{"id":464,"date":"2017-01-11T14:30:17","date_gmt":"2017-01-11T13:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=464"},"modified":"2017-01-11T14:30:17","modified_gmt":"2017-01-11T13:30:17","slug":"es-gibt-weihnachten-zum-glueck-heiligabend-2008","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=464","title":{"rendered":"Es gibt Weihnachten &#8211; zum Gl\u00fcck! (Heiligabend 2008)"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Weihnachten. Zum Gl\u00fcck! So haben wir es gerade eben gesungen: <em>Freuet euch, ihr Christen alle! \u2026 Freuet Euch mit gro\u00dfem Schalle! <\/em>(EG 34)<!--more--><\/p>\n<p><strong>Ansprache zur Patientenweihnachtsfeier<\/strong><\/p>\n<p><strong>St. Vinzenz-Krankenhaus , 22. Dezember 2008<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So dichtete Christian Keimann 1646, Gymnasialrektor in Zittau in der Oberlausitz. Und Andreas Hammerschmidt, Kantor in Zittau, schrieb die rasant-lebhafte Melodie dazu.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Freuet euch, ihr Christen alle! Freue sich wer immer kann!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht alle k\u00f6nnen: Mitten in den Wirren des 30j\u00e4hrigen Krieges. Da k\u00f6nnen wir so sicher sein, wie wir auch heute ahnen: Nicht alle k\u00f6nnen laut und froh singen, kurz vor oder an Weihnachten im Krankenhaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wonne, Wonne \u00fcber Wonne, <\/em>lautet dennoch (oder gerade?) dieser Weihnachts-Ruf. Wonne, das ist laut W\u00f6rterbuch etwas, was einem gut tut, ein Gl\u00fccksgef\u00fchl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt Weihnachten. Zum Gl\u00fcck! Obwohl wir uns eher \u201efrohe Weihnachten\u201c w\u00fcnschen als \u201egl\u00fcckliche Weihnachten\u201c. Obwohl wir Christen \u2013 gerade ich als evangelischer Christ \u2013 gew\u00f6hnlich eher \u00fcber Gnade sprechen als \u00fcber Gl\u00fcck. Oder \u00fcber Seligkeit \u2013 statt \u00fcber Gl\u00fccksseligkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses alte Lied aus dem 17. Jhd. hat mich herausgefordert, mich mit Blick auf Weihnachten auf Gl\u00fccksuche zu begeben. Gerade im Krankenhaus. Es soll buchst\u00e4blich eine \u201eZu-Mutung\u201c, eine Ermutigung sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Ich nehme auf dieser Gl\u00fccksuche \u00e4rztlichen Beistand mit: Dr. Eckart von Hirschhausen. (Die \u00c4rzte unter Ihnen m\u00f6gen es mir verzeihen, wenn er wom\u00f6glich ein \u00e4hnliches Ansehen unter ihnen genie\u00dft wie so mancher Fernsehpastor in unserer Zunft): Von Hirschhausen ist derzeit mit einem \u201emedizinischen Kabarett-Programm\u201c unterwegs. Titel: \u201eGl\u00fccksbringer\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gl\u00fcck und Gesundheit h\u00e4ngen f\u00fcr ihn zusammen. Aber er differenziert \u2013 und das ist f\u00fcr mich entscheidend f\u00fcr Weihnachts-Gl\u00fcckmomente in einem Krankenhaus:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Nicht jeder, der gesund ist, ist gl\u00fccklich.<\/em><\/p>\n<p><em>Nicht jeder, der krank ist, ist ungl\u00fccklich.<\/em><\/p>\n<p><em>Aber: Wer \u00f6fter gl\u00fccklich ist, ist seltener krank. Er hat weniger Affekte, Diabetes und Herzinfarkte. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00c4rzte interessieren sich historisch schon immer daf\u00fcr: Wie werden Menschen gesund? \u2013 Das ist gut, das ist zu verstehen. Was dar\u00fcber hinaus doch spannend ist: Warum werden manche Leute nicht krank, obwohl sie es verdient h\u00e4tten? Was machen die richtig?<\/em><\/p>\n<p><em>Da gibt es Menschen, die werden nicht dick, obwohl sie hin und wieder etwas essen! Da gibt es Menschen, die haben auch Stress, und werden nicht depressiv!<\/em><\/p>\n<p><em>Was kann man von denen lernen?!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann stellt von Hirschhausen unsere bisherigen Gl\u00fccksbringer als total ungeeignet hin:<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wer behauptet, dass vier Bl\u00e4tter an einem Kleeblatt mehr Gl\u00fcckbringen als drei? Gut, vier Bl\u00e4tter sind seltener. Aber was machen wir da psychologisch? Wir binden unser Gl\u00fcck bewusst an Dinge, die selten vorkommen! Und wundern uns, dass wir selten gl\u00fccklich sind? Das haben wir uns selber eingebrockt!<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Ob drei oder vier Bl\u00e4tter besser sind, ist einzig und allein die Frage unseres Standpunktes \u2013 und dem des Kleeblattes: z.B. direkt neben einem Kernkraftwerk, sind vier Bl\u00e4tter kein gutes Zeichen! <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Was gibt es noch f\u00fcr Gl\u00fcckbringer? Marienk\u00e4fer! Die Hasenpfote \u2013 soll Gl\u00fcck bringen? Der Hase hatte vier davon \u2013 und es hat ihm nicht viel gebracht!<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Da warten erwachsene Menschen jahrelang auf einen Ru\u00df verschmierten Schornsteinfeger \u2013 und haben ganz vergessen: Sie haben Zentralheizung!<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Da machen sich Leute fertig, ob eine schwarze Katze von rechts oder von links \u00fcber die Stra\u00dfe l\u00e4uft. Ob eine schwarze Katze f\u00fcr ihr Leben etwas bedeutet, h\u00e4ngt nicht von deren Laufweg ab, sondern einzig und allein von einer zentralen Frage: Bist Du Mensch oder Maus?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Soweit Dr. Eckart von Hirschhausen, ein Vertreter der Positiven Psychologie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke auch, dass wir unser Gl\u00fcck viel zu h\u00e4ufig an Dinge oder Zust\u00e4nde binden. Oder dass wir uns schnell einvernehmen vom Anspruch, immer gl\u00fccklich sein zu m\u00fcssen. Wenn wir dann einmal ungl\u00fccklich sind, denken wir: Das geht nie vorbei. Das sage ich bewusst als derzeit gesunder Mensch, der dar\u00fcber sehr gl\u00fccklich ist, der aber schnell ungl\u00fccklich werden k\u00f6nnte \u2013 beileiben nicht nur aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Wo l\u00e4sst sich an Weihnachten Gl\u00fcck finden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weihnachten ist f\u00fcr mich ein Gl\u00fcck, weil es <u>unseren Alltag durchbricht<\/u>, ohne \u2013 paradoxerweise \u2013 losgel\u00f6st vom Alltag zu sein. Dann w\u00e4re es ja eine Droge. Weihnachten geschieht mitten in der Welt, wenn auch an einem abgelegenen Ort und dort, wo man die Geburt des Gottessohnes wohl nie vermuten w\u00fcrde \u2013 und gleichzeitig macht es das Gl\u00fcck von Maria und Josef ja gerade aus, dass genau dort \u2013 in einer Krippe \u2013 dieses Kind zur Welt kommt: ein Licht \u2013 in der Dunkelheit. Ein K\u00f6nig \u2013 aber eben ganz weit entfernt von den Thronen der Welt.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich paradox mag das \u201eWonne, Wonne \u00fcber Wonne\u201c in den St\u00e4dten des 30j\u00e4hrigen Krieges klingen oder auf den Stationen dieses Krankenhauses. Aber <em>zum Gl\u00fcck<\/em> k\u00f6nnen wir bis heute auf diese andere Wirklichkeit Gottes bauen, der in diese Welt kommt. <em>Freuet Euch, ihr Christen alle \u2013 <\/em>und gleichzeitig wissen wir um die harte Krippe und die kommende Leidengeschichte Jesu (EG 34,2).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weihnachten ist f\u00fcr mich ein Gl\u00fcck, weil die Hirten und Weisen aus der Weihnachtsgeschichte in diesem <u>einzelnen Augenblick<\/u> gefangen sind: losgel\u00f6st von allem Vern\u00fcnftigen lassen sie die Herde im Stich bzw. wandern mehrere hundert Kilometer einem Stern hinterher. Es z\u00e4hlt nur Moment, und sei es ein noch so kleiner Gl\u00fccksmoment \u2013 und <em>der<\/em> hat im Nachhinein eine nachhaltige und langfristige Wirkung: \u201eMaria bewegt(e) alle diese Worte in ihrem Herzen\u201c. \u201eDie Hirten kehren zur\u00fcck und loben Gott\u201c.<\/p>\n<p>Im Lied hei\u00dft die Langzeitperspektive des Gl\u00fccksmoments: <em>Christus wehret allem Leide. Christus ist die Gnadensonne. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck gibt\u2019s Weihnachten. Und ich sage: Es gibt Weihnachten zum Gl\u00fcck, zum Gl\u00fccklich zu sein oder Gl\u00fccklichwerden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn an Weihnachten binden nicht wir unser Gl\u00fcck an Dinge \u2013 und schon gar nicht an so seltene Dinge wie vierbl\u00e4ttrige Kleebl\u00e4tter. Sondern an etwas, was milliardenfach vorkommt auf diesem Planeten: Wir binden unser Gl\u00fcck an den Menschen und das Menschsein an sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott bindet unser Gl\u00fcck \u2013 und sein Schicksal \u2013 an ein Kind. An einen Menschen. Der Mensch steht im Mittelpunkt: einer jeden Weihnachtskrippe. Einer jeden biblischen Geschichte. Und der Mensch, auch der Mensch Jesus, steht in Beziehung zu Anderen \u2013 und daran entz\u00fcnden sich solche Gl\u00fccksmomente wie im Stall von Bethlehem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Weihnachten ein Grundmuster f\u00fcr die Erkenntnis, dass es viel einfacher ist, den anderen gl\u00fccklich zu machen als sich selber! Ich denke, dass Sie dies tun, durch medizinische und pflegerische Arbeit, aber eben auch durch Beziehungsarbeit. Daf\u00fcr an dieser Stelle ein schlichtes \u201eDanke\u201c!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gl\u00fccklich werden wir in der Beziehung zu anderen \u2013 wom\u00f6glich sogar unabh\u00e4ngig vom Grad unserer k\u00f6rperlichen Gesundheit oder von Krieg und Frieden wie 1646. Ganz sicher unabh\u00e4ngig von Dingen und Gegenst\u00e4nden.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Am Ende des Lebens z\u00e4hlt eigentlich nur: Wie gut sind deine Freundschaften, deine Beziehungen? Am Ende des Lebens sagt kein Mensch: Ich h\u00e4tte mehr Zeit im B\u00fcro verbringen sollen!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Es ist<\/em> v<em>iel einfacher, den anderen gl\u00fccklich zu machen als sich selber! Was haben sich die Leute sich auseinandergesetzt, um den Anderen zu verstehen \u2013 M\u00e4nner und Frauen verstehen \u2013 quatsch! Finde heraus, was den anderen gl\u00fccklich macht. Ob du das <u>verstehst<\/u> und nicht, ist egal.<\/em><\/p>\n<p><em>Das ist wie beim Kitzeln: Du kannst Dich nicht selber kitzeln. Warum? Der Impuls der Finger geht ins Kleinhirn und das sagt: Pass auf, wenn dich gleich etwas in der Seite ber\u00fchrt, erschrick nicht. Bist Du selber! \u2013 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das waren nochmals geliehene Worte von Eckart von Hirschhausen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Apropos \u201ekitzeln\u201c: Wenn es unserer Seele, diesem unerforschte \u201eOrgan\u201c, kitzelt, hei\u00dft das in der Sprache des 17. Jahrhunderts \u201eerquicken\u201c. Vom Jesuskind hei\u00dft es in der vierten Strophe (EG 34,4):<\/p>\n<p><em>\u201eUnd erquick uns alle wieder \/ gib der ganzen Christenschar \/ Frieden und ein selig Jahr.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche Ihnen und mir, dass Weihnachten uns kitzelt und ein Gl\u00fccksmoment wird, der nachhallt. Wom\u00f6glich in mehr Beharrlichkeit, das eigene Gl\u00fcck in die Hand zu nehmen. Wom\u00f6glich in der Bereitschaft, das eigene Gl\u00fcck beim N\u00e4chsten zu finden. Oder: sich \u00fcberhaupt neu auf die Suche danach zu machen \u2013 erquickt, begl\u00fcckt, erfreut von Weihnachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Im Anschluss: EG 34,4<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Weihnachten. Zum Gl\u00fcck! So haben wir es gerade eben gesungen: Freuet euch, ihr Christen alle! \u2026 Freuet Euch mit gro\u00dfem Schalle! 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