu lassen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>FRAU BUNK: <\/strong>F\u00fcr die Reformatoren war dann klar: Der Mensch ist beides, S\u00fcnder und Gerechtfertigter, gleichzeitig und in einer Person. Der Mensch wei\u00df um seine Grenzen. Aber im Zuspruch durch Gott kann er gerade mit diesen Grenzen umgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>KEHLBREIER: <\/strong>Keine Angst vor Fehlern, hei\u00dft das f\u00fcr mein Leben! Aber genauso auch: Immer wieder wackelt mein Zutrauen in Gott, der mich geschaffen hat und tr\u00e4gt. Dann hei\u00dft es wunderbar: Er kommt mir entgegen!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Kirchent\u00fcr h\u00e4ngt ein Zettel: &#8222;Alle S\u00fcnder willkommen!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[14,5],"tags":[],"class_list":["post-574","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ende-des-kirchenjahres","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/574","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=574"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/574\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":576,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/574\/revisions\/576"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=574"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}