{"id":558,"date":"2017-01-11T18:35:40","date_gmt":"2017-01-11T17:35:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=558"},"modified":"2017-01-11T18:35:40","modified_gmt":"2017-01-11T17:35:40","slug":"zuruecklassen-altjahresabend-2011-zu-ex-1320-22","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=558","title":{"rendered":"Zur\u00fccklassen (Altjahresabend 2011 zu Ex 13,20-22)"},"content":{"rendered":"<p>Der letzte Kalendertag: Um Mitternacht beginnt ein neues Jahr. Damit etwas Neues. Ein Einschnitt \u2013 wom\u00f6glich mit dem Zauber eines Neuanfangs. Mit neuen Herausforderungen, mit guten Vors\u00e4tzen. Mit einem seufzenden Gedanken: Wie schnell doch 2011 verflogen ist?!<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Luther-Kirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Altjahresabend 2011 #Ex 13,20-22<\/strong><\/p>\n<p><em>20 So zogen sie [die Israeliten] aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der W\u00fcste. 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkens\u00e4ule, um sie den rechten Weg zu f\u00fchren, und bei Nacht in einer Feuers\u00e4ule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkens\u00e4ule von dem Volk bei Tage noch die Feuers\u00e4ule bei Nacht. (Ex 13,17-20)<\/em><\/p>\n<p>Man braucht nur Stichworte nennen: Fukushima, Plagiat, Euro, Zwickauer Zelle, Ut\u00f6ya, Bunga Bunga, heja BVB. Oder auf Altena bezogen: Lenneterassen, Burgaufzug, Gemeinschaftsschule, Rosmart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es g\u00e4be viele Stichworte f\u00fcr unsere Gemeinde. Und jede und jeder hat eigenen Gedanken f\u00fcr 2011. Je nach dem, was damit verbunden ist, sehnt er sich nach Abschluss und nach Loslassen <em>oder<\/em> nach Fortsetzung und Festhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00f6nnen wir 2011 einfach zur\u00fccklassen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Diese Frage f\u00fchrt uns zum Predigttext zur\u00fcck. Er steht im Herzen der 5 B\u00fccher Mose, der Geschichte Israels von Abraham an bis zum Blick des alternden Moses auf das Verhei\u00dfende Land. Abraham wird das Land verhei\u00dfen (Gen 12), und eine Familie von Isaak und Rebekka, von Jakob und Rahel und den zw\u00f6lf S\u00f6hnen, die zum gro\u00dfen Volk werden sollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Volk lebt seit der Zeit Josefs in \u00c4gypten. Als der K\u00f6nig wechselt, f\u00e4llt Israel in die Sklaverei, geknechtet und unterdr\u00fcckt. Was soll werden aus dem Volk Gottes? \u2013 Mose wird bestimmt, nein, er wird von Gott selbst am brennenden Dornbusch berufen, sein Volk aus \u00c4gypten ins Gelobte Land zu f\u00fchren. Gott verspricht, sein Volk zu befreien \u2013 und als der Pharao hartherzig bleibt, schickt Gott zehn Plagen \u00fcber \u00c4gypten \u2013 bis hin zur brutalen letzten Plage, der T\u00f6tung der Erstgeborenen \u00c4gyptens. Die roten T\u00fcrpfosten, gekennzeichnet vom Blut der L\u00e4mmer zum Passafest, verschonen die Israeliten.<\/p>\n<p>Musste das alles passieren, bis der Pharao endlich einlenkte?<\/p>\n<p>Hals \u00fcber Kopf flieht das Volk Israel als \u00c4gypten, nicht mal der Brotteig f\u00fcr den Proviant ist durchs\u00e4uert. Das Volk packt den rohen Teig zusammen \u2013 Grund f\u00fcr das Fest der Unges\u00e4uerten Brot, dem j\u00fcdischen Passahfest, bis heute.<\/p>\n<p>Um den Krieg mit den verfeindeten Philistern zu vermeiden, w\u00e4hlt Mose den Weg durch die W\u00fcste, von Sukkot aus bis nach Etam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkens\u00e4ule, um sie den rechten Weg zu f\u00fchren, und bei Nacht in einer Feuers\u00e4ule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkens\u00e4ule von dem Volk bei Tage noch die Feuers\u00e4ule bei Nacht. (Ex 13,17-20)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir die Zeit um den Jahreswechsel \u201ezwischen den Jahren\u201c nennen, dann ist dieser Moment in der Befreiungsgeschichte Israels auch \u201ezwischen den Zeiten\u201c, sogar \u201ezwischen allen St\u00fchlen\u201c: Die Flucht ist gelungen, aber schon im n\u00e4chsten Moment hetzen die Streitwagen der \u00c4gypter hinter dem Volk her, bis Israel durchs Schilfmeer zieht und gerettet wird (Ex 14). \u00c4gypten liegt hinter dem Volk, doch vor dem Volk liegt die W\u00fcste: 40 Jahre dauert es, bis es das Gelobte Land erreicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Und nun wieder die Frage an uns? K\u00f6nnen wir 2011 einfach hinter uns lassen?<\/p>\n<p>In der Befreiungsgeschichte Israel entdecke ich, dass <u>die Vergangenheit immer mitzieht<\/u>: Das Volk ist gepr\u00e4gt von dem, was war: Es war so lange unfrei und gefangen, dass es sich in der Unw\u00e4gbarkeit der W\u00fcste schnell wieder an die Fleischt\u00f6pfe \u00c4gyptens zur\u00fccksehnt, an die tr\u00fcgerische Sicherheit der Unfreiheit. Das sch\u00fcttelt man nicht einfach aus den Kleidern! Was war, zieht mit, in den Gedanken, im Verhalten.<\/p>\n<p>Ich lerne an der Geschichte Israels: <u>Auch die Narben und Wunden geh\u00f6ren zum Leben<\/u>. Sie pr\u00e4gen. Aber sie pr\u00e4gen auch im Positiven, wenn der erste Schmerz einmal \u00fcberwunden ist: Immer wieder erinnern Aaron und Mose im weiteren Verlauf das Volk daran, dass Gott vor allem <em>gerettet <\/em>hat. Als Mose die Zehn Gebote erh\u00e4lt, hei\u00dft deren \u00dcberschrift: \u201eSo spricht der Herr dein Gott, der dich aus \u00c4gyptenland, aus der Sklaverei befreit hat.\u201c<\/p>\n<p>W\u00fcrde Israel am W\u00fcstenrand einfach die Vergangenheit abschlie\u00dfen \u2013 und w\u00fcrden auch wir das tun \u2013, dann schnitten wir auch die alten Verhei\u00dfungen Gottes und die alten Erf\u00fcllungen ab, an die man sich heilsam erinnern kann.<\/p>\n<p>Oft sagen mir Menschen: \u201eIm Nachhinein haben wir erfahren, dass wir von Gott gef\u00fchrt und begleitet waren.\u201c<\/p>\n<p>Ich bin mir sicher, dass wir uns an Momente in 2011 erinnern oder erinnern werden, in denen uns Gott gef\u00fchrt und begleitet hat. Diese Erinnerungen m\u00f6chte ich nicht missen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was wir aber getrost k\u00f6nnen: Wir k\u00f6nnen Gott das Jahr 2011 in seine H\u00e4nde zur\u00fccklegen \u2013 <em><u>mit<\/u><\/em> allen Erinnerungen und Pr\u00e4gungen, im Positiven wie im Negativen. Nicht nur zum Jahreswechsel, an jedem Tag, zu jeder Stunde ist ein Neubeginn m\u00f6glich. Befreiung von Schuld, weil Gott gn\u00e4dig ist. Ent-Lastung, weil Gott f\u00fcr uns da ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Dass Gott treu und nah ist \u2013 das alles wird hier deutlich in der Feuer- und Wolkens\u00e4ule.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott schreitet voran. In einer alten j\u00fcdischen Tradition geht der Vater mit einer Fackel voran, der Sohn folgt, oder es der K\u00f6nig voran und das Volk folgt. Dieses Bild wird hier f\u00fcr Gott verwandt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott brennt voller Liebe und Leidenschaft und Gerechtigkeit. Das Feuer der Feuers\u00e4ule steht schon f\u00fcr die liebevolle Zusage an Mose an brennenden Dornbusch: Ich bin f\u00fcr dich da! F\u00fcr die Leidenschaft Gottes f\u00fcr sein Volk, das in der 7. Plage Hagel und Feuer vom Himmel \u00fcber den Macht l\u00fcsternen Pharao bringt. Gott brennt f\u00fcr die Gerechtigkeit, denn er erscheint Mose in einem Feuer, bevor dieser in der W\u00fcste die Zehn Gebote erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wolkens\u00e4ule ist das Zeichen f\u00fcr den Tag. \u2013 Keine Stunde soll es fortan geben, an dem Gottes N\u00e4he nicht sichtbar und sp\u00fcrbar w\u00e4re!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>hier halte ich ein: Denn uns plagt ja oft \u2013 geradezu auch an so markanten Wegmarken wie einem Jahreswechsel \u2013 die bange Frage: Wie sehen wir Gottes N\u00e4he eigentlich?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere Gemeinde, unsere Kirche hat im vergangenen Jahr immer wieder darum gerungen: Wo ist Gott eigentlich? Wie ist er sp\u00fcrbar? Indem wir uns ins Kontemplativen zur\u00fcckziehen, in die Stille, ins Gebet? Oder indem wir aktiv werden und in der t\u00e4tigen N\u00e4chstenliebe, diakonisch, von Gott zeugen? Beides tut not! &#8211; M\u00fcssen wir Glaubenskurse anbieten, damit wir Menschen n\u00e4her zu Gott bringen? Oder ist es gerade der falsche Weg, weil wir \u00fcber Gott nicht verf\u00fcgen k\u00f6nnen? Schaffen wir es vielmehr, uns selbst als Suchende zu verstehen, die offen sind f\u00fcr Gottes Wort? \u2013 Hier kommen wir Gott wohl am n\u00e4chsten! Aber wie z\u00e4hmen wir unsere Zweifel und unsere Ungeduld?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Volk Israel wird nicht frei gewesen sein von diesen Fragen. Und ob die Feuer- und Wolkens\u00e4ule vielleicht nur ein erz\u00e4hlerischer Trick im Nachhinein war? Wer wei\u00df. Aber sie ziehen ihren Weg. Sie lassen sich ein auf einen Weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gottes Gegenwart ist nicht auf einen Ort fixiert und begrenzt, sondern seine N\u00e4he wird sichtbar \u201eauf dem Wege\u201c. Dass sich die Verhei\u00dfung von Land erst nach 40 Jahren erf\u00fcllen soll \u2013 also zwei Generationen sp\u00e4ter, so dass kaum einer der W\u00fcstenwanderer es erleben wird \u2013 das ahnt keiner. Daf\u00fcr erlebt das Volk in der W\u00fcste, wie Gott vor Hunger und Durst bewahrt. Es wird beschenkt mit den Zehn Geboten. Alles auf dem Weg \u2013 alles schon Erf\u00fcllungen.<\/p>\n<p>Der Blick geht erinnernd zur\u00fcck: Diese Bewahrung war wie einst in \u00c4gypten! Und der Blick geht nach vorn: Die Gebote sollen nicht nur in der W\u00fcste helfen, sondern die Grundordnung des Staates im Gelobten Land werden.<\/p>\n<p>Mittendrin wird Gott sichtbar, weil das Volk ihm vertraut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>\u201eKommen Sie gut ins neue Jahr!\u201c, w\u00fcnschte ich gestern jemanden. \u201eKommen Sie gut <em><u>durch<\/u><\/em>\u201c, war die Antwort. \u201eKommen sie gut durch. Das ist viel wichtiger!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich: Es geht nicht um diesen Punkt, dass sich heute um 24 Uhr die Kalender umstellen. Es geht um den Weg. Gott hat ihn schon bis hierhin begleitet und tut es fortan \u2013 wie immer <em>unsere<\/em> Feuer- und Wolkens\u00e4ule als Orientierungsmarke und Schutz aussehen mag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vertrauen wir in Gottes gute M\u00e4chte, von denen wir schon wunderbar geborgen wurden und geborgen sind und erwarten wir getrost, was kommen mag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der letzte Kalendertag: Um Mitternacht beginnt ein neues Jahr. Damit etwas Neues. Ein Einschnitt \u2013 wom\u00f6glich mit dem Zauber eines Neuanfangs. Mit neuen Herausforderungen, mit guten Vors\u00e4tzen. 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