{"id":564,"date":"2017-01-11T18:45:04","date_gmt":"2017-01-11T17:45:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=564"},"modified":"2017-01-11T18:45:04","modified_gmt":"2017-01-11T17:45:04","slug":"heute-ist-freitag-karfreitag-2012-zu-hebraeer-915-26b-28","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=564","title":{"rendered":"Heute ist Freitag (Karfreitag 2012 zu Hebr\u00e4er 9,15.26b-28)"},"content":{"rendered":"<p>Es ist der Abend des Karfreitag, damals in Jerusalem. Drei r\u00f6mische Soldaten sitzen um elf Uhr noch in einer Kneipe. Der hebr\u00e4ische Wirt bedient sie. Die Soldaten l\u00e4rmen, streiten, ihnen bekommt der Wein nicht, sie f\u00fchlen sich nicht wohl. Eine Frage besch\u00e4ftigt sie: <em>Warum ist ER nicht heruntergestiegen vom Kreuz? <\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Luther-Kirche<\/strong><\/p>\n<p><strong>Karfreitag 2012 Hebr\u00e4er 9,15.26b-28<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als die Soldaten den Wirt fragen, h\u00f6ren sie, dass den das Ganze \u00fcberhaupt nicht interessiert. Umso mehr interessiert es die Soldaten. Immer wieder fragen sie:<em> Warum ist er nicht heruntergestiegen vom Kreuz?<\/em> Sie sagen sich: Es gibt doch keinen, der nicht herunter will vom Kreuz, wenn es ernst wird. Aber die Soldaten finden keine Antwort. Einer beruhigt sich mit den Worten: Das geht nicht, das geh\u00f6rt nicht zu seiner Rolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In ihrer Ratlosigkeit tr\u00f6sten sie sich mit dem Satz: Der hat sich heute da recht ordentlich benommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zugleich best\u00e4tigen sich die Soldaten gegenseitig, dass sie sich gerade schlecht f\u00fchlen. Wie der Refrain in einem Lied wird der Satz von den Soldaten wiederholt: Der hat sich heute da recht ordentlich benommen. Es klingt wie die h\u00f6chste Auszeichnung, die die Soldaten in ihrer Sprachlosigkeit zu vergeben haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So erz\u00e4hlt es Ernest Hemingway in seiner Erz\u00e4hlung \u201eHeute ist Freitag\u201c (in: Die Stories).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle, die die bis heute an jedem Karfreitag \u201eunter dem Kreuz\u201c verweilen, schweigen und beten, wollen verstehen, warum das so sein musste und nicht anders sein konnte. Selbst die Soldaten, die um seine Kleider gelost haben. Selbst unsere Kindergarten-Kindern, die vor kurzem, als ich die Passionsgeschichte erz\u00e4hlte fragten: Warum musste denn einer sterben, der nichts getan hat?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Warum ist er nicht heruntergestiegen vom Kreuz?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum ist der Tod nicht vermeidbar, fragen nicht nur die Frauen unter dem Kreuz, sondern alle, die trauern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum ist ein solcher Tod nicht vermeidbar, ein Foltertod, ein Justizskandal? Das fragen wir in Solidarit\u00e4t mit denen, die politischer Willk\u00fcr ausgesetzt sind auf der Welt, die zu Unrecht sterben m\u00fcssen. Denn auch unser Heiland ist so gestorben, als Opfer eines politischen Mordes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist Jesus damit j\u00e4mmerlich gescheitert? Der K\u00f6nig der Juden, der andere geholfen hat \u2013 er kann sich nicht einmal selbst helfen (MtEv, LkEv)?<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p><em>Warum ist er nicht heruntergestiegen vom Kreuz? <\/em> Es hat immer Erkl\u00e4rungsversuche geben gegeben. Der Hebr versucht Jahrzehnte sp\u00e4ter zu deuten, was dort passiert ist. Es ist ein Brief an hebr\u00e4ische Christinnen und Christen, also an christusgl\u00e4ubige J\u00fcdinnen und Juden. Diese Menschen haben inzwischen auch die Zerst\u00f6rung des Tempels miterlebt. Der Tempel war der Ort des Opferkultes, der Ort der Hohenpriester.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Verfasser des Hebr bringt nun beides zusammen: die Frage, was aus dem Opferkult wird und wie f\u00fcr die christusgl\u00e4ubigen J\u00fcdinnen und Juden der Tod Jesu zu deuten ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Erkl\u00e4rungsversuch hier lautet: Christus ist das einmalige Opfer f\u00fcr alle Zeiten \u2013 es braucht keinen Opferkult mehr an einem konkreten Ort wie dem Tempel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Predigttext aus Hebr 9 (BigS):<\/p>\n<p><em>15 [Durch seinen Tod] ist [Christus] Mittler dieses neuen Bundes: Nachdem sein Tod zur Erl\u00f6sung von den \u00dcbertretungen beim ersten Bund geschehen ist, erhalten die Berufenen das Versprechen des ewigen Erbes.<\/em><\/p>\n<p><em>Jetzt ist er vor dem Ende der Weltzeiten einmal durch sein eigenes Opfer erschienen, um die Gottferne vieler Menschen aufzuheben. <\/em><\/p>\n<p><em>27 So wie die Menschen einmal sterben, bevor das Gericht ansteht, 28 so ist auch der Messias einmal dargebracht worden, um die Entfernung vieler Menschen von Gott [S\u00fcnden] auf sich zu nehmen. Ein zweites Mal wird er nicht auf Grund der Tora-\u00dcbertretungen [S\u00fcnde] erscheinen, sondern rettet diejenigen, die ihn erwarten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christus als einmaliges Opfer \u2026 &#8211; w\u00e4re das eine Antwort auf die dr\u00e4ngende Frage,<em> warum ist er nicht heruntergestiegen ist vom Kreuz?<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Lange formulierte die herk\u00f6mmlichen Theologie: Jesus musste sterben, weil Gott den eigenen Sohn dahingegeben hat, \u201egeschlachtet\u201c, wie es gleich in mehreren Passionsliedern hei\u00dft. Als S\u00fchne f\u00fcr unsere S\u00fcnden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das sind doch oft nur theologischen Floskeln. Existentiell aber ist Schuldverstrickung der Soldaten und die bei\u00dfende Trauer der Frauen unterm Kreuz!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wie widerspr\u00fcchlich ist auch f\u00fcr mich diese Vorstellung: Jesus als gehorsamer, ja fast schon masochistischer Sohn \u2013Gott als ein sadistischer Vater? Musste Gott vers\u00f6hnt werden, so wie man einen S\u00fcndenbock in die W\u00fcste jagt? Johannes schreibt davon, dass Gott <em>die Welt<\/em> mit sich vers\u00f6hnte hat, nicht umgekehrt. Und \u00fcberhaupt: Will ich durch ein grauenhaftes Verbrechen erl\u00f6st sein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neuere theologische Stimmen sagen: Ganz weg mit dem Opfergedanken! \u2013 Aber wollten wir dann solche sperrigen Texte einfach ignorieren? Oder als Erkl\u00e4rungsversuche abtun, die uns heute nichts mehr sagen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke, eine andere Rede vom Opfer ist n\u00f6tig \u2013 und m\u00f6glich. Der Predigttext spricht zweimal vom Opfer:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><em>Christus ist <u>durch sein eigenes Opfer<\/u> erschienen, um die Gottferne vieler Menschen [S\u00fcnde] aufzuheben. (v. 26b)<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier wird vom (Selbst-)Opfer Jesu gesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ist es wird nicht gesagt, dass dieses Opfer von ihm geplant war oder gar als g\u00f6ttlicher \u201eHeilsplan\u201c vorherbestimmt war. Ich will sogar behaupten: Jesus kam nicht in die Welt, um durch seinen Tod die Welt zu erl\u00f6sen. Er kam, um das um das nahe Reich Gottes zu verk\u00fcndigen. Das war seine Mission.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und f\u00fcr diese Botschaft ist Jesus \u2013 wenn auch unter Angst und Zweifel! \u2013 bereit, Opfer zu erbringen. (Sein Opfer ist also nicht Inhalt seiner Botschaft, sondern die Folge.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er opfert seiner Botschaft so manchen \u201eNotausgang\u201c, der sich ihm auftut \u2013 und den wir wom\u00f6glich genommen h\u00e4tten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum greift er nicht zum Schwert im Garten Gethsemane und wehrt sich? \u2013 Weil er nicht hinter die Bergpredigt zur\u00fcckkann, wo er Friedfertigkeit gepredigt hat!<\/p>\n<p>Warum schlie\u00dft er seinen Verr\u00e4ter Judas nicht vom Abendmahl aus? \u2013 Weil er vorher schon mit S\u00fcndern zusammensa\u00df, und bei Judas, seinem Freund, erweist sich, ob seine Haltung wirklich tr\u00e4gt!<\/p>\n<p>Warum leugnet er nicht vor Pilatus, der Christus zu sein? Weil er sich schon von Anfang an in seinen Worten und Taten als Christus gezeigt hat und alle es h\u00e4tten sehen k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Warum kl\u00e4rt er das Missverst\u00e4ndnis beim Einzug nach Jerusalem nicht auf, als er auf einem Esel einreitet? \u2013 Weil er unbeirrt daran festh\u00e4lt, nicht als weltlicher Herrscher gegen die R\u00f6mer kommt, sondern als Friedef\u00fcrst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und in diesem Zusammenhang die Frage: Warum steigt er nicht vom Kreuz? \u2013 Vielleicht (und bewusst setze ich das \u201evielleicht\u201c) um dem Menschen in letzter Konsequenz aufzuzeigen, wozu dieser im Negativen f\u00e4hig ist: n\u00e4mlich zu allem denkbaren Unrecht! Und gleichzeitig dennoch zu zeigen, dass die Botschaft Gottes von Liebe und Vergebung sich hier, im \u00c4u\u00dfersten, entscheidet und bewahrheitet. Unvorstellbar \u2013 und ohne das Kreuz Jesu, ohne dass er sich daf\u00fcr aufopfert, undenkbar!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><em>28<u> so ist auch der Messias einmal dargebracht worden [geopfert worden]<\/u>, um die Entfernung vieler Menschen von Gott [S\u00fcnden] auf sich zu nehmen.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist der Blick quasi von der anderen Seite: Gott-Vater opfert auch, und sogar den eigenen Sohn. Aber auch hier ist nicht gesagt, dass es vorher geplant war oder zur Genugtuung Gottes ist, zur Milderung seines Zornes.<\/p>\n<p>Nein, f\u00fcr mich ist auch dies allein als Akt der Liebe zu den Menschen her zu denken: Gottes Liebe f\u00fcr die Menschen so gro\u00df ist, dass sie ihm dieses Opfer wert ist.<\/p>\n<p>Das ist kein sadistischer oder r\u00e4chender Gott. Ganz im Gegenteil: Es ist ein Gottesbild, das alle Selbstbezogenheit \u00fcberwindet. Gott zieht sich nicht in den Himmel, in eine Komfortzone zur\u00fcck. Seine Parteinahme f\u00fcr den Menschen kostet ihm ein St\u00fcck von sich selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche M\u00f6glichkeit liegt also im Kreuz: n\u00e4mlich von der Vers\u00f6hnungsbereitschaft Gottes zu erfahren! Und selbst im \u00c4u\u00dfersten noch neu anfangen zu d\u00fcrfen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p><em>Warum ist er nicht heruntergestiegen vom Kreuz?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jesus hat f\u00fcr seine Botschaft ein Opfer gebracht. Gott hat ihn \u201edargebracht\u201c. Das ist meine \u2013 absolut \u2013 vorl\u00e4ufige Antwort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber m\u00fcssen wir \u00fcberhaupt verstehen? Sollten wir diese Frage nicht bewusst in der Unfassbarkeit lassen \u2013 in der Unfassbarkeit, wie der Mensch sein kann, so wie man den Mord von Emden nicht fassen kann oder den Amoklauf in Oakland nicht verstehen und begreifen kann?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die wenigen, die \u201eunter dem Kreuz\u201c blieben, verschlug es die Sprache. Mit Tr\u00e4nen, Gebeten und Schweigen hielten sie dem Stand, was sie nicht verstehen konnten. Wie wir es nicht k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Karfreitag ist der Tag des dunklen Gottes. Da bleiben wir jetzt stehen. Die Bibel auf dem Altar ist zugeschlagen, die Kerzen verloschen, der Blumenschmuck verschwunden. Wir singen ohne die Orgel weiter. Drei Tage lang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst Ostern kommt Licht in die Sache. Bis dahin gilt: Aushalten, beten und schweigen, so schwer es auch f\u00e4llt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jedes Verstehenwollen Gottes ist auch der Versuch, ihn zu uns zu holen in unseren Verstand, ihn kleiner zu machen, als er ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Glauben zwischen Karfreitag und Ostern hei\u00dft f\u00fcr mich: Gott Gott sein zu lassen bei allem, was er tut oder l\u00e4sst \u2013 und ihm immer wieder diese Frage anzuvertrauen: <em>Warum ist Er nicht heruntergestiegen vom Kreuz?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Predigt \u2013 Luther-Kirche<\/p>\n<p>Ostermontag #1Kor 15,50-58<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><sup>[Eigene \u00dcbersetzung] 50 <\/sup><\/em><em>Eines m\u00fcsst ihr wissen, Geschwister: Mit einem Menschenleben aus Fleisch und Blut k\u00f6nnen wir nicht an Gottes Reich teilhaben, dem Erbe, das er f\u00fcr uns bereith\u00e4lt. Das Verg\u00e4ngliche hat keinen Anteil am Unverg\u00e4nglichen. <\/em><\/p>\n<p><em><sup>51 <\/sup><\/em><em>Ich sage euch jetzt ein Geheimnis: Wir werden nicht alle sterben [bis zur Wiederkunft Christi], aber wir werden alle [leiblich] verwandelt. <sup>52 <\/sup>In einem einzigen Augenblick wird das geschehen, und zwar dann, wenn vom Himmel her die Posaune zu h\u00f6ren ist, die das Ende der Zeit ank\u00fcndigt. Sobald die Posaune erklingt, werden die Toten aufstehen als Unverg\u00e4ngliche, und auch wir [Lebende] werden verwandelt werden. <sup>53 <\/sup>Denn wer jetzt verg\u00e4nglich ist, der soll das Kleid der Unverg\u00e4nglichkeit anzuziehen; wer jetzt sterblich ist, soll das Kleid der Unsterblichkeit anziehen. <sup>54 <\/sup>Und wenn das geschieht \u2013 wenn das Verg\u00e4ngliche mit Unverg\u00e4nglichkeit bekleidet wird und das Sterbliche mit Unsterblichkeit \u2013, dann geht die Aussage in Erf\u00fcllung, die in der Schrift steht: <\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbDer Tod ist auf ganzer Linie besiegt! \u00ab<br \/>\n<sup>55 <\/sup>\u00bbTod, wo ist dein Sieg?<br \/>\nTod, wo ist dein t\u00f6dlicher Stachel?\u00ab <\/em><\/p>\n<p><em><sup>56 <\/sup><\/em><em>Der Stachel, der uns den Tod bringt, ist die S\u00fcnde, und dass die S\u00fcnde solche Macht hat, liegt am Gesetz. <sup>57 <\/sup>Gott aber sei Dank, der uns den Sieg schenkt durch unsern Jesus Christus, unseren Herrn. <\/em><\/p>\n<p><em><sup>58 <\/sup><\/em><em>Haltet daher unbeirrt am Glauben fest, meine lieben Geschwister, und lasst euch durch nichts vom richtigen Weg abbringen. Setzt euch unaufh\u00f6rlich und mit ganzer Kraft f\u00fcr die Sache des Herrn ein! Ihr wisst ja, dass das, was ihr f\u00fcr den Herrn tut, nicht vergeblich ist.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kinder trauen sich noch was. Wenn jemand in der Familie oder Nachbarschaft gestorben ist, dann kommen sie mit ihren Fragen: Wo ist er jetzt? Kriegt sie jetzt Fl\u00fcgel? Sieht sie mir zu?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal bewegen sich die Gedanken in die biologische Richtung. Was passiert in der Erde mit der Leiche, die wir begraben haben? Verwest der K\u00f6rper?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beide Aspekte geh\u00f6ren zusammen, denke ich: Sag mir, wo der Himmel ist (und wie!) \u2013 und: Was passiert mit unseren Toten in der Erde?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir wissen heute viel mehr als Menschen vergangener Jahrhunderte. Viele R\u00e4tsel des Menschseins scheinen gel\u00f6st. Medizin, Gentechnik und Biologie bestimmen das Leben. Ein rationales Weltbild. Auch gut vorstellbar ohne Gott.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft sagen Erwachsene auch, \u201emein Kind soll sich sp\u00e4ter selber mal entscheiden, ob es Gott braucht oder nicht.\u201c Alles sch\u00f6n und gut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber pl\u00f6tzlich steht ein Kind da, und wir Erwachsene sind gefordert: Wo ist Opa jetzt, wo er tot ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die einfachen Fragen der Kinder am Grab haben wir nur schwer eine Antwort parat. Ob uns das Generationen vor uns voraus hatten? Haben wir es verlernt, vom Himmel zu sprechen? &#8211; Einst trieb das Osterlachen die Angst vor dem Tod aus, das Leben gab dem Tod der L\u00e4cherlichkeit preis, triumphierend und herausfordernd: Tod, wo ist dein Stachel, wo ist dein Sieg? \u2013 Verloren, ein f\u00fcr alle Mal verloren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kinder machen es uns oft vor: Dort oben, da steht sicher auch ein Klavier, sagte ein kleiner Junge, als der Oper starb, der gerne Klavier gespielt hatte. Und Opa wird sich ans Klavier setzen und sein Lieblingslied spielen. Pause. Und pl\u00f6tzlich sagte der Junge: Und danach mein Lieblingslied, und das von Oma \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWas jetzt verg\u00e4nglich ist, soll das Kleid der Unverg\u00e4nglichkeit anziehen\u201c, nennt Paulus das, was der Junge da geleistet hat: Er findet Bilder aus unserem irdischen Leben und \u00fcbertr\u00e4gt sie in den Himmel. Ummantelt Verg\u00e4ngliches mit dem Unverg\u00e4nglichem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>So weit so gut. Aber ist es das schon, was Paulus der Gemeinde in Korinth ins Stammbuch schreiben m\u00f6chte?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus schreibt nicht unbedingt \u00fcber den Moment, an dem ein einzelner Mensch stirbt. Er schreibt \u00fcber den Auferstehungstag aller Menschen und die Wiederkunft Christi. Das sollte damals noch zu Lebzeiten sein. Aber dann starben die ersten Gemeindeglieder. Was wurde aus ihnen in der Zwischenzeit? Und wie ist es f\u00fcr die lebenden Gemeindeglieder, von denen einige wohl einen Bogen um den Auferstehungsglauben machen? Sie w\u00e4hnten sich auch so schon im Licht des Heils.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Blick auf den Auferstehungstag spricht Paulus beiden Personengruppen, die schon Verstorbenen und noch Lebenden, zu: Euer Leben wird verwandelt (v. 51): weg von der Verg\u00e4nglichkeit (Verweslichkeit), hin zur Unverg\u00e4nglichkeit (Unsterblichkeit).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann dieses Bild: Die Gr\u00e4ber werden sich \u00f6ffnen. Die Posaune erklingt vom Himmel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Beschreibt Paulus den Himmel, mit dem Schall der Posaune, \u00e4hnlich einfach, oder gar naiv, wie ein Kind mit einem Klavier, an dem der Opa spielen kann? \u2013 Oder noch h\u00e4rter gefragt: Was will der Text sagen in unsere Welt, in der wir es schon schwer genug haben, die Auferstehung Jesu an Ostern weiterzusagen?! Nun geht es um die apokalyptische Vorstellung der Unverg\u00e4nglichkeit aller Menschen an einem Letzten Tag!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr Ostern 2012 h\u00f6ren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>F\u00fcr mich steckt hinter dem Bild vom Auferstehungstag mit den Posaunen und den sich \u00f6ffnenden Gr\u00e4bern ein Ur-Vertrauen, dass Gott es mit dieser Welt am Ende ihrer Zeit gut zu Ende bringt. Ein neuer Himmel, eine neue Erde sind versprochen. So wie die Welt einen guten Anfang nahm in der Sch\u00f6pfung und uns das Leben geschenkt wurde, so wird Gott sie halten bis zuletzt und neu machen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass diese Verhei\u00dfung sich erf\u00fcllt, hat mit der grundlegenden Entscheidung an Ostern zu tun: An Ostern ist der Tod ist besiegt. Er ist noch in der Welt \u2013 o ja, das sp\u00fcren und h\u00f6ren wir jeden Tag: Aber der Tod hat nicht mehr den zerst\u00f6rerischen Todesstachel (Peitsche). Gott hat schon alle erdenklichen K\u00e4mpfe gewonnen. Er hat Jesus, seinen Sohn, nicht im Tod gelassen. Die Evangelien berichten vom leeren Grab, von der Freude, die die Frauen und dann die J\u00fcnger erfreut: Wenn Ihr Jesus sucht \u2013 hier werdet ihr ihn nicht finden. Wenn ihr das Leben ergreifen wollt, geht weg vom Grab. Er lebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie immer das vorstellbar ist: Im Glauben daran, dass Gott Jesus auferweckte, hat das Leben \u00fcber den Tod gesiegt \u2013 und ganz pers\u00f6nlich ist unser Leben gerettet, heute und morgen und ewiglich. Tod, wo ist dein Sieg?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Wir werden verwandelt, sagt Paulus. Und Paulus schreibt selbst schon verwandelt: mit so wenig Betroffenheit vom Tod, kaum mit \u00c4ngstlichkeit oder Sorge, sondern er findet Worte und Bilder, die jubeln, aus denen Freude und Gewissheit sprechen. Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Gott wird gedankt. Er l\u00e4sst uns durch Jesus teilhaben an seinem Sieg \u00fcber den Tod.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Paulus ermutigt mich, mir \u00fcber meinen Tod keine Gedanken mehr zu machen, sondern mich ganz auf das Leben zu konzentrieren. Sei fest und unersch\u00fctterlich. Mach weiter mit der Arbeit, zu der du berufen bist, denn diese Arbeit ist nicht vergeblich! \u201eGott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren auferstandenen Herrn Jesus Christus!\u201c<\/p>\n<p>Diese Vision vom Auferstehungstag pr\u00e4gt doch mein Leben im Hier und Jetzt. Dabei ist hier das ganze Leben im Blick, nicht nur das Lebensende. Am Ende ist es m\u00f6glicherweise einfach zu sp\u00e4t. Ein gewissenhafter, nun allerdings auch nicht unbedingt fr\u00f6hlicher Blick auf meinen Tod, wie ich ihn mit Paulus wage, macht mir das Leben, wie ich es jetzt noch erlebe, wertvoll und lieb. Mich treibt nicht mehr der Stachel des Todes durch das Leben.<\/p>\n<p>Nein, der Tod soll mich nicht (mehr) durchs Leben treiben: Ich rechne nicht, wie viel Lebenszeit noch statistisch bleibt. Ich \u00fcberschaue nicht, was ich bereits alles verpasst haben k\u00f6nnte. Ich verstricke mich nicht im Anspruch, was ich noch erleben muss. Dass dem Tod der Stachel gezogen ist, bedeutet Freiheit: von aller Selbstbezogenheit und dem Egoismus, noch unbedingt etwas besitzen und haben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mich treibt die Freude \u00fcber das Leben an sich an. Und die Hoffnung, dass ich geborgen bleibe bei Gott, selbst im Tod und \u00fcber mein irdisches Leben hinaus, sei es, dass ich den Auferstehungstag der Sch\u00f6pfung einst als Toter oder Lebendiger erlebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Ob wir wieder mehr Mut und Hoffnung haben, vom Himmel zu sprechen? Ob wie \u2013 wir Kinder \u2013 es schaffen, unserer Verg\u00e4nglichkeit etwas Unverg\u00e4ngliches anzuziehen? Schaffen wir es, das, was uns hier im Leben gut und wichtig ist, ganz selbstverst\u00e4ndlich auch im Himmel zu w\u00e4hnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hanns Dieter H\u00fcsch, der rheinische Musikant, Kabarettist und Christ, hat mal \u201eEin kleines Buch aus heiterem Himmel geschrieben\u201c. 2005 verstarb er. Ob er seinen Weg in den Himmel letztlich so \u201everwandelt\u201c gegangen ist, wie er es schreibt, wissen wir nicht. Aber er hat aus dem Verg\u00e4ngliches heraus das Unverg\u00e4ngliche zu beschreiben versucht, mit der christlichen Heiterkeit und Lebensfreude:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>In den Himmel kommen (Hanns Dieter H\u00fcsch)<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Also gehe ich dann gleich.<\/em><\/p>\n<p><em> Das Notwendigste hab ich ja sagte ich<\/em><\/p>\n<p><em> Und pass auf dich auf, sagte meine Frau<\/em><\/p>\n<p><em> Und vergiss nicht anzurufen, wenn du angekommen bist, und denk daran du bist der erste Deutsche, Den Er lebend in den Himmel kommen l\u00e4sst.<\/em><\/p>\n<p><em> Na gut, sagte ich, daf\u00fcr unterhalte ich ihn ja auch.<\/em><\/p>\n<p><em> Gib nicht so an, sagte meine Frau. Und wenn er wei\u00df wo mein Vater ist, dann frag Ihn doch mal, Ob Er ihn dir zeigt oder ob du mit ihm sprechen darfst.<\/em><\/p>\n<p><em> Ich wei\u00df ja nicht wie das geht<\/em><\/p>\n<p><em> Hast du deine Predigten mit?<\/em><\/p>\n<p><em> Ja sagte ich zwei.<\/em><\/p>\n<p><em> Nur zwei?<\/em><\/p>\n<p><em> Ja sagte ich, und ein paar F\u00fcrbitten und ein paar Psalmen und noch so Gedichte.<\/em><\/p>\n<p><em> Na sch\u00f6n, sagte meine Frau, dann geh jetzt mal, und vergiss nicht dass ich dich liebe. Und wir sehen uns wieder!<\/em><\/p>\n<p><em> Das will ich meinen, sagte ich, sonst ginge ich nicht<\/em><\/p>\n<p><em> Nun lauf wacker!<\/em><\/p>\n<p><em> Ja sagte ich! Ich drehe mich nicht um, denn ich wei\u00df nicht ob das gut ist.<\/em><\/p>\n<p><em> Ist schon gut, sagte meine Frau. Bestell liebe Gr\u00fc\u00dfe an den lieben Gott. Und geh jetzt deinen Weg bevor es dunkel wird. <\/em><\/p>\n<p><em> Ich kann immer noch sagen ich h\u00e4tte es mir anders \u00fcberlegt.<\/em><\/p>\n<p><em> Nein das sagen wir nicht, sondern du gehst jetzt, und ich gehe jetzt, und wenn wir uns wiedersehen \u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Und wir sehen uns wieder!<\/em><\/p>\n<p><em> Dann sind wir alles was wir sind: alt und gl\u00fccklich.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist der Abend des Karfreitag, damals in Jerusalem. Drei r\u00f6mische Soldaten sitzen um elf Uhr noch in einer Kneipe. Der hebr\u00e4ische Wirt bedient sie. Die Soldaten l\u00e4rmen, streiten, ihnen bekommt der Wein nicht, sie f\u00fchlen sich nicht wohl. Eine Frage besch\u00e4ftigt sie: Warum ist ER nicht heruntergestiegen vom Kreuz?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[10,5],"tags":[],"class_list":["post-564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-passionszeit","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=564"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/564\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":565,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/564\/revisions\/565"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}