{"id":537,"date":"2017-01-11T17:37:47","date_gmt":"2017-01-11T16:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=537"},"modified":"2017-01-11T17:37:47","modified_gmt":"2017-01-11T16:37:47","slug":"original-nicht-originell-weihnachten-2010-zu-joh-316-21","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=537","title":{"rendered":"Original, nicht originell (Weihnachten 2010 zu Joh 3,16-21)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eHast du schon eine originelle Idee f\u00fcr die Weihnachts-predigt?\u201c, fragte ich neulich einen entfernten Kollegen. Beil\u00e4ufig. \u201eNein\u201c, antwortete er, \u201enichts Originelles. Ich sage einfach, dass Gott die Welt geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat.\u201c <!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Heiligabend Christvesper 2010<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lutherkirche #Joh 3,16-21<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit sei doch alles gesagt, und \u00fcberhaupt: Was br\u00e4uchte es an Weihnachten Originelles? Es sei doch so wie so alles so aufgeladen: W\u00e4hrend die kleinen Kinder es kaum erwarten k\u00f6nnten, bis am Heiligen Abend die Bescherung beginnt, f\u00fcrchteten sich viele alte, kranke und einsame Menschen vor diesen Festtagen. Weil sich so viele unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Christfest verbinden w\u00fcrden: hier die Vorfreude auf die Geschenke und das frohe Beisammensein in der Familie oder mit Freunden, dort die Angst vorm Alleinsein und den schmerzhaften Erfahrungen aus fr\u00fchere Zeiten oder die Furcht vor einer ungewissen Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kaum ein Tag im Jahr, wo alles zusammenk\u00e4me: Sehnsucht, Wehmut. Trauer. Dankbarkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sagte es und lie\u00df mich stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Evangelisten begegnet uns die Weihnachtsbotschaft tats\u00e4chlich so klar und so einfach. Ohne originelle Verpackung. Ohne Umschweife. Nicht einmal mit einer Erz\u00e4hlung, wie wir sie aus dem Lukasevangelium h\u00f6rten. Johannes beschr\u00e4nkt sich aufs Wesentliche: Joh 3,16-18(21):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. <\/em><\/p>\n<p><em>17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wundersames ist hier gesagt: Gott hat die Welt immer noch lieb \u2013 allen Erfahrungen zum Trotz, die er mit uns Menschen macht; auch unseren Erfahrungen zum Trotz, wo wir Gott h\u00e4ufig nicht sp\u00fcren und damit hadern, wo er denn nun sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dort, mitten unter uns, ist er: Seine Liebe gilt Kranken und Gesunden, Reichen und Armen und insbesondere Menschen, die sich verloren f\u00fchlen, die wir leicht \u00fcbersehen. Die Liebe Gottes gilt der schwangeren Maria, der niemand einen Platz zum Bleiben gew\u00e4hren wollte. Sie gilt den Hirten, die jenseits vom normalen Leben ihr Dasein fristen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott liebt die Welt so sehr, dass er seinen Sohn gibt. Er z\u00f6gert nicht, herunterzusteigen in unsere Welt. Sich der Welt auszusetzen, buchst\u00e4blich mit Haut und Haar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfer ist die Liebe Gottes nicht vorstellbar: Er macht sich selbst angreifbar \u2013 denn er fliegt nicht mit kugelsicherer Weste f\u00fcr eine Stippvisite ein. Nein, er kommt als S\u00e4ugling, der selber bed\u00fcrftig nach Liebe und Zuneigung ist. Er bleibt \u2013 und durchlebt alles, was Menschen durchleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er kommt als Retter \u2013 nicht als Richter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Was ist das f\u00fcr ein Gott?! Diese Hingabe?! Diese \u2013 unserer Alltagserfahrung v\u00f6llig entgegenstehende \u2013 bedingungslose Liebe?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Spielend k\u00f6nnte der Mensch Gottes Liebe ausnutzen. Herodes, der das Jesuskind t\u00f6ten will, sitzt auch schon in den Startl\u00f6chern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tausend andere Beispiele fielen uns ein, auch bei uns selbst. Auch ich kenne Momente, wo ich der bedingungslosen Liebe Gottes nicht traue. Wo mir der Mut zum Aufbruch fehlt, obwohl Gott mich begleiten w\u00fcrde. Wo ich mich nur \u00fcber Leistung definiere \u2013 obwohl ich unabh\u00e4ngig davon \/ Gottes Gesch\u00f6pf bin. Wo ich versuche, mit den Mitteln der Welt ans Ziel zu kommen, obwohl Gott uns auf Liebe und Erbarmen weist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Predigttext spart das nicht aus. Die Zeichen stehen auf Rettung \u2013 so sehr liebt Gott die Welt. Mit seiner Menschwerdung ist ein f\u00fcr alle Mal die Entscheidung gefallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber: Noch gibt es Licht<em> und<\/em> Dunkelheit und eine vorl\u00e4ufige Scheidung in Gl\u00e4ubige und Ungl\u00e4ubige:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>18 Wer an den Sohn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.<\/em><\/p>\n<p><em>19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren b\u00f6se.<\/em><\/p>\n<p><em>20 Wer B\u00f6ses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.<\/em><\/p>\n<p><em>21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist keine romantische Weihnachtsunterhaltung. Mit der Menschwerdung Gottes ist die Trennlinie sichtbar zwischen Licht und Finsternis, zwischen denen, die erkennen, und denen, die nicht erkennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott erdr\u00fcckt uns nicht mit seiner Liebe, er dr\u00e4ngt sie uns nicht auf. Er ist kein totalit\u00e4rer Herr. Sondern: Er l\u00e4sst uns Freiheit. Er tritt gleichsam wieder einen Schritt zur\u00fcck \u2013 und gibt so der Welt auch die M\u00f6glichkeit, sich zu verweigern und sich der Weihnachtsbotschaft zu verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir das gerne?<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir das \u00fcberhaupt?<\/p>\n<p>Auf welcher Seite sehen wir uns selbst?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlimm, dass die Fundamentalisten der Religionen genau wissen, wer im Licht und wer in der Finsternis steht. Die Trennlinie aber zieht Gott allein.<\/p>\n<p>So kann nur jeder f\u00fcr sich diese Fragen beantworten:<\/p>\n<p>Erwarten wir von Gott, dass er unser Leben ver\u00e4ndert? Erwarten wir dieses Jesuskind in unserem Leben, in unserer Welt? Macht es Sinn, diesem Jesus von Nazareth nachzufolgen? Was w\u00fcrde sich \u00e4ndern?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie ernst ist es uns mit der Religion?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einem britischen Lesezeichen habe ich gelesen:<\/p>\n<p>\u201eAngenommen, du w\u00fcrdest verhaftet, weil du Christ bist \u2013 g\u00e4be es gen\u00fcgend Beweise, dich zu \u00fcberf\u00fchren?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir singen vom Frieden auf Erden, aber wie erkennbar ist unser Friedensbekenntnis im Afghanistan-Krieg?<\/p>\n<p>Ein Kind in kargen Verh\u00e4ltnissen steht im Mittelpunkt \u2013 aber was tun und sagen wir zur Kinderarmut in unserem reichen Land?<\/p>\n<p>Wir h\u00f6ren, wie die heilige Familie in Lebensgefahr nach \u00c4gypten fl\u00fcchtet \u2013 aber schauen wir genau hin, wie sich Europa wie eine Festung gegen Fl\u00fcchtlinge abschottet?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eAngenommen, du w\u00fcrdest verhaftet, weil du Christ bist \u2013 g\u00e4be es gen\u00fcgend Beweise, dich zu \u00fcberf\u00fchren?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn Gott die <em>Welt<\/em> (und nicht nur die Kirche!) geliebt hat, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, dann erweist sich das Licht und die Wahrheit mitten in dieser Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p><em>Gott liebt die Menschen bedingungslos. Wir bed\u00fcrfen dieser Liebe. Wir k\u00f6nnen diese Liebe weitergeben.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist die alte Botschaft. Nicht originell. Aber original. Und immer wieder neu: In einem Seminar mit angehenden Diakonen entstanden Neufassungen der Seligpreisungen, eine davon aus der Sicht eines liebesbed\u00fcrftigen Kindes. Gott zeigt sich in einem solchen Kind. Und wir k\u00f6nnen uns darin auch sehen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Selig die mich mit Liebe empfangen,<\/em><\/p>\n<p><em>die mit Freude und Spannung meine Ankunft erwarten.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Selig, die sich N\u00e4chte um die Ohren schlagen, um meine Schreie zu h\u00f6ren, und sich um mein Wohl sorgen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Selig, die mir Zeit und Raum geben mich zu entfalten und mich dabei unterst\u00fctzen.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Selig, die mich meine eigenen Erfahrungen machen lassen, die mich auffangen und aufbauen wenn mir etwas misslingt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Selig, die mich loslassen, damit ich auf eigenen Beinen in die Welt gehen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Selig, die mich mit offenen Armen empfangen, wenn ich zur\u00fcck gelaufen komme und Schutz suche.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wohl mir, wenn ich die Liebe, die mir entgegen kommt, sp\u00fcre, sie anzunehmen wei\u00df und sie erwidern kann.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHast du schon eine originelle Idee f\u00fcr die Weihnachts-predigt?\u201c, fragte ich neulich einen entfernten Kollegen. 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