{"id":466,"date":"2017-01-11T14:34:31","date_gmt":"2017-01-11T13:34:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=466"},"modified":"2017-01-11T14:34:31","modified_gmt":"2017-01-11T13:34:31","slug":"reformation-und-20-jahre-friedliche-revolution-textcollage-reoformationsfest-2009","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=466","title":{"rendered":"Reformation und 20 Jahre Friedliche Revolution (Textcollage, Reoformationsfest 2009)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eRe-formation in f\u00fcnf Akten\u201c &#8211; Gottesdienst am Reformationstag 2009: <em>Wir haben Gottes Spuren festgestellt \u2013 haben wir? &#8211; <\/em>Luther-Kirche Altena<!--more--><\/p>\n<ol>\n<li><strong> UNFREI SEIN<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gemeinde: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, WL 85<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mose: <\/strong>Friede! Freiheit! Hoffnung! Ja! Ich, Mose, und mein ganzes Volk Israel w\u00fcnschen uns das. Wir f\u00fchlen uns hier in \u00c4gypten unfrei. Sie machen uns das Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegel und mit mancherlei Frondiensten auf dem Felde, mit all ihrer Arbeit, die sie uns auflegen ohne Erbarmen. Das Joch der Knechtschaft ablegen \u2013 das w\u00e4r\u2019s. Aber wie? Da wohnt ein Sehnen tief in uns\u2026 Wie siehst Du das, Martin Luther?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Luther: <\/strong>Friede, Freiheit, Hoffnung \u2026 Ja, das w\u00fcnsche ich mir. Friede mit meiner Kirche, die mit ihren Ablassbriefen eine unglaubliche Macht aus\u00fcbt, aber doch meine Heimat ist! Die die Menschen derzeit v\u00f6llig unn\u00f6tig in Angst und Schrecken versetzt. Auch mich! Nichts ist bedr\u00e4ngender und schlimmer als die Bef\u00fcrchtung, im Fegefeuer zu schmoren. Wie bekomme ich einen gn\u00e4digen Gott? \u2013 Ich sehne mich nach Befreiung!<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eOssi\u201c: <\/strong>Heute ist Friedensgebet in Leipzig, Nikolaikirche. Ich bin da. In mein Tagebuch zu Hause habe ich geschrieben:<\/p>\n<p>\u201eMontag, 9. Oktober: Heute morgen war die noch halb geschlossene Bl\u00fcte von meinem Hibiskus abgefallen. Ich war nahe dran, darin ein schlechtes Vorzeichen zu sehen. Was sollte das f\u00fcr ein Tag in Leipzig werden? Den ganzen Vormittag \u00fcber konnte ich keinen klaren Gedanken fassen, keine vern\u00fcnftige Arbeit tun. Jeder redete \u00fcber das, was heute abend geschehen w\u00fcrde. Der angedrohte Gebrauch von Waffengewalt hat in mir Bilder aus China wieder wachgerufen. Ich habe gebetet, dass der Abend unblutig vorbeigehen m\u00f6ge.\u201c<\/p>\n<p>Jetzt, in der Kirche, wird gebetet. Aber die Rufe derer, die vor der Kirche stehen, jagen mir kalte Schauer \u00fcber den R\u00fccken. Obwohl kurz vorher die Aufrufe zur Besonnenheit und Gewaltfreiheit verlesen worden sind.<\/p>\n<p>Freiheit \u2013 gibt\u2019s nur in dieser Stunde nur in der Kirche \u2013 aber immerhin in der Kirche. Hoffnung auf Ver\u00e4nderung? \u2013 Hauptsache, es wird nicht geschossen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eIch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Da wohnt ein Sehnen tief in uns \u2013 heute. Ja, auch bei uns. Wom\u00f6glich m\u00fcssen wir heute genauer hinschauen, wo wir \u201eunfrei\u201c sind \u2013 in einer Welt, die alle Freiheiten proklamiert, in der alles m\u00f6glich ist. Wir sind nicht unfreie Sklaven in \u00c4gypten, auch nicht Bevormundete im Glauben. Keine Eingesperrten im eigenen Land. Aber: In den letzten Monaten merken wir: Wir brauchen pl\u00f6tzlich f\u00fcr unsere Freiheit Schutzschilder und Rettungsschirme. Der freie Markt braucht pl\u00f6tzlich Konjunkturprogramme und die Menschen mehr denn je Sicherungssysteme. Frei-z\u00fcgig im Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen, dem Klima, der Umwelt k\u00f6nnen wir schon lange nicht mehr sein.<\/p>\n<p>Re-form-ulieren wir f\u00fcr uns, was uns unfrei macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Chor: Ein langer Weg, Fundst\u00fccke 104<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> AUFBRUCH<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mose: <\/strong>Lange Zeit aber danach starb der K\u00f6nig von \u00c4gypten. Und die Israeliten seufzten \u00fcber ihre Knechtschaft und schrieen, und ihr Schreien \u00fcber ihre Knechtschaft kam vor Gott. Und Gott erh\u00f6rte ihr Wehklagen und gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Und Gott sah auf die Israeliten und nahm sich ihrer an.<\/p>\n<p>Und alle Israeliten taten, wie der Herr es mir, dem Mose, und Aaron, geboten hatten. An diesem Tage f\u00fchrte der Herr die Israeliten aus \u00c4gyptenland. Schar um Schar.<\/p>\n<p>Worte aus dem 2. Buch Mose.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eOssi\u201c: <\/strong><\/p>\n<p>\u201eSind wir wach oder tr\u00e4umen wir das nur alles? So hat sich mancher von uns voller Staunen gefragt. In diesen Tagen ist so viel geschehen. Unerwartetes. Unvergleichliches, dass es uns schier die Sprache verschlug.\u201c<\/p>\n<p>So beginnt die Predigt von Pfarrer F\u00fchrer in Leipzig. Montagsgebet am 13. November, vier Tage nach dem Mauerfall. Wie der letzte gro\u00dfe Stein in einer Dominokette, die in Ungarn begann: Der Stacheldraht des eisernen Vorhangs wird zerschnitten \u2013 von Grenzsoldaten.<\/p>\n<p>\u201eIch bin heute zu ihnen gekommen, um ihnen mitzuteilen, dass heute ist Ihre Ausreise \u2026 Jubel!\u201c \u2013<\/p>\n<p>Und dann vor wenigen Tagen l\u00f6st das Gestammel eines schlecht informierten SED-Funktion\u00e4r Weltgeschichte aus:<\/p>\n<p>\u201ePrivatreisen nach dem Ausland k\u00f6nnen ohne Vorliegen von Voraussetzungen Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. \u2026 Das tritt nach meiner Kenntnis \u2026 ist das sofort und unverz\u00fcglich.\u201c<\/p>\n<p>Wahnsinn! \u2013 Das Wort der Nacht, als ein ganzes Volk aufzubrechen scheint\u2026<\/p>\n<p>Wie viel Angst mussten wir vorher \u00fcberwinden: am 9. Oktober, als wir nur mit einer Kerze \u201ebewaffnet\u201c heraustraten auf den Nikolaihof, direkt vor die bewaffneten Polizisten. Und wie die Kerzen, das Symbol des Friedens und der Gewaltlosigkeit, die Herrschenden \u201eentwaffnete\u201c. Mit allem hatten sie gerechnet: Nur nicht, dass sie mit Kerzen kommen\u2026<\/p>\n<p>Welche Hoffnungen verkn\u00fcpften sich an diesen Aufbruch: dass sich endlich \u00b4was \u00e4ndert in der DDR?! Dass sich unsere Haltung \u201eWir bleiben hier\u201c doch gelohnt hat?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Chor: \u00dcber Z\u00e4une hinweg, WL 88<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Luther:<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe den gn\u00e4digen Gott gefunden! Endlich! \u2013 Aber nicht in den Heilsmitteln der Kirche, nicht in meinem st\u00e4ndigen M\u00fchen und Selbstkasteien. Nicht in der irren Annahme, dass<em> \u201ewenn die M\u00fcnze im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Der gn\u00e4dige Gott \u2013 ich habe ihn dort gefunden, wo man eigentlich als erstes nachschauen sollte: im Zeugnis der Heiligen Schrift. Und in ihrer Mitte: in Jesus Christus, mit dem Gott der Welt Gnade hat zuteil werden lassen. Unverdient. Aus purer Liebe. Alles, was ich aufbringen muss, ist das Vertrauen, dass Gott es gn\u00e4dig mit mir meint.<\/p>\n<p>Wir sind allesamt S\u00fcnder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. Aber: Wir werden ohne Verdienst gerecht: aus seiner Gnade, durch die Erl\u00f6sung, die durch Christus Jesus geschehen ist.<\/p>\n<p>Worte aus dem R\u00f6merbrief des Paulus! Eine Befreiung. Ein Auszug aus meiner tiefsten Seelenpein. Das kann man sich heute kaum noch vorstellen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eIch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Freiheit \u2013 Dienstbarkeit?! \u2013Das Rote Meer hinter sich lassen. Mauern \u00fcberwinden?!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwie vermischt sich heute doch der notwendige Ernst, die Freiheit zu ergreifen und zu ertr\u00e4umen, mit dem Sarkasmus, auf der Titanic bis zum Untergang noch weiterzutanzen. Marius M\u00fcller-Westernhagen singt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle die von Freiheit tr\u00e4umen<br \/>\nsollten&#8217;s Feiern nicht vers\u00e4umen<br \/>\nsollen tanzen auch auf Gr\u00e4bern<br \/>\nFreiheit. Freiheit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch, lieber Luther, lieber Mose, lieber Landsmann: Was w\u00e4re gewesen, wenn Ihr nicht das Fenster zu Himmel offen gehalten h\u00e4ttet? Wenn ihr nicht an den Aufbruch geglaubt h\u00e4ttet? Und konkret im Kleinen begonnen h\u00e4ttet, Freiheiten zu ergreifen, um dann den gro\u00dfe Moment der Freiheit geschenkt zu bekommen?<\/p>\n<p>Halten wir das Fenster zum Himmel offen. Gott kommt uns heute genauso entgegen wie einst!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gemeinde: Ein Fenster zum Himmel, WL 84<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> ANGST<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eIch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Sch\u00f6pfung lebt im Fall. Im R\u00fcckfall.<\/p>\n<p>Nach dem Aufbruch ist vor dem Einbruch.<\/p>\n<p>Das ist leider Realit\u00e4t, dass gerade kurz nach dem Aufbruch die Angst kommt. Fast wie die Angst vor der eigenen Courage.<\/p>\n<p>Ein Text von Nelson Mandela:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht,<\/p>\n<p>dass wir den Anforderungen nicht gewachsen sind.<\/p>\n<p>Unsere tiefgreifendste Angst ist,<\/p>\n<p>dass unsere Kraft jedes Ma\u00df \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit<\/p>\n<p>macht uns am meisten Angst.<\/p>\n<p>Wir fragen uns, wie kann ich es wagen,<\/p>\n<p>brillant, hinrei\u00dfend, talentiert und<\/p>\n<p>fabelhaft zu sein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch in der Tat, wie kannst du es wagen,<\/p>\n<p>dies alles nicht zu sein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Du bist ein Kind Gottes.<\/p>\n<p>Wenn du dich klein machst,<\/p>\n<p>erweist du damit der Welt keinen Dienst.<\/p>\n<p>Es ist nichts Erleuchtetes daran, dich zu ducken,<\/p>\n<p>damit sich andere Leute in deiner Gegenwart nicht unsicher f\u00fchlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sind geboren worden, um den Glanz<\/p>\n<p>Gottes, der in uns ist, zu verwirklichen.<\/p>\n<p>Und er ist nicht nur in einigen von uns; \/ er ist in jedem Menschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wenn wir unser eigenes Licht strahlen lassen<\/p>\n<p>geben wir unbewusst den anderen Menschen<\/p>\n<p>die Erlaubnis, dasselbe zu tun.<\/p>\n<p>Wenn wir uns von unserer eigenen Angst<\/p>\n<p>befreit haben,<\/p>\n<p>befreit unsere Gegenwart automatisch auch andere.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eOssi\u201c:<\/strong><\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich hatten wir das Schicksal in der eigenen Hand! Runde Tische statt Zentralr\u00e4te. Meinungsfreiheit. Aber auch: Machtvakuum. Was hatten wir da losgetreten? Ist eine andere DDR \u00fcberhaupt m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Leonardo das Vinci sagt:<\/p>\n<p>\u201eWer immer nur Autorit\u00e4ten zitiert, macht zwar von seinem Ged\u00e4chtnis Gebrauch, aber nicht von seinem Verstand.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Luther:<\/strong><\/p>\n<p>Auch bei mir kam die Angst: Sollen wir das jetzt wirklich durchziehen, den Bruch mit Rom? Eine eigene Kirche? <em>Das <\/em>hatte ich nicht gewollt. Eine andere Kirche ja \u2013 aber keine eigene!<\/p>\n<p>Und dann die Angst: Gibt es gar Krieg um den Glauben? Ist es das alles wert?<\/p>\n<p>Komm, Gott, mit deiner Gnade in gnadenlose Zeit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gemeinde: Komm, Gott, mit deiner Gnade (Mel.: Lobt Gott getrost mit Singen), WL 108<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mose: <\/strong>Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten gegen mich, Mose, und Aaron in der W\u00fcste. 3 Und sie sprachen: Wollte Gott, wir w\u00e4ren in \u00c4gypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischt\u00f6pfen sa\u00dfen und hatten Brot die F\u00fclle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgef\u00fchrt in diese W\u00fcste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst.<\/p>\n<p>Aber Gott sprach zu mir: Ich habe das Murren der Israeliten geh\u00f6rt. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden. Und so geschah es:<\/p>\n<p>Im Nachhinein kann ich nur sagen: Gott sei Dank, Halleluja!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Chor: Celtic Halleluja, WL 102<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> GOLDENES KALB<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mose:<\/strong> Ins Halleluja hinein schon wieder ein R\u00fcckschlag beim langen Weg ins gelobte Land. Weil sich Gott am Berg Sinai nicht blicken lie\u00df, hat mein Volk ihn sich selber gemacht. Ungeduldig, \u00e4ngstlich, unsicher. Der Tanz ums goldene Kalb \u2013 auch eine Etappe, wenn man Re-formation macht\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[zu Luther:] Du, lieber Luther, bist zeitweilig auch so fanatisch geworden: Du hast die Rechtfertigung des S\u00fcnders verengt auf einen individuellen Seelenprozess. Dabei steckt in Rechtfertigung doch auch \u201eRecht\u201c-Verschaffen drin: Befreiung der Armen und Unterdr\u00fcckten. Beim Bauernkrieg standest du aber klar auf der Seite der Obrigkeit. Und: Am Lebensende eifertest du unnachgiebig gegen die Juden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Luther [zum \u201eOssi\u201c]<\/strong><\/p>\n<p>Er aber ganz genauso: Schreit erst \u201eWir sind das Volk\u201c \u2013 und dann kurz sp\u00e4ter \u201eWir sind <em>ein<\/em> Volk\u201c. Wir wollen die D-Mark. Den goldenen Westen, der genauso gold schimmerte wie das goldene Kalb.<\/p>\n<p>Und ganz nebenbei: Warum wurden die Kirchen nach der Wende wieder so leer wie vorher?<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eOssi\u201c:<\/strong> Wei\u00df ich nicht!<\/p>\n<p><strong>[zu Mose]: <\/strong>Du h\u00e4ttest \u00fcbrigens nicht so lange wegbleiben m\u00fcssen auf dem Berg Sinai. Wundert mich nicht, dass das Volk ohne Anf\u00fchrer aufm\u00fcpfig wurde.<\/p>\n<p>[zu Ich:] Und ich h\u00e4tte auch nicht gedacht, dass der Sozialismus so marode ist, aber schon wenige Jahre sp\u00e4ter der \u201esiegreiche\u201c Kapitalismus auch nur durch Staatseingriffe am Leben erhalten wird. Ich dachte, das h\u00e4tte ich hinter mir gelassen \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eIch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Stier vor der Frankfurter B\u00f6rse als Sinnbild f\u00fcr das Goldene Kalb unserer Zeit? &#8211; Ich kann nicht widersprechen. &#8211; Eigentlich wussten wir schon lange, dass da mal eine Spekulationsblase platzt. Und wir haben ja auch versucht, die Stellschrauben und die \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Luther: <\/strong><\/p>\n<p>Wissen und Wollen, mein Freund, ist das eine.<\/p>\n<p>Johann Wolfgang von Goethe wird 350 Jahre nach mir sagen:<\/p>\n<p><em>Es ist nicht genug zu wissen<\/em><\/p>\n<p><em>Man muss es auch anwenden<\/em><\/p>\n<p><em>Es ist nicht genug zu wollen<\/em><\/p>\n<p><em>Man muss es auch tun.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mose: <\/strong>Wie auch immer. Wir sind weiter gezogen. Durch die Krise. Weil Gott uns Leben verhei\u00dfen hat \u2013 Mitten in der W\u00fcste. Weil wir \u00fcbrigens auch Regeln an die Hand bekamen, zehn gro\u00dfe Regeln f\u00fcr die Freiheit, um weiterzuziehen und gemeinsam anzukommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eOssi\u201c: <\/strong>Bei allen R\u00fcckschl\u00e4gen: Auch wir haben daran festgehalten, dass Gott uns entgegen kommt auf unseren Wegen. Gott will, dass wir ein Segen sind \u2013 und er leitet und begleitet uns dazu.<\/p>\n<p>Ein Lied vom th\u00fcringischen Theologieprofessor Klaus Peter Hertzsch hat ganz zum Schluss noch seinen Weg ins neue Ev. Gesangbuch gefunden. Es war als Hochzeitslied gedacht. Aber wenn man 1989 so dichtet, dann ist es weit mehr. Ein Reformationslied, ein Revolutionslied im besten Sinne: \u201eVertraut den neuen Wegen!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gemeinde: Vertraut den neuen Wegen<\/em><\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> VERHEI\u00dfENES LAND<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mose: <\/strong>Ich habe das verhei\u00dfene Land noch <em>gesehen<\/em>. Dass Verhei\u00dfene Land einzunehmen, das hat meinem Nachfolger Josua ganz neue Probleme geschaffen. Aber hier waren wir am Punkt, wo Tr\u00e4nen und Weinen vorbei waren \u2013 f\u00fcr einen Moment.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Luther: <\/strong>Das Neue ist da, gibt uns neue Kraft \u2013 ja, auch wenn nach mir das Neue, die Reformation, durch alle Jahrhunderte immer wieder re-formiert werden musste. Es hat sich etwas ge\u00e4ndert!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eOssi\u201c: <\/strong>Die drohenden F\u00e4uste sind nicht mehr geballt. Wir haben vor 20 Jahren den Grundstein gelegt, dass sich dieses Volk in Freiheit und Selbstbestimmung vereint hat. Ein Geschenk des Himmels \u2013 bei allen Problemen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Chor: Vorbei sind die Tr\u00e4nen, WL 116<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eIch\u201c: <\/strong>Was ist uns aufgegeben? Was ist uns verhei\u00dfen? Wo warten unsere Aufbr\u00fcche und Neuanf\u00e4nge?<\/p>\n<p>Himmel und Erde ber\u00fchren sich auch heute.<\/p>\n<p>Ein schon weihnachtliches Bild.<\/p>\n<p>Oft m\u00fcssen wir uns nur genau umschauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Eins ist mir ganz gro\u00df geworden: menschlicher Mut, menschliche St\u00e4rke werden gro\u00df durch den Glauben an Gott und die Zuversicht, die wir daraus sch\u00f6pfen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Gottesdienst bewegt mein Herz jetzt und bestimmt in zuk\u00fcnftigen Tagen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hat jemand ins G\u00e4stebuch der Leipziger Nikolaikirche geschrieben. Vor gut einem Jahr. Am 9.10.08.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eRe-formation in f\u00fcnf Akten\u201c &#8211; Gottesdienst am Reformationstag 2009: Wir haben Gottes Spuren festgestellt \u2013 haben wir? &#8211; Luther-Kirche Altena<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"sfsi_plus_gutenberg_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_show_text_before_share":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_type":"","sfsi_plus_gutenberg_icon_alignemt":"","sfsi_plus_gutenburg_max_per_row":"","footnotes":""},"categories":[5,13,19],"tags":[],"class_list":["post-466","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-predigten","category-trinitariszeit","category-weiterer-anlass"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=466"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":467,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/466\/revisions\/467"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}