{"id":4303,"date":"2018-06-28T19:56:04","date_gmt":"2018-06-28T17:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=4303"},"modified":"2018-06-28T19:58:17","modified_gmt":"2018-06-28T17:58:17","slug":"ansprache-zu-heimat-10-jahre-theodor-fliedner-haus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=4303","title":{"rendered":"Ansprache zu &#8222;Heimat&#8220; &#8211; 10 Jahre Theodor-Fliedner-Haus"},"content":{"rendered":"<p>Haus, Heim, Domizil, Residenz, Neu-Bau, &#8222;eine tolle H\u00fctte&#8220; &#8230; &#8211; es gibt viele Begriffe f\u00fcr das, was wir Heimat oder ein &#8222;Zuhause&#8220; nennen. In der Altenheim-Landschaft gibt es viele Begriffe, auch im Wandel der Zeiten: Hier befinden wir uns in im Theodor-Fliedner-Haus. Das alten Geb\u00e4ude an der Nimrothstra\u00dfe zierte noch der Schriftzug &#8222;Theodor-Fliedner-Heim&#8220;&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>Wo wir uns zu Hause f\u00fchlen &#8211; das hat immer auch mit Geb\u00e4uden zu tun. Wir Menschen unterscheiden uns da von den &#8222;Lilien auf dem Felder&#8220;, von denen wir gerade h\u00f6rten.<\/p>\n<p>Wenn Bewohnerinnen und Bewohner seit 10 Jahren im Theodor-Fliedner-Haus ihr zu Hause finden &#8211; dann hat das auch mit dem Geb\u00e4ude zu tun. Es ist unser neustes und modernstes Altenheim. Es ist hell und transparent. Es passt genau an diesen Ort.<\/p>\n<p>Menschen, die alles ganz unterschiedliche Heimatorte haben, finden in diesem Haus ein neues zu Hause &#8211; so hoffen wir immer und so erfahren wir es auch.<\/p>\n<p>Wir unterscheiden ja bewusst die W\u00f6rter &#8222;zu Hause&#8220; &#8211; dort, wo wir jetzt wohnen &#8211; und &#8222;Heimat&#8220; &#8211; dort, wo wir herkommen. Heimat kann kein Heimatminister definieren. Heimat ist das, was mein Innerstes pr\u00e4gt: Orte der Kindheit, eingebrannte Erlebnisse im Laufe eines langen Lebens. Auch: die Gelassenheit, im Alter eine Lebensbilanz ziehen zu k\u00f6nnen und es f\u00fcr sich gut sein lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insofern singen wir heute bewusst Erntedanklieder. Das Leben in diesem Haus ist immer wieder davon gepr\u00e4gt, dass Kr\u00e4fte schwinden, man Abschied nimmt und sich mit dem Sterben auseinandersetzt. Aber (gar nicht davon abgekoppelt, sondern genau darauf bezogen) dabei geht es auch um die Ernte des Lebens. Ernte ist im biblischen Horizont immer mit Segen und mit der lebenslangen Treue Gottes verbunden.<\/p>\n<p>&#8222;Heimat&#8220; kann der Ackerboden f\u00fcr das sein, was im Leben ausges\u00e4t und geerntet wurde.<\/p>\n<p>II.<br \/>\nDas ist aber nur der halbe Gedanke.<\/p>\n<p>Der deutsche Philosoph Ernst Bloch hat einmal gesagt: Heimat ist der Ort, an dem wir noch nie waren.<\/p>\n<p>Er orientiert Heimat durch und durch nach vorne, in die Zukunft. Hin auf Hoffnung. Heimat ragt \u00fcber sich selbst und die eigene Person hinaus.<\/p>\n<p>Ich finde, dass wir heute den Begriff &#8222;Heimat&#8220; viel zu sehr aus der Vergangenheit heraus betrachten. Es wird suggeriert, man k\u00f6nne &#8222;Heimat&#8220; mit einer Herkunft oder einer leitenden Kultur festlegen. Dabei m\u00fcsste man nur mal schauen, welch unterschiedliche Heimaten die Menschen in diesem Haus haben, selbst wenn sie einen deutschem Pass haben&#8230;<\/p>\n<p>F\u00fcr Ernst Bloch ist Heimat der Ort, an dem wir noch nie waren &#8211; also ein Sehnsuchtsort, ein Ort f\u00fcr Utopien und Hoffnungen. An dem man sich zuk\u00fcnftig &#8222;beheimatet&#8220; niederlassen kann.<\/p>\n<p>Das hat fachliche und gesellschaftspolitische Sprengkraft: Was ben\u00f6tigen wir, dass Menschen gut alt sein k\u00f6nnen? Wie machen wir Pflege attraktiv? Wie k\u00f6nnen wir die Lebenserfahrungen alter Menschen als Schatz f\u00fcr eine alternde Gesellschaft sehen?<\/p>\n<p>Heimat an einem Ort suchen, an dem wir noch nie waren &#8211; das w\u00e4re vom Ansatz was ganz anderes, etwas Weites und Neues und weit mehr als ein aktionistisches politisches Sofortprogramm! Es w\u00e4re der Versuch, auch unsere eigenen Hoffnungen als J\u00fcngere f\u00fcr unser Alter so umzusetzen, dass wir uns auf eine gute Heimat im Alter hinbewegten &#8230;<\/p>\n<p>Wie wollen wir alt werden? Was beheimatet uns, unabh\u00e4ngig vom sp\u00e4teren Zuhause? Die Frage bleibt &#8211; ganz im Sinne Blochs &#8211; offenzuhalten, aber mit Sehnsucht!<\/p>\n<p>III.<br \/>\nBei Gott ist diese Sehnsucht mit einem Versprechen verbunden: Er denkt f\u00fcr uns Menschen weiter als in steinernden H\u00e4usern.<\/p>\n<p>Denn wir wissen: Wenn unser irdisches Haus, diese H\u00fctte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit H\u00e4nden gemacht, das ewig ist im Himmel.<\/p>\n<p>Nun wollen wir kein Haus abrei\u00dfen, sondern noch ein weiteres bauen&#8230; Der Vers ist f\u00fcr mich (heute) auch kein Beerdigungswort, sondern ein Geburtstagsgru\u00df f\u00fcrs Theodor-Fliedner-Haus.<\/p>\n<p>Denn das Paulus-Wort ist ein paulinisch gef\u00e4rbter Bloch-Gedanke: Auch Paulus denkt Heimat nach vorne in die Zukunft hinein. Aber noch viel weiter: Der Gedanken vom Haus, das nicht von unseren H\u00e4nden gemacht, ist in Raum und Zeit entgrenzt: Es geht um ein Haus im Himmel. Auf ewig. Von Gott geschenkt.<\/p>\n<p>Es ist uns eine Zeit und ein Ort versprochen, an dem sich Sehnsucht und Hoffnung durch Gott selbst erf\u00fcllen. Konkret male ich mir aus: Es wird keine Sorge mehr sein, ob ich in einem Altenheim noch eine neue Heimat finde. Oder ob ich dem Bewohner ein wirklich gutes Zuhause verschaffen kann. Keine Angst mehr, ob ich gesehen werde mit meiner Langsamkeit und Gebrechlichkeit. Oder ob ich die Lebensgeschichte des Bewohners wirklich h\u00f6re.<\/p>\n<p>Diese Sorgen und alles Bem\u00fchen wird an ein Ende kommen &#8211; ungeheuerlich! Aber eben so ungeheuerlich, dass wir im &#8222;irdischen Haus&#8220; die Kraft und Zuversicht haben, aufmerksam in diese Richtung zu gehen &#8211; bei allen Fehlbarkeiten und Unfertigkeiten &#8230;<\/p>\n<p>Theodor Fliedner, Namensgeber dieses Zuhauses, war ein frommer Pastor und ein unternehmerischer Diakonie-Gr\u00fcnder. Im 19. Jhd. baute er mit immenser Kraft in Kaiserswerth das Krankenhauswesen auf und erfand den Beruf der Diakonisse.<\/p>\n<p>Die Zukunftshoffnung des Glaubens klingt bei ihm ungemein gegenwartsbezogen. Er sagt einmal: \u201eOhne Christus haben wir im Leben keinen Frieden, im Tod keinen Trost, in unserer S\u00fcnde keine Vergebung.\u201c In Christus \u00f6ffnet sich Frieden, Trost, Vergebung &#8211; f\u00fcr jeden Tag neu &#8211; und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>IV.<br \/>\nAuch wenn das TFH aus guten Gr\u00fcnden kein &#8222;Heim&#8220; mehr ist und die &#8222;Heimat&#8220; der Bewohner oft woanders liegt: F\u00fcr mich kann es &#8211; im w\u00f6rtlichen Sinne &#8211; eine &#8222;Bleibe&#8220; sein, wo die Sch\u00e4tze des Lebens &#8222;bleiben&#8220;. Und ein irdisches Haus, in dem Humanit\u00e4t &#8222;beheimatet&#8220; ist &#8211; Humanit\u00e4t aus Glaube, Hoffnung und Liebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haus, Heim, Domizil, Residenz, Neu-Bau, &#8222;eine tolle H\u00fctte&#8220; &#8230; &#8211; es gibt viele Begriffe f\u00fcr das, was wir Heimat oder ein &#8222;Zuhause&#8220; nennen. In der Altenheim-Landschaft gibt es viele Begriffe, auch im Wandel der Zeiten: Hier befinden wir uns in im Theodor-Fliedner-Haus. Das alten Geb\u00e4ude an der Nimrothstra\u00dfe zierte noch der Schriftzug &#8222;Theodor-Fliedner-Heim&#8220;&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29,5],"tags":[],"class_list":["post-4303","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-diakonisch","category-predigten"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4303"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4303\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4305,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4303\/revisions\/4305"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}