{"id":418,"date":"2017-01-11T13:02:48","date_gmt":"2017-01-11T12:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=418"},"modified":"2017-01-11T13:02:48","modified_gmt":"2017-01-11T12:02:48","slug":"andacht-in-unsere-kirche-10-so-n-trinitatis-2006-zu-jes-626-12","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.dietmar-kehlbreier.de\/?p=418","title":{"rendered":"Andacht in &#8222;Unsere Kirche&#8220; (10. So. n. Trinitatis 2006 zu Jes 62,6-12)"},"content":{"rendered":"<p>Kein Stein bleibt auf dem anderen: Wenn Krieg ist, trifft es immer die Bev\u00f6lkerung und die St\u00e4dte, sei es heute in Nahost, sei es zur biblischen Zeit, als Israel 586 v. Chr. Opfer der Babylonier wird. Dort ist am Ende der Tempel zerst\u00f6rt, die Heilige Stadt liegt in Schutt und Asche, das Volk muss ins Exil. Israel ist von der Landkarte getilgt. Was heute Drohung ist, wird damals Realit\u00e4t und hat sich als Schmerz und Furcht ins kollektive Ged\u00e4chtnis eingebrannt. Bis heute.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>6 Ich habe W\u00e4chter auf deine Mauern gestellt, Jerusalem! Weder bei Tag noch bei Nacht soll ihr Ruf verstummen. Ihr W\u00e4chter seid dazu bestimmt, den HERRN an Jerusalem zu erinnern! Ihr d\u00fcrft euch keine Ruhe g\u00f6nnen,<\/p>\n<p>7 und ihr d\u00fcrft Gott keine Ruhe lassen, bis er Jerusalem wiederhergestellt und so herrlich gemacht hat, dass alle Welt es r\u00fchmt.<\/p>\n<p>8 Der HERR hat geschworen, und er hat die Macht, es auszuf\u00fchren: \u00bbEuer Korn sollen nicht mehr Feinde essen, und euren Wein nicht mehr Fremde trinken, die nicht daf\u00fcr gearbeitet haben.<\/p>\n<p>9 Wer die Ernte einbringt, soll auch das Brot essen, und wer die Trauben liest, soll auch den Wein trinken. Ihr werdet davon im Vorhof meines Tempels essen und trinken und mich dabei preisen.\u00ab<\/p>\n<p>10 Ihr Bewohner Jerusalems, zieht hinaus durch die Tore eurer Stadt! Bahnt einen Weg f\u00fcr das heimkehrende Volk! Baut eine Stra\u00dfe, r\u00e4umt die Steine aus dem Weg! Richtet ein Zeichen auf, dass die V\u00f6lker es sehen!<\/p>\n<p>11 Auf der ganzen Erde l\u00e4sst der HERR ausrufen: \u00bbSagt der Zionsstadt: &#8218;Deine Hilfe ist nahe! Der HERR kommt, und er bringt das Volk mit, das er befreit hat.&#8217;\u00ab<\/p>\n<p>12 Es wird \u00bbGottes heiliges Volk\u00ab genannt werden, \u00bbdas Volk, das der HERR gerettet hat\u00ab. Du selbst aber hei\u00dft dann \u00bbdie Stadt, die Gott liebt\u00ab, \u00bbdie Stadt, die er wieder angenommen hat\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drei Generationen sp\u00e4ter der n\u00e4chste Schock, als die Ersten nach Jerusalem zur\u00fcckkehren: Kriege enden nicht im Frieden \u2013 tats\u00e4chlich ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Dabei wollte Gott doch Jerusalem wieder aufrichten: \u201eF\u00fcrchte dich nicht, du W\u00fcrmlein Israel\u2026 Ich helfe dir, spricht der Herr\u201c (Jesaja 41,14). Doch die Hoffnung auf einen raschen Tempel-Neubau zerschl\u00e4gt sich. Die Kriegsfolgen lassen sich nicht schnell kitten.<\/p>\n<p>Nach welcher Ordnung soll das Leben wieder beginnen? Was bietet Gott an in dieser Situation? Die Hoffnung auf das \u201eNeue Jerusalem\u201c schweift weit in die Ferne, bis an die Schwelle, an der Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen will (Jesaja 65): <em>Dann <\/em>bauen die Menschen (wieder) H\u00e4user und bepflanzen ihre Weinberge. <em>Dann<\/em> soll es keine Kinder geben, die fr\u00fch sterben (gedacht sei an die toten Kinder in Nahost!). <em>Dann <\/em>weiden selbst Wolf und Schaf friedlich beieinander. Aber wie lange ist es noch bis dahin? Zu lange, bis die Wunden heilen!<\/p>\n<p>Was also ist sofort zu tun, damit \u00fcber Jerusalem die \u201eHerrlichkeit Gottes\u201c aufgeht (Jesaja 60,1), d.h. eine Stadt entsteht, f\u00fcr die Gott will, dass es den Menschen gut geht und sie unbesorgt und mit Freude leben k\u00f6nnen? \u2013 Der Prophet leitet zwei konkrete \u201eMa\u00dfnahmen\u201c ein: Zum einen setzt er W\u00e4chter auf den Stadtmauern ein. Sie sollen pausenlos die Menschen (und Gott selbst!) daran erinnern, dass Gott Frieden vorhat mit seinem Volk und mit allen, die mit ihm leben wollen. Auch wenn es keinen Tempel mehr gibt: \u201eGott hat sein Volk nicht versto\u00dfen\u201c (Titel der Hauptvorlage \u201eChristen und Juden\u201c). Selbst in Tr\u00fcmmern kann neues Leben beginnen, wenn man die Kriegslogik umkehrt und dem traut, was Gott verspricht: Nicht mehr die Feinde essen vom Getreide, sondern wer es ges\u00e4t hat, soll selber ernten. Wer die Trauben liest, der soll den Wein trinken.<\/p>\n<p>Zum anderen ein doppelter Appell: \u201eR\u00e4umt die Steine aus dem Weg!\u201c Wo kein Stein auf dem anderen blieb, soll die Stadt wieder wohnbar gemacht werden. Gott braucht f\u00fcr das \u201eNeue Jerusalem\u201c Helfer, die f\u00fcr ein friedliches Zusammenleben die \u201eAltlasten\u201c wegr\u00e4umen. Sie sollen \u2013 ganz banal \u2013 den Schutt abtragen und den Heimkehrenden entgegengehen, damit diese nicht der Schlag trifft. Und: \u201eRichtet ein Zeichen auf f\u00fcr die V\u00f6lker!\u201c Die ganze Welt soll sehen, dass Jerusalem auf dies Weise eine Stadt wird, die Gott liebt.<\/p>\n<p>Welche \u201eZeichen\u201c k\u00f6nnten heute aufgerichtet werden? Einmal mehr braucht es die Friedliebenden in den Religionen, die neu wiederholen: Im Namen ihres Gottes kann kein Krieg gef\u00fchrt werden. \u00dcber politische Diktionen hinweg ist Verst\u00e4ndigung und Dialog m\u00f6glich sind, wie es Libanesen und Israelis in den Internetforen zeigen. Das Spiel von Gewalt und Gegengewalt macht beide Parteien zum Verlierer.<\/p>\n<p>Jerusalems Geschichte zeigt, wie schmerzhaft Tr\u00fcmmer bleiben: Vom zweiten Tempel blieb den Juden nur die \u201eKlagemauer\u201c, umrahmt von der Grabeskirche der Christen und dem Felsendom der Muslime \u2013 ein Sinnbild f\u00fcr eine zusammenger\u00fcckte, aber gleichzeitig spannungsgeladene Welt. Was anders als Frieden ist der Weg in die Zukunft? \u2013 Am Israelsonntag zeigt sich f\u00fcr mich die Solidarit\u00e4t mit Israel genau darin, mit auf der W\u00e4chter-Zinne zu stehen und Gott und Mensch in den Ohren zu liegen: dass Frieden werde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gebet:<\/strong><\/p>\n<p>Wir beten f\u00fcr alle Menschen und V\u00f6lker im Nahen Osten, insbesondere f\u00fcr die, die durch die gegenw\u00e4rtigen Kampfhandlungen an Leib und Seele verwundet sind, und f\u00fcr die, die den Verlust von Angeh\u00f6rigen und Freunden beklagen.<\/p>\n<p>Wir beten f\u00fcr Juden, Christen und Muslime, dass sie das Friedenspotential ihrer jeweiligen Religion neu entdecken und f\u00fcr ihr Zusammenleben mit anderen fruchtbar machen.<\/p>\n<p>Wir beten f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten, bei uns selbst und in der Welt.<\/p>\n<p>(aus dem EKD-Gebetsaufruf)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dietmar Kehlbreier <\/strong>(33) ist Pfarrer im Institut f\u00fcr Aus-, Fort- und Weiterbildung der EKvW in Villigst und lebt in Schwerte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Stein bleibt auf dem anderen: Wenn Krieg ist, trifft es immer die Bev\u00f6lkerung und die St\u00e4dte, sei es heute in Nahost, sei es zur biblischen Zeit, als Israel 586 v. 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