{"id":534,"date":"2017-01-11T17:34:37","date_gmt":"2017-01-11T16:34:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=534"},"modified":"2017-01-11T17:35:10","modified_gmt":"2017-01-11T16:35:10","slug":"friede-erbaut-auf-dem-eckstein-2-so-n-tr-zu-eph-211-22","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=534","title":{"rendered":"Friede \u2013 erbaut auf dem Eckstein (1. So. n. Tr. zu Eph 2,11-22)"},"content":{"rendered":"<p><em>Eine<\/em> Kirche f\u00fcr alle \u2013 gibt es die? Alle Kirchen f\u00fcr den <em>Einen<\/em>, n\u00e4mlich Christus \u2013 gibt es das? Auch im heutigen Predigttext l\u00e4sst uns das Thema \u201e\u00d6kumene\u201c nicht los und die Frage nach der Einheit der Kirche.<!--more--><strong>Predigt \u2013 Luther-Kirche Altena, 1. So. n. Tr. #Eph 2,11-22<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Apostel Paulus hat es allerdings mit ganz anderen Unterschieden zu tun als wir heute. In seinen Gemeinden m\u00fcssen Christen zueinander finden, die einst Juden waren: die \u00e4u\u00dferlich das Kennzeichen der Beschneidung haben, sich taufen lie\u00dfen und die sich nun fragen, wie viel sie von den j\u00fcdischen Gesetzen, z.B. den Speisevorschriften, f\u00fcr die neue Gemeinschaft konstitutiv ist. Und zum anderen: Christen aus den Nachbar-V\u00f6lkern, \u201eUnbeschnittende\u201c, die den Gott Israels, den Vater Jesu Christi, nicht kennen.<\/p>\n<p>Wie finden die \u201eNahen\u201c und \u201eFernen\u201c zusammen? \u2013 Der Epheser-Brief wendet sich an diese Christen aus den V\u00f6lkern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[<strong>Predigtext nach BigS]<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>e<em>ine<\/em> Kirche f\u00fcr alle \u2013 gibt es das? Alle Kirchen f\u00fcr den <em>Einen<\/em>, n\u00e4mlich Christus, den Eckstein \u2013 gibt es das?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Besichtigungen kommen viele Menschen in diese Kirche. Meine Beobachtung k\u00f6nnten die Mitarbeitenden der Offenen Kirchen noch unterstreichen: Jeder, der hierher kommt, welcher Konfession oder welchem Bekenntnis er auch angeh\u00f6rt, ist erstaunlicherweise der Meinung, dass es \u201eseine\u201c Kirche ist oder sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dem Katholiken geht das Herz auf wegen der kunstvollen Verzierungen und den barocken Engeln. \u201eDie Kirche k\u00f6nnte katholisch sein!\u201c Der Lutheraner wirft ein: \u201eJa, war sie ja auch mal \u2013 aber schau mal in die Mitte, an die Decke: Dort ist die Luther-Rose: Die gibt es nur in einer \u201aLuther-Kirche\u2018.\u201c &#8211;<\/p>\n<p>\u201eStimmt, und eine Kanzel so direkt \u00fcber dem Altar, ist auch nicht katholisch\u201c, k\u00f6nnte der Katholik einwenden.<\/p>\n<p>\u201eNein, das ist reformiert\u201c, k\u00f6nnte ein Dritter im Bunde ausrufen. Tats\u00e4chlich, der Aufbau von Evangelium (Altar), Wort Gottes (Kanzel) und Lob Gottes (Orgel) ist typisch reformiert.<\/p>\n<p>Und was w\u00e4re dann wohl, wenn sich ein Mitglied der Herrnhuter Brudergemeine hierher verirrte? Die Herrnhuter \u2013 wir kennen die Herrnhuter Losungen, \u2013 die Herrnhuter haben in ihren Kirchen ausschlie\u00dflich wei\u00dfe B\u00e4nke. Selbst der Herrnhuter k\u00f6nnte sagen: Das k\u00f6nnte unsere Kirche sein \u2013 jedenfalls mit Blick auf die B\u00e4nke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt also unterschiedliche Blickwinkel, was Kirche zur Kirche macht. Und \u00c4u\u00dferlichkeiten, wie damals die Frage nach Beschneidung oder Nichtbeschneidung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt unterschiedliche Empfindungen: Die Kirche ist zu voll \u2013 k\u00f6nnte ein reformiertes Herz zu unserer nun gemeinsamen Luther-Kirche sagen. Der Prediger geh\u00f6rt nicht \u00fcber den Altar als Ort des Sakraments, k\u00f6nnte ein katholischer Christ sagen.<\/p>\n<p>Es gibt Empfindlichkeiten: Die massiven Gedenktafeln an die Gefallenen erinnern an die problematische Umarmung von Thron und Altar. Oder andere sagen: K\u00f6nnen wir nicht noch die eine oder andere Requisite aus den geschlossenen Kirchen auch noch hier palzieren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Was ist dann aber der Ma\u00dfstab, der Grund daf\u00fcr, dass wir dennoch im Glaubensbekenntnis bekennen: Ich glaube an die <em>eine<\/em> Kirche? An die eine Kirche aus Lutheranern und Reformierten, aus der weltweiten \u00d6kumene, in den Leoni Kristin heute hineingetauft wurde \u2013 sie bringt sogar <em>katholischen<\/em> Paten mit \u2013 ein Zeichen f\u00fcr das einende Band der Taufe zwischen den Konfessionen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ist Ma\u00dfstab? Was ist Grund f\u00fcr die geglaubte Einheit der Kirche, die in der Realit\u00e4t oft schmerzhaft vermisst oder gar mit F\u00fc\u00dfen getreten wird?<\/p>\n<p>Der Eph erinnert schlicht und einfach an Jesus Christus: In ihm wurde Gott Mensch, der Religion nach Jude, mitten im Volk Israel. Gelebt, gelitten und gestorben ist er aber f\u00fcr die gesamte Menschheit, auch f\u00fcr die V\u00f6lker ringsum. Sein Leben, sein Sterben und seine Auferweckung \u2013 all das bedeutet mehr als alle religi\u00f6sen Vorschriften, die letztlich Menschensatzungen bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Weise, wie Jesus den Menschen seiner Zeit Gott neu vorgestellt hat, hat alle Grenzen gesprengt. Luther: \u201eDer Zaun ist abgebrochen\u201c, \u201eDie trennende Zwischenwand ist eingerissen\u201c (BigS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jesus, der Christus, hat die Zwischenwand rausgenommen. Das konnte keine tragende Wand gewesen sein, keine notwendige. Sonst w\u00e4re das Haus eingest\u00fcrzt. Nein, eine <em>unn\u00f6tige<\/em> Zwischenwand ist raus: zwischen Christen aus Israel und den V\u00f6lkern, zwischen Nahen und Fernen. Oder wie Paulus im Gal schreibt: zwischen freien und versklavten Menschen, zwischen M\u00e4nnern und Frauen, denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus\u201c (Gal 3,28b).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zwischenwand ist raus zwischen Evangelischen und Katholischen. Sie darf getrost raus, weil Christus als Eckstein bleibt, als Grundstein, als tragendes Fundament.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Welche Sprengkraft hat das mit Blick auf das Leben Jesu, der ja W\u00e4nde einriss zwischen Reichen und Armen, zwischen Integrierten und Randst\u00e4ndigen, den gebildeten Pharis\u00e4ern und dem religi\u00f6s doch nicht ernst zu nehmenden Volk?! In unserer Gesellschaft werden die Zwischenw\u00e4nde immer weiter verst\u00e4rkt. Paradoxerweise verliert dadurch gesamte Haus an Halt \u2013 und das Fundament wird quasi bis zur Unkenntlichkeit zugemauert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p><em>Entscheidend ist, dass es mit der <u>einen<\/u> Kirche f\u00fcr alle nur etwas wird, wenn alle Kirchen <u>f\u00fcr den Einen<\/u> leben!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es geht ja nicht um \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Kirchr\u00e4ume. Es geht um unser Zutrauen in den Eckstein. Es geht darum, ob wir unseren Ort als Hausgenossen in diesem Bau annehmen, uns rufen lassen, nicht mehr G\u00e4ste oder Fremdlinge zu sein, sondern Bewohner. So wie Leoni Kristin durch ihre Taufe gerufen ist, Bewohnerin zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das \u00fcbersteigt alle Fragen nach \u00c4u\u00dferlichkeiten, nach sichtbaren Unterschieden. Nach Empfindungen und Empfindlichkeiten. \u2013 Und macht gleichzeitig die Sache mit der <em>einen<\/em> Kirche so schwer: Woran soll uns die Welt erkennen? Das Getauft-Sein hinterl\u00e4sst kein Erkennungszeichen am K\u00f6rper \u2013 und doch soll man es uns ansehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Eph setzt uns erneut schlicht und einfach auf die Spur, indem er Jesus ein Erkennungszeichen gibt:<\/p>\n<p><em>Christus ist unser Friede.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Friedliebigkeit und Friedfertigkeit kann auch unser Zeichen sein. Das w\u00e4re Stoff f\u00fcr eine eigene Predigt. Denn man muss heute schon genau hinschauen, wo man am Einsatz f\u00fcr den Frieden \/ Christinnen und Christen erkennen kann. Die Zeiten haben sich ver\u00e4ndert: \u201eEin bi\u00dfchen Frieden\u201c von Nicole war 1982. Heute scheinen wir uns wieder mehr und mehr an Krieg zu gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch wir haben erlebt, wie Margot K\u00e4\u00dfmann f\u00fcr ihre Neujahrspredigt \u00fcber Afghanistan aufgeregt hat. Sie hat eigentlich nur an die Position der beiden gro\u00dfen Kirchen erinnert: n\u00e4mlich f\u00fcr einen gerechten Frieden einzutreten, anstatt stets Milit\u00e4reins\u00e4tze zu rechtfertigen. Man hat ihr Naivit\u00e4t unterstellt, als ob man mit Beten etwas erreichen k\u00f6nnte. Auf dem Kirchentag in M\u00fcnchen hat sie nochmals bekr\u00e4ftigt und gesagt: \u201eEs kommt mir weitaus sinnvoller vor, im Beduinenzelt mit Taliban f\u00fcr den Frieden zu beten, als wie dieser Krieg sinnvoll ist.\u201c Christinnen und Christen k\u00f6nnen als Hoffnungszeichen sichtbar werden, wo die Politik allzu oft gleich von Alternativlosigkeit spricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich zuletzt: Unser Bundespr\u00e4sident stolperte \u00fcber eine \u00c4u\u00dferung zu einer l\u00e4ngst festgeschriebene Milit\u00e4rdoktrin, die milit\u00e4risches Eingreifen auch zur Wahrung von Handelsinteressen vorsieht. Dass es diese Doktrin gibt, scheint kaum bekannt zu sein. Und wieweit die Milit\u00e4rdoktrin mit dem Grundgesetz \u00fcbereinstimmt, ist unklar. <em>Dar\u00fcber<\/em> \u2013 und nicht \u00fcber die Art des R\u00fccktritts \u2013 h\u00e4tte ich mir eine breite gesellschaftliche Diskussion gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein drittes Beispiel: Im Januar 2009 haben Katholiken und Protestanten hier gemeinsam ein Friedensgebet gehalten, als der Konflikt zwischen Israel und Pal\u00e4stina wieder einmal in kriegerische Gewalt ausbrach. Israel und Pal\u00e4stina \u2013 das sind genau die Gebiete der ersten Christen aus den Juden und den V\u00f6lkern. Wir haben gesp\u00fcrt, wie \u201eEinheit\u201c sichtbar wurde, weit \u00fcber das Versammeltsein in einem Kirchraum hinaus. Das tat gut und hat sehr ermutigt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christus unser Friede \u2013 im Eph ist das Friede-Halten, das Einstehen und Beten f\u00fcr den Frieden ein sichtbares Zeichen f\u00fcr die Einheit der Kirche. <em>Ein<\/em> Beispiel. Aber gleichzeitig \u2013 im doppelten Sinne &#8211; \u201ewesentlich\u201c f\u00fcr die Hausgenossen im Haus Christi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00e4llt uns ein, frage ich mich, um den Eckstein in unserem Haus kenntlich zu machen, um unsere Taufe sichtbar zu machen? Was wollen wir ausstrahlen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Kirche f\u00fcr alle \u2013 gibt es die? Alle Kirchen f\u00fcr den Einen, n\u00e4mlich Christus \u2013 gibt es das? Auch im heutigen Predigttext l\u00e4sst uns das Thema \u201e\u00d6kumene\u201c nicht los und die Frage nach der Einheit der Kirche.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[12,5],"tags":[],"class_list":["post-534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-pfingsten","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=534"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":536,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/534\/revisions\/536"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}