{"id":430,"date":"2017-01-11T13:29:28","date_gmt":"2017-01-11T12:29:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=430"},"modified":"2017-01-11T13:29:28","modified_gmt":"2017-01-11T12:29:28","slug":"gute-ermahnungen-14-so-n-tr-2008-zu-1thess-514-24","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=430","title":{"rendered":"Gute &#8222;Ermahnungen&#8220; (14. So. n. Tr. 2008 zu 1Thess 5,14-24)"},"content":{"rendered":"<p>Zur Einf\u00fchrung habe ich viele Gr\u00fc\u00dfe in Briefform erhalten. Gute Ratschl\u00e4ge. Offenen oder indirekte Aufforderungen. Erwartungen. Liebesvolles, weil man uns kennt und mag, weil man Vertrauensvorschuss leistet.<!--more--><\/p>\n<p><strong>1. So. n. Trinitatis #1Thess 5,14-24(23)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonntag: 14. So. n. Tr.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ref. Kirche\/Lutherkirche Altena<\/strong><\/p>\n<p>Die Gemeinde in Thessaloniki erh\u00e4lt am Briefschluss des Briefes von Paulus auch Gr\u00fc\u00dfe. Wir kennen es von l\u00e4ngeren Briefen, dass man am Ende nochmals auf den Punkt kommt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>14 Wir ermahnen euch aber, liebe Br\u00fcder: [a] Weist die Unordentlichen zurecht, tr\u00f6stet die Kleinm\u00fctigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann.<\/em><\/p>\n<p><em>15 Seht zu, da\u00df keiner dem andern [a] B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.<\/em><\/p>\n<p><em>16 Seid allezeit fr\u00f6hlich, [a]<\/em><\/p>\n<p><em>17 betet ohne Unterla\u00df, [a]<\/em><\/p>\n<p><em>18 seid [a] dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.<\/em><\/p>\n<p><em>19 [a] Den Geist d\u00e4mpft nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>20 Prophetische Rede verachtet nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>21 [a] Pr\u00fcft aber alles, und das Gute behaltet.<\/em><\/p>\n<p><em>22 Meidet das B\u00f6se in jeder Gestalt.<\/em><\/p>\n<p><em>23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig f\u00fcr die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>I.<\/p>\n<p>Mit \u201eErmahnungen\u201c wird dieser Briefschluss oft \u00fcberschrieben. Doch \u00fcber die Brillengl\u00e4ser hinweg oder gar mit dem erhobenen Zeigefinger muten die Ratschl\u00e4ge beim zweiten Blick nicht an: Dazu hat Paulus hat die Thessalonicher viel zu sehr ins Herz geschlossen. Sie gelten als seine Lieblingsgemeinde, bei der er auf seiner zweiten Missionsreise durch Europa l\u00e4ngere Zeit aufgehalten hat und an die er schreiben kann: Ich wei\u00df Euch in einem guten Zustand: glaubenseifrig, gelassen, fr\u00f6hlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Fr\u00f6hlichkeit soll bleiben! \u2013 Die Menschen sollen ihr Leben heiligen. Daher die Ratschl\u00e4ge und Mahnungen, mitten in eine Zeit hinein, als der Anfangsschwung der ersten Jahre abebbt und die Christen der Hafen- und Handelsmetropole Thessaloniki zwischen alle St\u00fchle geraten: Ihr Glaube an Jesus, den Christus, scheidet sie von Heiden und Juden. Allt\u00e4gliche Reibereien dr\u00fccken auf die Glaubenszuversicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus reagiert und ermuntert: Bleibt standhaft! &#8211; Er kommt nicht mit einer hohen Kreuzestheologie wie sp\u00e4ter im R\u00f6merbrief, sondern mit einer einfachen Ethik f\u00fcr den Alltag: Heiligt Euer Leben, bleibt an Geist und Seele unversehrt! R\u00fcckt zusammen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Konkret meint das:<\/p>\n<p>Unordentliche \u2013 zurechtweisen!<\/p>\n<p>Mutlose \u2013 tr\u00f6sten!<\/p>\n<p>Schwache \u2013 tragen!<\/p>\n<p>Geduldig sein! Nicht B\u00f6ses mit B\u00f6sem vergelten! Sondern: Das B\u00f6se meiden!<\/p>\n<p>Fr\u00f6hlich sein! Beten!<\/p>\n<p>Dankbar sein \u2013 in allen Dingen!<\/p>\n<p>\u00dcber alle Punkte k\u00f6nnte man eine eigene Predigt halten. Summa sumarum: Pr\u00fcft alles, und das Gute behaltet!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Ob das auch eine \u00dcberschrift ist f\u00fcr unsere Gemeindesituation: Pr\u00fcfet aber alles \u2013 und behaltet das Beste? \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paulus und die Thessalonicher gehen von ganz anderen Voraussetzungen aus: Sie rechnen zu ihrer Zeit noch mit einer baldigen Wiederkunft des Auferstandenen. Heiligung des Lebens wird so etwas wie die letzte Vorbereitung f\u00fcr die entscheidende Gottesbegegnung, f\u00fcr den Moment, wenn die Toten auferweckt und alle Lebenden in die Wolken des Himmels entr\u00fcckt werden (4,17).<\/p>\n<p>N\u00fcchtern m\u00fcssen wir heute konstatieren: Paulus hat sich geirrt. Das Erl\u00f6sung der Welt steht noch aus. Christus ist noch nicht wiedergekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Taugt die Ethik des 1Thess \u2013 das Leben zu heiligen, alles zu pr\u00fcfen und das Gute zu behalten \u2013 vielleicht nur f\u00fcr die damals angenommene kurze Zwischenzeit zwischen Ostern und der Wiederkunft Christi? Eine solche \u201eInterimsethik\u201c ist auch der Bergpredigt zugemessen worden. Das Problem dabei: Es wird so getan, als ob eine Orientierung an Jesus, dem Christus, nur kurzfristig zumutbar w\u00e4re. Die Geschichte zeigt aber, dass es immer Menschen gegeben hat, die alles gepr\u00fcft und das Gute im Sinne Jesu behalten und zu leben versucht haben: die getr\u00f6stet, die Schwachen getragen haben, die Geduld aufgebracht haben \u2026 Ich denke in diesem Zusammenhang an Johann Hinrich Wichern, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird: Er gr\u00fcndete in Hamburg das Raue Haus, nahm in Not geratene Kinder und Jugendliche auf. Er hat nicht einen Gedanken daran verschwendet, dass solche \u201eTugendkatalog\u201c wie am Ende des 1Thess nur f\u00fcr die letzten Tage gelten k\u00f6nnten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir fallen f\u00fcr heute konkrete Dinge ein, wo wir Gutes bewahren \u2013 aber auch das B\u00f6se meiden k\u00f6nnen: M\u00fcssen wir uns am Fernsehschirm unbedingt daran erg\u00f6tzen, wie so genannte Sozialfahnder Hartz-IV-Empf\u00e4nger auf Leistungsmussbrauch abklopfen? Sind die wirklichen Sozialbetr\u00fcger nicht eher in Lichtenstein zu suchen, auch wenn ihre Jagd kein taugliches TV-Format darstellt?<\/p>\n<p>\u201eSchwache zu tragen\u201c, hei\u00dft f\u00fcr mich an diesem Beispiel konkret, deutlich zu sagen, dass es hier wohl kaum um \u201eGerechtigkeit\u201c geht, wie SAT 1 behauptet, sondern darum, im billigen Privatsender-Stil in Not und Armut geratene Menschen vorzuf\u00fchren und zu diffamieren. Und auf ihre Kosten Quote zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Wir merken: Uns heute mag es wohl \u2013 im Vergleich zu den Thessalonichern \u2013 weniger darum gehen, uns auf die baldige Wiederkunft Jesu vorzubereiten. Sondern: Der Text gibt uns heute Orientierung, wie wir die Welt, die noch auf Erl\u00f6sung wartet, in Sinne Jesu gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft nicht, dass wir nicht mit Gottes Gegenwart rechnen sollten oder nicht auf die Wiederkunft Christi hoffen k\u00f6nnten. Es geht um ein stetiges Wachsen zu dem hin, der das Haupt ist, n\u00e4mlich Christus (Eph).<\/p>\n<p>\u201eBetet ohne Unterlass!\u201c \u2013 Im \u201eVater unser\u201c beten wir immer noch \u201eDein Reich komme\u201c \u2013 das ist weiterhin die Vision. Es bedarf heute also der Geduld und des Wartens. Wir harren aus, so wie sieben klugen Jungfrauen \u00d6l aufbewahren, um auf den Br\u00e4utigam zu warten (Mt 25).<\/p>\n<p>Das Gebet um den Lauf des kommenden Himmelreiches verstummt nicht. Die Geduld unseres liturgischen Sprechens, die ewige Wiederholung der hoffnungsvollen Worte \u201eDein Reich komme\u201c bewahrt die Verhei\u00dfung auf eine Zeit, in das Gute f\u00fcr alle Menschen Wirklichkeit wird. So wahr, wie wir mit jedem \u201eVater unser\u201c um mehr bitten, als wir begreifen und selber erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pr\u00fcft aber alles, und das Beste behaltet! Wir neuen Pfarrer haben viele Briefe erhalten, mit Gr\u00fc\u00dfen und Ratschl\u00e4gen. Alles ist nicht zu leisten, sagt Paulus in seinem Gru\u00df an die Thessalonicher, aber manches kann <em>gepr\u00fcft <\/em>werden. G<em>emeinsam<\/em> werden wir hier zu \u00fcberlegen haben, was das Gute ist und was wir behalten wollen! Und \u2013 und das kann ja auch eine Entlastung sein, was wir hinter uns lassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir Pfarrer haben viel Vertrauensvorschuss erfahren, in jedem Gru\u00df, der uns erreichte. So \u00e4hnlich, wie Paulus auch der Gemeinde in Thessalonich einen immensen Vertrauensvorschuss geleistet hat. Das ist die Grundlage f\u00fcr jedes Miteinander: Vertrauen. Erst dann kann Paulus seine Gemeinde \u201eermahnen\u201c, ohne moralisch zu werden. Erst durch die Freude \u00fcber den vorhandenen Glauben kann Paulus davor warnen, dass der Glaube gef\u00e4hrdet ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir kennen alle solche Situationen, wo wir es eher beim freundlichen, unverbindlichen Ton belassen: bei dem magers\u00fcchtigen M\u00e4dchen, dass immer d\u00fcnner wird; bei dem alten Nachbarn, der immer hilfloser seinen Alltag fristet\u2026 Und wie schwer uns ein ehrliches Wort, eine gut gemeinte Mahnung f\u00e4llt, wenn wir vorher nicht eine Beziehung und gegenseitiges Vertrauen aufgebaut haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Greifen wir \u2013 bildlich gesprochen \u2013 Paulus zu Papier und Feder: Begegnen wir einander wie Geschwister, die sich vertrauen, und sich daher auch offen \u201emahnen\u201c k\u00f6nnen. Ringen wir um das Gute!<\/p>\n<p>Und: Lasst uns allezeit fr\u00f6hlich sein vor unserem Gott!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Einf\u00fchrung habe ich viele Gr\u00fc\u00dfe in Briefform erhalten. Gute Ratschl\u00e4ge. Offenen oder indirekte Aufforderungen. Erwartungen. 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