{"id":453,"date":"2017-01-11T14:09:58","date_gmt":"2017-01-11T13:09:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=453"},"modified":"2017-01-11T14:09:58","modified_gmt":"2017-01-11T13:09:58","slug":"hau-ihn-ab-nein-buss-und-bettag-2009-zu-lk-136-9","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=453","title":{"rendered":"Hau ihn ab! &#8211; Nein! (Bu\u00df- und Bettag 2009 zu Lk 13,6-9)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pfarrer: <\/strong>Hau ihn ab! Lass ihn! Das sind die unterschiedlichen Meinungen zu einem Feigenbaum. Jesus erz\u00e4hlt in einem Gleichnis vom Feigenbaum, der keine Frucht bringt. Drei Jahre lang w\u00e4chst keine einzige Feige am Baum. Eine schlechte Bilanz &#8211; zumindest f\u00fcr den Weinbergbesitzer, der scheinbar den schnellen Erfolg will. &#8222;Hau den Baum ab&#8220;, fordert er vom Weing\u00e4rtner.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt: Bu\u00df- und Bettag \u2013 Luther-Kirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gleichnis vom Feigenbaum, #Lk 13,6-9<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da macht sich der Weing\u00e4rtner zum Anwalt des Verurteilten. &#8222;Lass ihn noch dieses Jahr\u201c! Ein Gnadenjahr. &#8222;Lass ihn!&#8220; Hier wird dasselbe Wort verwendet, das im Neuen Testament sonst f\u00fcr das Erlassen, f\u00fcr die Vergebung der S\u00fcnden steht: ein Lassen, das \u00fcberlebensnotwendig wird, das \u00fcber Leben und Tod entscheidet. Hau ihn ab! Lass ihn! Welche Perspektive nehmen wir ein, wenn wir diese Geschichte h\u00f6ren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 1:<\/strong> Ich denke doch die Perspektive des Weinbergbesitzers! Ich verstehe seinen Ausruf \u201eHau ihn ab\u201c: Wir hatten mal einen Pflaumenbaum im Garten, der auch nichts brachte. Wir haben st\u00e4ndig das Laub weggefegt, er bl\u00fchte auch mal recht sch\u00f6n, aber er trug nichts. Wir haben alles versucht, aber das war aussichtslos. Genauso wird der Weinbergbesitzer alles versucht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 2:<\/strong> <em>Er<\/em> hat alles versucht? Das war doch wohl eher der <em>G\u00e4rtner<\/em>, der den Feigenbaum t\u00e4glich gepflegt und gegossen hat. Der Weinbergbesitzer sieht doch nur das Ergebnis. Daher sehe ich die Geschichte eher aus dem Blickwinkel des G\u00e4rtners, der sagt: Lass ihn! Er kennt seinen Baum. Er wei\u00df, dass er wom\u00f6glich noch Zeit braucht. Der Weinbergbesitzer will doch nur Rendite kassieren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 1:<\/strong> Moment mal! Der Baum zieht viel Kraft aus dem Boden. Und zu allem \u00dcberfluss nimmt er den anderen B\u00e4umen, die Fr\u00fcchte tragen, auch noch die N\u00e4hrstoffe weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 2:<\/strong> Man k\u00f6nnte aber auch sagen: Dieser Baum braucht die N\u00e4hrstoffe um so mehr! Vielleicht wei\u00df der G\u00e4rtner sogar, dass dieser Baum keine Fr\u00fcchte tr\u00e4gt. Aber er schont ihn dennoch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 1:<\/strong> Bei unserem Pflaumenbaum sind wir auch manches Mal an den Punkt gekommen, wo wir gesagt haben: Also, einmal versuchen wir\u2019s noch \u2026 Aber dann muss auch mal Schluss sein!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pfarrer:<\/strong> Einmal ist die Geduld am Ende! Johannes der T\u00e4ufer hat in einem \u00e4hnlichen Bild gesprochen: \u201eEs ist schon die Axt den B\u00e4umen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.\u201c Jesus erz\u00e4hlt diese Geschichte aber irgendwie anders \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 3:<\/strong> Vielleicht, weil er die Sichtweise des Feigenbaums einnimmt\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pfarrer:<\/strong> Wie wirkt denn die Geschichte aus Sicht des Feigenbaums?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 3: <\/strong>Ich stelle mir das gerade vor, dass man so mitten im Leben steht \u2013 wie ein Baum im Weinberg -, aber augenscheinlich unn\u00fctzlich und unproduktiv. Das Gef\u00fchl, dass man irgendwie im Weg ist. Man zerbricht an den Anspr\u00fcchen, die gestellt sind. Das geht Kindern so, die in der Schule nicht zurechtkommen. Das geht uns im Glauben an Gott so: \u201eVon Zweifeln ist mein Leben \u00fcbermannt\u201c, haben wir gerade gesungen. \u201eMein Unverm\u00f6gen h\u00e4lt mich ganz gefangen.\u201c Ich sehe mich auch als Christin oft in der Rolle des Feigenbaums!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 2:<\/strong> Das ist auch so, wenn man zum Beispiel \u00e4lter wird. Das sch\u00f6ne Bild, dass man gewachsen ist wie ein Baum \u2013 in diesem Gleichnis ist es fast bedrohlich, weil dem Baum das Abholzen droht, wenn er keine Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 3:<\/strong> Ja, aus Sicht des Feigenbaumes erschrickt man, wie sehr man auf die Geduld von anderen Menschen angewiesen ist. Wenn ich mal an meine Generation denke: Wir haben als Eltern viel Geduld in unserer Kinder investiert. Zuh\u00f6ren. Abwarten. Wir haben sie in die eine Richtung wachsen sehen, dann auch manchmal in eine andere Richtung. Wir haben gehofft und gebangt, dass aus ihnen etwas wird. Ein ums andere Mal haben wir eine Spanne mehr Geduld gehabt, als man eigentlich einger\u00e4umt h\u00e4tte. Und das war gut so!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 1:<\/strong> Heute ist es eher umgekehrt: Wir brauchen Geduld von anderen. Geduld muss uns <em>erwiesen <\/em>werden. Wir verstehen manche Dinge nicht mehr. Die Welt ver\u00e4ndert sich so rasant. Man muss uns vieles mit viel Geduld erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 2: <\/strong>Das ist genau das, was ich gerade sagte: Wenn wir schw\u00e4cher und kranker werden \u2013 wie viel Geduld muss uns dann erwiesen werden? [Zu Person 1:] Oder wenn ein Ehepartner krank wird, lieber Weinbergbesitzer: Dann kann man nicht einfach sagen: Weg damit! Bringt nichts mehr! Dann braucht man einen F\u00fcrsprecher, der sagt, hab Geduld! Denn ich habe Geduld!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pfarrer: <\/strong>Einen F\u00fcrsprecher\u2026 Einer, der sagt: \u201eLass ihn! Ich habe Geduld mit dir und ich lege ein Wort f\u00fcr dich ein, dass der \u2013 der \u00fcber dich bestimmt \u2013 nicht sagt: \u201eHau ihn ab\u201c, sondern meiner Hoffnung folgt: Vielleicht tr\u00e4gt er ja in einem Jahr Fr\u00fcchte \u2026 Jesus erz\u00e4hlt dieses Gleichnis ja nicht, um uns Tipps f\u00fcr die Pflege im Garten zu geben \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 3:<\/strong> Nein, ich denke, dass es hier darum geht, sich eines gn\u00e4digen Gottes zu vergewissern. Ein Gott, der aus Liebe sagt: Lass ihn! Lass sie! Noch einmal Gnade! Wom\u00f6glich sogar Gnade vor Recht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 1:<\/strong> Das w\u00fcrde ja auch zum Bu\u00df- und Bettag passen. Ich erfahre Vergebung, wenn mein Leben keine Glaubensfr\u00fcchte tr\u00e4gt. Ich bekomme eine neue M\u00f6glichkeit, gerade auch dann, wenn ich an Gott zweifele.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pfarrer:<\/strong> Aber da muss ich nun doch einhaken: Bu\u00dfe \u2013 das h\u00f6rt sich f\u00fcr mich nach Reue an, nach \u201ein Sack und Asche gehen\u201c, nach t\u00e4tiger Wiedergutmachung. Der Baum sagt in diesem Gleichnis kein Wort! Er ist total passiv.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 2:<\/strong> Weil er in dem Weing\u00e4rtner einen F\u00fcrsprecher hat: Dieser tritt beim Weinbergbesitzer vor und sagt: Bitte noch einmal Gnade!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 3: <\/strong>Aus Sicht des Baumes ist das doch auch das einzig M\u00f6gliche: Wie sollte er in diesem Zustand t\u00e4tige Reue zeigen? Sein Problem ist doch gerade, dass er nichts tun kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pfarrer:<\/strong> Das hei\u00dft: Das Wesentliche ist nicht eine Wiedergutmachung, die geleistet werden muss, sondern die Tatsache, dass jemand anderes f\u00fcr mich in die Bresche springt und mich verteidigt, wo ich wie gel\u00e4hmt herumstehe.<\/p>\n<p>Johannes der T\u00e4ufer predigt Gericht: Die Axt ist an die B\u00e4ume gelegt; Gott wird strafen und vernichten. Jesus hat eine andere Botschaft: Er kennt auch den strafenden Gott, aber er bietet sich den Menschen an, um bei Gott ein gutes Wort f\u00fcr uns einzulegen. Nicht Strafe und Vernichtung soll die Folge sein, wenn wir keine Glaubensfr\u00fcchte tragen, sondern er bittet um Verschonung, um Erbarmen, um eine neue Chance. Lass ihn! \u2013 Hau ihn nicht ab! Vielleicht w\u00e4chst ja demn\u00e4chst Glaube und Zuversicht! Vielleicht lebt dieser Mensch demn\u00e4chst nach Gottes guten Weisungen, teilt mit anderen Menschen sein Gottvertrauen. <em>Das<\/em> w\u00e4ren ja die Glaubensfr\u00fcchte, die sich freilich ganz massiv von den Fr\u00fcchten unserer Zeit, wo nur Leistung z\u00e4hlt, unterscheiden!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 1:<\/strong> Aber nochmals aus der Sicht des Weinbergbesitzers: Macht das denn wirklich Sinn, dass er gn\u00e4dig bleibt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Person 2: <\/strong>Es wird nicht erz\u00e4hlt, dass er gn\u00e4dig bleibt, sondern die Geschichte endet offen: \u201e<em>Vielleicht<\/em>, ja vielleicht bringt er ja doch noch Frucht!\u201c Vielleicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfarrer: \u00dcbertragen hei\u00dft das: Jesus wei\u00df nicht sicher, ob wir Glaubensfr\u00fcchte tragen werden. Aber allein f\u00fcr das \u201eVielleicht\u201c lohnt es sich f\u00fcr ihn, bei Gott f\u00fcr uns vorzusprechen. Uns die T\u00fcr offen zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Person 1: Wom\u00f6glich ver\u00e4ndert Jesus mit seiner Bitte Gott. Denn mal ehrlich. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Gott so gnadenlos sein will wie ein Weinbergbesitzer, der einfach einen unfruchtbaren Baum umhaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Person 3: In der Rolle des Feigenbaums frage ich mich dann: Lass ich mir das Bild von einem gn\u00e4digen Gott gefallen \u2013 bei allem, was mir in meinem Leben misslingt? Ob ich das glauben kann, dass ich Gott recht bin und allein aus seiner G\u00fcte heraus lebe?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfarrer: Am Bu\u00df- und Bettag geht es also darum, sich neu Jesus, dem Christus, zuzuwenden, der f\u00fcr uns bei Gott um Geduld bittet, und darum zu beten, dass dieser Gott sich gn\u00e4dig zeigt.<\/p>\n<p>Eines haben wir \u00fcbrigens noch gar nicht gesagt: Eigentlich tr\u00e4gt ein Feigenbaum erst nach sechs Jahren Fr\u00fcchte, der Weinbergbesitzer hat jedoch schon drei Jahren keine Geduld mehr.<\/p>\n<p>Jesus, der Christus, ist unser F\u00fcrsprecher vor einem <em>ungeduldigen<\/em> Gott. Er aber, der Heiland, auf den wir bald in der Adventszeit warten, er wendet sich mit Geduld an seinen Vater. F\u00fcr uns. Aus dem \u201eVielleicht\u201c wird die hoffnungsvolle Perspektive: Gott l\u00e4sst uns \u2013 er erl\u00e4sst uns, was uns von ihm trennt. F\u00fcr ein stets erneuertes Leben! Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfarrer: Hau ihn ab! Lass ihn! Das sind die unterschiedlichen Meinungen zu einem Feigenbaum. Jesus erz\u00e4hlt in einem Gleichnis vom Feigenbaum, der keine Frucht bringt. Drei Jahre lang w\u00e4chst keine einzige Feige am Baum. Eine schlechte Bilanz &#8211; zumindest f\u00fcr den Weinbergbesitzer, der scheinbar den schnellen Erfolg will. &#8222;Hau den Baum ab&#8220;, fordert er vom &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=453\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eHau ihn ab! &#8211; Nein! 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