{"id":492,"date":"2017-01-11T15:27:48","date_gmt":"2017-01-11T14:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=492"},"modified":"2017-01-11T17:01:59","modified_gmt":"2017-01-11T16:01:59","slug":"andacht-zum-tode-johannes-raus-2006-zu-lk-112-mt-610","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=492","title":{"rendered":"Andacht zum Tode Johannes Raus (2006 zu Lk 11,2 ~ Mt 6,10)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDein Reich komme\u201c \u2013 diese Bitte aus dem Vaterunser haben wir oft zusammen gebetet. Eigentlich t\u00e4glich, wenn wir zusammen waren.\u00a0 Die Bitte ist mehr noch als die Bitte um das t\u00e4gliche Brot und die Vergebung der Schuld.<!--more--> Sie stellt uns vor die Machtfrage und die Bekenntnisfrage: Wem geh\u00f6rt die Welt? Wer herrscht \u00fcber sie? Politische F\u00fchrer? Das Geld? Eine Religion? L\u00e4sst sich die Welt sich privatisieren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir bitten und bekennen: M\u00f6ge die Welt alleine in Gottes H\u00e4nde liegen: M\u00f6ge sein Reich kommen. Sicher keine \u201eBasilea\u201c vergleichbar mit Herrschaft und Macht oder gar in Form einer Theokratie. Sondern: Das Reich Gottes ist f\u00fcr mich schlicht und einfach die Welt, so wie Gott sie will. Wo \u201e<em>dein Wille geschehe.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Reich Gottes alles andere als ein weltferner oder gar weltfeindlicher Begriff: Es findet, wenn es auch nicht <em>von<\/em> dieser Welt ist, doch mitten <em>in<\/em> dieser Welt statt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und hier kommen wir als seine Mitstreiter und Botschafter ins Spiel: Das <em>Bitten<\/em> um eine Welt, wie Gott sie will, ist das eine. Sich auffordern zu lassen, alles daf\u00fcr zu <em>versuchen<\/em>, das andere \u2013 allzumal in unserer Rolle als \u201eBerufschristen\u201c:<\/p>\n<p><em>Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.<\/em><\/p>\n<p>Zufallen wird mir, was ich essen und trinken werde.<\/p>\n<p>Zufallen wird mir der Ort, wo ich arbeite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das allererste Sorgen \u2013 diese Freiheit hat uns Gott beschert! \u2013 kann dem Sorgen um eine Welt, wie Gott sie will (\u201eReich Gottes\u201c), gelten und dem Trachten <em>\u201enach seiner Gerechtigkeit\u201c<\/em>. Hier ist nicht die Gottesgerechtigkeit gemeint, sondern <em>unser<\/em> Handeln, unser Zutun, die Frage nach der Gerechtigkeit, nach der Menschen \u201ehungert und d\u00fcrstet\u201c, nach der Gerechtigkeit, um deretwillen Menschen verfolgt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bezugsgr\u00f6\u00dfe unseres Sorgens ist das Reich Gottes, die Welt, wie Gott sie will: Unser Christsein ist damit auf die ganze Welt bezogen. Nicht auf die Kirche. Nicht auf Deutschland. Nicht auf Menschen mit Abitur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist auch der Kern daf\u00fcr, dass mir Politik nicht egal sein kann, sondern christliche Existenz beides verbinden muss: politische Verantwortung und pers\u00f6nlichen Glauben. Johannes Rau hat einmal gesagt: \u201eWenn Christsein und Politik nicht geht, dann geht auch nicht Christsein und Ehemann oder Christsein und Unternehmersein. Entweder bew\u00e4hrt sich der christliche Glaube auf jedem Feld oder er taugt nichts.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dein Reich komme: Und schon die Bergpredigt gibt uns vieles auf, was noch heute aktuelle Herausforderungen sind. Sie d\u00fcrfen nicht aus den Augen kommen: Wie ist es mit den zwei Herren, denen man nicht gleichzeitig dienen kann? \u2013 Johannes Rau hat \u00f6fters eindringlich davor gewarnt, alle Lebensbereiche zu \u00f6konomisieren, nicht zuletzt weil damit ein G\u00f6tzendienst geleistet wird:<\/p>\n<p>\u201eWenn wir nicht nur die Wirtschaft, sondern die ganze Gesellschaft nach Marktgesichtspunkten interpretieren, dann bekommen wir Heranwachsende, die von allem den Preis kennen und von nichts den Wert.\u201c (Welt am Sonntag 2.1.2000)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dein Reich komme: Es ist ein eschatologischer Satz, kein politisch-programmatischer. Und doch habe ich an Johannes Rau gesch\u00e4tzt, dass er auf seine Weise \u201ePolitik mit der Bibel\u201c gemacht hat. Selbstredend nicht biblizistisch. Aber eben sehr deutlich im <em>Geiste<\/em> der Bergpredigt:<\/p>\n<ul>\n<li>Mit tiefen Gottvertrauen (\u201eweil ich gehalten bin\u201c, Buchtitel N. Schneider).<\/li>\n<li>Mit Visionen neben dem Tagesgesch\u00e4ft \u2013 etwas, was auch der Kirche gut t\u00e4te.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich: mit einer Haltung, die die Bergpredigt und das Trachten nach dem Reich Gottes wahrhaft universell und f\u00fcr alle Menschen g\u00fcltig macht: die N\u00e4chstenliebe:<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eWir brauchen mehr als Bilanzen und Shareholder-Value, mehr als Gewinn-und-Verlust-Rechnungen. Das nennen Christen N\u00e4chstenliebe. Das nennt die Arbeiterbewegung Solidarit\u00e4t. Das nennt Martin Luther King compassion. Daf\u00fcr gibt es die unterschiedlichsten Begriffe. Und ich nenne das den M\u00f6rtel, der das Haus zusammenh\u00e4lt, damit es den Sturm \u00fcbersteht. Und davon ist bei uns viel zu wenig vorhanden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So ist es. So bitten wir weiter: Dein Reich komme. Und trachten nach seinem Reich und nach seiner Gerechtigkeit. \u201e<em>Entscheidend ist, dass das, was man sagt und was man tut, im Anklang stehen.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDein Reich komme\u201c \u2013 diese Bitte aus dem Vaterunser haben wir oft zusammen gebetet. 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