{"id":562,"date":"2017-01-11T18:41:55","date_gmt":"2017-01-11T17:41:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=562"},"modified":"2017-01-11T18:41:55","modified_gmt":"2017-01-11T17:41:55","slug":"wo-ist-opa-jetzt-ostern-2012-zu-1kor-1550-58","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=562","title":{"rendered":"Wo ist Opa jetzt? (Ostern 2012 zu 1Kor 15,50-58)"},"content":{"rendered":"<p><em><sup>[Eigene \u00dcbersetzung] 50 <\/sup><\/em><em>Eines m\u00fcsst ihr wissen, Geschwister: Mit einem Menschenleben aus Fleisch und Blut k\u00f6nnen wir nicht an Gottes Reich teilhaben, dem Erbe, das er f\u00fcr uns bereith\u00e4lt. Das Verg\u00e4ngliche hat keinen Anteil am Unverg\u00e4nglichen.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Luther-Kirche<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ostermontag #1Kor 15,50-58<\/strong><\/p>\n<p><em><sup>51 <\/sup><\/em><em>Ich sage euch jetzt ein Geheimnis: Wir werden nicht alle sterben [bis zur Wiederkunft Christi], aber wir werden alle [leiblich] verwandelt. <sup>52 <\/sup>In einem einzigen Augenblick wird das geschehen, und zwar dann, wenn vom Himmel her die Posaune zu h\u00f6ren ist, die das Ende der Zeit ank\u00fcndigt. Sobald die Posaune erklingt, werden die Toten aufstehen als Unverg\u00e4ngliche, und auch wir [Lebende] werden verwandelt werden. <sup>53 <\/sup>Denn wer jetzt verg\u00e4nglich ist, der soll das Kleid der Unverg\u00e4nglichkeit anzuziehen; wer jetzt sterblich ist, soll das Kleid der Unsterblichkeit anziehen. <sup>54 <\/sup>Und wenn das geschieht \u2013 wenn das Verg\u00e4ngliche mit Unverg\u00e4nglichkeit bekleidet wird und das Sterbliche mit Unsterblichkeit \u2013, dann geht die Aussage in Erf\u00fcllung, die in der Schrift steht: <\/em><\/p>\n<p><em>\u00bbDer Tod ist auf ganzer Linie besiegt! \u00ab<br \/>\n<sup>55 <\/sup>\u00bbTod, wo ist dein Sieg?<br \/>\nTod, wo ist dein t\u00f6dlicher Stachel?\u00ab <\/em><\/p>\n<p><em><sup>56 <\/sup><\/em><em>Der Stachel, der uns den Tod bringt, ist die S\u00fcnde, und dass die S\u00fcnde solche Macht hat, liegt am Gesetz. <sup>57 <\/sup>Gott aber sei Dank, der uns den Sieg schenkt durch unsern Jesus Christus, unseren Herrn. <\/em><\/p>\n<p><em><sup>58 <\/sup><\/em><em>Haltet daher unbeirrt am Glauben fest, meine lieben Geschwister, und lasst euch durch nichts vom richtigen Weg abbringen. Setzt euch unaufh\u00f6rlich und mit ganzer Kraft f\u00fcr die Sache des Herrn ein! Ihr wisst ja, dass das, was ihr f\u00fcr den Herrn tut, nicht vergeblich ist.<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Kinder trauen sich noch was. Wenn jemand in der Familie oder Nachbarschaft gestorben ist, dann kommen sie mit ihren Fragen: Wo ist er jetzt? Kriegt sie jetzt Fl\u00fcgel? Sieht sie mir zu?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal bewegen sich die Gedanken in die biologische Richtung. Was passiert in der Erde mit der Leiche, die wir begraben haben? Verwest der K\u00f6rper?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beide Aspekte geh\u00f6ren zusammen, denke ich: Sag mir, wo der Himmel ist (und wie!) \u2013 und: Was passiert mit unseren Toten in der Erde?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir wissen heute viel mehr als Menschen vergangener Jahrhunderte. Viele R\u00e4tsel des Menschseins scheinen gel\u00f6st. Medizin, Gentechnik und Biologie bestimmen das Leben. Ein rationales Weltbild. Auch gut vorstellbar ohne Gott.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft sagen Erwachsene auch, \u201emein Kind soll sich sp\u00e4ter selber mal entscheiden, ob es Gott braucht oder nicht.\u201c Alles sch\u00f6n und gut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber pl\u00f6tzlich steht ein Kind da, und wir Erwachsene sind gefordert: Wo ist Opa jetzt, wo er tot ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf die einfachen Fragen der Kinder am Grab haben wir nur schwer eine Antwort parat. Ob uns das Generationen vor uns voraus hatten? Haben wir es verlernt, vom Himmel zu sprechen? &#8211; Einst trieb das Osterlachen die Angst vor dem Tod aus, das Leben gab dem Tod der L\u00e4cherlichkeit preis, triumphierend und herausfordernd: Tod, wo ist dein Stachel, wo ist dein Sieg? \u2013 Verloren, ein f\u00fcr alle Mal verloren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kinder machen es uns oft vor: Dort oben, da steht sicher auch ein Klavier, sagte ein kleiner Junge, als der Oper starb, der gerne Klavier gespielt hatte. Und Opa wird sich ans Klavier setzen und sein Lieblingslied spielen. Pause. Und pl\u00f6tzlich sagte der Junge: Und danach mein Lieblingslied, und das von Oma \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWas jetzt verg\u00e4nglich ist, soll das Kleid der Unverg\u00e4nglichkeit anziehen\u201c, nennt Paulus das, was der Junge da geleistet hat: Er findet Bilder aus unserem irdischen Leben und \u00fcbertr\u00e4gt sie in den Himmel. Ummantelt Verg\u00e4ngliches mit dem Unverg\u00e4nglichem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>So weit so gut. Aber ist es das schon, was Paulus der Gemeinde in Korinth ins Stammbuch schreiben m\u00f6chte?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus schreibt nicht unbedingt \u00fcber den Moment, an dem ein einzelner Mensch stirbt. Er schreibt \u00fcber den Auferstehungstag aller Menschen und die Wiederkunft Christi. Das sollte damals noch zu Lebzeiten sein. Aber dann starben die ersten Gemeindeglieder. Was wurde aus ihnen in der Zwischenzeit? Und wie ist es f\u00fcr die lebenden Gemeindeglieder, von denen einige wohl einen Bogen um den Auferstehungsglauben machen? Sie w\u00e4hnten sich auch so schon im Licht des Heils.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Blick auf den Auferstehungstag spricht Paulus beiden Personengruppen, die schon Verstorbenen und noch Lebenden, zu: Euer Leben wird verwandelt (v. 51): weg von der Verg\u00e4nglichkeit (Verweslichkeit), hin zur Unverg\u00e4nglichkeit (Unsterblichkeit).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann dieses Bild: Die Gr\u00e4ber werden sich \u00f6ffnen. Die Posaune erklingt vom Himmel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Beschreibt Paulus den Himmel, mit dem Schall der Posaune, \u00e4hnlich einfach, oder gar naiv, wie ein Kind mit einem Klavier, an dem der Opa spielen kann? \u2013 Oder noch h\u00e4rter gefragt: Was will der Text sagen in unsere Welt, in der wir es schon schwer genug haben, die Auferstehung Jesu an Ostern weiterzusagen?! Nun geht es um die apokalyptische Vorstellung der Unverg\u00e4nglichkeit aller Menschen an einem Letzten Tag!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr Ostern 2011 h\u00f6ren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>F\u00fcr mich steckt hinter dem Bild vom Auferstehungstag mit den Posaunen und den sich \u00f6ffnenden Gr\u00e4bern ein Ur-Vertrauen, dass Gott es mit dieser Welt am Ende ihrer Zeit gut zu Ende bringt. Ein neuer Himmel, eine neue Erde sind versprochen. So wie die Welt einen guten Anfang nahm in der Sch\u00f6pfung und uns das Leben geschenkt wurde, so wird Gott sie halten bis zuletzt und neu machen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass diese Verhei\u00dfung sich erf\u00fcllt, hat mit der grundlegenden Entscheidung an Ostern zu tun: An Ostern ist der Tod ist besiegt. Er ist noch in der Welt \u2013 o ja, das sp\u00fcren und h\u00f6ren wir jeden Tag: Aber der Tod hat nicht mehr den zerst\u00f6rerischen Todesstachel (Peitsche). Gott hat schon alle erdenklichen K\u00e4mpfe gewonnen. Er hat Jesus, seinen Sohn, nicht im Tod gelassen. Die Evangelien berichten vom leeren Grab, von der Freude, die die Frauen und dann die J\u00fcnger erfreut: Wenn Ihr Jesus sucht \u2013 hier werdet ihr ihn nicht finden. Wenn ihr das Leben ergreifen wollt, geht weg vom Grab. Er lebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie immer das vorstellbar ist: Im Glauben daran, dass Gott Jesus auferweckte, hat das Leben \u00fcber den Tod gesiegt \u2013 und ganz pers\u00f6nlich ist unser Leben gerettet, heute und morgen und ewiglich. Tod, wo ist dein Sieg?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>Wir werden verwandelt, sagt Paulus. Und Paulus schreibt selbst schon verwandelt: mit so wenig Betroffenheit vom Tod, kaum mit \u00c4ngstlichkeit oder Sorge, sondern er findet Worte und Bilder, die jubeln, aus denen Freude und Gewissheit sprechen. Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Gott wird gedankt. Er l\u00e4sst uns durch Jesus teilhaben an seinem Sieg \u00fcber den Tod.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Paulus ermutigt mich, mir \u00fcber meinen Tod keine Gedanken mehr zu machen, sondern mich ganz auf das Leben zu konzentrieren. Sei fest und unersch\u00fctterlich. Mach weiter mit der Arbeit, zu der du berufen bist, denn diese Arbeit ist nicht vergeblich! \u201eGott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren auferstandenen Herrn Jesus Christus!\u201c<\/p>\n<p>Diese Vision vom Auferstehungstag pr\u00e4gt doch mein Leben im Hier und Jetzt. Dabei ist hier das ganze Leben im Blick, nicht nur das Lebensende. Am Ende ist es m\u00f6glicherweise einfach zu sp\u00e4t. Ein gewissenhafter, nun allerdings auch nicht unbedingt fr\u00f6hlicher Blick auf meinen Tod, wie ich ihn mit Paulus wage, macht mir das Leben, wie ich es jetzt noch erlebe, wertvoll und lieb. Mich treibt nicht mehr der Stachel des Todes durch das Leben.<\/p>\n<p>Nein, der Tod soll mich nicht (mehr) durchs Leben treiben: Ich rechne nicht, wie viel Lebenszeit noch statistisch bleibt. Ich \u00fcberschaue nicht, was ich bereits alles verpasst haben k\u00f6nnte. Ich verstricke mich nicht im Anspruch, was ich noch erleben muss. Dass dem Tod der Stachel gezogen ist, bedeutet Freiheit: von aller Selbstbezogenheit und dem Egoismus, noch unbedingt etwas besitzen und haben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Mich treibt die Freude \u00fcber das Leben an sich an. Und die Hoffnung, dass ich geborgen bleibe bei Gott, selbst im Tod und \u00fcber mein irdisches Leben hinaus, sei es, dass ich den Auferstehungstag der Sch\u00f6pfung einst als Toter oder Lebendiger erlebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Ob wir wieder mehr Mut und Hoffnung haben, vom Himmel zu sprechen? Ob wie \u2013 wir Kinder \u2013 es schaffen, unserer Verg\u00e4nglichkeit etwas Unverg\u00e4ngliches anzuziehen? Schaffen wir es, das, was uns hier im Leben gut und wichtig ist, ganz selbstverst\u00e4ndlich auch im Himmel zu w\u00e4hnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hanns Dieter H\u00fcsch, der rheinische Musikant, Kabarettist und Christ, hat mal \u201eEin kleines Buch aus heiterem Himmel geschrieben\u201c. 2005 verstarb er. Ob er seinen Weg in den Himmel letztlich so \u201everwandelt\u201c gegangen ist, wie er es schreibt, wissen wir nicht. Aber er hat aus dem Verg\u00e4ngliches heraus das Unverg\u00e4ngliche zu beschreiben versucht, mit der christlichen Heiterkeit und Lebensfreude:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>In den Himmel kommen<\/em><\/p>\n<p>Also gehe ich dann gleich<\/p>\n<p>Das Notwendigste hab ich ja sagte ich<\/p>\n<p>Und pass auf dich auf, sagte meine Frau<\/p>\n<p>Und vergiss nicht anzurufen, wenn du angekommen bist, und denk daran du bist der erste Deutsche, Den Er lebend in den Himmel kommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Na gut, sagte ich, daf\u00fcr unterhalte ich ihn ja auch.<\/p>\n<p>Gib nicht so an, sagte meine Frau. Und wenn er wei\u00df wo mein Vater ist, dann frag Ihn doch mal, Ob Er ihn dir zeigt oder ob du mit ihm sprechen darfst.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df ja nicht wie das geht<\/p>\n<p>Hast du deine Predigten mit?<\/p>\n<p>Ja sagte ich zwei.<\/p>\n<p>Nur zwei?<\/p>\n<p>Ja sagte ich, und ein paar F\u00fcrbitten und ein paar Psalmen und noch so Gedichte.<\/p>\n<p>Na sch\u00f6n, sagte meine Frau, dann geh jetzt mal, und vergiss nicht dass ich dich liebe. Und wir sehen uns wieder!<\/p>\n<p>Das will ich meinen, sagte ich, sonst ginge ich nicht<\/p>\n<p>Nun lauf wacker!<\/p>\n<p>Ja sagte ich! Ich drehe mich nicht um, denn ich wei\u00df nicht ob das gut ist.<\/p>\n<p>Ist schon gut, sagte meine Frau. Bestell liebe Gr\u00fc\u00dfe an den lieben Gott. Und geh jetzt deinen Weg bevor es dunkel wird.<\/p>\n<p>Ich kann immer noch sagen ich h\u00e4tte es mir anders \u00fcberlegt.<\/p>\n<p>Nein das sagen wir nicht, sondern du gehst jetzt, und ich gehe jetzt, und wenn wir uns wiedersehen \u2026<\/p>\n<p>Und wir sehen uns wieder!<\/p>\n<p>Dann sind wir alles was wir sind: alt und gl\u00fccklich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Eigene \u00dcbersetzung] 50 Eines m\u00fcsst ihr wissen, Geschwister: Mit einem Menschenleben aus Fleisch und Blut k\u00f6nnen wir nicht an Gottes Reich teilhaben, dem Erbe, das er f\u00fcr uns bereith\u00e4lt. 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