{"id":556,"date":"2017-01-11T18:34:06","date_gmt":"2017-01-11T17:34:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=556"},"modified":"2017-01-11T18:34:06","modified_gmt":"2017-01-11T17:34:06","slug":"fleisch-nicht-digital-weihnachten-2011-zu-joh-114","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=556","title":{"rendered":"Fleisch, nicht digital (Weihnachten 2011 zu Joh 1,14)"},"content":{"rendered":"<p>In diesen Tagen bin \u00f6fters beim Predigtschreiben gest\u00f6rt worden: \u201eChristina ist online\u201c blinkte auf, gut, wir haben \u00fcber uns kurz \u00fcber diesen Gottesdienst verst\u00e4ndigt.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Christmette Heiligabend 2011<\/strong><\/p>\n<p><strong>Luther-Kirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Wort ward Fleisch (Joh 1,14)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine interessante Diskussion entbrannte bei Facebook: \u201eWeinachten wird in der Krippe entschieden\u201c (nicht unterm Baum). Beim Weiterklicken habe ich mich ge\u00e4rgert, denn da postete jemand, der f\u00fcrs Kino abgesagt hatte &#8211; angeblich keine Zeit.<\/p>\n<p>Es ist verlockend \u2013 und auch so einfach bei Facebook: 800 Mill. Mitglieder hat es \u2013 man ben\u00f6tigt nicht mal eine Adresse. Nur ein Name. So ist man schnell in Kontakt. Aber es wird so viel Banales geschrieben \u2013 dass Er Kopfschmerzen hat, oder Sie kein Brot. Andererseits kam durch die sozialen Netzwerke erst die arabische Revolution so richtig in Schwung, weil durch sie die Bilder an die Welt\u00f6ffentlichkeit brachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Handy habe ich dann noch stolz mit meiner Nichte Weihnachtslieder gesungen \u2013 ich konnte sie sogar auf dem kleinen Bildschirm sehen und ihr winken. Gut, denn ich habe sie lange nicht gesehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das alles ist, so finde ich, Ausdruck unserer Welt: f\u00fcr eine Welt, die nicht mehr offline gehen kann. Die unabh\u00e4ngig von Raum und Zeit bereit und offen ist f\u00fcr Kommunikation. Die hohe Mobilit\u00e4tsanforderungen kennt, unabh\u00e4ngig von Zeitzonen und Zubettgehzeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mitten in eine solche Welt hinein ein weihnachtlicher Predigttext vom Anfang des Johannesevangeliums, alles andere als digital, sondern absolut k\u00f6rperlich:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Das ist kein Text, wonach man ein klassisches Krippenspiel auff\u00fchrt. Er lebt von seinen gewichtigen Begriffen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWort\u201c meint nicht einfach nur das gesprochene Wort, sondern Verhei\u00dfung. Botschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Verhei\u00dfungen Gottes werden \u201eFleisch\u201c, Materie, mehr noch: Mensch, geboren und mit Atem eingehaucht wie bei den ersten Menschen der Sch\u00f6pfung, die \u201eein Fleisch\u201c waren. Irdisch, leiblich. Der Verg\u00e4nglichkeit unterworfen \u2013 in diesen Bereich kommt Gott.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott bleibt kein Geist, kein Cyber-Wesen, sondern er schafft sich selber neu als Mensch. Paulus schreibt im Phil \u00fcber Gott: \u201eEr, der in g\u00f6ttlicher Gestalt war, hielt es nicht f\u00fcr einen Raub, den Menschen gleich zu sein, sondern ent\u00e4u\u00dferte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gottes Versprechen finden sich wieder im Jesuskind in der Krippe. Was Gott der Welt verhei\u00dfen hat, bekommt Hand und Fu\u00df. Das Wort ward Fleisch, oder (BigS): \u201eDie Weisheit wird Materie.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich horche auf. In die Welt von Klicks, Mailboxen und Buchstaben hinein: Wort Gottes als etwas Fleischliches. Da ist ein K\u00f6rper, den Maria und Josef, die Hirten und die Weisen ber\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 konkret, greifbar, angreifbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit allem, was Jesus sp\u00e4ter in seinem Leben tat, war er ganz Mensch und f\u00fcr die Menschen da. Gott wird Mensch, dir Mensch zu gute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jesus tut Zeichen, heilt Kranke, richtet Gebeugte auf, gibt Nahrung denen, die hungern, h\u00e4lt den D\u00fcrstenden das Wasser des Lebens bereit, gibt Hoffnung denen, die nichts mehr vom Leben erwarten. Wie viele Erz\u00e4hlungen kennen wir, in denen sich Jesus den Menschen nicht nur pers\u00f6nlich begegnet, sondern sich ihnen regelrecht k\u00f6rperlich zuwendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Bild von Walter Habdank: Blindenheilung des Bartim\u00e4us (Mk 10): ] Wir sehen zwei M\u00e4nner. Z\u00e4rtlich h\u00e4lt einer den Kopf des anderen mit seinen H\u00e4nden. Einer schmiegt sich vertrauensvoll an. Sein Gesicht wirkt gezeichnet..<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der andere schaut freundlich, liebevoll, zugewandt. Er ist ganz da, ganz bei ihm. Er sieht ihn ganz genau. \u201eFleischlich\u201c, k\u00f6rperlich nah ist diese Beziehung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Welcher von beiden ist denn eigentlich Jesus (Jesus stellen wir uns erwachsen anders vor, mit Bart, mit vollem Gesicht)?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube, dass Walter Habdank Jesus und Bartim\u00e4us extra so dargestellt hat, damit wir jeweils selbst ihre Rollen einnehmen k\u00f6nnen. Er holt \u2013 wenn man so will \u2013 die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in<em> unsere<\/em> menschlichen Beziehungen hinein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ja die Frage: Ist Gott nur damals, quasi einmal an einem historischen Punkt vor 2.000 Jahren, Mensch geworden? Oder ist die Verbindung, die Gott mit der Welt eingeht, nicht <em>so<\/em> nah und <em>so<\/em> endg\u00fcltig heilsam, dass Gott auch in Dir geboren ist, in Deinem Leben vorkommt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mich ver\u00e4ndert das, wenn ich mir vorstelle: Gott gebiert sich in meiner Selbstwerdung und Solidarit\u00e4t. In meinem Lachen und Weinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott ist auch in mir Fleisch geworden. Ich bin meinem N\u00e4chsten ein Abglanz Gottes. Ich verk\u00f6rpere die Liebe Gottes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn es so ist, wie unendlich wertvoll ist dann jeder Mensch? Gleich an W\u00fcrde! Gleich in seinem Wunsch nach einem guten Leben, ob er nun in einer sch\u00f6nen Villa lebt oder auf einem Fl\u00fcchtlingsboot vor Europa treibt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein N\u00e4chster ist mir gleich als Ebenbild Gottes. Ein Mensch kann den anderen nicht als weniger wert beurteilen. Jeglicher Rassismus oder Sexismus ist ein Verrat an der Botschaft von Bethlehem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Versetzen wir uns in diese konkrete Begegnung im Stall von Bethlehem \u2013wie alle froh um das Neugeborene herumstehen und f\u00fcr den Moment kein Gestern und Morgen z\u00e4hlt! Sondern nur der Mensch!<\/p>\n<p>Lasst uns schauen, wie der erwachsene Jesus den Menschen begegnete!<\/p>\n<p>Der Mystiker Meister Eckardt schrieb im 13. Jahrhundert: \u201eDie wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der wichtigste Mensch ist immer der, der dir gerade gegen\u00fcbersteht. Das notwendigste Werk ist stets die Liebe.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Wort Gottes, das fleischgewordene, spricht in unsere schnelle und rasante Zeit. Es ermutigt uns:<\/p>\n<p>Sei mal wirklich da, wo du bist!<\/p>\n<p>Hab mal Mut, dich dem Menschen zuzuwenden, der gerade jetzt Dein N\u00e4chster ist! Das reicht voll und ganz!<\/p>\n<p>Traue dem Geheimnis von Weihnachten, dass uns Gottes Herrlichkeit ins Gesicht geschrieben steht \u2013 und Gottes Glanz bei unserem N\u00e4chsten zu finden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube, wenn wir uns f\u00fcr solche Erfahrungen \u00f6ffnen und bereichern lassen, dann wird uns das ver\u00e4ndern f\u00fcr die Anforderungen unseres Alltags, denen wir uns nicht immer entziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine Mails k\u00f6nnen an Tiefgang gewinnen. Ich muss nicht jeden Mist posten, aber mal genauer nachfragen, wie\u2019s dem Anderen geht. Wenn ich skypen, dann nocht, weil mich die Technik so fasziniert, sondern die Menschen, denen ich dadurch begegne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir ist eine E-Mail geschickt worden mit einem wahrlich weihnachtlichen Text. Gut, dass es E-Mail gibt, und gut, dass jemand an mich gedacht hat, mir so etwas zu schicken. Der Text von Albrecht Gralle beschreibt nochmals, wie \u201eGottes Fleischwerdung\u201c in unseren menschlichen Beziehungen ihren Abglanz findet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eEchte Freunde<\/em><\/p>\n<p><em>Freunden kann auch mal der Kragen platzen, wenn sie mit dir reden, aber nur weil ihr Herz f\u00fcr dich bis zum Halse schl\u00e4gt.<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde st\u00f6rt es nicht, bei dir fernzusehen, auch wenn du schon l\u00e4ngst ins Bett gegangen bist.<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde k\u00e4mpfen f\u00fcr dich n\u00e4chtelang im Gebet und sagen Dir: \u201eIch habe neulich an dich gedacht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde m\u00f6chte deine Welt kennen lernen und entdecken immer neue Erdteile.<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde erleben dich mit verklebten Augen, und ungewaschenen Haaren und sehen dahinter deine Einzigartigkeit und Sch\u00f6nheit. <\/em><\/p>\n<p><em>Freunde k\u00f6nnen es sich leisten, bei einem Witz, den du erz\u00e4hlst, nach der Pointe zu fragen.<\/em><\/p>\n<p><em>Bei Freunden kannst du nachts um halb drei klingeln und fragen: Kaffee oder Tee?<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde reden manchmal bl\u00f6des Zeug, weil sie wissen, dass du keine Goldwaage im Keller hast.<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde kennen sich nicht in deiner Brieftasche aus, daf\u00fcr aber in deinem K\u00fchlschrank.<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde geben dir im Winter ihr letztes Hemd und behaupten, sie wollten sich sowieso gerade sonnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Freunde machen es so \u00e4hnlich wie Gott: Sie m\u00f6gen dich so wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich ver\u00e4ndern l\u00e4sst.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen Tagen bin \u00f6fters beim Predigtschreiben gest\u00f6rt worden: \u201eChristina ist online\u201c blinkte auf, gut, wir haben \u00fcber uns kurz \u00fcber diesen Gottesdienst verst\u00e4ndigt.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,9],"tags":[],"class_list":["post-556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-weihnachten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=556"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/556\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":557,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/556\/revisions\/557"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}