{"id":551,"date":"2017-01-11T18:01:27","date_gmt":"2017-01-11T17:01:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=551"},"modified":"2017-01-11T18:01:27","modified_gmt":"2017-01-11T17:01:27","slug":"ist-da-geist-drin-pfingsten-2011-zu-joh-165-15","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=551","title":{"rendered":"Ist da Geist drin? (Pfingsten 2011 zu Joh 16,5-15)"},"content":{"rendered":"<p>\u201e Ist da ein Geist drin?\u201c fragt mich neulich vor einer Kirchenf\u00fchrung ein Kindergartenkind vor dem Turmeingang und zeigte auf die Kirche. \u201eNein, nat\u00fcrlich nicht!\u201c, entfuhr es mir. Wir haben doch keine Geister in der Kirche! Davor muss ja nun wirklich keiner Angst haben.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pfingstsonntag, 12.6.2011<\/strong><\/p>\n<p><strong>#Joh 16,5-15, hier: vv.7-11<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als es jetzt auf Pfingsten zuging, kam mir das Gespr\u00e4ch wieder vor Augen. Und ich dachte: \u201eJa hoffentlich ja doch haben wir einen Geist in dieser Kirche!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Kind hatte wohl Angst vor b\u00f6sen Geistern. Da hatte ich ihm Mut machen wollen. Ansonsten gehe ich mal davon aus, dass unserer Kirchenraum und unser Zusammensein hier vom Geist Gottes gepr\u00e4gt ist!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wahrscheinlich muss man unterscheiden zwischen \u201eGhost\u201c und \u201espirit\u201c. Den \u201espirit\u201c k\u00fcndigt Jesus bei Joh 16 wie folgt an:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut f\u00fcr euch, da\u00df ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tr\u00f6ster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.<\/em><\/p>\n<p><em>8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun \u00fcber die S\u00fcnde und \u00fcber die Gerechtigkeit und \u00fcber das Gericht;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSpirit\u201c ist hier, weil Gott Vater den heiligen Geist als Tr\u00f6ster sendet f\u00fcr die Zeit, da Jesus, der Auferstandene, wieder zu Gott Vater in den Himmel zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann brauchen wir den Geist Gottes, beispielsweise um das Evangelium weitersagen zu k\u00f6nnen. Unter unserer Kanzel h\u00e4ngt eine Taube als Ausdruck, auch als Verhei\u00dfung, dass das Wort Gottes weitergesagt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sagen nicht unsere Worte, sondern das fleischgewordene Wort Gottes (Joh 1): wir verk\u00fcndigen Jesus und damit Gott Vater. Entsprechend d\u00fcrfen wir \u2013 ob auf der Kanzel oder als getaufte Christen im allgemeinen \u2013 vollmundiger reden, als wir selbst verantworten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Ist in unserer Kirche Geist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen mit ihm rechnen, weil Jesus versprochen hat, ihn zu schicken. Wir k\u00f6nnen hoffen, dass er unsere Herzen erreicht, uns tr\u00f6stet und befreit, dass er bei der Taufe auf uns niederkommt.<\/p>\n<p>Im \u00f6konomischen Sinne k\u00f6nnen wir nicht mit dem Geist \u201erechnen\u201c, dass wir uns einen Nutzen oder einen Mehrwert, einen messbaren Vorteil davon verschaffen k\u00f6nnten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie eine Konfi-Gruppe ist \u2013 das ist trotz allem p\u00e4dagogischen Geschick oder Ungeschickt nicht berechenbar. Oder ob Jugendliche, die mit Gott nicht h\u00e4ufig in Ber\u00fchrung kommen, sich von Gott aufschlie\u00dfen lassen \u2013 alles das nicht planbar und liegt zu allererst nicht in unserer Hand, sondern auch in Gottes Hand selber!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie sich der Glauben von [T\u00e4ufling] entwickelt, wie sein Blick auf Gott wird \u2013 das ist trotz einer christlichen Erziehung durch Euch als Eltern und Paten nicht vorhersehbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Keiner kann einen gelungenen Gottesdienst garantieren, so sehr man ihn gut vorbereitet. Alles, die ihn vorbereiten, k\u00f6nnen viel Zeit und Arbeit hineinstecken \u2013 aber sie k\u00f6nnen dem Geist keine Arbeit wegnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>In unserer Kirche ist Geist \u2013 aber er ist und bleibt unverf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das zu realisieren, ist manchmal \u00e4rgerlicher als uns lieb ist: Unsere Kirche wird kleiner, \u00e4rmer, \u00e4lter. Schnell stellen auch wir uns die Frage: Wof\u00fcr k\u00f6nnen wir noch da sein? \u2013 Welchen Nutzen Kirche f\u00fcr die Gesellschaft (noch) hat: f\u00fcr die Werterziehung der Jugendlichen einzutreten; f\u00fcr den Kit zu sorgen in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft; als Anwalt der Schwachen aufzutreten, um die sich sonst keiner mehr k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alles das sind wir und leisten wir \u2013 doch ich w\u00fcnsche mir, dass wir es sind aus dem H\u00f6ren auf das Wort Gottes heraus, aus dem Wirken des Geistes Gottes heraus \u2013 und dass wir Kirche nicht funktionalisieren oder funktionalisieren lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kirche d\u00fcrfte ein wenig mehr \u2013 im positiven Sinne &#8211; \u201enutz-los\u201c sein. Ein wenig mehr unkalkulierbarer, mutiger, weil der Geist \u2013 so die biblische Pfingst-Erz\u00e4hlung \u2013 Kirchenmauern sprengt und Sprachgrenzen. Heute schwebt der Geist sicher <u>\u00fcber<\/u> Organigrammen und interessiert sich nicht sonderlich f\u00fcr die neue kirchliche Finanzbuchhaltung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nochmals: Auch das ist alles wichtig und geh\u00f6rt dazu. Sonst w\u00fcrden wir Schw\u00e4rmer. Und dennoch reizt es mich manchmal, ein Schild an Kirche und Gemeindehaus zu h\u00e4ngen mit Aufschrift: \u201eNutz-lose Zone!\u201c In dem Sinne: Hier wird nicht gefragt, was der Glaube bringt. Es wird schlicht zu ihm eingeladen. Es wird nicht gefragt, was Gottesdienst n\u00fctzt und wie viele kommen. Sondern wir feiern! Wir lassen uns ein auf die Begegnung mit Gott und auf die Begegnung miteinander, unabh\u00e4ngig von der Frage, was es n\u00fctzt oder ob es \u00b4was bringt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was w\u00e4ren wir ohne Pfingsten? Schon im 2. Jhd. hat der Kirchenvater Athenagoras eine Antwort gesucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eOhne den Heiligen Geist ist Gott fern, bleibt Jesus in der Vergangenheit, ist das Evangelium nur ein toter Buchstabe, die Kirche ein blo\u00dfer Verein, die Autorit\u00e4t eine Herrschaftsform, die Mission Propaganda, die Liturgie Geistbeschw\u00f6rung und das christliche Leben eine Sklavenmoral.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Liturgie w\u00e4re eine Geistbeschw\u00f6rung: An Pfingsten scheiden sich also die Geister: ghost oder spirit. Es ent-scheidet sich, ob wir nur einfach gute Menschen sind \u2013 oder ob wir gute Menschen sind, weil uns der Geist Gottes f\u00fchrt. Das ist ein entscheidender Unterschied. Ob wir Menschen gewinnen, um uns und unsere Strukturen zu erhalten (\u201eMission w\u00e4re Propaganda\u201c) oder ob wir von der Sache selber so be-geist-ert sind, das wir als Menschen, als Gemeinde abf\u00e4rben. Ob wir autorit\u00e4r auftreten (\u201eHerrschaftsform\u201c) oder auf die Vollmacht Christi hinweisen (\u201eAutorit\u00e4t\u201c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>\u201eGeist ist drin\u201c \u2013 so verhei\u00dfen es die biblischen Geschichten und so erleben wir es bis heute:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben [T\u00e4ufling] getauft. Ihm widerf\u00e4hrt das gleich wie Jesus bei seiner Taufe, als sich der Himmel \u00f6ffnet und der Heilige Geist in einer Taube auf Jesus herabkommt und eine Stimme sagt: \u201eMein geliebtes Kind. Dich liebe ich.\u201c<\/p>\n<p>[T\u00e4ufling] ist in diese lange Hoffnungskette von den ersten J\u00fcngern bis zu uns heute eingef\u00fcgt. Er ist ein Kind <em>des<\/em> Geistes \u2013 weil der Geist Gottes auf ihn kam bei der Taufe.- Er ist ein Kind <em>im<\/em> Geist Gottes, weil er eingebunden ist in die weltweite Gemeinde Jesu Christi.<\/p>\n<p>[zu Eltern:] Sie haben mir beim Taufgespr\u00e4ch gesagt, wie wichtig es Ihnen ist, dass [T\u00e4ufling] in eine Gemeinschaft hineingetauft ist. Die alle Grenzen sprengt: kulturelle und ethnische. Besonders sch\u00f6n, dass die zweite Patin orthodoxer Christin ist. Sie symbolisiert das weite Band der Taufe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann mich auch gut mit den J\u00fcngern und ersten Apostel identifizieren: Anfangs stecken sie zwischen Karfreitag und dem Ostermorgen fest. Sie sind typische \u201eSamstagskinder\u201c, unklar, ob die Trauer \u00fcber den Tod Jesu \u00fcberwiegt oder die Freude \u00fcber seine Auferweckung.<\/p>\n<p>Pfingsten, die Aussch\u00fcttung des Geistes, am 50. Tag nach Ostern \u2013 ein kleine Ewigkeit! \u2013 l\u00e4sst die Gef\u00fchlslage und ihre Hoffnung nach Ostern kippen. Sie selber werden von Samstagskindern zu \u201eKindern des Lichts\u201c, \u201eKindern Gottes\u201c, die in der Auferstehungshoffnung leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfingsten verbreitert und verbreitet Ostern. Wenn Ostern ein glimmender Docht ist, dann ist Pfingsten so etwas wie Wachskerze, die drum herum gekleidet wird, damit der Docht lange brennt. Durch Pfingsten wirkt das Christusgeschehen weiter. Bis heute.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>V.<\/em><\/p>\n<p>Vielleicht haben Sie in dieser Woche verfolgt, wie die Jugendliche Thessa bei Facebook zu ihrem 16. Geburtstag eingeladen hat \u2013 und folgenreich ein H\u00e4kchen zu wenig gesetzt hatte. Somit konnten weltweit die Facebook-Benutzer die Einladung sehen \u2013 und 1.500 \u201eG\u00e4ste\u201c kamen vor das Reihenhaus in Hamburg. Nat\u00fcrlich zum Leidwesen des Geburtstagskindes \u2013 und hoffentlich nicht zu seinen Kosten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vielleicht ist das Facebook-Ph\u00e4nomen ein modernes Bild f\u00fcr Pfingsten: miteinander verdrahtet zu sein, \u00fcber R\u00e4ume und Zeitzonen hinweg. Menschen finden sich, finden sich wieder. Sie teilen sich, sie teilen sich mit. Rasend schnell breiten sich Botschaften aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freilich mit einem Unterschied: Bei der Taufe und in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes sammeln wir keine \u201eFreunde\u201c, sondern wir sind gesammelt als Schwestern und Br\u00fcder. Auch ein bunter Haufen, aber in <em><u>einem <\/u><\/em>Geist. Gemeinsam berufen und beauftragt, Gottes Liebe weiterzusagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e Ist da ein Geist drin?\u201c \u2013 Ja, hier ist Geist drin. Und mehr noch: auch \u00fcber die Mauern dieser alten Kirche hinaus ist Geist drin!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e Ist da ein Geist drin?\u201c fragt mich neulich vor einer Kirchenf\u00fchrung ein Kindergartenkind vor dem Turmeingang und zeigte auf die Kirche. \u201eNein, nat\u00fcrlich nicht!\u201c, entfuhr es mir. Wir haben doch keine Geister in der Kirche! 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