{"id":532,"date":"2017-01-11T17:15:53","date_gmt":"2017-01-11T16:15:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=532"},"modified":"2017-01-11T17:15:53","modified_gmt":"2017-01-11T16:15:53","slug":"nichts-zu-sehen-ostern-2010-zu-1kor-151-11","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=532","title":{"rendered":"Nichts zu sehen (Ostern 2010 zu 1Kor 15,1-11)"},"content":{"rendered":"<p><em>Christus ist auferstanden! <\/em><em>Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja. <\/em>Das ist das wohl k\u00fcrzeste Bekenntnis der Christenheit. Das muss man festhalten! [Foto machen mit einer Kamera in den Raum]<!--more--><\/p>\n<p><strong>Ostersonntag \u2013 Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>#1Kor 15,1-11<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Bekenntnis setzt Ostern ins Bild, fasst die Geschichte Jesu zusammen, so wie sie in den Evangelien beschrieben wird. Aus dieser Perspektive, aus dieser Einstellung heraus, vom \u201eMarkusschluss\u201c her, wird die Geschichte Jesu erst richtig sichtbar und verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute begegnen uns viele Bekenntnisse, viele verdichtete Blicke auf Ostern (Glaubensbekenntnis): \u201e<em>Jesus Christus, Gottes Sohn, \/ aus dem Tod Erstandener, \/ unser Leben. \/ Dir danken wir.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Paulus ruft der der Gemeinde in Korinth ein Osternbekenntnis in Erinnerung \u2013 das wohl \u00e4lteste (1Kor 15):<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Da\u00df Christus gestorben ist f\u00fcr unsre S\u00fcnden [a] nach der Schrift;<\/em><\/p>\n<p><em>4 und da\u00df er begraben worden ist; und da\u00df er auferstanden ist am dritten Tage [a] nach der Schrift;<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Warum ist so ein Osterbekenntnis so wichtig?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><em> Als Fokussierung auf den Grund des Glaubens: <\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Es ist nicht mehr alles in Ordnung in der Gemeinde in Korinth: Sie ist gespalten in Lager, begeht theologische Irrt\u00fcmer, wird sozial ungerecht im Abendmahl. Daher: Fokus auf das Wesentliche!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em> Noch viel naheliegender: Weil es keiner gesehen hat! <\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Frauen, die am Ostermorgen zu Grab kommen, sehen nicht die Auferstehung, nicht mal den Auferstanden. Sie sehen den weggew\u00e4lzten Stein. Sie sehen einen J\u00fcngling mit einem langen wei\u00dfen Gewand, der sagt: \u201eIhr sucht Jesus von Nazareth, den Grekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.\u201c<\/p>\n<p>Das einzige was die Frauen sehen k\u00f6nnen: \u201eDie St\u00e4tte, wo sie ihn hingelegt hatten \u2026\u201c (Mk 16) \u2013 Sie sehen nicht die L\u00f6sung des R\u00e4tsels, sondern nur das R\u00e4sel an sich!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie f\u00fcrchten sich, sie zittern, weil sie nicht glauben k\u00f6nnen, was sie nicht sehen (fast wie beim ungl\u00e4ubigen Thomas).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entgegen dem Ratschlag, nichts zu sagen, verk\u00fcndigen die Frauen die Auferstehung. Die sie nicht gesehen haben. Nein, die sie interpretieren, die sie am leeren Grab erfahren und gesp\u00fcrt haben. Sie verk\u00fcndigen sie mitten hinein in die Trauer und die Niedergeschlagenheit der J\u00fcnger, vielleicht mit den Worten, die dann christliches Bekenntnis werden und die Paulus nach Korinth schreibt:<\/p>\n<p><em>Ja, Christus ist gestorben f\u00fcr unsre S\u00fcnden \u2013 so hat es die Schrift f\u00fcr den Messias vorausgesagt; <\/em><\/p>\n<p><em>Ja, er ist begraben worden; aber: er ist auferweckt worden von Gott am dritten Tage, wie es die Schrift voraussagt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich kann mir vorstellen, dass die M\u00e4nner sie fragten: Was habt ihr denn nun gesehen? \u2013 \u201eNichts eigentlich!\u201c, k\u00f6nnen sie nur antworten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00e4tte man damals ein Foto machen k\u00f6nnen: Es w\u00e4re nichts drauf zu sehen gewesen. [Foto machen und dunkles Display zeigen]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auferstehung l\u00e4sst sich nicht fotographieren, ja nicht einmal mit Worten richtig beschreiben: Es gibt viele Ungereimtheiten in den Auferstehungsbeschreibungen in den Evangelien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Auferstehungsbotschaft scheint man sich nicht n\u00e4hern zu k\u00f6nnen, in dem man historische Fakten rekonstruiert, so wie es der Spiegel oder die Bildzeitung fast jedes Jahr aufs neue versucht, um dann festzustellen, dass der Leichnam Jesu vielleicht gestohlen wurde. Dass alles unstimmig ist, weil man nicht wei\u00df, wer den Stein weggew\u00e4lzte. Weil man nicht sicher sein kann, ob Jesus tats\u00e4chlich tot war, als er vom Kreuz genommen wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nein, so interessant diese Frage auch sind \u2013 sie helfen nicht weiter. Auferstehung ist eine Sache des Glaubens, sicher auch eines Glaubens, der verstehen will. Aber eben des Glaubens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Schon die Zeitgenossen des Paulus m\u00fcssen ihre Schwierigkeiten gehabt haben. Paulus jedenfalls schiebt seinem Osterbekenntnis eine Handvoll Autorit\u00e4ten nach, um dem Bekenntnis Gewicht zu geben: Er f\u00fchrt namhafte Zeuge, ja Augenzeugen an:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>5 und da\u00df er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zw\u00f6lfen. 6 Danach ist er gesehen worden von mehr als f\u00fcnfhundert Br\u00fcdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. 7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. 8 Zuletzt von allen ist er [a] auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>War der Auferstandene nach seiner Auferstehung doch sichtbar, fotographierbar?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es kommt ganz darauf an, wie man die Phrase \u201eChristus ist gesehen worden\u201c \u00fcbersetzt. Das griechische Verb ist zweideutig und bedeutet genauso: \u201eChristus hat sich gezeigt.\u201c &#8211; \u201eChristus ist erschienen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist mehr als ein blo\u00dfes Sehen, das man wom\u00f6glich fotographieren k\u00f6nnte, auch mehr als ein psychologisches Ph\u00e4nomen, eine Halluzination. \u201eChristus hat sich gezeigt\u201c \u2013 das ist eine religi\u00f6se Erfahrung: Die Erfahrung, dass der Auferstandene in mein Leben tritt und gegenw\u00e4rtig sp\u00fcrbar ist:<\/p>\n<p>&#8211; f\u00fcr die Emmaus-J\u00fcnger: Christus ist gegenw\u00e4rtig, als sie traurig ihren Weg gehen, und sie erkennen ihn, als er mit ihnen Brot und Wein und ihre Sorgen teilt. Sie vergegenw\u00e4rtigen sich die Erfahrung mit Jesus zu seinen Lebzeiten und merken: Brannte nicht unser Herz?<\/p>\n<p>\u2013 f\u00fcr die T\u00e4uflinge: Der auferstandene Christus tritt in Euer Leben: Er will Euch begleiten \u2013 heute (nicht als historische Figur von fr\u00fcher), sondern als Kraft, als Vorbild, als Begleiter, als Hilfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Paulus benennt Zeugen: Keine Augenzeugen wie in einem Polizeibericht [Fotoapparat], sondern als Zeugen, die ihre Osterfreude zeigen. Die Zeugnis ablegen vom Auferstandenen und damit seine Sache weitertragen und f\u00fcr heute sp\u00fcrbar machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eBrannte nicht unser Herz?\u201c &#8211; Das ist <em>unsere<\/em> Frage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ostern fragt danach, was die Auferstehung f\u00fcr uns ganz pers\u00f6nlich bedeutet: Aufstehen! Ins Leben gehen! Den Blick nach vorne richten! Die T\u00fcr zum Himmel offen halten f\u00fcr eine Welt, die nur einen Blick f\u00fcrs Real-M\u00f6gliche hat. Die nur den Bildern traut, die man fotographieren kann\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sind als Zeugen gerufen, heute besonders die Paten, aber nat\u00fcrlich wir als ganze Gemeinde, weil wir es weitersagen sollen: Was tr\u00f6stet uns im Leben und im Sterben? Was dr\u00fcckt unsere Hoffnung aus, die auch \u00fcber den Tod hinausragen darf?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eBrannte nicht unser Herz?\u201c, ist die Ostererfahrung der Emmausj\u00fcnger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann Auferstehung nicht fotographieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen unsere Hoffnung in den Blick nehmen. Wir k\u00f6nnen die Gegenwart Christi heute fokussieren und festhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir werden Auferstehung nicht als Bild speichern k\u00f6nnen auf einer Speicherkarte [zieht Papierherz aus Speicherschacht].<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber wir k\u00f6nnen sie im Herzen festhalten. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja. Das ist das wohl k\u00fcrzeste Bekenntnis der Christenheit. Das muss man festhalten! 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