{"id":494,"date":"2017-01-11T15:31:29","date_gmt":"2017-01-11T14:31:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=494"},"modified":"2017-01-11T15:31:29","modified_gmt":"2017-01-11T14:31:29","slug":"brief-an-den-propheten-jona-homiletik-woche-juli-2005","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=494","title":{"rendered":"Brief an den Propheten Jona (Homiletik-Woche Juli 2005)"},"content":{"rendered":"<p>[DK schreibt einen Brief zu Ende. Murmelnd:] Predige das Wort, steh dazu, sei es zur Zeit oder zur Unzeit.\u201c [2Tim 4,2] So. Das musste ich jetzt noch drunter schreiben. Was f\u00fcr ein Brief das ist? <!--more--><strong>Andacht in der Woche Gottesdienst ((Kurs 3.2: Homiletik) zu \u201ePredigt\u201c (Kurs Jericho), 13. Juli 2005<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u2013 Ich kann ihn Euch gerne vorlesen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[P. liest Brief vor:]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lieber Prophet Jona,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>ich muss seit Tagen an Deine Erlebnisse denken, wie Du predigen solltest in Ninive.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Denn ich finde mich in Dir wieder \u2013 auch wenn meine Mission nicht so einseitig die eines Gerichtspropheten ist. Als Du berufen wurdest, hie\u00df es: \u201eMache Dich auf und geh in die Stadt Ninive und predige gegen sie!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als meine Kirche mich in den Dienst rief, hie\u00df es zwar nicht explizit, dass ich \u201egegen\u201c die Gemeinde predigen soll, sondern schlicht: \u201eDu wirst nun ordiniert, das Evangelium \u00f6ffentlich zu verk\u00fcndigen. [&#8230;] In deiner Verk\u00fcndigung soll die Gemeinde das Wort ihres Herrn suchen und h\u00f6ren\u201c. Also: Dein Wort soll auch aus meinem Munde klingen. Der Gemeinde nach dem Mund reden \u2013 dazu bin auch ich nicht berufen, lieber Jona.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Was Du wohl dachtest, wie die Gemeinde auf Dich reagiert? Die haben ja alle eine eigene Meinung, eine eigene Geschichte mit oder ohne Gott. In meinem Ordinationsvorhalt hie\u00df es: Die Gemeinde \u201ewird deine Verk\u00fcndigung an der Schrift pr\u00fcfen und dir mit Zuspruch, Rat und Mahnung helfen\u201c. Was steckt da f\u00fcr ein Anspruch drin: Die Gemeinde soll in meiner Predigt Gottes Wort suchen und h\u00f6ren k\u00f6nnen \u2013 und es notfalls bei mir einfordern!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt mich schnurstracks zu einer weiteren Gemeinsamkeit mit Dir, Jona: Ab und zu ist mir das Predigen, das Verk\u00fcndigen eine Nummer zu gro\u00df. Nicht nur wegen der Gemeinde. Wenn\u2019s nur das w\u00e4re! Nein, sondern wegen der Gr\u00f6\u00dfe der biblischen Worte. Wegen der Radikalit\u00e4t, mit der sich Gott zu Wort meldet. Wegen der Situation, in die ich sein Wort sprechen soll. Es passt oft nicht. Es sperrt sich: Jona, Du h\u00e4ttest mal am Sonntag nach dem 11. September die Frohe Botschaft verk\u00fcndigen sollen, so wie ich?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Auch heute ist Dein Thema f\u00fcr Ninive, das Umkehren, unser Thema. Davon bin ich fest \u00fcberzeugt und nehme mich nicht aus: Jona, wir m\u00fcssten ganz schnell umkehren: So wie wir unsere Natur verbrauchen. So wie wir auf anderer Leute und zuk\u00fcnftiger Generationen Kosten leben. Wie wir st\u00e4ndig versuchen, gute Gr\u00fcnde f\u00fcr den Krieg zu finden \u2013 statt f\u00fcr den Frieden. Das m\u00fcsste man doch umkehren! Hier kommt meine prophetische Ader raus!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch erz\u00e4hl das mal, wenn 20 \u00e4ltere Frauen unter deiner Kanzel sitzen&#8230; W\u00fcrde ich es doch einmal denen sagen k\u00f6nnen, die\u2019s wirklich angeht! \u2013 Oder steht diese Botschaft allen zu?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Du, Jona, bist <u>nicht<\/u> nach Ninive gegangen, um den Menschen zu predigen, dass sie umkehren sollen. Du hast Rei\u00dfaus genommen: ab aufs Schiff und weg. Du hast Dich gedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich sp\u00e4ter einmal in den Spiegel gucke \u2013 dann will ich nichts vormachen, so nach dem Motto:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich war einmal j\u00e4hrlich im Kabarett und habe gelacht, wenn unser System verspottet wurde!<\/li>\n<li>Ich habe meine M\u00fcll getrennt!<\/li>\n<li>Ich habe die \u201etaz\u201c gelesen \u2013 naja, wenigstens abonniert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich war doch dagegen!!! Hat das denn keiner gemerkt?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nein! So nicht! Auch ich fl\u00fcchte viel zu h\u00e4ufig, so wie Du, Jona. <u>Das will ich offen zugeben:<\/u> Wir stehen mit unserer erl\u00f6senden Botschaft mitten in der noch nicht erl\u00f6sten Welt! Da ist viel Ehrlichkeit und N\u00fcchternheit geboten \u2013 und wenig Kleinkariertes! Da ist vollmundige Rede dran von Gottes ganz anderer Welt, die m\u00f6glich ist, und kein mutloses Plappern vom Nachbessern, vom L\u00f6cher-Stopfen, vom Neujustieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Und nun zum Walfisch, Jona: Ich will hoffen, dass Gott auch mich \u2013 je weiter ich Rei\u00dfaus nehme \u2013 desto wundersamer mich wieder dahin bef\u00f6rdert, wo er mich haben will. Spuck: Da ist er wieder, um zu predigen.<\/p>\n<p>Ohne das Vertrauen, dass Gott mich immer wieder aufhebt, wenn ich versinke in meinem Auftrag \u2013 ohne dieses Vertrauen k\u00f6nnte ich kein Wort sagen. Erst recht nicht Gottes Wort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>Ich will nicht so lange schreiben, Jona: Aber eins lerne ich noch von Dir. Du bist schlie\u00dflich doch nach Ninive gegangen und hast Umkehr gepredigt, wo Umkehr n\u00f6tig war. Und die Menschen haben dann tats\u00e4chlich auf Dich geh\u00f6rt. Sie haben sich ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Emp\u00f6rt:] Und Du? \u2013 Du hattest nichts besseres zu tun, als Dich frustriert an den Standrand zu setzen und auf das Gericht \u00fcber Ninive zu warten. Hast Dich sogar ge\u00e4rgert, dass Gott nachsichtig war mit den Menschen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine Quintessenz als Prediger:<\/p>\n<p>&#8211; Trau dem Wort etwas zu! Oft <em>sehen<\/em> wir die Wirkung nicht \u2013 okay. Aber noch \u00f6fter <em>trauen<\/em> wir ihm erst gar keine Wirkung <em>zu<\/em> \u2013 und glauben unserer eigenen Predigt nicht!<\/p>\n<p>&#8211; Und: Trau deinen Zuh\u00f6rern etwas zu! Hadere mit der Welt und der Menschheit! Aber rechne damit, dass Gottes Wort durch Dich hindurch die Menschen \u00e4ndern kann!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im 2Tim habe ich folgendes Wort gefunden, das ich uns gemeinsam mit in unsere n\u00e4chsten Predigtvorbereitung geben m\u00f6chte:<\/p>\n<p>\u201ePredige das Wort, steh dazu, sei es zur Zeit oder zur Unzeit.\u201c [2Tim 4,2]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[P. schreibt weiter:]<\/p>\n<p>Gott befohlen, lieber Jona,<\/p>\n<p>Dein Dietmar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[P. t\u00fctet den Brief ein. Stille.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[DK schreibt einen Brief zu Ende. Murmelnd:] Predige das Wort, steh dazu, sei es zur Zeit oder zur Unzeit.\u201c [2Tim 4,2] So. Das musste ich jetzt noch drunter schreiben. 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