{"id":424,"date":"2017-01-11T13:19:54","date_gmt":"2017-01-11T12:19:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=424"},"modified":"2017-01-11T13:19:54","modified_gmt":"2017-01-11T12:19:54","slug":"gast-am-tisch-des-herrn-gruendonnerstag-2008-zu-hebr-210-18","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=424","title":{"rendered":"Gast am Tisch des Herrn (Gr\u00fcndonnerstag 2008 zu Hebr 2,10-18)"},"content":{"rendered":"<p>Wer ist eigentlich zum Abendmahl zugelassen? &#8211; Kinder? \u2013 Oft hei\u00dft es, sie sollen erst verstehen, was dort passiert, bevor sie eingeladen sind. Aber in der Liturgie sprechen wir Erwachsenen dann \u201eGeheimnis des Glaubens\u201c \u2013 und r\u00fchmen uns, es selbst nicht verstehen zu k\u00f6nnen!<!--more--><\/p>\n<p><strong>Predigt Gr\u00fcndonnerstag Luther-Kirche Altena<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jesus, der Bruder im Abendmahl (Hebr 2,10-18)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8211; der von aller Schuld gereinigte S\u00fcnder? Fr\u00fcher ging man n\u00fcchtern zum Abendmahl (bricht das Fasten); ein langes S\u00fcndenbekenntnis vor dem Mahl war erforderlich \u2013 aber: Ist nicht das Mahl an sich S\u00fcndenvergebung und Reue? Sollte nicht gerade der, der sich schuldig f\u00fchlt, kommen, anstatt ausgeschlossen zu werden?<\/p>\n<p>&#8211; Getaufte (Kirchenordnung!)! \u2013 Jahrhunderte lang war die Taufe am Ende des Lebens. Nicht nur Ostdeutschland stellt sich die Frage: Sind wir nicht froh \u00fcber jeden, der in die Gottesdienste kommt und vorsichtig eine Gottesbeziehung aufbaut?<\/p>\n<p>&#8211; \u201enur Katholische\u201c (katholische Kirche)? Erst sollen die Kirchen wieder eine Kirche werden, bevor Abendmahlsgemeinschaft m\u00f6glich ist. Aber: Dr\u00fcckt sich nicht genau am Tisch des Herrn bruchst\u00fcckhaft die bereits vorhandene Einheit der Kirche aus?<\/p>\n<p>&#8211; vor 75 Jahren: \u201eKeine getauften Juden\/Judenchristen\u201c! Anfang April: Boykott j\u00fcdischer L\u00e4den, Verabschiedung des Arierparagraphen \u2013 und teilweise \u00dcbernahme in der Kirche. Nicht mehr die Taufe, sondern die Rasse soll \u00fcber die Kirchenmitgliedschaft\/die Abendmahlszulassung entscheiden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer ist zum Abendmahl zugelassen? &#8211; Der Gr\u00fcndonnerstag gibt schon allein mit seinem Namen eine schlichte Antwort: Gr\u00fcn-Donnerstag hat nichts mit der Farbe \u201egr\u00fcn\u201c zu tun, sondern mit dem mittelhochdeutschen Wort \u201egronan\u201c. Es bedeutet soviel wie \u201egreinen\u201c, also weinen, traurig sein, schluchzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um den Abendmahlstisch herum sitzen oder stehen die Weinenden, die Traurigen, die Schluchzenden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie lapidar erz\u00e4hlt das MtEv vom letzten Abendmahl Jesu (Mt 25,17-30). Dramatisch ist aber die Situation: Judas hat Jesus verraten; das Ende, der Tod naht. Jesus ahnt das. Und trotzdem \u2013 oder: gerade deshalb? \u2013 versammelt er nochmals die zw\u00f6lf J\u00fcnger um den Tisch. Sie essen und trinken zusammen, wie sie es so h\u00e4ufig auf dem Weg von Galila\u00e4 nach Jerusalem gemacht haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch einiges ist anders: Es hocken doch ehre die Greinenden zusammen. Am Vorabend des Passahfestes, wo sich das Volk Israel eigentlich vorbereitet auf das Freudenfest vom Auszug aus \u00c4gypten, da sind sie alle in h\u00f6chster Sorge: die Fischer, die ihren Beruf, ihre Familie, ihr bisheriges Leben aufgaben, um ihm nachzufolgen \u2013 und nun vor dem Nichts stehen: Was sollen sie ohne Jesus tun? Wird ihnen das gleiche Schicksal drohen? Bedeutete Nachfolge tats\u00e4chlich und buchst\u00e4blich, sein Kreuz auf sich zu nehmen und Jesus bis in die Tod zu folgen? \u2013 Was wird Judas in diesem Moment denken, der ihn verraten hat? Wie muldig ist es dem Petrus, der ihn wenig sp\u00e4ter verleugnet?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Abendmahlsrunde: ein Rund von Besorgten, M\u00fchseligen \u2013 keine fein Hergemachten und Herausgesch\u00e4lten. Wohl auch nicht eine feierliche Umgebung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was \u00e4ndert und bewirkt diese Erkenntnis \u2013 dass das Abendmahl eine Fest der Greinenden sein darf? Was sagt es \u00fcber Jesus, den Christus? Was sagt es \u00fcber uns?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><em> Wir m\u00fcssen nicht stark sein, wenn wir zum Abendmahl kommen, sondern bereit sein, uns st\u00e4rken zu lassen.<\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Denn Jesus hat gerade diejenigen zu Tisch gebeten, die dem Weinen und Schluchzen nahe waren: die Z\u00f6llner. Die Ausgesto\u00dfenen. Er hat sie zur\u00fcck in die Mitte der Gesellschaft und des Lebens geholt.<\/p>\n<p>Von dieser Beziehung lebt das Abendmahl noch heute: von der helfenden, ja rettenden Liebesbeziehung, die Jesus zu seinen Lebzeiten vorgelebt hat.<\/p>\n<p>Heute ist Jesus, der Christus, Geber und Gabe unseres Abendmahls. Das Abendmahl kann nie eine Sache sein, kein heiliges Ding, und entscheidend ist nicht irgendeine Substanz, sondern: eine (in eine Gleichnishandlung gefasste) Liebeserkl\u00e4rung Gottes, die an Jesus, seinen Sohn erinnert und ihn gegenw\u00e4rtig sein l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Auch heute weht bei unserem Mahl der Geist der bedingungslosen Zuwendung und Jesu Liebe zu den Verlorenen. Da steht nicht nur das Positive im Raum, sondern gerade das, was uns belastet. Nicht unsere vermeintliche St\u00e4rke ist Voraussetzung, sondern die ge\u00f6ffnete Hand, zu empfangen.<\/p>\n<p>Am Ende verliert Jesus selbst seine St\u00e4rke und wird als Weinender beschrieben: klagend und zagend im Garten Gethsemane, gottverlassen am Kreuz. Ihm ist nichts erspart geblieben. Er brauchte wohl selber die Gemeinschaft mit seinen J\u00fcngern. Gerade deshalb kann die Vergegenw\u00e4rtigung seines Leiden zum Trost, zum Antrieb und zur Energie werden, den eigenen Weg durchzustehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><em> Das Abendmahl bleibt die Urhandlung einer diakonischen Gemeinde. <\/em>Das Abendmahl st\u00f6\u00dft uns auf unsere Lebensm\u00f6glichkeiten: Elementar: Essen und Trinken, k\u00f6rperliche Nahrung. Darin: heilende Gemeinschaft, auch: gemeinsame Schicksalsgemeinschaft, die den anderen st\u00fctzt und tr\u00e4gt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In der Welt der Ellenbogen, der Aktienkurse, der Schnelllebigkeit \u2013 da ist das Abendmahl ein Moment voller Achtsamkeit, ein Moment des F\u00fcr-einander-Veranwortlich-Werden und -Bleiben. Das Abendmahl ist auch Protest: Denn eigentlich zeigt es ja, dass das Zusammenleben auch anders geht: solidarisch, behutsam, achtsam, friedlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><em> Von Ostern her ist dieses letzte Abendmahl Trost und das Aufrichten der Greinenden. <\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>Im Nachhinein hat dieses Abendmahl am Gr\u00fcndonnerstag doch seine Parallele zum freudigen j\u00fcdischen Passah. Israel feiert die Befreiung aus \u00c4gypten. Wir feiern mit Blick auf die Auferstehung beim Abendmahl die kommende Welt Gottes. Dieses Reich Gottes bricht sich schon mitten unter uns ihre Bahn \u2013 beispielsweise im Abendmahl: uneingeschr\u00e4nkte Gemeinschaft mit Gott und untereinander; das Ende von Habgier und Konkurrenz; die Bedeutungslosigkeit gesellschaftlicher Ungleichheit von Armen und Reichen, Freien und ihre Herren, die alle an einem Tische friedlich speisen und genug haben. Und die weit reichenste Sehnsucht schlie\u00dflich: dass Gott abwischen alle Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde,<\/p>\n<p>wer ist zum Abendmahl zugelassen? &#8211; Es geht im theologischen Sinne nicht um Bedingungen, die man vorher zu erf\u00fcllen h\u00e4tte, um an den Tisch des Herrn zu treten. Es geht allein um diese Sehnsucht nach einer Welt, wie Gott sie verspricht. Um einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes im w\u00f6rtlichen Sinne.<\/p>\n<p>Es geht um die Frage, ob ich Gott traue, dass er mir helfen kann, wenn ich aus der Tiefe zu ihm rufe. Ob ich ich bereit, von mir wegzublicken und mich von der Mahl-Gemeinschaft tragen zu lassen. Das gilt besonders, wenn ich z\u00f6gerlich und zweifelnd komme, selbst wenn ich vielleicht zun\u00e4chst einmal genauso wieder gehe. Vielleicht bin ich sogar bereit, zum Tisch zu kommen, wenn ich Schuld sp\u00fcre, einen Neuanfang wagen m\u00f6chte, der aber \u00fcber meine Kr\u00e4fte hinausgeht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sind nicht meine Worte als Pastor, nicht die Worte der Kirche, sondern die des Auferstandenen selbst, die uns einladen: Nehmt und esst! Nehmt und trinkt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer ist eigentlich zum Abendmahl zugelassen? &#8211; Kinder? \u2013 Oft hei\u00dft es, sie sollen erst verstehen, was dort passiert, bevor sie eingeladen sind. 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