{"id":539,"date":"2017-01-11T17:40:31","date_gmt":"2017-01-11T16:40:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=539"},"modified":"2017-01-11T17:40:31","modified_gmt":"2017-01-11T16:40:31","slug":"ueberwinde-boeses-mit-gutem-neujahr-2011-zur-jahreslosung-roem-1221","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=539","title":{"rendered":"\u00dcberwinde B\u00f6ses mit Gutem (Neujahr 2011 zur Jahreslosung R\u00f6m 12,21)"},"content":{"rendered":"<p>Ein neues Jahr hat begonnen. Gestern noch die Jahresr\u00fcckblicke \u2013 nun der Blick nach vorne! Nach vorne? Man kann es nur hoffen: \u201eNeu\u201c ist ja ein beinahe magisches Wort: Neu beginnen d\u00fcrfen, Neues wagen d\u00fcrfen, Vors\u00e4tze umsetzen d\u00fcrfen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Neujahr Matth\u00e4us-Kirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jahreslosung: #R\u00f6m 12,21<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleichzeitig klingt da viel Anspruch mit, auch an sich selbst: Werde ich die guten Vors\u00e4tze umsetzen k\u00f6nnen? Oder Ungewissheit und Unsicherheit: Was bringt das neue Jahr? Werde ich alles schaffen, was mir auferlegt ist, zu tun?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit 1934 begleitet die evangelischen Christinnen und Christen durchs Jahr die Jahreslosung. \u00c4hnlich wie bei den Tageslosungen der Herrnhuter Brudergemeinde soll man mit einem Bibelwort seinen Weg gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um 1900 entwickelte der Reichsverband Evangelischer Jungm\u00e4nnerb\u00fcnde Monatskalendern mit Bibelspr\u00fcchen. 1929 schlossen sich evangelische Jugendverb\u00e4nde, die Frauenhilfe und Ausbildungsst\u00e4tten der Diakonen- und Diakonissenh\u00e4user zu dem sogenannten Textplanausschuss zusammen, der 1934 die erste Jahreslosung ver\u00f6ffentlichte: 1Petr 1,25: \u201eDes Herrn Wort aber bleibet in Ewigkeit.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Durch 2011 kann uns ein Wort aus dem R\u00f6m begleiten:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lass dich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden, sondern \u00fcberwinde das B\u00f6se mit Gutem. (R\u00f6m 12,21)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleich am Neujahrstag trifft uns das biblische Wort mit ganzer Macht und Sch\u00e4rfe.<\/p>\n<p>Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom vom Leben der Gemeinde \u2013 und seine Worte eignen sich f\u00fcr mehrere Monatskalender mit gleichzeitig sch\u00f6nen wie \u2013buchst\u00e4blich \u2013 anspruchsvollen Bibelspr\u00fcchen: ein Leib mit vielen Gliedern soll sie sein, in geschwisterlicher Liebe. Seid nicht tr\u00e4ge in dem, was ihr tut, sondern seid brennend im Geist. Seid fr\u00f6hlich in Hoffnung, geduldig i Tr\u00fcbsal, beharrlich im Gebet.<\/p>\n<p>Freut euch mit den Fr\u00f6hlichen und weint mit den Weinenden.<\/p>\n<p>Und dann quasi als Spitze am Ende wird aus den kollektiven Ratschl\u00e4gen eine pers\u00f6nliche, individuelle Anrede, als ob es wirklich ans Eingemachte geht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lass dich nicht vom B\u00f6sen \u00fcberwinden, sondern \u00fcberwinde das B\u00f6se mit Gutem. (R\u00f6m 12,21)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Wer diesen Vers allein moralisch versteht, hat wohl schon verloren. Es geht um jeden Einzelnen, ganz pers\u00f6nlich. Um unsere Potentiale zum Guten. Aber zun\u00e4chst um die unangenehmen Seiten in uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da neigen wir zu Verniedlichungen. S\u00fcnde kommt als zarteste Versuchung daher \u2013 nicht bei der lila Schokolade.<\/p>\n<p>Wir bekennen zu uns unserem \u201einneren Schweinehund\u201c \u2013 locker und mit einem Augenzwinkern.<\/p>\n<p>Und das B\u00f6se wird zur Person gemacht: Das Teufelchen wird mit Ziegenfu\u00df und H\u00f6rnern gar zur Kultfigur<\/p>\n<p>gestylt und so geb\u00e4ndigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch ist das B\u00f6se damit aus der Welt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein kleiner Junge kommt weinend vom Spielplatz<\/p>\n<p>nach Hause \u2013 mit blutender Nase. Er wollte auf die Rutsche klettern, wurde aber von einem anderen vom Ger\u00fcst gesto\u00dfen. Nun steht er mit kaputter Nase und voller Emp\u00f6rung vor der Mutter und will Hilfe. \u201eDu musst endlich lernen, dich zu wehren,\u201c sagt die Mutter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann sich nicht alles gefallen lassen, hat Gerhard<\/p>\n<p>Zwerenz eine Geschichte \u00fcberschrieben. Sie beginnt so:<\/p>\n<p>\u201eWir wohnten im dritten Stock mitten in der Stadt und<\/p>\n<p>haben uns nie etwas zuschulden kommen lassen, auch mit D\u00f6rfelts verband uns eine jahrelange Freundschaft, bis die Frau sich kurz vor dem Fest die Bratpfanne auslieh und nicht zur\u00fcckbrachte. Als meine Frau dreimal vergeblich gemahnt hatte, riss ihr eines Tages die Geduld, und sie sagte auf der Treppe zu Frau Muschg, die im vierten Stock wohnt, Frau D\u00f6rfelt sei eine Schlampe. Irgendwer muss das den D\u00f6rfelts hinterbracht haben, denn am n\u00e4chsten Tag \u00fcberfielen Klaus und Achim unseren J\u00fcngsten, den Hans, und pr\u00fcgelten ihn windelweich&#8230;\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Auf einen groben Klotz geh\u00f6rt ein noch gr\u00f6berer Keil. Am Ende sind alle zur Strecke gebracht. Das B\u00f6se beginnt unmerklich und entwickelt seine verderbliche Dynamik: Kleiner Finger, ganze Hand, ganzer Mensch, alles Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der eigene Anteil am B\u00f6sen wird dabei gerne beiseitegeschoben. \u201eEin Theologieprofessor, der in der NS-Zeit in Deutschland ausharrte, sagte nach dem Krieg zum ber\u00fchmten Theologen Karl Barth: \u201eWir haben dem Teufel ins Angesicht geschaut!\u201c<\/p>\n<p>Worauf Barth an seiner Pfeife zog und sagte: \u201eNa, da wird er sich aber erschrocken haben, der Teufel!\u2019\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Karl Barth bringt es auf den Punkt: Das B\u00f6se l\u00e4sst sich nicht auf irgendeine Instanz oder Person abschieben.<\/p>\n<p>Das B\u00f6se begegnet uns in uns selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch das eigene B\u00f6se einzugestehen, kostet \u00dcberwindung. Vor allem, wenn\u2019s konkret wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Konflikte aber, denen wir nicht auf den Grund gehen, bringen neue hervor. Unter der Oberfl\u00e4che schwelt es dann weiter. Beleidigung frisst sich fort, Dem\u00fctigung fordert Genugtuung, brennender Hass stiftet Unfrieden. Gef\u00fchle kann man nicht abstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei: Konflikte m\u00fcssen ans Tageslicht. Doch das ist einfacher gesagt als gelebt. Eigene Fehler eingestehen, gar B\u00f6ses zuzugeben kostet \u00dcberwindung.<\/p>\n<p>Was ist, wenn ich mit meinen Fehlern nicht geliebt werde? Was ist, wenn Gott das B\u00f6se in mir so absto\u00dfend findet wie ich? Was ist, wenn meine Kraft nicht reicht, das B\u00f6se mit Gutem zu \u00fcberwinden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>In der Evangelischen Kirche von Westfalen 2011 feiern wir 2011 das \u201eJahr der Taufe\u201c. Taufe ist ja eigentlich all die Jahre gewesen und wir auch nach diesem Jahr sein. Aber dennoch lohnt ein Blick auf das alte Ritual, das Sakrament. Es verbindet die Konfessionen, ja.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor allem aber verbindet es uns Christinnen und Christen, weil unter der Taufe neue Menschen werden, f\u00fcr die das B\u00f6se keine Macht mehr hat. Denn sichtbar wird in der Taufe, dass Gott verspricht: Ich werde mit Dir sein \u2013 ein Leben lang. Auch wenn uns das B\u00f6se zu \u00fcbermannen droht. Auch wenn wir das Gute nicht mehr sehen. Wenn wir Gut und B\u00f6se kaum noch zu unterscheiden wissen. <em>Dann<\/em> stehe ich dir bei. <em>Dann<\/em> r\u00fccke ich nicht von deiner Seite.<\/p>\n<p>Noch ist diese Welt die unerl\u00f6ste Welt, in der das B\u00f6se existiert, auch durch uns und in uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Luther hat diese Spannung in seinem Katechismus beschrieben: Taufe erl\u00f6st von Tod und Teufel \u2013 und gleichzeitig m\u00fcsse der alte Adam, der alte Mensch in uns, durch t\u00e4gliche Reue und Bu\u00dfe ers\u00e4ufet werden \u2013 um t\u00e4glich herauszukommen und aufzuerstehen als neuer Mensch.<\/p>\n<p>\u201eErl\u00f6se uns von dem B\u00f6sen\u201c, beten wir im Vaterunser. Bei Gott sind wir mit dieser Bitte an der richtigen Adresse. Denn seine Gnade nimmt uns Unannehmbare an.<\/p>\n<p>Seine Liebe schenkt uns sogar das Verm\u00f6gen, uns selbst zu lieben. Und damit andere \u2013 wie uns selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Ich bin sicher, dass uns 2011 mit dieser Jahreslosung auch die anderen Geschichten einfallen, die das Gute beschreiben und aufdecken. Die nicht von der Eskalation der Gewalt erz\u00e4hlen, nicht vom Zur\u00fcckschlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Geschichten und Begegnungen, die nicht auf das B\u00f6se in uns schauen, sondern die davon zeugen \u2013 vielleicht sogar schw\u00e4rmen -, wie der Mensch \u2013 befreit vom B\u00f6sen durch den gn\u00e4digen Gott zu sich selbst \u2013 f\u00e4hig ist und wird, das B\u00f6se zu \u00fcberwinden. Mit Gutem. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein neues Jahr hat begonnen. Gestern noch die Jahresr\u00fcckblicke \u2013 nun der Blick nach vorne! Nach vorne? Man kann es nur hoffen: \u201eNeu\u201c ist ja ein beinahe magisches Wort: Neu beginnen d\u00fcrfen, Neues wagen d\u00fcrfen, Vors\u00e4tze umsetzen d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,9],"tags":[],"class_list":["post-539","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-weihnachten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/539","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=539"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/539\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":540,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/539\/revisions\/540"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}