{"id":568,"date":"2017-01-11T18:48:19","date_gmt":"2017-01-11T17:48:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=568"},"modified":"2017-01-11T19:00:38","modified_gmt":"2017-01-11T18:00:38","slug":"nichts-eingefallen-pfingsten-2012-zu-1kor-212-16","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=568","title":{"rendered":"Nichts eingefallen (Pfingsten 2012 zu 1Kor 2,12-16)"},"content":{"rendered":"<p>Mir ist nichts eingefallen! Ich habe mir den Text Anfang der vornehmen, bin mit ihm durch die Woche gegangen, so wie immer. Normalerweise wird er durchs Leben, durch Begegnungen und Erlebnisse besteubt wie eine Blume von einer Biene besteubt wird.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt Pfingstsonntag \u2013 Lutherkirche<\/strong><\/p>\n<p><strong>1Kor 2,12-16<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diesmal ist aber nichts passiert!<\/p>\n<p>Das ist ein \u00e4\u00f6\u00dferst unangenehmes Gef\u00fchl!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kann man als Prediger leere Bl\u00e4tter abgeben wie ein Sch\u00fcler, der nicht gelernt hat?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ist zu sagen zu diesem Text, dass es nicht nur eine Zusammenfassung wissenschaftlicher und theologischer Erkenntnisse ist, sondern eine \u201ebegeisternde\u201c Verk\u00fcndigung wird?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war diese Woche mitten drin in der wohl entscheidenden und schwierigsten Fragen, mit der ich mich in meiner Zeit im Predigerseminar immer wieder auseinander gesetzt habe: Was macht eigentlich eine gute Rede zu einer guten Predigt? Wie bekommt meine Rede den Geist, dass die Frohe Botschaft r\u00fcberkommt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe versucht, diesen Text immer und immer wieder vorzunehmen, habe ihn zerschnitten und wieder zusammengeklebt, habe ihn laut gelesen \u2013 er ist wunderbar<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist kein Predigttrick jetzt, kein Understatement, um hinterher zu h\u00f6ren: Ich h\u00f6re Ihren eigentlich immer gerne zu \u2026 Es ist wirklich die Frage gewesen: Wie sage ich die Frohe Botschaft (weniger: Was sage ich?).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Denn \u201eWas sage ich?\u201c ist mit dem Text recht leicht gesagt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Paulus schreibt von der <em>Weisheit <\/em>Gottes an die kleine Gemeinde in der gro\u00dfen weltliche Hafenstadt Korinth und stellt scharfe Gegens\u00e4tze auf: Orientiert Euch nicht am Geist der Welt! \u2013 Damals sicher die schn\u00f6de Habgier und Gewinnsucht im Handeln und Schiffsverkehr, die harte Arbeit zu Meer und die Unstetigkeit im Lebenswandel zu Land.<\/p>\n<p>Ihr Christen sollt \/ Ihr k\u00f6nnt anders sein: Gott hat Euch seinen Geist geschenkt \u2013 in der Taufe schon!<\/p>\n<p>Ihr redet anders, \u00fcber den Sinn des Lebens, \u00fcber das, was Euch etwas wert ist.<\/p>\n<p>Mehr noch: Euer Leben geschieht in einer ganz anderen Dimension, mit einem Sinn mehr quasi: Euch ist nicht nur das Hirn und der Verstand gegeben, sondern: Ihr k\u00f6nnt die Dinge geistlich wenden, vor der Erfahrung Gottes und mit dem Vertrauen zu Gott bewerten. Ihr seid geistliche Menschen, nicht nur nat\u00fcrliche.<\/p>\n<p>Schlicht in einem Satz zusammengefasst: \u201eWir haben Christi Sinn\u201c.<\/p>\n<p>So wie die J\u00fcnger einst ausgesandt wurden in die D\u00f6rfer, zu predigen und zu heilen, so ist es auch den Nachfolgern verhei\u00dfen, in Korinth, \u00fcber Jerusalem und Israel hinaus: Der Auferstandene ist an Himmelfahrt zum Vater im Himmel zur\u00fcckgekehrt \u2013 aber (wie es im JohEv hei\u00dft) er hat den Geist zur\u00fcckgelassen, mit die Getauften, die \u201eChristen\u201c, mit Gott Vater und Sohn verbunden bleiben. Sie k\u00f6nnen ihr Leben in seinem Geiste, in seinem Sinne leben.<\/p>\n<p>Das schreibt Paulus an die Korinther.<\/p>\n<p>So klang es gerade auch in der Lesung aus der Apg:<\/p>\n<p>Unter Brausen und Helligkeit ergreift der Heilige Geist Menschen und verwandelt sie. Es ist die Sch\u00f6pfung der Kirche durch den Heiligen Geist \u2013 Geburtstag der Gemeinde, der K;irche. Der Geist Gottes, hebr\u00e4isch \u201eruach\u201c, das ist der Sturm, der \u2013 so erz\u00e4hlt\u2019s die Sch\u00f6pfungsgeschichte \u2013 das Chaos in Bewegung bringt und die Ordnung des Lebens f\u00fcgt. Der Geist zu Pfingsten, griechisch \u201epneuma\u201c, ist der Sturm, der Menschen erfasst und neu formt. Da fallen die Grenzen unterschiedlicher Sprachen. Da begegnen sich Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Klassen. Unbekannte finden Freunde. Angeh\u00f6rige verfeindeter Nationen sitzen an demselben Tisch. Pfingsten wirkt heilend f\u00fcr die Menschen, die in babylonischer Sprachverwirrung leben. Es erklingen Stimmen zum Lob Gottes. Es entsteht die Kirche als Vorhut f\u00fcr das universale Reich Gottes, das als Reich des Friedens und der Gerechtigkeit allen Menschen versprochen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ich bin immer noch bei der Frage: <em>Wie<\/em> kann ich\u2019s heute sagen? Wie weht der Geist bei uns? Wie passiert es, wie es im Oster-\/Pfingstlied hei\u00dft: <em>Zu jeder Zeit in jedem Land kann pl\u00f6tzlich was geschehn. Die Menschen h\u00f6ren, was Gott will, und k\u00f6nnen sich verstehn. H\u00f6rt, h\u00f6rt, h\u00f6rt, h\u00f6rt, und k\u00f6nnen sich verstehn?!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Am Ende der Woche habe ich einen sehr hohen Altengeburtstag besucht. Eine gro\u00dfe Ehre. Eine feierliche Atmosph\u00e4re, voller Dankbarkeit f\u00fcr ein langes Leben. Die Jubilarin sa\u00df munter und fr\u00f6hlich in einem Ohrensessel, lie\u00df nicht ohne Stolz \u00fcber sich ergehen, dass der B\u00fcrgermeister einige Gl\u00fcckwunschurkunden vortrug, vom Landrat, von der Ministerpr\u00e4sidentin. Dann richtete sie ihren festen Blick auf mich: Bescheiden, fast schon beil\u00e4ufig berichtete sie aus ihrem bewegten Leben, das noch in der Kaiserzeit begann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann sagte sie: \u201eMein Konfirmationsspruch lautete: <em>\u201eWelche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ein pfingstlicher Vers aus dem R\u00f6m.<\/p>\n<p>Und als ob sie ihn f\u00fcr sich und ihr langes Leben gleich interpretieren wollte, sagte sie: \u201eIch habe nichts dazugetan!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Ende der Woche ist mir also dann doch genau das passiert, was mir Pfingsten und diesen Text aufgeschlossen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war ein ganz kleiner Moment, eine andere Tiefe und eine andere Dimension der Begegnung. Ein heiliger Moment, wo ich reichlich beschenkt wurde mit der Glaubenskraft einer alten Frau, die vom Geist Gottes sprach, von ihrer Kindschaft im Glauben durch den R\u00f6m-Vers \u2013 und vor allem diese Interpretation hinterherschob: \u201eIch habe nichts dazugetan!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Wenn das nicht f\u00fcr alle Getauften gilt, auch f\u00fcr die predigenden Getauften! \u2013 Keiner kann Gottes Geist auf diese Kanzel zwingen. Wir k\u00f6nnen unsere Gottesdienste sorgf\u00e4ltig planen, der Kantor mit dem Chor sch\u00f6ne Musik raussuchen, wir k\u00f6nnen versuchen, eine menschenfreundliche Gemeinschaft zu sein, wenn Sie in die Kirche kommen. Aber das alles nimmt dem Heiligen Geist keine Arbeit ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er weht, wo er will. &#8211; Gott sei Dank tut er das: In solchen kleinen Momenten wie einem Geburtstagsgespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>In anr\u00fchrenden Begegnungen zwischene Menschen, die nicht auf ihre Weisheit und ihren Verstand bauen, sondern bewusst diese andere Dimension in ihr Leben einbauen.<\/p>\n<p>Auch in den gro\u00dfen Zusammenh\u00e4ngen: Wenn Menschen aus ihrem Glauben heraus sich einsetzen f\u00fcr mehr Gerechtigkeit, f\u00fcr Frieden und Sch\u00f6pfungsbewahrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft sagen Menschen ja, den Glauben habe ich f\u00fcr mich \u2013 ich muss nicht zur Kirche gehen.<\/p>\n<p>Richtig ist daran, dass Glaube immer individuell ist. Schwierig daran finde ich \u2013 gerade mit Blick auf Pfingsten &#8211; , dass er danach dr\u00e4ngt, mit anderen geteilt und gefeiert zu werden. Glaube f\u00fchrt in die Verantwortlichkeit f\u00fcr einander, in die diakonische Tat, privat, ehrenamtlich oder professionell.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn die alte Frau ihren Glauben f\u00fcr sich behalten h\u00e4tte \u2013 dann h\u00e4tte ich heute wirklich leere Bl\u00e4tter vor mir gehabt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Pfingsten hat viel mit der Entdeckung der Reformation zu tun, dass wir mit leeren H\u00e4nden vor Gott stehen und alle, was wir haben und sind, aus seiner Hand nehmen.<\/p>\n<p>Egal ob uns ehrenamtlich in der Gemeindeleitung engagieren, ob wir Gruppen leiten oder besuchen, ob wir Musik machen in dieser Gemeinde, den K\u00fcsterdienst versehen oder eben predigen sollen \u2013 wir k\u00f6nnen nur auf diese weitere Dimension des Geistes vertrauen, dass er da ist und dass er kommt. Dass er all die Gaben bringt, die Jesus ,mit dem Kommen des Geistes verspricht: dass er tr\u00f6stet, dass er Grenzen \u00fcberwindet, dass er uns Wind in die Segel bl\u00e4st, uns erfrischt, wie uns das Taufwasser am Anfang unseres Christseins erfrischt hat. Dass er uns Mut macht, unsere Weisheit und unseren Verstand zu nutzten, uns in die Welt zu mischen und sie mit zu gestalten \u2013 aber dass wir es tun als \u201egeistliche\u201c Menschen, die die T\u00fcr offenhalten f\u00fcr den Geist Gottes. Da haben Christen in einen Sinn mehr \u2013 und die Welt braucht diesen Sinn!<\/p>\n<p>Der Geist wird nicht in jedem Moment zu sp\u00fcren sein. Man wird immer wieder ringen und fragen: Wo ist Gott denn nun? Wozu Glaube und Kirche? Und vor allem \u201ewie\u201c!<\/p>\n<p>Aber dann wird es immer wieder diese Momente geben, die \u00fcberall passieren k\u00f6nnen und meistens dort und dann passieren, wenn wir sie nicht erwarten. Es k\u00f6nnen Momente sein, \u00fcber die ganze Predigten entstehen. Ja weit mehr noch: die ganze Leben ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, weil man Gott entdeckt und vom nat\u00fcrlichen Menschen zum geistlichen wird. Momente, die die gesamte Verhei\u00dfung Gottes, vom Anfang der Welt bis \u00fcber unser Dasein hinaus, aufblitzen lassen: wie gut er es mit uns meint, wie anr\u00fchrend und reich des Leben sein kann in seinem Angesicht.<\/p>\n<p>Ein portugiesischer Seifen-Fabrikant sprach mit einem Pfarrer \u00fcber seine Zweifel: \u201eDas Christentum hat nichts erreicht\u201c, sagte er. \u201eObwohl es schon 2000 Jahre gepredigt wird, ist die Welt nicht besser geworden. Es gibt immer noch B\u00f6ses und b\u00f6se Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Da zeigte der Pfarrer auf ein ungew\u00f6hnlich schmutziges Kind, das am Stra\u00dfenrand im Dreck spielte und bemerkte: \u201eSeife hat nichts erreicht. Es gibt immer noch Schmutz und schmutzige Menschen in der Welt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSeife\u201c, antwortete der Seifen-Fabrikant, \u201e nutzt nur, wenn sie angewendet wird.\u201c \u201eChristentum auch\u201c, sagte der Pfarrer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir ist nichts eingefallen! Ich habe mir den Text Anfang der vornehmen, bin mit ihm durch die Woche gegangen, so wie immer. 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