{"id":468,"date":"2017-01-11T14:38:24","date_gmt":"2017-01-11T13:38:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=468"},"modified":"2017-01-11T14:38:24","modified_gmt":"2017-01-11T13:38:24","slug":"massband-anlegen-konfirmation-2010-zu-hebr-10-11","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=468","title":{"rendered":"Ma\u00dfband anlegen (Konfirmation 2010 zu Hebr 10.11)"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>&#8222;Endlich geschafft!&#8220; <\/em>&#8211; dieser Gedanke mag vielen von euch heute im Kopf herumgehen. Seit gut eineinhalb Jahren habt ihr euch gemeinsam auf diesen Tag vorbereitet. Und jetzt &#8211; jetzt ist er da. Und wir k\u00f6nnen auf unseren gemeinsamen Weg zur\u00fcckschauen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt Konfirmation \u2013 2. Mai<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vom Kopf zum Herzen (Hebr 11-12)<\/strong><\/p>\n<p><em>[von der Kanzel herab: \u00dcberdimensionales Ma\u00dfband mit Ziffern und zwischendurch Stationen wie: Start, Gemeinschaft, Zehn Gebote, Praktikum, Freizeit, \u2026]<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor etwa 18 Monaten wart ihr hier auf dem &#8222;Start&#8220;-Zettel. Und dann ging es \u00fcber die ganzen Punkte bis zum heutigen Tag, bis zu dem Zettel, wo &#8222;Konfirmation&#8220; draufsteht. Ein langer Weg. Das Ziel scheint erreicht \u2013 mit Blick auf den Konfirmandenunterricht ist es auch so.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber wenn ich den Sinn und Zweck unseres gemeinsamen Weges betrachte, stimmt es nicht. Bewusst fehlt auf dem Ma\u00dfband das \u201eZiel\u201c.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte sogar behaupten, dass wahrscheinlich der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil des Weges noch vor euch, vor uns liegt.<\/p>\n<p>Ich werde euch den Weg genau abmessen: &#8230; so, das sind exakt 36 cm. In Wahrheit die l\u00e4ngsten 36 cm der Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>(Ma\u00dfband anlegen zwischen Kopf und Herz). <\/em>Kopf und Herz sind bei mir etwa 36 cm voneinander entfernt sein. Ein kleiner Schritt. Eine l\u00e4cherliche Entfernung &#8211; f\u00fcr meine F\u00fc\u00dfe. Aber die Distanz von meinem Kopf zu meinem Herzen kann dauern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Vielleicht ging euch das im Konfi-Unterricht hin und wieder genauso. Wir haben einigen Stoff durchgekaut! Einige \u00e4ltere Gemeindeglieder haben mich in den letzten Wochen gefragt: Lernen die heute denn noch etwas, so voll wie sie in der Schule schon gestopft werden? \u2013 Ja, ihr habt gelernt, auch Wissen. Aber ich hoffe vor allem: Dass Euch die Sache mit Gott vom Kopf ins Herz gegangen ist und geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hebr 11: \u201e<strong>Der Glaube ist eine feste Zuversicht auf das, was man hofft.\u201c <\/strong>Da steht nichts davon, dass es beim Glauben ums Wissen geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Glaube ist eine Sehhilfe \u2013 die man nicht nur auf die Nase setzt, sondern eher wie ein Stetoskop ans Herz h\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Hebr ist der Glaube das Vertrauen, dass Gott mit jedem Menschen etwas Besonderes vor hat. Und dass jeder mit daf\u00fcr verantwortlich ist, dass die Sache Gott weitergeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zahlreiche Namen werden genannt: der gottesf\u00fcrchtige Abel. Henoch, der durch seinen Glauben vom Tod gerettet wurde. Noah. Abraham und sein Glaube an die Verhei\u00dfungen Gottes. Sara seine Frau. Schlie\u00dflich Jesus von Nazareth, der uns den Weg zu Gott gewiesen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wir<\/em> alle setzen diesen Glaubensweg fort. Eure Konfirmanden-Zeit ist zu Ende, aber ich bin sicher: nicht Euer Weg, was das Fragen und Suchen angeht, woran Ihr Euer Leben h\u00e4ngen wollt, was so Euch wichtig ist, dass es im Leben und Sterben Halt gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wir<\/em> alle setzen diesen Glaubensweg fort: Nicht von ungef\u00e4hr haben wir vorhin alte Bekenntnisworte aus dem 6. Jhd. gemischt mit Euren eigenen Worten. Zwei Jahrtauende lang haben Menschen Erfahrungen mit Gott gemacht \u2013 das ist ein unvorstellbarer Schatz, von dem wir alle nehmen d\u00fcrfen: von den Erfahrungen Abrahams, vom Jesus, dem Christus, aus dem Taufbekenntnis des 6. Jhd., von den Gedanken Martin Luthers, von den Liedern Paul Gerhardts, der Widerstandskraft Dietrich Bonhoeffers usw.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber: Genauso braucht Ihr Euer eigenes Herz und das H\u00f6ren darauf, was Gott mit Euch vorhat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Weg vom Kopf zum Herz \u2013 die wohl l\u00e4ngsten 36 Zentimeter der Welt \u2013 aber: Ihr werdet merken, dass auf diesem Weg buchst\u00e4blich Leben ist. Bei allen Personen, die im Hebr\u00e4erbrief genannt werden, hat Glauben etwas mit dem Leben zu tun. Es wird berichtet von Menschen in ganz allt\u00e4glichen Lebenssituationen. Und pl\u00f6tzlich wird ihr Leben durch Gott durchbrochen. Als sie sich auf Gott einlassen, ver\u00e4ndert sich ihr Leben heilsam. Sie bekommen festen Halt unter die F\u00fc\u00dfe, weil ihr Leben auf Hoffnung fu\u00dft. Sie bekommen eine klare Sicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass viele Menschen heute sagen: \u201eGott und Glaube sind mir wichtig. Aber daf\u00fcr brauche ich die Kirche nicht.\u201c Durch die Missbrauchsf\u00e4lle in der katholischen Kirche und durch den Umgang damit, hei\u00dft es jetzt noch \u00f6fter: \u201eDie Sache mit Gott mache ich lieber mit mir alleine aus.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wie Ihr mich kennengelernt habt, wisst Ihr, dass ich das anders sehe: Glaube ist etwas Intimes, aber nicht unbedingt nur etwas Privates. Eure Kirchengemeinde bem\u00fcht sich, f\u00fcr Euch ein Ort zu sein und zu bleiben, wo wir gemeinsam unseren Glaubensweg suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber eins ist klar: Wenn man gemeinsame Glaubenswege in einer Gemeinschaft geht, ist das hochsensibel und hat mit immensem Vertrauen zueinander zu tun. Gemeinschaft kann auch scheitern. Unsere Kirchen k\u00f6nnen gar nicht anders gedacht werden als Orte, an denen auch Fehler gemacht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber genau diese Erkenntnis trifft f\u00fcr uns Protestanten den Kern des Glaubens. Wir stehen ja immer im Ruf, dass wir zu viel von Schuld und S\u00fcnde reden und den Menschen kleiner machen, als er ist. Mag sein, aber mein Glaube hat eben damit zu tun, dass ich zu aller erst von der Gnade und Liebe Gottes abh\u00e4ngig bin. Und dass ich gleichzeitig darauf vertrauen kann, dass Gott mir jeden Tag neue M\u00f6glichkeiten schenkt \u2013 trotz meiner Schuld und meiner Begrenztheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Diese <\/em>Erkenntnis macht Gemeinschaft erst m\u00f6glich: keine Hierarchien, wenn es um Glauben geht; Ehrlichkeit und Verl\u00e4sslichkeit, wenn es um das Miteinander geht; ein klares Bewusstsein f\u00fcr unsere Selbstbeschr\u00e4nkung und Schuld, gerade wenn es um die Beziehung zu Gott geht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte euch also Mut machen, das Thema Glaube nach der Konfirmation nicht einfach in eine Schublade zu stecken und zu denken: &#8222;Das hol&#8216; ich wieder raus, wenn ich f\u00fcnfzig bin.&#8220; Wartet nicht so lange. Sondern geht <em>jetzt <\/em>auf die Entdeckungsreise vom Verstand zum Herzen \u2013 und schaut nach Orten und Momenten, wo gemeinsam mit Anderen besser unterwegs ist als allein!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir bieten Euch an, diese Entdeckungsreise auch in dieser Gemeinde fortzusetzen. Viele gehen diesen Weg n\u00e4mlich mit, J\u00fcngere und \u00c4ltere. Alle sind auf dem gleichen Weg. Denn nur weil wir ein bisschen <em>\u00e4lter <\/em>sind als ihr, sind wir deswegen an diesem Punkt auch nicht <em>gescheiter<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Endlich geschafft? \u2013 Ich denke nein, wenn es um diese l\u00e4ngsten 36 cm der Welt geht. Der Weg bleibt offen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &#8222;Endlich geschafft!&#8220; &#8211; dieser Gedanke mag vielen von euch heute im Kopf herumgehen. Seit gut eineinhalb Jahren habt ihr euch gemeinsam auf diesen Tag vorbereitet. Und jetzt &#8211; jetzt ist er da. 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