{"id":529,"date":"2017-01-11T17:11:22","date_gmt":"2017-01-11T16:11:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=529"},"modified":"2017-01-11T17:12:34","modified_gmt":"2017-01-11T16:12:34","slug":"was-uns-ausmacht-gruendonnerstag-zu-1kor-1117-26","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=529","title":{"rendered":"Was uns ausmacht (Gr\u00fcndonnerstag zu 1Kor 11,17-26)"},"content":{"rendered":"<p>Was macht unsere Gemeinschaft aus?\u00a0 Was erh\u00e4lt sie? Was zerst\u00f6rt sie? In der besonderen Nacht Israels zum Passafest geht es nicht nur um das religi\u00f6se Gef\u00fchl, dass Gott sein Volk aus \u00c4gypten f\u00fchrte. Es geht immer auch um diese Frage nach der Gemeinschaft \u2013 und was sie gerettet hat. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt Gr\u00fcndonnerstag Luther-Kirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>#1Kor 11,17-26<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zehn Gebote etwa, weil sie Regeln f\u00fcr ein gelingende Gemeinschaft sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und f\u00fcr die besondere Nacht der Kirche, die sich an das letzte Mal Jesu erinnert? Auch wir sollten nicht vorrangig nicht um eine Abendmahls<em>lehre<\/em> kreisen oder um schwierige theologische Fragen, wie Jesus als Auferstandener im Abendmahl gegenw\u00e4rtig ist \u2013 nein, es stellt sich genauso schlicht die Frage: Worin wird im Abendmahl unsere Gemeinschaft sichtbar? Was gef\u00e4hrdet sie?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abendmahl ist ein spirituelles Geschehen<em> und<\/em> ein soziales. Unser Essen, jedes Essen hat einen Zusammenhang, weil Menschen zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>In Korinth zur Zeit des Paulus bricht dieser Zusammenhang gerade auseinander. Paulus stellt fest: Da haben schon die einen festlich getafelt und sich den Bauch vollgeschlagen, bevor die anderen vom Felde kommen und dann nur noch die Reste abbekommen. Satt werden an Leib und Seele und Abendmahl des Herrn: Das tritt auseinander. Das spaltet die Gemeinde.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>20 Wenn ihr nun zusammenkommt, so h\u00e4lt man da nicht das Abendmahl des Herrn. 21 Denn ein jeder nimmt beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine ist hungrig, der andere ist betrunken. 22 Habt ihr denn nicht H\u00e4user, wo ihr essen und trinken k\u00f6nnt? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und [a] besch\u00e4mt die, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht. 23 [a] Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Und dann erinnert Paulus an die Worte des Evangelisten:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, 24 dankte und brach&#8217;s und sprach:[A] Das ist mein Leib, der f\u00fcr euch gegeben wird; das tut zu meinem Ged\u00e4chtnis. 25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund[A] in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Ged\u00e4chtnis. 26 Denn sooft ihr von diesem Brot e\u00dft und aus dem Kelch trinkt, verk\u00fcndigt ihr den Tod des Herrn, [a] bis er kommt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was macht unsere Gemeinschaft aus, scheint Paulus zu fragen? Was erh\u00e4lt sie? zerst\u00f6rt sie?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Korinther Gemeinde kommen Menschen zusammen, um sich die Frohe Botschaft mitzuteilen, sich mitzuteilen, miteinander zu teilen. \u201eWeint mit den Weinenden, seid fr\u00f6hlich mit den Fr\u00f6hlichen\u201c, schreibt Paulus an die R\u00f6mer. \u00c4hnlich soll das Leben in Korinth ein Anteil<em>nehmen<\/em> und Anteil<em>geben<\/em> sein. Sympathie soll herrschen im Wortsinne: mitf\u00fchlen.<\/p>\n<p>Es geht um Wesentliches und Allt\u00e4gliches zugleich, genauso wie Jesus im Alltag das Nichtallt\u00e4gliche gelebt hat und das Besondere im ganz Gewohnten sichtbar machte.<\/p>\n<p>Nun aber fallen in Korinth Ritus und Leben auseinander: Man bezieht sich auf das Abendmahl Jesu &#8211; und gleichzeitig grenzt man Glaubensgenossen aus. Man redet von der Gerechtigkeit Gottes \u2013 und \u00fcbt Ungerechtigkeit aus!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man handelt nicht so, wie man redet. Man redet nicht so, wie man handelt.<\/p>\n<p>In der Folge f\u00fchrt das zur einfachen, aber bitteren Erkenntnis: Es r\u00e4cht sich f\u00fcr die christliche Gemeinde, wenn die Frage nach der allt\u00e4glichen Gerechtigkeit umgangen wird. Oder um es pointierter zu sagen: Man kann nicht Abendmahl feiern, wenn die Gerechtigkeit nicht sichtbar Gestalt annimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An diesem Punkt sind wir mitten in den schrecklichen Missbrauchsf\u00e4llen in der katholischen Kirche, die auch uns sicher nicht kalt lassen. Der seelische und k\u00f6rperliche Schaden bei den Opfern ist das eine. Das andere: Es steht die Wahrheit und Sinnhaftigkeit von Abendmahl und Kommunion, ja der Kirche, auf dem Spiel, sobald Christen nicht zusammenkommen, um sich zu gegenseitig zu st\u00e4rken, sondern wenn sie einander verletzen, ja zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Soziales Fehlverhalten l\u00e4sst sich nicht spirituell abschw\u00e4chen oder gar aufheben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher wird die katholische Kirche nun berechtigterweise an den eigenen christlichen Anspr\u00fcchen gemessen. Daher h\u00f6re ich Stimmen die sagen: Wenn Lehrer das machen, ist das schon schlimm. Aber die Kirche \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck nach Korinth: Sattwerden an Leib und Seele <em>und<\/em> die Feier des Auferstandenen treten auseinander.<\/p>\n<p>Vielleicht zieht Paulus den falschen Schluss. Er k\u00f6nnte sagen: Wartet mit dem Essen, bis alle vom Feld und in Gemeinschaft versammelt sind. Er macht\u2019s wohl praktikabler und empfiehlt: E\u00dft Euch zu Hause satt zu essen, kommt dann zusammen und feiert dann ein Abendmahl. Schon fr\u00fch also trennt sich das Abendmahl vom S\u00e4ttigungsmahl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch heute werden wir nicht k\u00f6rperlich satt vom Abendmahl, aber immerhin sitzen wir gemeinsam am Tisch. Eigentlich m\u00fcssten wir viel h\u00e4ufiger auch gemeinsam essen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn: Das Abendmahl feiern ist nicht vorrangig eine Interpretations- und Argumentationsgemeinschaft (Johann Baptist Metz) \u2013 wir <em>reden<\/em> hoffentlich nicht vorrangig <em>\u00fcber<\/em> die Gemeinschaft mit Gott und zu einander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sondern wir vollziehen sie: Wir sind eine Mahl- und Tischgemeinschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir bilden gemeinsam den Leib Christi, so wie ein Brot aus vielen K\u00f6rner zusammen einen Laib bildet. Wir sind nicht eine Ansammlung nebeneinander lebender, sich selbst verwirklichender Individualisten. Nein, der Christusglaube besagt doch: Wir sind aufeinander angewiesen und zueinander gestellt. Wir w\u00fcrdigen jeden und jede Einzelne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist leicht gesagt, schon innerhalb unserer Gemeinde: Es sind nicht alle gleich gelitten, gleich klug, gleich angenehm. Mit manchen m\u00f6chte man nicht t\u00e4glich zusammen sein \u2013 ja, und nochmals ja.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das bestreitet auch keiner: In der letzten Abendmahlsrunde Jesu sitzt selbst der dabei, der ihn sp\u00e4ter verr\u00e4t. <em>Jesus<\/em> h\u00e4lt ihn aus \u2013 und dadurch beh\u00e4lt der Verr\u00e4ter seine W\u00fcrde, unabh\u00e4ngig von seinem Versagen.<\/p>\n<p>Der soziale Zusammenhang bleibt gewahrt \u2013 selbst mit dem, der ihn zerst\u00f6rt. So paradox macht Jesus es vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich liegt viel Kraft und Leben in der Erinnerung an \u201ediese Nacht, in der ER verraten ward\u201c.<\/p>\n<p>Diese Nacht erinnert daran, wie zerbrechlich eine Gemeinschaft ist, letztlich auch unsere! Also: keine unrealistische Erwartungen, aber auch mehr Achtsamkeit f\u00fcr das M\u00f6gliche!<\/p>\n<p>\u201eDie Nacht, in der er verraten ward\u201c, stellt sich quer zu unserem Harmoniebed\u00fcrfnis, das uns oft die Tiefe unserer Beziehungen nimmt. Diese Nacht schreit nach Vers\u00f6hnung, nach st\u00e4ndigem Neubeginn. Diesen Neubeginn schenkt im letzten Abendmahl Jesus selbst, weil er den Verr\u00e4ter nicht ausschlie\u00dft!<\/p>\n<p>Jesus kehrt aber nichts unter den Teppich: Die ganze Ungerechtigkeit, die eine Gemeinschaft zerst\u00f6ren kann, kommt buchst\u00e4blich auf den gedeckten Tisch!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau daran erinnert Paulus die Korinther: Damit sie ihren Kompass neu ausrichten. Damit ihre Zusammenk\u00fcnfte wieder sozialen Zusammenhalt bekommen und sie so handeln, wie sie reden, und so reden, wie sie handeln. Kurzum: Das Abendmahl soll wieder zu einer Predigt des Reiches Gottes werden:<\/p>\n<p>\u201eDenn sooft ihr von diesem Brot e\u00dft und aus diesem Kelche trinkt\u201c, sagt Paulus, \u201everk\u00fcndigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht unsere Gemeinschaft aus?\u00a0 Was erh\u00e4lt sie? Was zerst\u00f6rt sie? In der besonderen Nacht Israels zum Passafest geht es nicht nur um das religi\u00f6se Gef\u00fchl, dass Gott sein Volk aus \u00c4gypten f\u00fchrte. 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