{"id":500,"date":"2017-01-11T15:39:11","date_gmt":"2017-01-11T14:39:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=500"},"modified":"2017-01-11T15:39:11","modified_gmt":"2017-01-11T14:39:11","slug":"ehrfurcht-vor-dem-leben-andacht-ueber-a-schweitzer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=500","title":{"rendered":"Ehrfurcht vor dem Leben (Andacht \u00fcber A. Schweitzer)"},"content":{"rendered":"<p>Albert Schweitzer, Urwald-Arzt von Lambarene, Seelsorger der Schwarzen, Bewunderer Johann Sebastian Bachs. Ein Freund des Lebens von Menschen und Tieren. Sein Wort wurde das afrikanische&#8220;NKENGO&#8220;, das einheimischen Wort f\u00fcr \u201eBarmherzigkeit\u201c: \u201eSelig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p><strong>Andacht, Kuratorium Ellen-Scheuner-Haus, 24.8.09<\/strong><\/p>\n<p>Er selber sagte einmal:<\/p>\n<p><em>&#8222;Wenn ich es als meine Lebensaufgabe betrachte, die Sache der Kranken unter fernen Sternen zu verfechten, berufe ich mich auf die Barmherzigkeit, die Jesus und die Religion befehlen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Barmherzigkeit war f\u00fcr Schweitzer eine S\u00fchnetat f\u00fcr das, was die wei\u00dfe Kultur bewusst oder unbewusst Schwarzen angetan hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Ehrfrucht vor dem Leben<\/strong>.\u201c Als Albert Schweitzer 1915 eine mehrt\u00e4tige Fluss-Reise unternahm, stand ihm pl\u00f6tzlich der Ausdruck \u201eEhrfrucht vor dem Leben\u201c vor Augen.<\/p>\n<p><em>\u201eIch rufe die Menschheit auf zur Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben. Diese Ethik macht keinen Unterschied zwischen wertvollerem und weniger wertvollem, h\u00f6herem und niederem Leben. Sie lehnt eine solche Unterscheidung ab. Wer von uns wei\u00df denn, welche Bedeutung das andere Lebewesen an sich und im Weltganzen hat? Die Konsequenz dieser Unterscheidung ist dann die Ansicht, dass es wertloses Leben gebe, dessen Vernichtung oder Beeintr\u00e4chtigung erlaubt sei. Je nach den Umst\u00e4nden werden dann unter wertlosem Leben Insekten oder primitive V\u00f6lker verstanden. Die unmittelbare Tatsache im Bewusstsein des Menschen lautet: ,Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.&#8217;\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was er konkret mit \u201eEhrfurcht vor dem Leben\u201c meinte \u2013 zwei kurze Beispiele:<\/p>\n<ol>\n<li>Ehrfurcht vor der Kultur des Anderen: Schweitzer achtete Gewohnheiten der Afrikanern. Neben die f\u00fcr den Arzt selbstverst\u00e4ndliche Ehrfurcht vor dem biologischen Leben trat die Ehrfurcht vor dem geistigen Wesen des andern: Seine Kultur darf seine Kultur bleiben. An ihrem Leben hatte er teil, nicht sie an seinem.<\/li>\n<li>Schweitzer pflegte alle: Menschen, Tiere und Pflanzen. Er machte keinen Unterschied. Im Spital gab es 620 Liegepl\u00e4tzen f\u00fcr kranke Menschen auch 20 Tiergehege f\u00fcr kranke Hunde, Schafe, Ziegen, Antilopen, Menschenaffen und Pelikane. Schweitzer behandelte auch Pflanzen. Als einmal der Blitz in einen gro\u00dfen zweist\u00e4mmigen Mangobaum eingeschlagen war, wurde er von Schweitzer verbunden: Er habe zuerst etwas Erde auf das Holz gesch\u00fcttet und dann eine Kappe aus Zement dar\u00fcber gegossen und diese mit den H\u00e4nden gut angedr\u00fcckt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dabei war sich Schweitzer schmerzlich bewusst, dass die Natur um uns herum ein grauenhaftes Ringen von Leben gegen Leben zeigt. Die Erkenntnis, dass in der Welt der Sch\u00f6pferwille zugleich als Zerst\u00f6rungswille waltet, blieb f\u00fcr den Denker Schweitzer ein schmerzvolles R\u00e4tsel, das er nicht erkl\u00e4ren konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p><strong>\u201eVerantwortung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann Albert Schweitzer kritisch auf seine strenge Gesinnungsethik befragen. Es ist nicht immer klar zu sagen, wie sich \u201cEhrfrucht vor dem Leben\u201c ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daher tritt neben Barmherzigkeit und Ehrfurcht \u201eVerantwortung f\u00fcr alles, was lebt\u201c. Nicht immer kann man genau sagen, was Ehrfurcht f\u00fcr das Leben hei\u00dft. Dazu gibt es zu viele medizin-ethische Grenzf\u00e4lle: In welchen Situationen am Ende eines Menschenleben h\u00f6rt Ehrfurcht auf? Bei welchen Ma\u00dfnahmen tr\u00e4gt sie sich durch? Darauf gibt es keine einfachen Antworten. Aber: Das entbindet uns nicht von der Verantwortung, Entscheidungen so zu treffen, die nach unseren Entscheidungsm\u00f6glichkeiten am ehesten das Leben ehren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber einer Todesanzeige: Gedanken zur \u201eEhrfurcht vor das Leben\u201c \u2013 das klingt sehr nach Hans Ulrich Wille, wie ich ihn nur kurz kennen gelernt habe: Er \u00fcbernahm Verantwortung f\u00fcr sich und die Bewohner, wie es seine M\u00f6glichkeiten ihm zulie\u00dfen. Er ehrte das Leben bis zuletzt. Wissend um den Tod, mag er besonders vor Augen gehabt haben, wie wertvoll das Leben ist \u2013 und wie einmal. Ich denke, dass uns das best\u00e4rken kann, selber in unseren Bez\u00fcgen das Leben zu lieben und verantwortlich zu handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albert Schweitzer, Urwald-Arzt von Lambarene, Seelsorger der Schwarzen, Bewunderer Johann Sebastian Bachs. Ein Freund des Lebens von Menschen und Tieren. 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