{"id":570,"date":"2017-01-11T18:51:17","date_gmt":"2017-01-11T17:51:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=570"},"modified":"2017-01-11T18:51:17","modified_gmt":"2017-01-11T17:51:17","slug":"heilendes-gebet-19-so-n-tr-2012-zu-jak-513-16","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=570","title":{"rendered":"Heilendes Gebet (19. So. n. Tr. 2012 zu Jak 5,13-16)"},"content":{"rendered":"<p>Krankheit, Gebet, Segen, Salbung, Heilung und Vergebung \u2013 um nicht mehr oder weniger kreist der heutige Gottesdienst und der Predigttext und fordert von uns, die Begriffe uns f\u00fcr heute zu kl\u00e4ren \u2013 und vor allem wie sie zu einander in Beziehung stehen: Krankheit, Gebet, Segen, Salbung, Heilung und Vergebung.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche Altena,\u00a0 19. So. n. Tr.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heilendes Gebet und Salbung<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jakobus 5,13-16<\/p>\n<p><em>[a] Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der [b] singe Psalmen.<\/em><\/p>\n<p><em>14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die \u00c4ltesten der Gemeinde, da\u00df sie \u00fcber ihm beten und [a] ihn salben mit \u00d6l in dem Namen des Herrn.<\/em><\/p>\n<p><em>15 Und [a] das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er S\u00fcnden getan hat, wird ihm vergeben werden.<\/em><\/p>\n<p><em>16 Bekennt also einander eure S\u00fcnden und betet f\u00fcreinander, da\u00df ihr gesund werdet. [a] Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Neulich sagte eine Gemeindeglied zu mir: \u201eBeten Sie f\u00fcr mich!\u201c \u2013 \u201eDas mache ich\u201c; habe ich spontan versprochen, etwas \u00fcberrascht \u00fcber die Direktheit dieser Bitte, auch ber\u00fchrt \u00fcber die augenscheinliche Dringlichkeit: \u201eBeten Sie f\u00fcr mich!\u201c Und die Frau schob nach: \u201eMir geht es nicht gut. Ich komme mit meiner Krankheit derzeit nicht allein zu recht!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ging dieser Frau wohl nicht nur oder nicht vordergr\u00fcndig um medizinische Heilung. Da w\u00e4re ich auch der falsche \u2026 Es ging dieser Frau wohl um etwas anderes:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ich um ihre Krankheit und ihren Gem\u00fctszustand wei\u00df \u2013 denn wie oft machen Menschen gerade ihre Krankheiten mit sich selbst aus, sehen sie aus Schw\u00e4che oder Geheimnis, f\u00fchlen sich so, als ob sie keiner verstehen k\u00f6nnte. Finden selber keine Worte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beten Sie f\u00fcr mich: Nehmen Sie mein Schicksal mit in Ihre Beziehung mit Gott! Nehmen Sie mich mit hinein in die F\u00fcrbitte der Gemeinde, dass ich nicht alleine und erst recht nicht vergessen bin! Dass die Kirche ein Ort wird, wo Krankheit nicht bedeuten muss: Ich spiele keine Rolle mehr. Sondern: Ich bin mitten dabei \u2026 So habe ich diese Frau mit ihrer kurzen Bitte zwischen den Zeilen reden geh\u00f6rt \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Der Regisseur und K\u00fcnstler Christoph Schlingensief hat sich sehr mit seiner Krankheit \u00f6ffentlich auseinander gesetzt. Er starb 2010, w\u00e4hrend seiner schweren Erkrankung Tagebuch geschrieben. Im Vorwort hei\u00dft es:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eSo viele kranke Menschen leben einsam und zur\u00fcckgezogen, trauen sich nicht mehr vor die T\u00fcr und haben Angst, \u00fcber ihre \u00c4ngste zu sprechen. Ich habe erlebt, wie wichtig es ist, den Geschockten und aus der Bahn Geworfenen zur\u00fcck ins Leben zu begleiten, ihn in seiner Autonomie als Erkrankter zu st\u00e4rken, sich zu bem\u00fchen, seine Zweifel zu verstehen, ihm zu helfen, seine \u00c4ngste auszusprechen und diese \u2013 in welcher Form auch immer \u2013 zu modellieren.\u201c (S. 9) <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist wie eine moderne \u00dcbersetzung des Jakobus-Textes: In der Gemeinde des Jakobus gab es offenbar solche Dienste, die sich viele Menschen auch heute w\u00fcnschen: Andere besuchen, mit ihnen und f\u00fcr sie beten, sie mit \u00d6l salben. Die \u201eLebens-Verbindung\u201c aufnehmen und eben nicht abbrechen lassen, sondern sie in dem Gesamtzusammenhang der Gemeinde zu stellen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eIst jemand unter euch krank, der rufe zu sich die \u00c4ltesten [Presbyter] der Gemeinde, dass sie \u00fcber ihm beten und ihn salben mit \u00d6l in dem Namen des Herrn.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Was hilft die Salbung? Was hilft das Gebet? So fragen wir nat\u00fcrlich heute als moderne Menschen.<\/p>\n<p>Wo ist die Grenze zu den mysteri\u00f6sen oder gar unseri\u00f6sen Wunderheilern, zu denen zur Zeit des Jakobus \u2013 hier wird sicher auch der eine oder andere gefragt haben: Wo ist der Unterschied? \u2013 oder zu denen unserer Zeit: Die J\u00fcrgen-Fliege-Essenz, das Wunder\u00f6l des Fernsehpastors, ist ja inzwischen aus seinem Online-Shop entfernt, und er hat sich vor der Disziplinarkammer seiner Kirche f\u00fcr den Verkauf zu verantworten \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gebet und Salbung zielen nicht auf Reparatur.<\/p>\n<p>Gebet und Salbung zielen auf die Erneuerung der Beziehung zu Gott.<\/p>\n<p>Das Krankengebet wird den Kranken retten \u2013 an diese Wirkm\u00e4chtigkeit des Gebets glaube ich. Aber es wird nicht in jedem Fall zur k\u00f6rperlichen Heilung f\u00fchren.<\/p>\n<p>Gott richtet den Kranken auf \u2013 wom\u00f6glich aber nicht von seiner Krankheit, sondern in seiner Krankheit.<\/p>\n<p>Es kann manchmal das weitaus gr\u00f6\u00dfere Wunder sein: Der Frau, die mich darum bat, f\u00fcr sie zu beten, ging es mir gegen\u00fcber ja nicht um k\u00f6rperliche Heilung, sie sagte: \u201eIch komme mit meiner Krankheit derzeit nicht allein zu recht!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da vergewissern Gebet und Salbung: Ich geh\u00f6re in eine Gemeinschaft, die mich nicht im Stich l\u00e4sst. Die christliche Gemeinde ist eine Gemeinschaft von Gesunden und Kranken, zwischen denen keine Grenze zu ziehen ist!<\/p>\n<p>Sie ist \u201eheilenden Gemeinschaft\u201c in dem Sinne, dass sie unsere kranken Glieder nicht vom Leib abtrennt, sondern Lebensbindungen und Lebensverbindungen aufrecht h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Sei es durch den Besuch. Sei es durch das Gebet.<\/p>\n<p>Oder auch durch eine Salbung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Und die Verbindung von Gebet und S\u00fcnde bzw. S\u00fcndenvergebung? Eine unheilvolle Verbindung, wenn man Krankheit und S\u00fcnde in eins setzt und nicht unterscheidet (Exegese von Mk 2,1-12)!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDas Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er S\u00fcnden getan hat, wird ihm vergeben werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wen wir genau hinschauen: Krankheit und S\u00fcnde werden nicht in Beziehung gesetzt (\u201edass man nur richtig beten muss, um gesund zu werden, oder im Umkehrschluss: Wer krank ist, hat nicht richtig gebetet, hat also irgendwie selber Schuld an seiner Krankheit\u201c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielmehr geht es darum, dass das Gebet im umfassenden Sinne aufrichtet \u2013 nicht nur bei k\u00f6rperlicher Krankheit, sondern auch bei seelischem Schmerz, bei Schuld, moralischen Lasten, ja selber bei S\u00fcnde (Gottesferne), wenn wir uns von Gott entfernt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir beten doch auch f\u00fcr die k\u00f6rperlich Gesunden!<\/p>\n<p>Und in dieser Linie: Wir segnen auch <em>sie. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir werden gleich in diesem Gottesdienst eine Zeit lassen, in der jeder, der m\u00f6chte, eine Salbung erhalten kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Salbung meint nat\u00fcrlich nicht: letzte \u00d6lung! Ist nicht nur Krankensalbung, so wie es im evangelischen Bereich auch zunehmend in den Krankenhaus- und Altenheimgottesdiensten zum Zuge kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Salbung ist wie ein Segen der Ausdruck und der Zuspruch, dass wir mit unserm Leben zueinander und zu Gott geh\u00f6ren. Mit dem, was uns belastet, was unser Leben pr\u00e4gt, auch mit unserer Schuld und unseren engen Grenzen. Auch mit unseren Krankheiten. Unser Leben soll durch Gott sp\u00fcrbar erneuert werden, so wie \u00d6l sinnlich erfrischt und erneuert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ruft zu den \u00c4ltesten der Gemeinde, dass sie \u00fcber euch beten und euch salben mit \u00d6l! <\/em>Das richtet uns auf! Das r\u00fchrt uns an, sei es in oder nach einer Krankheit (EG 383,1), sei es in oder nach langen N\u00e4chten voller Unheil, in die neues Licht und ein Sch\u00f6pfungslied f\u00e4llt (EG 383,4). Von beidem wollen wir nun singen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krankheit, Gebet, Segen, Salbung, Heilung und Vergebung \u2013 um nicht mehr oder weniger kreist der heutige Gottesdienst und der Predigttext und fordert von uns, die Begriffe uns f\u00fcr heute zu kl\u00e4ren \u2013 und vor allem wie sie zu einander in Beziehung stehen: Krankheit, Gebet, Segen, Salbung, Heilung und Vergebung.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,13],"tags":[],"class_list":["post-570","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-trinitariszeit"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/570","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=570"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/570\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":571,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/570\/revisions\/571"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=570"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=570"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=570"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}