{"id":525,"date":"2017-01-11T17:05:20","date_gmt":"2017-01-11T16:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=525"},"modified":"2017-01-11T17:05:20","modified_gmt":"2017-01-11T16:05:20","slug":"ein-weihnachtsgruss-heiligabend-2009-zu-roem-11-7","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=525","title":{"rendered":"Ein Weihnachtsgru\u00df (Heiligabend 2009 zu R\u00f6m 1,1-7)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIch w\u00fcnsche Euch frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2010!\u201c \u2013 So habe ich es doch recht h\u00e4ufig unter meine Weihnachtspost geschrieben, und ich habe es genauso als guten Wunsch f\u00fcr mich gelesen: auf Karten, in E-Mails, in der einen oder anderen online-Gru\u00dfkarte.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Heiligabend Luther-Kirche<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christmette #R\u00f6m 1,1-7<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt wohl keinen anderen Anlass im Jahr als Weihnachten, wo wir nicht so h\u00e4ufig noch zum F\u00fcller greifen, Pakete packen und mit kommerziellen \u201eWeihnachtsbotschaften\u201c in den Medien, aber auch im eigenen Briefkasten, \u00fcberh\u00e4uft werden. Weihnachtszeit ist Briefe-Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie halten heute den kirchlichen Weihnachtsgru\u00df in den H\u00e4nden [Gottesdienstprogramm als Briefumschlag gestaltet]. Streng genommen: Den Briefumschlag dieses Weihnachtsgru\u00dfes. Denn der Predigttext f\u00fcr die Christmette ist der Anfang vom Brief des Paulus an die Gemeinde in Rom.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, [a] ausgesondert, zu predigen das Evangelium Gottes,<\/em><\/p>\n<p><em>2 das er zuvor verhei\u00dfen hat durch seine Propheten in der heiligen Schrift, [a] 3 von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist [a] aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, 4 und nach dem Geist, der heiligt, [a] eingesetzt ist als Sohn Gottes in Kraft durch die Auferstehung von den Toten. 5 Durch ihn haben wir empfangen Gnade und Apostelamt, in seinem Namen den [a] Gehorsam des Glaubens aufzurichten [b] unter allen Heiden,<\/em><\/p>\n<p><em>6 zu denen auch ihr geh\u00f6rt, die ihr berufen seid von Jesus Christus. 7 An alle Geliebten Gottes und [a] berufenen Heiligen in Rom: [b] Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Briefanfang ist weit mehr als die Nennung eines Absenders und eines Adressaten. Das merkt man schon am \u00fcblichen Gru\u00df des Apostels, der sich bis heute als ein \u00fcblicher Kanzelgru\u00df erhalten hat (Gnade sei mit euch und Friede\u2026).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Briefanfang beschreibt nicht direkt den Zauber der Heiligen Nacht. Der R\u00f6merbrief ist kein \u201eWeihnachtsgru\u00df\u201c im heutigen Sinne. Er erz\u00e4hlt nicht \u2013 wie das Lukasevangelium \u2013 die Geburtsgeschichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber: Dieser Briefanfang, so formelhaft und konzentriert er ist, schm\u00fcckt die Nennung des Adressanten und des Absenders so aus, dass schon quasi mit dem Briefumschlag gesagt ist, worin Paulus seine Aufgabe sieht und was seine Botschaft ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Nehmen wir diesen Brief quasi in die Hand und schauen uns zuerst den Absender an:<\/p>\n<p><em>Paulus, ein Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, zu predigen das Evangelium Gottes, von seinem Sohn Jesus Christus, unserm Herrn, der geboren ist aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch, eingesetzt als Sohn Gottes durch die Auferstehung von den Toten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alles was Paulus ist, was er seinen Verk\u00fcndigungsauftrag nennt, ja, was er Kirche und Gemeinschaft der Getauften nennen kann, hat einen Grund: die Berufung auf Jesus Christus \u2013 und sogar die Berufung durch Jesus Christus selbst.<\/p>\n<p>Ohne Jesus Christus kein Apostelamt, und heute kein Predigtamt, kein Diakonenamt, kein Kantoren- oder K\u00fcsteramt! Ohne Bethlehems Stall keine Kirche!<\/p>\n<p>Und noch mehr: Ohne die Geburt des Heilandes kein Evangelium (und gemeint sind hier nicht die vier Evangelienb\u00fccher im Neuen Testament sondern der Wortsinn von \u201eEvangelium\u201c): W\u00e4re Gott nicht Mensch geworden \u2013 es g\u00e4be kein Evangelium, keine gute Botschaft im Sinne einer Rettung f\u00fcr die Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier schimmert Weihnachten durch. Denn Paulus bezieht sich auf den geborenen, den Fleisch gewordenen Heiland: Christus &#8211; \u201egeboren aus dem Geschlecht Davids nach dem Fleisch.\u201c Gott wird Mensch in konkreter Gestalt, am konkreten Orte: als Jude und Nachfahre Davids in Bethlehem. Und \u201enach dem Fleisch\u201c, das hei\u00dft: mit menschlichem K\u00f6rper. Mit Haut und Haaren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Menschwerdung Gottes \u2013 hier ist sie verpackt im Absender eines Briefes: Bei Paulus entstehen mir nicht die Bilder vom kleinen Jesuskind, dem g\u00f6ttlichen und unschuldigen Babys. Dieses Jesusbild dominiert ja oft die Weihnachtspredigten, weil ein neugeborenes Kind ja in besondere Weise unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und urt\u00fcmlicher Freude wachruft. Aber genauso kann das kleine Jesuskind auch zum Kitsch und zu einer R\u00fchrseligkeit f\u00fchren, die mit dem erwachsenen Jesus nichts zu tun hat, mit seinem Widerstandsgeist, mit seinen Auseinandersetzungen, seiner Gradlinigkeit und Unbeirrtheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus nennt Geburt <em>und<\/em> Auferstehung. Der isolierte Blick auf das Kind am Lebensbeginn \u2013 und \u00fcbrigens auch der isolierte Blick auf das Kreuz am Ende \u2013 diese Blicke vergessen oft, was das <em>Leben Jesu dazwischen<\/em> ausgemacht hat. Und gerade diesen <em>erwachsenen Jesus<\/em> brauche ich, wenn das Weihnachtsfest wieder vorbei ist.<\/p>\n<p>&#8211; Ich brauche den Jesus, der in der Bergpredigt von der Feindesliebe redet und sie als Option offen h\u00e4lt. Ich kann nicht mit ansehen, wie unsere Jugendliche schon in der Schule in eine Spirale der Gewalt hineingezogen werden. Es gibt oft keine andere L\u00f6sung, als zur\u00fcckzuschlagen.<\/p>\n<p>&#8211; Ich brauche den Jesus, der die Ausgegrenzten seiner Zeit zur\u00fcck in die Gemeinschaft geholt hat: durch die Heilung einer ausgrenzenden Krankheit oder durch Vergebung der Schuld. Ich merke zunehmend, dass Solidarit\u00e4t untereinander alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist. In der \u201eZeit\u201c war neulich \u00fcber ein neues Wohlstandsmilieu zu lesen, bestehend aus Feuilleton-Journalisten, Jung-Bankern, Menschen aus Architektur- und Werbeb\u00fcros. In diesem Milieu wird dem Zusammenhalt in unserer Gesellschaft immer \u00f6fter sogar Verachtung entgegengebracht. Der Sozial- und Steuerstaat, so hei\u00dft es dann in Anlehnung an den Philosophen Peter Sloterdijk, wird zu einem geldsaugendes Ungeheuer: Die Unproduktiven leben auf Kosten der Produktiven, hei\u00dft es.<\/p>\n<p>Droht bald ein Klassenkampf, diesmal von oben nach unten?<\/p>\n<p>Auf der Strecke bleibt oft die Gerechtigkeitsdebatte. Appelle zur Wohlt\u00e4tigkeit und Barmherzigkeit gibt es viele. Das ist schick, l\u00f6st aber kaum Probleme und schafft keinen neuen Zusammenhalt. Die Suppenk\u00fcchen und Soziall\u00e4den sind ein Beispiel daf\u00fcr: Einst gegr\u00fcndet, um den Lebensbedarf \u00fcber das hinaus zu erg\u00e4nzen, was die soziale Sicherung leistete, sorgen diese Einrichtungen inzwischen immer mehr f\u00fcr das Notwendigste!<\/p>\n<p>&#8211; Ich brauche auch den Jesus, der Menschen ermutigt, \u00fcber ihren eigenen Schatten zu springen wie den Z\u00f6llner Zach\u00e4us. Das braucht der Konfirmand, der neulich zerknirscht sagte: \u201eIch will mich \u00e4ndern, aber ich kann es einfach nicht!\u201c Das braucht auch die Welt im Gro\u00dfen \u2013 nach Kopenhagen!<\/p>\n<p>Es g\u00e4be sicher noch andere Bespiele daf\u00fcr, dass Leben Jesu zwischen Geburt und Auferweckung in den Blick zu nehmen, auch wenn es an vielen Stellen unsere Ruhe st\u00f6rt. Wenn es uns n\u00f6tigt, uns pers\u00f6nlich an Christus zu binden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde! Der Adressat ist die Gemeinde in Rom. Aber so wie Paulus die Gemeinde anspricht, so k\u00f6nnen wir in Altena an Heiligabend 2009 auch uns angeredet f\u00fchlen:<\/p>\n<p><em>An alle Geliebten Gottes und berufenen Heiligen in Rom in Altena<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Paulus meint die normalen Gemeindeglieder. \u201eGeliebte\u201c, \u201eHeilige\u201c nennt er sie. Er will ihnen sicher nicht schmeicheln. Sondern die Anrede konsequent aus der Berufung und dem Auftrag des Apostels entwickelt, die gute Botschaft weiterzusagen.<\/p>\n<p>Die gute Botschaft ist nicht nie abstrakt, sondern entspringt der Weihnachtsbotschaft, dass Gott Mensch wird, uns zu Liebe und uns zu Gute. Daher spricht Paulus uns an und sagt: Ihr Geliebten Gottes!<\/p>\n<p>Und alle sind gemeint: Im Adressfeld unseres Weihnachtsbriefes stehen die, die Zweifel haben in ihrem Leben. Die nicht mehr ein und aus wissen. Nicht nur die Sicheren und den Klugen. Und den Fr\u00f6hlichen.<\/p>\n<p>Nein, allen ist gesagt: Ihr seid die Auserw\u00e4hlten. Ihr seid die von Gott endlos Geliebten. Ihr seid es, denen <em>Gnade und Friede gilt von Gott, unserem Vater und dem Herr Jesus Christus.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gnade und Friede f\u00fcr Euch \u2013 f\u00fcr \u201eeuch\u201c im Plural, nicht zu aller erst f\u00fcr jeden einzeln, in unseren privaten Sph\u00e4ren, sondern als Br\u00fcder und Schwestern. In einer Gemeinschaft. Vielleicht auch in sichtbaren Gemeinschaften einer Kirchengemeinde und einer Gottesdienstgemeinde.<\/p>\n<p>Und wird zugetraut und zugemutet, weiterzusagen, was uns an dieser Heiligen Nacht ber\u00fchrt und fasziniert. Und dass wir uns einander erinnern: Wisst ihr noch, wie es geschehen, wie wir einst den Stern gesehen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus nimmt uns mit in seine Berufung hinein, davon zu sprechen, wo wir uns im positiven Sinne beunruhigen lassen vom erwachsenen Jesus und uns in Bewegung setzen lassen. Wo wir aber genauso unseren Frieden und unsere Gewissheit finden, mit Blick auf die beiden Brennpunkte: auf Krippe und Kreuz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gnade und Frieden ist uns zugesagt. Das ist der Gru\u00df f\u00fcr Weihnachten und dar\u00fcber hinaus. Vielleicht sagen wir \u201eFrohe Weihnachten\u201c ja mal so vollmundig wie Paulus, wenn <em>wir<\/em> das n\u00e4chste Mal zum F\u00fcller greifen und einen Brief schreiben. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch w\u00fcnsche Euch frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2010!\u201c \u2013 So habe ich es doch recht h\u00e4ufig unter meine Weihnachtspost geschrieben, und ich habe es genauso als guten Wunsch f\u00fcr mich gelesen: auf Karten, in E-Mails, in der einen oder anderen online-Gru\u00dfkarte.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,9],"tags":[],"class_list":["post-525","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-weihnachten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=525"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/525\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":526,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/525\/revisions\/526"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}