{"id":483,"date":"2017-01-11T15:10:49","date_gmt":"2017-01-11T14:10:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=483"},"modified":"2017-01-11T15:10:49","modified_gmt":"2017-01-11T14:10:49","slug":"schoen-wieder-da-zu-sein-predigt-bvb-saisonabschlussgottesdienst-2014","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=483","title":{"rendered":"&#8222;Sch\u00f6n wieder da zu sein&#8220; (Predigt BVB-Saisonabschlussgottesdienst 2014)"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00f6n wieder da zu sein &#8230; Wir fahren nach Berlin \u2013 ins \u201eMekka\u201c des deutschen Fu\u00dfballs! Wie wunderbar!<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Dreifaltigkeitskirche Dortmund<\/strong><\/p>\n<p><strong>Saisonabschlussgottesdienst BVB 2013\/14<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eSch\u00f6n, wieder da zu sein\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dort wo ich sitze, im S\u00fcdosten, wurde beim Halbfinale gegen Wolfsburg 90 Minuten lang gestanden. So sehr haben alle mitgefiebert, bis dann die Jungs am Ende zur S\u00fcdtrib\u00fcne kamen. Mit ihrem T-Shirt und Schal dr\u00fcckten sie genau das aus, was alle gesp\u00fcrt haben: \u201eSch\u00f6n, wieder da zu sein!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach 2012 \u2013 schon wieder! Ich bin ja mit diesem Verein gro\u00df geworden, der Jahr f\u00fcr Jahr im Pokal in der ersten oder zweiten Runde an Wattenscheid 09, Eintracht Trier oder Wolfsburg Amateure scheiterte&#8230; Und nun <em>schon wieder<\/em>: <em>Schon wieder<\/em> die gro\u00dfe Vorfreude: 50.000 Borussen an der Spree. Viel zu wenig Platz im Stadion, aber genug, um die Hauptstadt wieder in Schwarz-Gelb zu tauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erinnerungen vom letzten oder vorletzten Mal werden aufleben: die tolle Stimmung am Breitscheidplatz. Wie es dort Stunde um Stunde voller wurde. Wie sich Menschen um den Hals fielen, die gerade angekommen waren und sich kannten \u2013 oder auch nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine echte Wallfahrt in ein \u201eFu\u00dfball-Mekka\u201c \u2013 das klingt nicht zuf\u00e4llig religi\u00f6s. Es gleicht dem, wie man sich f\u00fcr eine Pilgerfahrt vorbereitet: Wie man auf <em>den einen <\/em>Ort hinfiebert. Wie man Zwischenstationen hat \u2013 und damit meine ich jetzt weniger Autobahnrastst\u00e4tten entlang der A2, sondern die zur\u00fcckliegenden Pokalspiele. Da haben sich schon viele ausgemalten, wie es w\u00e4re, wieder in Berlin zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es hat etwas von einer Pilgerfahrt: Dass man unbedingt dort sein m\u00f6chte, wo das Ziel wartet nach einem langen Weg \u2013 ja selbst, wenn man keine Eintrittskarte hat. Es ist doch erstaunlich (und dann freilich wieder ein schwarz-gelbes Ph\u00e4nomen alleine!), dass sich so viele aufmachen, um an einem Ort zusammen zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Sch\u00f6n wieder in Jerusalem zu sein &#8230; <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Szenenwechsel: Nicht Berlin, sondern Jerusalem. Nicht das deutsche Wembley seit 1986, sondern der j\u00fcdische Kultort zur Zeit Jesu, damals schon seit 1.000 Jahren. Jerusalem ist d<em>as<\/em> religi\u00f6se Zentrum, das Gl\u00e4ubige anzieht: \u201eDiese Jahr in Jerusalem\u201c, hei\u00dft die religi\u00f6se Losung bis heute: Einmal muss man dorthin!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn an diesem Ort verdichtet sich allen Sehns\u00fcchte und Hoffnungen. Dort stand zur Zeit Jesu der Tempel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dort zog er ein. Er, der einfach redete. Einfach von Gott. Und heilte und am Tisch sa\u00df mit den Absteigern seiner Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das brachte die M\u00e4chtigen gegen ihn auf. Das entt\u00e4uschte das Volk. Denn es hoffte, dass er machtvoll die R\u00f6mer verjagen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jesus gescheiterte \u2013 vermeintlich.<\/p>\n<p>Er zahlte mit dem Leben f\u00fcr seine Botschaft vom liebenden Gott.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jerusalem: ein Ort der Niederlage!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Lukasevangelium wird dann erz\u00e4hlt von zwei J\u00fcngern, die nach dem Tod Jesu genau den umgekehrten Weg nehmen: von der Hauptstadt Jerusalem in die Provinz nach Emmaus. Total frustriert und alleine. Mit h\u00e4ngenden K\u00f6pfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig k\u00f6nnen wir hier sicher einsteigen, nicht nur mit Blick auf Fu\u00dfball-Niederlagen wie das Pokalfinale 2008 oder den Beinahe-Bankrott vor weniger als 10 Jahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke, wir k\u00f6nnen noch tiefsinniger einsteigen mit Geschichten und Erfahrungen aus unserem Leben jenseits des Fu\u00dfballs: Jeder wird mal mit gro\u00dfer Hoffnung ein Ziel in den Blick genommen haben, wird einmal im Leben einen entscheidenden Ort aufgesucht haben \u2013 und ist wom\u00f6glich bitter entt\u00e4uscht worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u201eEmmaus-J\u00fcnger\u201c merken erst gar nicht, als sich ein Dritter n\u00e4hert. Er wei\u00df augenscheinlich nicht, was in Jerusalem passiert ist. Sie erz\u00e4hlen ihm alles. Sie reden sich den Frust von der Seele.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als sie ankommen und er gehen will, n\u00f6tigen sie ihn, zu bleiben. Als sie dann abends zusammen sitzen und miteinander essen, bricht er das Brot, dankt und gibt es ihnen. So wie es Jesus zu Lebzeiten getan hatte. <em>Da<\/em> erkennen sie pl\u00f6tzlich in diesem fremden Dritten den auferstandenen Christus selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr Herz brennt! Weit weg von Jerusalem, abseits vom vermeintlichen Ort der Entscheidung, sch\u00f6pfen sie neue Kraft und neue Hoffnung. Sie brechen noch nachts auf \u2013 es zieht sie zur\u00fcck nach Jerusalem. Sie finden die Elf (gemeint ist keine Fu\u00dfballmannschaft sondern die anderen J\u00fcnger!) und rufen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden \u2013 der christliche Osterruf bis heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnten auch gesagt haben: \u201eSch\u00f6n, wieder da zu sein!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ort der Niederlage l\u00f6st keine Angst mehr aus. Sie sind innerlich gest\u00e4rkt, k\u00f6nnen ihr Leben mit neuer Energie fortsetzen. Sie k\u00f6nnen Jerusalem sogar verlassen mit dem Gottvertrauen, dass die Geschichte Jesu hier nicht zu Ende ging, sondern ein neuer Anfang gemacht wurde. Die Freude \u00fcber die Auferweckung breitet sich von hier aus! Es ist etwas passiert auf dem Weg nach Jerusalem zur\u00fcck, was nur schwer zu erkl\u00e4ren ist: Sie sind \u2013 in Reportersprache gesprochen \u2013 gest\u00e4rkt aus einer Niederlage hervorgegangen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Wie war\u2019s denn im Wembley?<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eWie war\u2019s denn in Wembley?\u201c wurde ich oft gefragt.<\/p>\n<p>\u201eEs war gigantisch!\u201c habe ich immer gesagt. Mein Herz brannte \u2013 um\u2018s biblisch zu sagen.<\/p>\n<p>\u201eAber Ihr habt doch verloren?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJaaaa?!??!\u201c \u2013 So kann nur einer fragen, der noch nicht dazugeh\u00f6rt&#8230; Und dann habe ich erz\u00e4hlt von einem Ort der Niederlage, an dem ich so viele verr\u00fcckte Geschichten vor und nach dem Spiel erlebt habe, Menschen getroffen und kennen gelernt habe. Wo viele tausend Schwarz-Gelbe \u201eTrue Love\u201c, \u201eEchte Liebe\u201c zu unserem Verein, unter die Engl\u00e4nder gebracht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe einfach davon erz\u00e4hlt. Man hat mir abgenommen, dass zwar die Niederlage nicht wegzudiskutieren ist, aber das Erlebnis paradoxerweise meine Bindung an den BVB gest\u00e4rkt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich ergeht es den J\u00fcngern, sogar weit existentieller um die Wendung ihres Lebens an sich. Selbst der Tod soll keine Macht mehr haben! Das schafft der Fu\u00dfball nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber Fu\u00dfball und Glaube haben gemeinsam, dass die jeweilige Bedeutung <em>dann <\/em>entsteht, wenn dr\u00fcber <em>erz\u00e4hlt<\/em> wird, so wie ich \u00fcber Wembley erz\u00e4hlt habe und heute die Emmaus-Geschichte erz\u00e4hle. Was man erlebt hat, geh\u00f6rt einf\u00fcgt in eine Erz\u00e4hlgemeinschaft: die Erinnerungen, jede kleine Geschichte, Siege und Niederlagen geh\u00f6ren geteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Norbert Dickel sagt \u00fcber den Pokalsieg 1989: \u201eBerlin hat mein Leben ver\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>Auch ich erinnere mich noch, wie die Flanke kommt, wie sich Norbert fr\u00fchzeitig zum Ball stellt und den Ball dann so trifft, wie es physikalisch eigentlich gar nicht geht &#8230; 3:1!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber<em> das<\/em> ist es ja nicht: dass er einen runden Lederball mit seinen F\u00fc\u00dfen zweimal zwischen zwei Pfosten hindurch geschossen hat. Sondern dass diesem Ereignis eine so gro\u00dfe Bedeutung zugemessen worden ist und jeder davon erz\u00e4hlt hat: Der erste Pokalsieg seit 1965! Die schwarz-gelben Bananen! Das fit gespritzte Knie!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Ostern ist es \u00e4hnlich: Die Erinnerung in einer gro\u00dfen Erz\u00e4hlgemeinschaft wie einer christlichen Gemeinde macht Ostern erst lebendig. Sie ruft Gott in Erinnerung und st\u00e4rkt damit unsere Hoffnung auf unser Leben und sogar \u00fcber unser Leben hinaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Sch\u00f6n wieder hier zu sein (II)<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Wir danken zum Saisonende Gott daf\u00fcr, dass wir tolle Fu\u00dfball-Erlebnisse hatten. Dass viele Menschen mir ihrer R\u00fccksicht und ihrer Toleranz dazu beitragen, dass man bei uns sicher ins Stadion gehen kann. Und dass alle, die das nicht wollen, Schranken aufgezeigt bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bin dankbar daf\u00fcr, dass ich in Freiheit lebe und viele so viel Zeit, auch Geld, f\u00fcr Fu\u00dfball verwenden kann. Donezk, Charkow, Liew \u2013 erst vor kurzem haben wir europ\u00e4isch gegen Mannschaften aus der Ukraine gespielt, wo die Menschen nun Krieg f\u00fcrchten. Mit zeigt das, dass der Fu\u00dfball die sch\u00f6nste <em>Neben<\/em>sache der Welt ist, nicht mehr, nicht weniger. Insofern ist der Fu\u00dfball nicht alles, aber er kann uns sensibel machen f\u00fcr die N\u00f6te andere, weil er Menschen und Nationen zusammenbringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSch\u00f6n wieder da zu sein\u201c \u2013 ich verstehe dieses Motto daher auch in dem Sinne: Sch\u00f6n, dass wir uns hier in der Kirche zusammenfinden: um Gott zu danken f\u00fcr die Lebensfreude und die Bereicherung, die uns der Fu\u00dfball verschafft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir brauchen nicht f\u00fcr den Pokalsieg zu beten \u2013 da haben unsere Jungs gut trainiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ich bin mir sicher: Auch Gott wei\u00df: M\u00fcnchen mag n\u00e4her an Rom liegen. Dortmund aber n\u00e4her am Herzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, wieder da zu sein: Und wenn wir einmal <em>wieder da sind<\/em>, dann holen wir auch den Pott! Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6n wieder da zu sein &#8230; Wir fahren nach Berlin \u2013 ins \u201eMekka\u201c des deutschen Fu\u00dfballs! Wie wunderbar!<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15,5,19],"tags":[],"class_list":["post-483","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fussball","category-predigten","category-weiterer-anlass"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/483","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=483"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/483\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":484,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/483\/revisions\/484"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=483"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=483"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=483"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}