{"id":527,"date":"2017-01-11T17:07:43","date_gmt":"2017-01-11T16:07:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=527"},"modified":"2017-01-11T17:07:43","modified_gmt":"2017-01-11T16:07:43","slug":"ein-jahr-mit-der-jahreslosung-altjahresabend-2009-zu-roem-831-39","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=527","title":{"rendered":"Ein Jahr mit der Jahreslosung (Altjahresabend 2009 zu R\u00f6m 8,31-39"},"content":{"rendered":"<p>Bei Neujahrsgottesdienst habe ich die neue Jahreslosung 2009 verteilt: <em>Was bei den Menschen unm\u00f6glich ist, das ist bei Gott m\u00f6glich.\u201c (Lk 18,27). <\/em>Sie halten \u201eRestbest\u00e4nde\u201c in H\u00e4nden.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt Altjahresabend 2009 \u2013 Luther-Kirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>#R\u00f6m 8,31b-39<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Jahr mit (oder ohne) diese Jahreslosung ist nun schon wieder rum. Wo ist die Zeit geblieben? Wir merken, wie unverf\u00fcgbar die Zeit ist (Lied: \u201eSchenk uns Zeit von deiner Ewigkeit.\u201c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Weihnachtskreis im Kirchenjahr wird heute durchbrochen vom weltlichen Jahreswechsel. Wir werden wom\u00f6glich die letzten Sekunden runterz\u00e4hlen und mit unseren jeweiligen Empfindungen das alte Jahr abschlie\u00dfen. Es zur\u00fcck- und hinter uns lassen. Wenn man Sekunden runter z\u00e4hlt oder einfach ins Bett geht und sich dann am morgen sich an jungfr\u00e4uliches Datum zu gew\u00f6hnen beginnt \u2013 dann kann man hoffentlich auch seinen Frieden mit einem Kalenderjahr machen. Es ist vorbei \u2013 Chance f\u00fcr einen Neubeginn!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleichzeitig bleibt die bohrende Frage nach einer Bilanz. Wir feiern heute Abendmahl, das Fest der Vers\u00f6hnung: mit uns selbst, mit dem Anderen, mit Gott. Erst dann, so glaube ich, k\u00f6nnen wir wirklichen Frieden machen mit allem, was uns pers\u00f6nlich begegnete und was auf uns im gesellschaftlichen Leben einprasselte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den vielen Jahresr\u00fcckblicken steht uns \u2013 ganz nach der Jahreslosung 2009 \u2013 zun\u00e4chst vor Augen, was <em>dem Menschen nicht m\u00f6glich<\/em> war. Nur zwei Beispiele, die nachtragen: Nicht m\u00f6glich war dem Menschen eine Einigung bei der Klimakonferenz und sich neue Regeln f\u00fcr das globalen Wirtschaftssystem zu schaffen. Hier haben sich Menschen vor allem an den zuk\u00fcnftigen Generationen schuldig gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsicherheit und Zukunftsangst pr\u00e4gen viele Menschen. Auf Gott zu vertrauen, scheint dem <em>Menschen nicht m\u00f6glich zu sein. <\/em>Wie oft habe ich mich in diesem Jahr in mich selbst gefangen gef\u00fchlt. Wie oft habe ich gemerkt, dass ich mich vorrangig selbst im Blick habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus nennt dieses Lebensgef\u00fchl, das um sich selbst kreist, ein \u201eLeben nach dem Fleisch\u201c. Ein Leben nach dem Fleisch sucht nach eigener Erl\u00f6sung und Rettung, f\u00fchrt aber in den Tod.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Leben im Geist \u2013 R\u00f6m 8 <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im R\u00f6merbrief stellt Paulus das \u201eLeben im Geist\u201c dagegen. Alles was mein Leben ist und bewirkt, steht au\u00dferhalb meiner selbst. Das Leben im Geist ist davon gepr\u00e4gt, dass in uns Christus selber wirkt.<\/p>\n<p>Heilend und rettend ist nicht unserer Blick auf uns selbst, sondern der fremde Blick Gottes auf uns. <em>Wir sind gerettet \u2013 aber auf Hoffnung<\/em>, hei\u00dft es im Vorspann unseres Predigtextes aus R\u00f6mer 8, den wir gerade als Glaubensbekenntnis gesprochen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Text ist f\u00fcr mich einer der wunderbarsten Bibeltexte, weil er etwas von Gnade versteht. Vom fremden Blick auf uns. Er handelt vorab vom Seufzen der ganzen Sch\u00f6pfung und m\u00fcndet trotzig ein in ein Bekenntnis der rettenden Liebe Gottes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Text R\u00f6mer Acht hat sich mir eingebrannt. Ein ehemaliger Oberkirchenrat, der f\u00fcr uns Theologiestudierende zust\u00e4ndig war, sagte einmal \u00fcber die Schwierigkeiten im Studium und Leben: \u201eUnd wenn gar nichts mehr hilft: Lesen Sie R\u00f6mer Acht!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war nicht gemeint wie Medizin, nicht verschrieben wie ein Breitband-Antibiotikum. Sondern daraus klang das tiefe Vertrauen, dass wir uns Gott an den Hals werfen k\u00f6nnen. Dass Gottes Liebe alle Widrigkeiten des Lebens aushalten l\u00e4sst \u2013 ja weit mehr noch: alle Widrigkeiten \u00fcberwindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Tr\u00fcbsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Bl\u00f6\u00dfe oder Gefahr oder Schwert?- <\/em><\/p>\n<p><em>Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch [a] M\u00e4chte noch Gewalten, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges,<\/em><\/p>\n<p><em>39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Seufzen der Sch\u00f6pfung, das wir in unserer Zeit gut nachempfinden k\u00f6nnen \u2013 und direkt darauf dieses Bekenntnis: F\u00fcr einen Moment h\u00f6rt bei Paulus das Argumentieren auf. Da stehen wir \u2013 um es weihnachtlich zu sagen! \u2013 an der Krippe, k\u00f6nnen das Kind aber nicht fassen, sondern nur die Botschaft <em>wahrsein<\/em> lassen. Es ist das Geheimnis dieses Textes, dass er ein radikaler Text ist, aber ganz ohne Appell auskommt. Nur reiner Zuspruch ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Zuspruch lautet: Gott schaut uns an. Daf\u00fcr kam er in die Welt, wie Paulus erinnert. Mit allen Konsequenzen hat Gott in seiner Menschwerdung seinen Heilswillen verwirklicht. Er hat selbst den Tod Jesu in Kauf genommen. Uns zum Recht und zur Rettung hat er ihn erweckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In R\u00f6mer 8 verdichtet sich die Botschaft des ganzen R\u00f6merbriefes: Ich bin von Gott angesehen. Wir sind Gottes Kind genannt \u2013 aber nicht durch eigene Errungenschaften, sondern weil Gott mich <em>sein Kind nennt<\/em>. Selbst unsere Gebete m\u00fcssen uns nicht selber gelingen: \u201eDenn wir wissen nicht, was wir beten sollen. Der Geist hilft unserer Schwachheit auf\u201c. (R\u00f6m 8,26)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>III. [\u201eEuer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.\u201c ]<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angst und Unsicherheit kennzeichnen unsere Zeit. Angst l\u00e4sst sich nicht wegdiskutieren. Und Unsicherheit l\u00e4sst sich nicht einfach \u201eweg-glauben\u201c. Aber Paulus geht es auch nicht um Sicherheit, sondern um Gewissheit: <em>Ich bin <strong>gewiss<\/strong>, dass uns nichts scheiden kann von der Liebe Gottes.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht das Wissen, das Logische und Rationale beh\u00e4lt die Oberhand, sondern das Emotionale, das Grundvertrauen: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Dieses Vertrauen ist die Basis f\u00fcrs Argumentieren und Streiten, f\u00fcr mehr Sicherheit in unserem Leben, f\u00fcr mehr Orientierung und das Scheiden der Geister, dem wir auch im neuen Jahr weiter verpflichtet sein werden. Dazu hat der Hamburger Theologie Fulbert Steffensky mal gesagt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e<em>Der Glaube an die Rettung des Lebens im fremden Blick der G\u00fcte hat eine fast anarchistische Kehrseite: Er zweifelt alle M\u00e4chte, Einrichtungen, Personen und Lehren an, die sich als substantiell notwendig ausgeben oder aufspielen. Dieser Glaube an die Geborgenheit des Lebens f\u00fchrt zu einem fr\u00f6hlichen Unglauben gegen alles, was sich unumst\u00f6\u00dflich gibt. Der Glaube an die Gnade Gottes hat eine zersetzende Kraft. Er zersetzt zuerst alle Kr\u00e4fte und Geister, die diese G\u00fcte ersetzen oder erg\u00e4nzen wollen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eLesen Sie R\u00f6mer Acht\u201c, habe ich in Ohren. Oder nehmen wir die <em>neue<\/em> Jahreslosung mit auf den Weg. <em>\u201eEuer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.\u201c <\/em>Auch hier klingt es durch: Vertraut auf die Rettung des Lebens im fremden Blick der Liebe Gottes!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eR\u00f6mer Acht\u201c wei\u00df sich \u2013 wie kaum ein anderer Bibeltext \u2013 der Liebe Gottes zu vergewissern, was auch immer kommen mag. Wir brauchen diesen fremden Blick Gottes auf uns, um nicht verloren zu gehen im neuen Jahr, sondern <em>gewiss<\/em> zu werden, <em>dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch M\u00e4chte noch Gewalten, weder Gegenw\u00e4rtiges noch Zuk\u00fcnftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst uns hoffen und Kraft sch\u00f6pfen f\u00fcr das neue Jahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der WDR berichtete im Jahreslauf \u00fcber traurig stimmende Schicksalsschl\u00e4ge von Menschen: Ein behindertes Kind, in der Grundschule integriert, sollte nicht \u2013 wie ihre Freundinnen \u2013 auf die Regelhauptschule sondern in die F\u00f6rderschule gehen. Zwei Triathleten aus Siegen \u00fcberlebten nur knapp einen Unfall, als sie beim Radfahren von einem Auto erfasst wurden. Ein Hartz-IV-Bezieher fand trotz vielf\u00e4ltiger Versuche nicht zu einer neuen Berufs- und Lebensperspektive.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Jahresende hat der WDR diese Personen nochmals aufgesucht und Hoffnungsbilder gedreht, weil sich \u2013 Gott sei Dank \u2013 die Lebenslage dieser Menschen so wundersam ver\u00e4ndert hat:<\/p>\n<p>Das behinderte M\u00e4dchen ist dank des Einsatzes ihrer Eltern doch auf die Hauptschule gekommen \u2013 und dort aufgebl\u00fcht.<\/p>\n<p>Die Triathleten haben nach mehreren Operationen das Krankenhaus verlassen \u2013 und (wie in einem neuen Leben) radeln und schwimmen wieder.<\/p>\n<p>Der Hartz-IV-Bezieher hat Gesangstalent und hat als S\u00e4nger gerade seine erste viel versprechende CD herausgebracht\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, ob diese Menschen ihr Schicksal von Gott gewendet sehen: F\u00fcr uns k\u00f6nnen das die allt\u00e4glichen Beispiele von Hoffnung und Kraft sein, die wir nicht nur aus uns selbst heraus entwickeln k\u00f6nnen. F\u00fcr Paulus ist das Gewinnen einer solchen Gewissheit \u2013 selbst in Tr\u00fcbsal, Angst, Verfolgung, Hunger, Bl\u00f6\u00dfe und Krieg hinein \u2013 Ausdruck der Liebe Gottes. Des fremden Blickes auf uns, der uns Kraft geben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Neujahrsgottesdienst habe ich die neue Jahreslosung 2009 verteilt: Was bei den Menschen unm\u00f6glich ist, das ist bei Gott m\u00f6glich.\u201c (Lk 18,27). Sie halten \u201eRestbest\u00e4nde\u201c in H\u00e4nden.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,9],"tags":[],"class_list":["post-527","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-weihnachten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/527","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=527"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/527\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":528,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/527\/revisions\/528"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=527"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=527"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=527"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}