{"id":455,"date":"2017-01-11T14:17:51","date_gmt":"2017-01-11T13:17:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=455"},"modified":"2017-01-11T14:17:51","modified_gmt":"2017-01-11T13:17:51","slug":"der-gerechte-weingaertner-predigt-zu-mt-20-1-16-2004","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=455","title":{"rendered":"Der gerechte Weing\u00e4rtner (Predigt zu Mt 20, 1-16 \/ 2004)"},"content":{"rendered":"<p>Gott ist doch ein Gott der M\u00fchseligen und Beladenen, oder? fragte mich neulich jemand. Ja, sagte ich. Ist Gott dann auch ein Gott der Arbeitslosen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonntag: Datum: 8.\/15. August 2004<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Arbeiter im Weinberg (Matth\u00e4us 20,1-16)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich stockte: Gott ein Gott der Arbeitslosen? \u2013 das h\u00f6rte sich sehr fremd an.<\/p>\n<p>Irgendwie war ich bereits mitten drin im Evangeliumstext des heutigen Sonntag, der \u2013 wie viele neutestamentliche Texte \u2013 das Wirtschaftsleben der Zeit Jesu beschreibt \u2013 und der unser so dringliches Thema widerspiegelt, das Menschen verzweifeln l\u00e4sst, auch an Gott zweifeln l\u00e4sst: die Arbeitslosigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Weinberg-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sucht sich seine Tagel\u00f6hner zusammen. Damals gab es keine Arbeits\u00e4mter Auf dem Marktplatz wartete man auf eine Anstellung. Dort fanden die Tarifverhandlungen statt. Im Gleichnis haben die Arbeiter nicht viel zu lachen: Sie einigen sich mit dem Weing\u00e4rtner auf einen Silbergroschen als Tagelohn \u2013 damit kam man so eben \u00fcber die Runden. Ob sie das gerecht finden? Jedenfalls schlagen sie ein \u2013 lieber m\u00e4\u00dfig bezahlte Arbeit haben, als gar keine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer soll die Arbeit m\u00f6glichst billig sein: Lohnkosten minimieren, Profit maximieren! Nur nicht zu viele einstellen. Man kann ja notfalls noch sp\u00e4ter weitere Arbeiter einstellen. Vielleicht hat der Weing\u00e4rtner so gedacht. Er geht jedenfalls noch mehrmals am Tag auf den Marktplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei ist es scharfer Gesch\u00e4ftssinn und nicht Barmherzigkeit, dass er nochmals um 9 Uhr, um 12 Uhr und um 15 Uhr rausgeht und weitere Arbeiter einstellt. Denn um diese Uhrzeit hat der Arbeiter kein Recht mehr auf den vollen Tageslohn. Teilzeit verdient nicht voll \u2013 entsprechend gibt es auch keine Verhandlungen, sondern der Arbeitgeber sagt nur: \u201eIch gebe euch, was recht ist.\u201c \u2013 Lohndumping, hie\u00dfe das wohl heute. Der Weinberg-Arbeiter erh\u00e4lt mehr oder wenig einen Minijob \u2013 die Wein-Branche ist schon damals ein Billiglohnsektor! Soweit nimmt alles seinen gewohnten Gang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberraschend ist f\u00fcr mich, dass sich der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer auch nochmals zur elften Stunde auf dem Marktplatz blicken l\u00e4sst \u2013 eine Stunde vor Feierabend, ein \u00e4u\u00dferst ung\u00fcnstiger Zeitpunkt:<\/p>\n<p>Eigentlich ist die Arbeit so wie so gemacht. Und eigentlich ist die Hoffnung der Arbeitslosen l\u00e4ngst verloren gegangen, heute noch einen Job zu finden. Wie sich die Gef\u00fchlslage gleicht zu den fast f\u00fcnf Millionen Arbeitslosen und ihren Angeh\u00f6rigen in Deutschland!<\/p>\n<ul>\n<li>Das Gef\u00fchl, das man nicht mehr gebraucht wird, weil man 45 Jahre alt ist und zu teuer wird.<\/li>\n<li>Das Gef\u00fchl der Angst: Dass man durch Hartz-IV die Altersvorsorge oder die Wohnung verliert, obwohl man vielleicht 30 Jahre lang hart gearbeitet hat.<\/li>\n<li>Das Gef\u00fchl der Ohnmacht, dass man Tag f\u00fcr Tag zum Arbeitsamt geht und dann stundenlang wartet und wieder vergeblich gehofft hat.<\/li>\n<li>Das Gef\u00fchl des Versagens, f\u00fcr sich oder die Familie nicht mehr sorgen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Das Gef\u00fchl der Bitternis, dass es gar nicht um F\u00e4higkeiten geht, sondern dass gar nicht genug Arbeit mehr f\u00fcr alle da ist: In Ostdeutschland kommen auf eine freie Stelle bisweilen 8 Arbeitslose \u2013 unabh\u00e4ngig von ihrer Qualifikation m\u00fcssen sieben \u00fcbrig bleiben! L\u00e4ngst ist Mythos dahin, dass der, der arbeiten will, auch Arbeit findet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Weinbergs geht also kurz vor Feierabend nochmals auf dem Marktplatz: \u201eWas steht ihr so m\u00fc\u00dfig herum?\u201c fragt der Weing\u00e4rtner. \u201eUns hat niemand eingestellt.\u201c \u2013 Na, dann geht in meinen Weinberg!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist erste \u00fcberraschende \u201eWende im Gleichnis: \u201eGeht auch ihr in den Weinberg\u201c, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Lohn wird nicht vereinbart. Ob \u00fcberhaupt etwas bezahlt wird? \u2013 Egal, wird der eine oder andere denken, Hauptsache arbeiten: Weg vom Marktplatz, wo mich die Menschen anstarren, wo sie mich stigmatisieren \u2013 \u201eLangzeitarbeitslose\u201c, wo sie mich bisweilen anp\u00f6beln \u2013 \u201earbeitsscheues Gesindel!\u201c. Der Marktplatz \u2013 Ort des Zweifelns und des Scheiterns &#8211; wie die G\u00e4ngen des Arbeitsamtes heute.<\/p>\n<p>Viele Arbeitslose gehen morgens aus dem Haus, als ob sie zur Arbeit gehen, um sich vor ihren Familien und Freunden nicht die Bl\u00f6\u00dfe geben zu m\u00fcssen: \u201eDu auch arbeitslos?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hauptsache arbeiten \u2013 haben vielleicht die Arbeiter gedacht, die noch eine Stunde ran d\u00fcrfen an diesem Tag. Im Weinberg einen Hauch von Arbeitswelt atmen. Ein Hauch von Normalit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>IV.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als dann Feierabend ist, kommt die zweite \u00fcberraschende Wende im Gleichnis:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kurzzeitarbeiter, zu aller erst die, die erst um 17 Uhr eingestellt wurden, bekommen Lohn. Und erhalten zur eigenen \u00dcberraschung den <em>vollen <\/em>Tageslohn: einen Silbergroschen. Eine Stunde gearbeitet \u2013 und gen\u00fcgend Geld, um die Familie zu ern\u00e4hren. Ein Stunde gearbeitet \u2013 und sie erhalten den gleichen Lohn wie die Ganztagskr\u00e4ften, die 12 Stunden in der Sonne geschuftet haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Vehemenz bricht die Frage auf: <em>Ist das gerecht<\/em>?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entsprechend w\u00fctend sind die Vollzeitarbeiter: \u201eJedem das Seine! Vollen Lohn f\u00fcr volle Arbeit!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHabt Ihr bekommen! \u2013 Den vollen Lohn, wie abgesprochen!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir haben aber mehr geleistet! Waren zw\u00f6lf Stunden in der senkenden Sonne. Und diese Kurzzeitarbeiter, die gerade einmal eine Stunde gearbeitet haben, sollen uns gleichgestellt werden?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir hatten den Lohn so ausgehandelt. Dass ich die anderen gleichstelle, liegt ja wohl in meiner unternehmerischen Freiheit!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSie sind verr\u00fcckt: Sie machen die Preise kaputt. Und die Arbeitsmoral. Wer f\u00e4ngt denn je wieder am fr\u00fchen Morgen an? \u2013 Jedem das Seine \u2013 das w\u00e4re gerecht!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>V.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wie finden Sie das? Jedem das Seine? Ist das Verhalten des Weing\u00e4rtners gerecht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ich finde, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer handelt absolut gerecht.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich finde auch, dass sein Verhalten gegen\u00fcber den Kurzzeitarbeitern nicht einfach barmherzig, g\u00fctig und gro\u00dfz\u00fcgig ist, nicht nur mildt\u00e4tig. Ich glaube auch nicht, dass sein Verhalten jenseits wirtschaftlicher Vernunft ist \u2013 nein, sein Verhalten ist f\u00fcr mich gerecht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn ein Silbergroschen, der abgesprochene Tageslohn, machte damals das Existenzminimum aus: Er reichte genau daf\u00fcr, die Familie zu Hause durchzubringen. Der Weing\u00e4rtner zahlt also genau das, was zum Leben n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kurzarbeiter haben diesen Silbergroschen zum Leben bitter n\u00f6tig. Sie haben ihn genauso bitter n\u00f6tig, wie diejenigen, die den ganzen Tag geschuftet haben.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer verf\u00fcgt frei \u00fcber das Verm\u00f6gen, und so gibt er jedem \u201edas Seine\u201c:<\/p>\n<p>&#8211; Der Vollzeitarbeiter erh\u00e4lt den abgesprochenen Lohn, leistungsbezogen!<\/p>\n<p>&#8211; Auch der Kurzzeitarbeiter bekommt \u201edas Seine\u201c, n\u00e4mlich genau das, was er f\u00fcr seine Familie zum \u00dcberleben braucht.<\/p>\n<p><em>Gerechtigkeit \u2013 das ist die Spitze des Gleichnisses \u2013 bemisst sich also nicht prim\u00e4r nach Leistung. Sie bemisst sich vorrangig danach, was man zum Leben braucht. Gerechtigkeit hei\u00dft hier: ein Recht zu haben, ein w\u00fcrdevolles Leben zu f\u00fchren. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Haushalter holt die Menschen von der Stra\u00dfe. Er stellt ihre W\u00fcrde wieder her. Und er gibt ihnen das, was sie zum Leben n\u00f6tig haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Weing\u00e4rtner l\u00e4sst eben nicht Gnade vor Recht gelten, sondern er ist mit seinem Verhalten <em>im Recht<\/em>: nicht im eigenen Recht, sondern im Recht des Hilfebed\u00fcrftigen auf das Existenzminimum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute gibt es staatlicherseits die Sozialhilfe, die dem Hilfesuchenden ein Recht auf das Existenzminimum einr\u00e4umt. Es ist ein hohes Gut, dass es dieses Recht gibt. Und sicher kann man auch dar\u00fcber nachdenken, Sozialhilfe und Arbeitslosengeld zusammenzulegen, wenn man von Sozialhilfe wirklich leben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber es darf nicht passieren, dass man immer weiter einseitig k\u00fcrzt und den betroffenen Menschen die W\u00fcrde nimmt:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich denke an die 90-j\u00e4hrige Heimbewohnerin, die zum Geburtstag von ihrer Tochter 150 Euro \u00fcberwiesen bekam. Auf dem Sozialamt wurde ihr dieser Betrag von der St\u00fctze abgezogen.<\/li>\n<li>Ich denke daran, dass selbst die Sparguthaben von kleinen Kindern aufgezerrt werden m\u00fcssen, bevor Vater oder Mutter ALG II erhalten.<\/li>\n<li>Ich denke daran, dass der detaillierte Fragebogen, den Arbeitslose \u2013 wie bisher nur Sozialhilfeempf\u00e4nger \u2013 nun ausf\u00fcllen m\u00fcssen, an der W\u00fcrde kratzen kann: Man muss haargenau Auskunft geben muss \u00fcber Verm\u00f6gen und Eink\u00fcnfte, w\u00e4hrend sich die Top-Manager im Land weiter beharrlich weigern, ihre Bez\u00fcge offen zu legen!<\/li>\n<li>Ich denke aber auch an die politischen Kr\u00e4fte, die sich nun zum Anwalt der Schwachen machen, obwohl sie insgeheim mindestens genauso scharfe Sozialk\u00fcrzungen anpeilen w\u00fcrde! Auch das ist ein unw\u00fcrdiger Umgang mit den betroffenen Menschen!<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder bleiben wir direkt bei uns: Wie h\u00e4ufig finden wir uns vorschnell in der Rolle der Langzeitarbeiter wieder:<\/p>\n<ul>\n<li>Mit der Angst, selber zu kurz zu kommen gegen\u00fcber anderen.<\/li>\n<li>Mit dem Argwohn, das die anderen alles umsonst bekommen, w\u00e4hrend wir hart daf\u00fcr arbeiten m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Mit dem verloren gehenden Gerechtigkeitssinn daf\u00fcr, dass Leistungsstarke auch mehr f\u00fcr die Allgemeinheit leisten m\u00fcssen als Leistungsschwache.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Als ob die Gerechtigkeit, die einem anderen widerf\u00e4hrt, mir zum Schaden gereichen k\u00f6nnte! <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nein, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ist ein Unternehmer, der sehr wohl harte Bandagen anlegt und fr\u00fch morgens keinen Pfennig zu viel zahlen will. Aber er kennt genauso seine soziale Verantwortung! Er sorgt daf\u00fcr, dass die Arbeitslosen durchkommen. Er kann sie nicht ganztags einstellen. Aber er zahlt aus seinem Verm\u00f6gen ihre Versorgung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt so viele unz\u00e4hlige Beispiel f\u00fcr ein solches solidarisches Verhalten auch in unserer Zeit: Sie kennen es sicher aus dem eigenen Arbeitsleben, wie nicht so leistungsstarke Menschen in ihren Betrieben mit durchgezogen werden. Da tut man den einen oder anderen Handschlag mehr \u2013 und fragt nicht nach dem Lohn (oder dem h\u00f6heren Lohn).<\/p>\n<p>Oder im Bergbau: Die Jungen sind f\u00fcr die Knochenjobs unter Tage gefahren sind, w\u00e4hrend sich die \u00c4lteren in der Kohlw\u00e4sche langsam auf ihre Rente vorbereiten durften. Das war selbstverst\u00e4ndlich, und trotzdem gab keine gro\u00dfen Gehaltsunterschiede.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch nun mehren sich gegenteilige Anzeichen in unserem Land: Es schwindet die Verantwortung f\u00fcr die Schwachen. Es schwindet ein Gerechtigkeitsempfinden, das zun\u00e4chst von Bed\u00fcrfnissen der Schwachen ausgeht \u2013 nicht von den Anspr\u00fcchen der Starken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>L\u00e4ngst ist die Wirtschaft nicht mehr ein <em>Nehmen und Geben<\/em> im Dienste des Menschen. L\u00e4ngst \u00fcberwiegt der Profit vor dem sozialem Gewissen:<\/p>\n<ul>\n<li>Unternehmen bilden nicht mehr aus, beschweren sich aber gleichzeitig, dass qualifizierter Nachwuchs fehlt.<\/li>\n<li>Gro\u00dfen Unternehmen erhalten Investionsbeihilfen und es wird ihnen die Ansiedlung bezahlt \u2013 um dann Deutschland in Billiglohnl\u00e4nder zu verlassen.<\/li>\n<li>Oft zahlen die Gro\u00dfen keine Steuern mehr und beteiligen sich so nicht mehr an der Finanzierung von Gesundheit, Kultur, Sozialsektor und Infrastruktur im diesem Land.<\/li>\n<li>Oder noch schlimmer: Sie setzen Firmenpleiten steuerlich ab, wie Vodaphone, das 20 Mrd. Euro Steuern aus der aus der Mannesmann-\u00dcbernahme zur\u00fcckfordert, die in erster Linie hunderten von Arbeitnehmern ihren Arbeitsplatz kostete.<\/li>\n<li>Und Manager entdecken ihr soziales Gewissen nur, wenn sie die eigenen Abfindungen festlegen!<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das alles stellt der Weinberg-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer durch sein Verhalten auf den Kopf: Er guckt eben nicht prim\u00e4r auf seinen eigene Vorteil und dr\u00fcckt sich nicht vor gemeinn\u00fctzigem Engagement. Wirtschaften geschieht bei ihm im \u201eDienste des Lebens\u201c, zum dem auch das Profitstreben geh\u00f6rt \u2013 aber nicht nur!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VI.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>haben Sie Gott entdeckt in diesem Gleichnis?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er wird gar nicht genannt. Und doch kommt er vor, und er ist auch in unseren Gedanken die ganze Zeit mitgegangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ganz simpel hei\u00dft es am Beginn: \u201eDas Himmelreich gleicht einem Hausherrn &#8230;\u201c. Gott wom\u00f6glich als jemand, der zun\u00e4chst ein raffinierter Lohndr\u00fccker ist? \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das wird die Zuh\u00f6rer Jesu in Spannung versetzt haben: Das, was Du da erz\u00e4hlst, ist unsere t\u00e4gliche Misere \u2013 und Du, Jesus, hast uns doch versprochen, <em>von Gott<\/em> zu erz\u00e4hlen! &#8211; Ja, aber wenn wir von Gott erz\u00e4hlen, dann muss erst die ganze Realit\u00e4t auf den Tisch \u2013 ohne jegliche Besch\u00f6nigung. <em>Wer die Erde nicht ber\u00fchrt, kann den Himmel nicht erreichen. <\/em> Gottes Himmelreich deutet sich nirgends anders an als mitten in unserer Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gott kommt im Gleichnis nicht vor. <\/em><\/p>\n<p><em>Man kann ihn aber entdecken<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir entdecken Orte, an den wir als Christen herausgefordert sind, Partei zu ergreifen und von Gottes Gerechtigkeit zu erz\u00e4hlen \u2013 selbst mitten im Wirtschaftsleben. Selbst dort, wo Gott gar nicht vorzukommen scheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wir machen die wunderbare Entdeckung, dass Gott an diesen Orten schon l\u00e4ngst da ist:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Gott ist schon an den Arbeitspl\u00e4tzen, wo Gerechtigkeit vornehmlich mit Leistung definiert wird \u2013 an diesem Ort berichtet uns Jesus von einem Weinberg-Haushalter, der zuerst danach fragt, was man zum Leben braucht. So wie dieser Mensch, so handelt auch Gott.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Gott ist schon auf dem Marktplatz, wo der Mensch an seiner eigenen W\u00fcrde zweifelt \u2013 an diesem Ort berichtet uns Jesus von einem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der \u2013 ohne nur an eigenen Profit zu denken \u2013 dem Schwachen aufhilft. So wie dieser Mensch, so handelt auch Gott.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VII.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist Gott nun ein Gott der Arbeitslosen?<\/p>\n<p>Ich habe nach einigem \u00dcberlegen geantwortet:<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen Gott als Gott der Arbeitslosen <em>entdecken.<\/em><\/p>\n<p>Dann entdecken wir Gott neu. Und uns. Und es wird unsere Welt ver\u00e4ndern. Gut so. Amen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott ist doch ein Gott der M\u00fchseligen und Beladenen, oder? fragte mich neulich jemand. Ja, sagte ich. 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