{"id":436,"date":"2017-01-11T13:47:37","date_gmt":"2017-01-11T12:47:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=436"},"modified":"2017-01-11T13:47:37","modified_gmt":"2017-01-11T12:47:37","slug":"weihnachten-hervorholen-weihnachten-2008-zu-lk-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=436","title":{"rendered":"Weihnachten hervorholen (Weihnachten 2008 zu Lk 2)"},"content":{"rendered":"<p>Haben Sie gestern zu Hause vor der Weihnachtskrippe gesessen? Mir ist die Krippe lieb geworden, die in unserem Gemeindeb\u00fcro steht. Vor Weihnachten ist jede einzelne Figur ausgepackt worden. So eine Krippe packt man ja nur einmal Jahr aus, wenn Weihnachten ist. Ansonsten verschwindet sie ja wieder f\u00fcr ein Jahr. Aus den Augen, aus dem Sinn.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt \u2013 Lutherkirche 1. Weihnachtstag 2008<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Leben mit Gott hervorholen<\/strong><\/p>\n<p><em>15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: La\u00dft uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.<\/em><\/p>\n<p><em>16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war.<\/em><\/p>\n<p><em>18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich \u00fcber das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. 19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott f\u00fcr alles, was sie geh\u00f6rt und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann steht sie nun da. Direkt im Gemeindeb\u00fcro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da ist der <strong>Stall<\/strong>. Nicht in einem Palast, nicht im Machtzentrum Jerusalem kommt der K\u00f6nig der Ehren zur Welt. Sondern ein Stall ist die Kulisse! Das Ereignis stellt die Welt auf den Kopf: Im kleinen Bethlehem \u2013 da kommt ein Kind zur Welt, dem kein anderer Anspruch zugemessen wird als der Anspruch Gottes, die Welt zu retten. Frieden zu verhei\u00dfen, f\u00fcr die ganze Erde.<\/p>\n<p>Nicht dort, wo die Musik spielt, wo man meinen w\u00fcrde, dass die Macht \u00fcber Krieg und Frieden liegt, nein: Dort wo es um das Elementar-Menschliche geht, in einem Stall in Bethlehem, zu deutsch: Brot-hausen \u2013 dort l\u00e4\u00dft Gott sich blicken. Dort erblickt er das Licht der Welt.<\/p>\n<p>Es stellt auch das hinl\u00e4ngliche Bild von Gott auf den Kopf! Kein Gott, der mit machtvollem Brausen die Welt ver\u00e4ndert, sondern aus dem Blickwinkel eines hilfsbed\u00fcrftigen S\u00e4uglings mit einem Krippenplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Stall ist die Kulisse f\u00fcr Weltgeschichte. Weitere Personen der Krippe: nat\u00fcrlich <strong>Josef<\/strong> und <strong>Maria<\/strong>: Josef mit einem stattlichen Wanderstab \u2013 Ausdruck f\u00fcr die Beschwerlichkeit der Reise. Ein gem\u00fctliches Weihnachten, stille Nacht und \u201es\u00fc\u00dfer die Glocken nie klingen\u201c \u2013 das ist nicht ihre Situation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Maria: Sie ist in der Weihnachtsgeschichte die erste, in deren Leben Gott mit seinem unglaublichen Plan tritt: Du wirst ein Kind geb\u00e4ren. Er wird Sohn des H\u00f6chsten genannt werden, verhei\u00dft der Engel. \u2013Durch eine einfache Frau, gerade einmal verlobt, handelt Gott.<\/p>\n<p>Die Marienfigur hat den Kopf geneigt, als beuge sie sich liebevoll \u00fcber ihr Kind. In der Weihnachtsgeschichte allerdings hat Maria nichts Unterw\u00fcrfiges oder Dem\u00fctiges. Von wegen Jungfrauengeburt: Es wird von einer ganz normalen Geburt berichtet. Kein g\u00f6ttliches Einschreiten erspart Maria die Schmerzen der Wehen und die Angst vor der ersten Geburt. Gott macht es Maria \u2013 und sich! \u2013 nicht leicht. Ob sie in dieser Lage \u00fcberhaupt an Gott denkt? Ob sie nicht an der Verhei\u00dfung zweifelt, Mutter des H\u00f6chsten zu werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Komisch: Jedes Mal, wenn ich kurz vor Weihnachten ins Gemeindeb\u00fcro kam, begleitete mich immer die bange Frage: Wo ist der Hauptdarsteller von Weihnachten? Die kleinste Figur. Die zerbrechlichste. Und doch die wichtigste! Die sichtbare Gestalt daf\u00fcr, dass sich die Verhei\u00dfung an Maria doch erf\u00fcllt. Gott wird Mensch.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re das denn, eine Krippe ohne das Christuskind? \u2013<\/p>\n<p>Ich hatte ja schon die Idee, einmal das Christuskind f\u00fcr einige Tage aus der Krippe herauszunehmen. Ob\u2019s jemand gemerkt h\u00e4tte? Dieser Gedanke ist sinnbildlich f\u00fcr eine einfache theologische Erkenntnis: Um diesen Jesus an Weihnachten wahrzunehmen, muss man genau hinschauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann: Das Christuskind ist klein, aber buchst\u00e4blich das Greifbarste, was wir von Gott, den Unsichtbaren, haben. Besonders heilsam in der postmodernen Welt, in der Gott nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist. Besonders heilsam gegen religi\u00f6sen Fundamentalismus jeglicher Religion, wo Jenseitsphantasien postuliert werden&#8230; Daf\u00fcr m\u00f6chte ich das Jesuskind hervorholen \u2013 um etwas Greifbares in der Hand halten als Zeichen daf\u00fcr, dass Gott sehr wohl in diese Welt gekommen ist. Unseren Alltag durchkreuzt. Eingewoben ist in meine Geschichten \u2013 aber wohl nie abstrakt, sondern stets in menschlichen Situationen wie bei Marias schmerzhaften Geburt. Wie bei Josef, der zur Volksz\u00e4hlung muss, und mit allem rechnet \u2013 wom\u00f6glich nur nicht mit Gott!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Krippe steht direkt neben den Hirten, \u2013 Das passt ja: Jesus bei den Hirten \u2013 die Hirten bei Jesus. Wie die Hirten vor den Toren der Stadt weit weg vom eigentlichen Leben sind und dann pl\u00f6tzlich die ersten Zeugen der Geburt werden, genauso sitzt der erwachsene Jesus sp\u00e4ter zu Tisch bei den Armen, Ausgegrenzten und S\u00fcndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und jene erfahren durch Jesus von Gott, der allen Menschen gleiche W\u00fcrde zumisst und sie ins Leben zur\u00fcckholt. Heute r\u00fccken wir Jesus und die Randst\u00e4ndigen oft zu weit voneinander weg. Als ob die Kirche vorrangig f\u00fcrs B\u00fcrgerliche da w\u00e4re oder zur Untermauerung eines konservativen Gesellschaftsbildes. Ich werde die Figuren von Jesus und den Hirten nahe zusammenstellen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p>Einmal im Jahr wird der Weihnachtsschmuck hervorgeholt. Vielleicht ging es ihnen genauso. Buchst\u00e4blich eine \u201eWieder-holung\u201c im wortw\u00f6rtlichen Sinn: Wir holen uns immer etwas wieder, einmal im Jahr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ich bin mir ganz sicher, dass es nicht nur mir so ergeht: Mit diesem Wieder-Hervor-Holen von \u00e4u\u00dferlichen Dingen, die f\u00fcr uns zu Weihnachten geh\u00f6ren, holen wir auch immer wieder noch etwas anderes hervor: Hoffnung und Sehnsucht, dass so etwas wie Weihnachten sich immer wieder ereignet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Dass immer wieder die Botschaft des \u201eFriedens auf Erden\u201c neu ausgerufen wird. Das war nicht nur gestern \u2013 sondern erst recht heute und morgen: Diese Welt hat viel zu wenig hoffnungsvolle Ereignisse hat wie die Er\u00f6ffnung des passfreien Grenzverkehrs in Europa vor einem Jahr. Schnell haben wir\u2019s vergessen. Noch vor einem Menschenleben war Krieg \u2013 nun immer sichtbarer: Br\u00fccken, Frieden, neues Vertrauen! Gott sei Dank!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; Oder dass das Wunder des Menschseins \u2013 und seine schnelle Gef\u00e4hrdung \u2013 in den Mittelpunkt r\u00fcckt. Das war nicht nur die Botschaft gestern \u2013 sondern erst recht heute und morgen. Wir haben viel debattiert im letzten Jahr \u00fcber Krippenpl\u00e4tze, \u00fcber Bildungschancen. Der Kirchenkreis hat die Offene Tagstagsschule im M\u00fchlendorf \u00fcbernommen. Wir bem\u00fchen uns nach Kr\u00e4ften, unsere Kinderg\u00e4rten zu erhalten, obwohl es uns das Land entgegen den eigenen Ank\u00fcndigungen nicht leichter gemacht hat. Gut so: Denn Kinderg\u00e4rten, Grundschulen \u2013 das sind die Orte, an denen Kinder hoffentlich auf solche Figuren und Haltungen treffen, wie sie die Hirten an den Tag legen: Sie kommen ohne Reicht\u00fcmer, aber geben der Gottesfamilie so viel, weil sie einfach f\u00fcr sie da sind und sich \u00fcber das Kind freuen. Weise \u00e4ndern ihre Priorit\u00e4ten und beugen sich ehrfurchtsvoll \u00fcber ein Kind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hoffnung und Sehnsucht hervor-holen! Und sie nicht so schnell wieder einpacken \u2013 das w\u00fcnsche ich uns allen an Weihnachten! Denn Weihnachten setzt jedes Jahr einen neuen Anfang. Das Kommen Gottes in Jesus Christus ist kein Ereignis der Vergangenheit. Sondern Gott will unser gegenw\u00e4rtiges Denken, Reden und Handeln ansprechen: An welcher Stelle, als welche Figuren stehen wir im Stall? Wo trifft uns pers\u00f6nlich diese Weihnachtsbotschaft?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt keinen Bereich unseres Lebens, in denen nicht der Mensch gewordene Gott uns ein gelingendes Leben schenkte. Kein Moment und keine Situation im neuen Jahr, in dem Gott nicht unser Leben ber\u00fchrte. In der Gemeinde gehen wir diesen Stationen des Lebens nach, wenn wir im Jahreslauf neben Weihnachten Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten feiern. Streng genommen auch keine abgehobenen Feiertage, sondern das Aufsp\u00fcren Gottes in den H\u00f6hen und Tiefen unseres allt\u00e4glichen Lebens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt schweift mein Blick \u00fcber die Engel in unserer Krippe. Sie singen uns den cantus firmus der Freudenbotschaft: Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Die Engel kommen von oben, vom Sch\u00f6pfer. Und unten, auf der Erde, wird Friede. \u2013 Das ist die alte Botschaft. Und sie verbindet sich schon jetzt mit der Jahreslosung, die noch begleitet, wenn die Krippe im Gemeindeb\u00fcro schon l\u00e4ngst wieder in den Kartons verschwunden ist: Also nochmals: Friede auf Erde \u2013 ist die Weihnachtsbotschaft. Und die Jahreslosung: Was bei den Menschen unm\u00f6glich ist, das ist bei Gott m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie gestern zu Hause vor der Weihnachtskrippe gesessen? Mir ist die Krippe lieb geworden, die in unserem Gemeindeb\u00fcro steht. Vor Weihnachten ist jede einzelne Figur ausgepackt worden. So eine Krippe packt man ja nur einmal Jahr aus, wenn Weihnachten ist. Ansonsten verschwindet sie ja wieder f\u00fcr ein Jahr. 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